Porträt

laut.de-Biographie

Scott Storch

Ein Raunen ging durch die Hip Hop-Community bei der Bekanntgabe des Grammy-Gewinners 2005 für den besten Hip Hop-Produzenten des Jahres. Der Sieg eines Mannes schien so gut wie sicher, doch es kam anders. Obwohl der tatsächliche Gewinner, DJ Danger Mouse, mit seinem "Grey Album", einem Bastard aus Jay-Zs "The Black Album" und dem "White Album" der Beatles, einen Überraschungscoup geliefert hatte, konnte er die Single des Jahres, vielleicht den Track des Jahrzehnts nicht für sich verbuchen. Der stammte aus der Feder eines anderen Produzenten: Scott Storch. Der hatte mit Terror Squads "Lean Back" den absoluten Überhit gelandet und war mit nicht weniger als einem Dutzend Krachern, unter anderem von Mario, 50 Cent, Beyoncé oder Lil Kim in den Charts der Welt vertreten.

Scott Storch steht im beginnenden neuen Jahrtausend auf einer Stufe mit den Top-Produzenten des Genres: Kanye West, Just Blaze, dem Doktor höchstpersönlich und den Neptunes. Die gleiche Intensität des Rampenlichts genießt er jedoch nicht. Vielmehr vermeidet der hellhäutige Jude aus gutem Hause, der äußerlich so gar nicht in die Reihe der oben Genannten passen will, das Spotlight. Der 1973 geborene Storch verbringt seine Zeit lieber mit seinen zwei Kindern in seiner 6,5 Millionen Dollar-Villa in Florida.

Die Geschichte von Scott Spencer Storch beginnt im beschaulichen Halifax. Schon in jungen Jahren sitzt der kleine Junge am Klavier, klimpert Melodien und entschließt sich dazu, professioneller Musiker zu werden, als er von einem Bekannten für eine kleine Performance bezahlt wird. Die Ambitionen sind groß und die Musikstadt Philadelphia nicht weit. Als Studiomusiker macht er seine ersten Schritte, die ihn mit blutjungen 18 Jahren bereits mit einer Hip Hop-Band zusammenbringen, die später einmal gar nicht so mit seinem Produktionsstil zusammenpassen will: The Roots. Schwer zu glauben, aber wahr. Auf dem Debütalbum "Organix" steht Storch hinter den Keys. Die Chemie stimmt und Storch darf sich sogar zeitweise als vollwertiges Mitglied der Crew bezeichnen.

Doch die Wege trennen sich. The Roots tauchen tiefer in die Welt der Soulquarians und von The Ummah ein, während sich Storch auf den Weg an die Westküste macht. Sein Ziel: das Studio von Vorbild Dr. Dre. Dre empfängt den talentierten jungen Mann mit offenen Armen. Wir schreiben das Jahr 1999 und Dre ist gerade schwer mit der Produktion seines Albums "Chronic 2001" beschäftigt, für das Storch kurzerhand den Großteil des Songs "Still D.R.E." einspielt. Der Beginn einer großen Karriere.

Von einer Minute auf die andere stehen die wohlklingenden Namen der Black Music-Szene Schlange. Ein Auszug gefällig? Bitteschön: Eve, Xzibit, Nelly, Beyoncé, D-12, Lil Kim, Mario, Chris Brown, Sean Paul, Busta Rhymes, DMX, Fabolous, 50 Cent mitsamt seiner G Unit-Crew, Missy Elliot, Mobb Deep, Method Man & Redman, Mystikal, Boyz II Men, Slum Village, Onyx, Angie Martinez, Ginuwine, Ja Rule, Memphis Bleek, Jadakiss, Trick Daddy, Twista, Chamillionaire, Ice Cube, Jaheim, Juvenile, LL Cool J, Jae Millz, Remy Ma, Kelis, Beenie Man, Jurassic 5, Ludacris, 2Pac, T.I., R. Kelly, The Game, Kevin Lyttle und Duzende andere. Scott Storch avanciert zur Hitmaschine im Fließband-Style.

Dabei spielt er eine Karte aus, die einen großen Teil seines Erfolgs ausmacht. Erstens schert er sich nicht nur innerhalb des Black Music-Genres nicht um Grenzen - aus seiner Feder stammen Songs wie The Roots "You Got Me" und Busta Rhymes "Break Ya Neck"! Zweitens hat er kein Problem damit mit dem Pop-Genre zu kokettieren. Lange bevor eine Christina Aguilera auf DJ Premier-Beats trällern darf, macht Storch bereits gemeinsame Sache mit Popkünstlern wie Mariah Carey, Justin Timberlake, Christina Aguilera, Shaggy, Janet Jackson, Pink oder Ricky Martin.

Das hält ihn aber nicht davon ab, weiterhin die Hip Hop-Freunde mit ordentlichen Brettern zu versorgen. Bestes Beispiel ist dafür das angesprochene "Lean Back", das 2004 die Heads weltweit nicken lässt. Respekt bekommt er 2005 außerdem für die Single "Lighters Up" von Lil Kim, mit der Storch eine zeitlang nicht nur das Studio, sondern auch das Bett teilt. Mittlerweile gehört Storch nicht nur zur Speerspitze der Musikproduzenten, sondern auch zu den absoluten Großverdienern. Für einen Beat aus dem Produzentenbüro Storchs - mit Namen Tuff Jew Productions - muss man zwischen 70.000 und 90.000 Dollar locker machen. Bei der oben genannten Liste kommt da einiges zusammen. Storchs Vermögen wird auf schlappe 70 Millionen geschätzt. Ein kleines finanzielles Polster, das nach Abenteuer schreit.

Gesagt, getan. Hat Storch bis jetzt auf bereits erfolgreiche Popkünstler/ Musiker gesetzt, versucht er sich im Jahr 2006 am Projekt "Celebrity-Kind wird Sängerin". Dafür sucht er sich keine Geringere als Hotelerbin Paris Hilton aus, für die er die Produktion ihres Debütalbums übernimmt. Neben einem nachgesagten Techtelmechtel steht das selbst betitelte Werk im Sommer des gleichen Jahres in den Läden und steigt auf einem respektablen 18. Platz der Billboardcharts ein. Und was bei Paris geklappt hat, sollte doch eigentlich auch mit Hulk Hogans Tochter Brooke funktionieren. Neben der Arbeit an deren Debüt vergisst Storch jedoch nicht, seine Verpflichtungen bei den realen Rap-Kollegen einzulösen. Storch gehört nämlich zum erlauchten Produzentenkreis, die den Rücktritt vom Rücktritt des Meisters Jay-Z instrumentieren dürfen.

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