Porträt

laut.de-Biographie

Slum Village

Im Jahr des Herrn 2000 gelten Slum Village als die legitimen Nachfolger von A Tribe Called Quest, De La Soul und der Jungle Brothers. Hungrige Jungspunde, die die Fackel des Native Tongue-Gedankens in die Welt der Plastik-Gangster tragen. Einige Personalveränderungen und die schwierige Suche nach der eigenen Identität vereiteln jedoch den Gang an die Spitze der zweiten Native Tongue-Generation.

An der Detroiter Pershing High School lernen sich die angehenden Rapper Baatin (Titus Glover), T3 (bürgerlicher Name: RL Altmann III) und James Yancey aka Jay Dee (bei dem sich später noch ein Talent fürs Produzieren herausstellen soll) kennen. Wie so oft stimmt die Chemie, und wie nicht ganz so oft, kommt das Trio mit dem richtigen Leuten in Kontakt und landet 1998 auf den Bühnen Amerikas als Vorband der legendären Tribe Called Quest.

Löwenanteil an dieser karrierefördernden Chance hat das produzierende Mastermind der Gruppe Jay Dee, der als Teil des Produzenten-Kollektivs The Ummah später für wohlklingende Namen wie Q-Tip, A Tribe Called Quest, D'Angelo, The Pharcyde, De La Soul und Common die Knöpfchen bei dem einen oder anderen Klassiker des Genres dreht.

Fans akquirieren sie also schon von der Bühne aus. Fehlt nur noch ein Debütalbum. Das lässt jedoch - durch Labelpolitik bedingt - weitere zwei Jahre auf sich warten. "Fantastic, Vol.2" (2000) hinterlässt - neben der Begeisterung für die souligen Beats und die überzeugenden Reime des Trios (auch Jay Dee rappt) - gleich eine Frage. Aufmerksame Beobachter wundern sich: Was ist mit "Fantastic, Vol. 1" passiert? Probleme mit der ungeliebten Musikindustrie haben den ersten Teil schlichtweg verschluckt. Davon sind nicht nur die neu gewonnenen Fans enttäuscht, sondern auch Slum Village selbst.

Kurzerhand legen sich die drei übergangsweise den neuen Namen J-88 zu und veröffentlichen nur einen Monat nach ihrem Debüt das Kurzalbum "Best Kept Secret". Neben Songs des heftig gebootlegten echten "Fantastic, Vol.1" sind darauf Remixe und einige neue Songs zu finden.

2001 verlässt Jay Dee Slum Village, um den Weg des allseits hochgelobten Produzenten alleine zu gehen. Zum Nachfolgealbum "Trinity (Past, Present and Future)" steuert er aber noch drei Beats bei. Auf dem Rest der Platte merken die vorwiegend enttäuschten Hörer, dass mit Jay Dee ein ganz wesentlicher Teil der Truppe verloren gegangen ist. Daran ändert auch der neu dazu gestoßene Rapper Elzhi nichts, auch wenn sein klarer Flow den Slum Village-Sound erweitert.

Aus der Not macht das neue Trio schließlich eine Tugend und bezeichnet sich fortan als ein fließendes Künstlerkollektiv, das seine Mitglieder in seiner Entwicklung ständig wechselt. Nicht wenige sehen darin eine hilflose Ausrede. Besonders, als bald darauf Rapper Baatin aus diesem Kollektiv ausscheidet. Der Grund: Ärzte diagnostizieren Schizophrenie, die eine weitere Zusammenarbeit unmöglich macht.

Zum Duo geschrumpft, lassen T3 und Elzhi 2004 den Detroiter Lokalpatriotismus hoch leben und versuchen, auf ihrem selbst gegründeten Label Barak Records, die vergraulten Fans mit "Detroit Deli: A Taste Of Detroit" wieder an sich zu ziehen. Trotz tatkräftiger Unterstützung von Überproduzent Kanye West, Neo-Soul-Chanteur Dwele und der vielversprechenden Produktionsarbeit der Nachwuchsmusiker Black Milk und Young RJ gelingt das nur bedingt. Die Zeiten der Native Tongue-Affinität sind vorbei, und außer der ersten Single "Selfish" (produziert von Kanye West) zündet das Album weder in den Charts noch bei den Underground-Heads.

Da ist es um so verwunderlicher, dass T3 und Elzhi nur ein Jahr später ein selbst betiteltes und sehr gelungenes Album mit feinstem, soullastigen Wohlfühl-Hip Hop auf den Markt werfen. Das Best Of-Mixtape "Prequel To A Classic" kündigt die erfreuliche Wende nur zwei Monate vor dem Release von "Slum Village" an. Slum Village orientiert sich wieder an der Vergangenheit, ohne dabei die eigenen Stärken zu vergessen. Heads weltweit können es kaum erwarten, bis dies auch der ehemalige Kopf der Crew - Jay Dee - erkennt.

Doch Jay Dee verstirbt am 10. Februar 2006 nach langer Krankheit und hinterlässt die Hip Hop-Gemeinde in tiefer Trauer. So auch T3 und Elzhi, die sich den Trauerbekundungen der Rap-Welt anschließen. "Es geht zur Zeit etwas sehr Seltsames in unserem Universum vor", wundert sich Busta Rhymes, als am 1. August 2009 mit Titus (Baatin) Glover ein weiteres Gründungsmitglied stirbt. Wieder ist die Anteilnahme große, Künstler wie Talib Kwel oder ?uestlove erweisen Slum Village noch einmal ihren Respekt.

Als ob es immer ein tragisches Ereignis braucht, um die Musikindustrie zum Handeln zu bewegen, erscheint bald nach Dillas Tod im Sommer 2006 das nie veröffentlichte Debüt Slum Villages: "Fan-Tas-Tic Vol.1". Knapp zehn Jahre nach dem Entstehen dieses Meilensteins müssen die Heads erkennen, dass die Scheibe den Weg für nachfolgende Generationen geebnet hat.

Die kollektive Trauer über den Tod von Jay Dee überzeugt die Schreibtischhengste schließlich davon, dass ein solcher Klassiker der Nachwelt nicht vorenthalten werden darf. Auch nicht offiziell. Denn eigentlich leiert das Quasi-Debüt der Crew schon seit Jahren als Bootleg-Version in den Kassettendecks jedes halbwegs interessierten Hip Hop-Fans.

Das letzte Gründungsmitglied T3 hält - von der großen Zuneigung motiviert - trotz jener Nackenschläge – Elzhi verlässt 2010 im Streit die Gruppe auch noch - an seiner Slum Village-Vision fest. Zusammen mit Illa J – Bruder von Jay Dee - und RJ Rice veröffentlicht er 2010 das "Villa Manifesto" und drei Jahre später "Evolution".

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