Nicht auszudenken, wie es heute um die Hip Hop-Welt stehen würde, wenn am 23. Oktober im Jahr 2002 nicht alle Schutzengel der amerikanischen Westküste sich über einem Highway in der Gegend um Los Angeles versammelt hätten, um einem jungen Herren namens Kanye West die Zeit bis zu seinem Lebensabend noch etwas zu verlängern. Seine Zeit war jedenfalls noch nicht gekommen, und die Glücksgötter hatten mit dem Rapper und Produzenten noch etwas ganz Besonderes vor. Nach langen Jahren der harten Arbeit und dem gerade angedeuteten Schicksalsschlag sollte der aus Chicago stammende Kanye im Jahr 2004 endgültig in die Topriege der Rapstars aufsteigen.
Schon im jungen Schulalter entdeckt er seine Liebe zur Musik und vor allem sein Talent, sie selber zu machen. Die Platten der damaligen Jugendhelden Run DMC geben den Weg vor und führen Kanye seinen Traum vor Augen. Aus diesem Grund fängt er mit 14 Jahren an Texte zu schreiben, aber auch selber Beats zu produzieren. Aus einer Akademiker-Familie kommend genießt Kanye eine passable Schulbildung, entwickelt aber eine ominöse Abneigung gegenüber der Schule. Ein Jahr vor dem Abschluss verlässt er das College nach eigenem Wunsch. Wie es scheint, hat er eine gespaltene Beziehungen zu allen schulischen Instanzen. Titel wie "The College Dropout", "Late Registration" oder "Graduation" legen diesen Schluss nahe. Weit gefehlt. West engagiert sich aufopferungsvoll für die Bildung der Jugend. Zu diesem Zweck hebt er extra eine Stiftung aus der Taufe, die seinen Namen trägt. Mit ihrer Hilfe organisiert er Musikproduktionsmittel für Schulen, damit Schüler abseits des drögen Unterrichtsstoffs einen Motivationsschub bekommen, die Bildungsanstalten zu besuchen.
Nach ersten musikalischen Gehversuchen in seiner Nachbarschaft beginnt der selbstbewusste junge Mann, auch die Außenwelt von seinem Talent zu überzeugen, er trifft bei seinen Streifzügen durch die Chicagoer Rap-Welt auf den Produzenten NO I.D., der sich durch die Arbeit mit dem Rapper Common schon einen respektablen Namen in der Szene gemacht hat. Auf seine Kosten gehen etwa die Meisterwerke "Can I Borrow A Dollar?" oder "Resurrection". Er bringt Kanye die Grundlagen des Produzierens bei und legt mit seinem Tipp, die alten Soul-Klassiker der Vorzeit zu samplen, den Grundstein für den Sound, den Kanye Jahre später zu einem der meistgefragten Produzenten aufsteigen lässt.
Diese und weitere gute Beziehungen helfen Kanye dabei, in der Szene Fuß zu fassen. Besonders die Bekanntschaft mit Beanie Sigel erweist sich als Karriere-fördernd. Sigels Chef, Roc-A-Fella-Kopf und Rap-Legende Jay-Z, setzt sich dafür ein, dass ein Kanye-Beat für die Single "The Truth" auf Beanies gleichnamigen Album verwendet wird und setzt so den guten Kanye erstmals einem Massenpublikum aus.
Und dem Massenpublikum gefallen die Instrumentals, die Kanye aus einer guten Portion Soul, einem treibenden Beat und diesem gewissen Schuss Innovativität kreiert. Bald stehen neben den Stars des Genres auch die Talentscouts der Plattenfirmen vor der Tür, um den vielversprechenden Produzenten unter ihre Fittiche zu nehmen. Kanye folgt aber den Rufen aus dem Hause Roc-A-Fella und stellt sein Schaffen unter die Fuchtel von Jay-Z. Ein neues Dreamteam ist geboren, und die gemeinsam erarbeiteten Werke entwickeln sich durch die unbestreitbare Perfektion Jay-Zs und der überzeugenden Frische Kanyes zu respektablen Hits. Doch neben Erfolgen wie Jiggas "Izzo (H.O.V.A.)" oder "Takeover" kann sich auch der langjährige Freund von Kanye, Talib Kweli, über einen Beat freuen, der die Klasse des Naturtalents West klar unterstreicht. Auf "Get By" tummelt sich neben einem kongenialen Nina Simone-Sample eine spritzige Bassline, die schließlich Kwelis Text und der bewegend gesungene Refrain perfektionieren.
Nach einer Studiosession mit den Roc-A-Fella-Kumpanen Beanie Sigel und Peedi Crakk ereignet sich in West Hollywood das anfangs erwähnte Unglück, ein schwerer Autounfall. Verletzt kommt Kanye in das mit schlechtem Omen behaftete Krankenhaus, in dem etwa fünf Jahre zuvor der Rapper Notorious B.I.G. sein Leben gelassen hat. Doch, wie erwähnt, Kanyes Schutzengel leisten gute Arbeit, und er überlebt mit schweren Kieferfrakturen. Nur wenige Wochen später entsteht ein Song, den Kanye den sprichwörtlichen Umständen entsprechend, mit dem Namen "Through The Wire" betitelt. Obwohl nur Nägel und Drähte seinen Kiefer zusammen halten, rappt er – von seinem Unfall erzählend - den Text der Single ein und schafft so einen Track, der aufgrund eines Chaka Khan-Samples und der bewegenden Zeilen dem nickenden Kopf zusätzlich eine Gänsehaut macht.
Trotz dieser hitverdächtigen Single im Gepäck ist ein Termin für ein eigenes Album noch nicht in Sicht. Motiviert durch das Glück, den Unfall überlebt zu haben, stürzt sich Kanye in die Arbeit und malocht wie ein Weltmeister. Er bezahlt den Video-Clip zu "Through The Wire" aus der eigenen Tasche und vertieft seine Kontakte zu so ganz unterschiedlichen Gesichtern der Szene wie Mos Def, Twista oder den Dilated Peoples.
Sein Fleiß zahlt sich schließlich aus, 2004 avanciert zum Jahr des Kanye West. Nicht nur sein Debüt-Album "The College Dropout" entwickelt sich in den Staaten zum großen Erfolg, auch Stars wie Britney Spears, Alicia Keys oder Janet Jackson reißen sich um einen Kanye-Beat. Endlich ist der selbstbewusste junge Mann am Ziel seiner Träume, trotzdem denkt er nicht im Geringsten daran, deswegen sein Arbeitspensum herunterzuschrauben. Neben Promotionsarbeiten für das Album in Europa ist der Terminplan für den Rest des Jahres prall gefüllt: das neue Common-Album soll komplett von Kanye produziert sein, und die ganze Roc-A-Fella-Familie wartet darauf, ein Stückchen Erfolg des Label-Partners abzubekommen. Außerdem stehen die Vertreter der Popmusik, die sich letztes Jahr noch um Neptunes-Beats geprügelt haben mittlerweile Schlange vor der Türe des Alleskönners.
Schließlich endet das Jahr auch ganz hervorragend für den Shooting Star: Mit zehn Nominierungen führt er ganz allein die Liste der Grammy-Anwärter an und lässt renommierte Konkurrenz wie Usher oder Alicia Keys (jeweils acht Nominierungen) hinter sich. Ausgezeichnet wird Kanye dann in den wichtigen Kategorien Best Rap Album, Best Rap Song ("Jesus Walks") und Best R'n'B-Song ("You Don't Know My Name"). Reichlich Ehre also, und Ende August 2005 folgt mit "Late Registration" schon der zweite Streich!
Kanyes Talent bleibt selbst einem Tom Cruise nicht verborgen. Der Kino-Superstar will den Gold-Digger unbedingt für die dritte Auflage seines Action-Thrillers "Mission Impossible" verpflichten. Mit ihren Versionen des Film-Themes heimsten bereits Larry Mullen Jr. und Adam Clayton von U2 sowie Limp Bizkit Lob ein. "Wir wollten den Film auf ein neues Level heben, und Kanye hat dafür genau den richtigen Sound", so Cruise, der sich höchstpersönlich für den Hip Hopper ins Zeug legt.
Dabei lässt er sich auch nicht von den Gerüchten irritieren, die zur gleichen Zeit durch die amerikanische Presse geistern. Für den Hit "Stand Up" von Ludacris soll Kanye Teile des Beats und der Lyrics geklaut haben und muss sich deswegen mit dem Rapper aus Atlanta vor Gericht verantworten. Seinem Erfolg tut diese Kleinigkeit natürlich keinen Abbruch. Kanye ist nach wie vor der Star schlechthin. Eine Affäre mit Pamela Anderson wird ihm nachgesagt, und MTV sucht mittlerweile sogar nach Kanye-Doubles für verrückt gewordene Fans.
Die Popkultur entdeckt den Musiker für sich. Bis er sich, zumindest was das konservative Amerika angeht, einen Patzer erlaubt. Bei einer Benefizveranstaltung für das vom Hurrikan Katrina zerstörte New Orleans gehen bei einer Live-Moderation mit Kanye die Pferde durch. Sein "George Bush doesn't care about black people!" geht um die Welt und macht ihn endgültig zur kontroversen Person der Öffentlichkeit.
Nebenher vergisst er jedoch nicht seine Hip Hop-Fanbasis und arbeitet mit Common, der mittlerweile auf Kanyes Label GOOD Music gesignt ist, an dessen Rap-Reinkarnation. Commons Album "Be" katapultiert den Chicagoer Dinosaurier zurück in die Szene. Mit tatkräftiger Unterstützung Kanyes, der Common wie einst Jay Dee oder No I.D. ein klassisches Rap-Kleid auf den Leib schneidert. Zwei Jahre später knüpfen beide genau dort an und schmeißen das bahnbrechende "Finding Forever" auf den Markt. Common bekommt sein erstes Nummer Eins-Album und Kanye behauptet seine Stellung als Topproduzent des Genres.
Etwas andere Wege bestreitet die Fashion-Ikone bei seiner Solokarriere. Er distanziert sich vom klassischen Hip Hop-Thema und orientiert sich auf Alben wie "Graduation" oder "808's & Heartbreak" an großgeistigem Pop, den er selbst 'Stadionmusik' oder sogar gleich 'Pop Art' nennt.
Der Mann heißt KanYe West. Nicht Kenny oder Kayne. Schlicht und ergreifend KanYe. Das sollte mittlerweile sogar dem Moderator einer McDonalds-Chartshow klar sein. Denn mit großen Schritten erobert der Hausproduzent von Jay-Z mittlerweile auch die hiesigen Gefilde mit seiner musikalischen Genialität.
Mit einem Album im Gepäck, das schon jetzt zu den besten Platten des Jahres gehört, machte sich der Sympathieträger zu einer Stippvisite in deutschen Landen auf. Also ging es anlässlich eines Auftritts bei der McDonalds-Chartshow in die Arri-Studios nach München, um den neuen Held der Szene um eine Audienz zu bitten. Das Bitten wurde erhört, ein sichtlich erschöpfter Kanye West stand für unsere Fragen zur Verfügung. Trotz seiner erkennbar leeren Batterien sammelte das Multitalent sekündlich Sympathiepunkte und ließ keinen Funken der vorausgesagten Arroganz erkennen.
Du feierst große Erfolge in Amerika. Erwartest du solch einen Erfolg auch in Europa?
Ich hoffe mal. Ich denke, mein Album könnte hier in Europa sogar noch erfolgreicher werden, so wie ich die Strings und die Chöre arrangiert habe. Es ist einfach ein sehr musikalisches, richtiges Hip Hop-Album. Ich denke hier drüben schätzen die Hörer das einfach mehr.
Auf deinem Album sagst du, dass du die Leute im Club "Jesus Walks" schreien hören willst. Schreien sie es jetzt?
Ja. Auf jeden Fall. Der Song wird in den Clubs gespielt. Er wird sogar die nächste Single, die ich rausbringe.
Und wie fühlt es sich an?
Es fühlt sich sehr gut an. Ich merke, dass ein kleiner Teil der Arbeit bereits getan ist. Er benutzt mich einfach als eine Art Ventil. Ich bin mir sicher, dass ich noch viele weitere Verpflichtungen habe, die er mir übertragen wird. Ich glaube auch, dass das einer der Gründe war, wieso er mein Leben bei dem Unfall verschont hat.
Es scheint, als habe der Unfall eine große Auswirkung auf dein Leben. Was hat sich danach geändert?
Common hat mir neulich gesagt, er glaube, mein Kiefer und Mund hätten bei dem Unfall so viel abgekriegt, weil ich mehr darauf achten sollte, was ich sage. Aber was all das angeht, was man so hört und was schon ziemlich verrückt klingt: das ist nur die zensierte Version.
Und wie hat es dein Leben verändert?
Naja, ich war ja schon immer ein guter Mensch. Dahingehend würde ich sagen, dass ich einfach nur ein wenig mehr fokussiert geworden bin.
Lass uns über das Album reden. Die Erwartungen waren sehr hoch. Hattest du ein Konzept für das Album?
Es hat sich einfach so entwickelt, als ich vor mich hin gearbeitet habe. Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich auf den Titel "The College Dropout" gekommen bin. Ich liebe es jetzt einfach. Es ist ein Klassiker. Mein Image hat sich ja auch entwickelt. Obwohl mein Image schon von Anfang an gut ist. Ich hatte einfach meinen eigenen Look und so. Das habe ich einfach weiter entwickelt, während ich an dem Album gearbeitet habe. Natürlich haben sich dabei auch die Songs entwickelt, und ich konnte mich auch als Rapper verbessern.
Du hast gerade gesagt, du hast ein richtiges Hip Hop-Album gemacht. Ich habe aber gelesen, dass in deinen Augen alle Songs des Albums Pop sind. Was meinst du damit? Ich finde das Album ist so was von Hip Hop, wie Hip Hop nur sein kann.
Lass mich mal nach einem guten Beispiel suchen ... Jay-Z ist Pop. A Tribe Called Quest sind Pop. Natürlich im Sinne von populär. Will heißen, dass jeder ihrer Songs der Masse gefallen kann. In einem meiner Songs rede ich darüber ... (Rappt) I just rhyme so good, I just rhyme so good and I hope it doesn't heist the radio Die Melodien können einfach nichts dagegen machen, Pop zu sein. Wer hat dein absolutes Lieblingslied gemacht? Michael Jackson. Was sagt man noch zu ihm? Der King of Pop. Die Sache ist die, durch diese ganzen Boybands, mit denen ich persönlich überhaupt kein Problem habe, assoziiert man das Wort Pop einfach mit etwas Negativem. Ich versuche immer, Wörter, die mit einer negativen Assoziation behaftet sind, zu benutzen und sie dann auf mich selbst, total positiv, umzulegen. Ich meine, wie negativ ist das Konzept von "The College Dropout"? Die Leute schauen richtig auf mich herab.
Ja, alle Fragen sich, wieso spricht dieser Kerl vom Schule schmeißen, obwohl Schule und das College sehr wichtig sind.
Genau. Ich hab das Album "The College Dropout" genannt und dann eine der intelligentesten Platten gemacht, die Hip Hop seit langem gesehen hat. Schau dir den Song "Two Words" an. Er ist sehr Hip Hop-lastig. Aber auch sehr rockig. Dazu noch die Gospel-Seite. Außerdem sehr poetisch. (Rappt) Two words, Chi town, south side, worldwide Es gibt so viele verschiedene Genres in der Musik. So lange genug Menschen etwas mögen, ist es Pop...ulär.
Du hast die strikte Grenze zwischen "entweder ein Backpacker oder ein Player" eingerissen. War das Absicht?
Ja. Ich bin einfach ein ganz durchschnittlicher Mensch. Und die durchschnittlichen Menschen mögen einfach Mos Def und Jay-Z. Musikalische Genres zwingen dich normalerweise dazu, dich für eine Seite zu entscheiden. Aber du kannst mich nicht in eine Schublade stecken. Ich muss einfach über alles rappen. Von Gott bis Sex. Ich will dabei nicht gotteslästern, aber ich will das sagen, was mir auf dem Herzen liegt und zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kopf herumschwirrt.
Glaubst du, du kannst auf diese Weise Conscious Rap auch kommerziell erfolgreich machen?
Ich weiß nicht. Ich kann dafür beten, dass es klappt. Die Sache, die alle Leute einfach verstehen müssen, ist: ich habe so eingeschlagen, gerade weil ich mich nicht auf eine Seite gestellt habe. (Rappt) Isn't that conscious? I am self-conscious!
Aber ist es nicht schwer zu zwei verschiedenen Seiten zu gehören?
Wie könnte das ein Problem sein? Das ist doch genau meine Absicht. Das ist genau, was ich bin. Das ist, was der Durchschnittsmensch ist. Der Durchschnittsmensch ist gut, aber er macht manchmal schlechte Dinge. Der Durchschnittsmensch. Der bin ich. Es wäre schwierig, eine Seite zu überdecken.
Ich bin mir sicher, du hast von dem Statement von Chuck D von Public Enemy gehört ...
Nein. Was hat er gesagt?
Er hat wohl gesagt, dass du zwar ein guter Produzent bist, aber eigentlich nur Soul-Samples hochpitchst. Du hast nicht davon gehört?
Doch ich hab davon gehört. Ich wusste nur nicht genau, was er gesagt hat.
Jedenfalls gibt es einige Leute, die sagen, dass du lediglich die alten Soul-Samples hochpitchen kannst. Ich sehe das nicht so, gerade weil "The College Dropout" beweist, dass das gerade nicht der Fall ist.
Ja, was soll ich dazu noch sagen. Hört euch "Workout Plan" an. Oder "This Way", "Get Em High", "Family Business".
Nerven dich solche Aussagen? Oder sagst du dir, das ist einfach nicht die Wahrheit?
Es nervt mich nicht. Mich nervt es nur, wenn mein Album nicht die Höchstpunktzahl bekommt. Ich kann nur fünf Punkte akzeptieren. (Glück gehabt, Johannesberg! Anm. d. Red.)
Was hältst du davon, dass viele Leute sagen, du bist zwar ein guter Produzent, lässt beim Rappen aber zu wünschen übrig?
Ich versuche mich jeden Tag zu verbessern. Aber ich bin ein besserer Produzent als ein Rapper.
Aber du hast als Rapper angefangen, oder?
Schon. Aber ich habe einfach meine natürliche Begabung entdeckt und mich mehr auf das Produzieren konzentriert. Ich war nie so gut im Rappen, wie im Produzieren. Deswegen sage ich auch auf dem Song "Get Em High": "I'm trying to catch the beat". Ich habe mir gesagt, wenn ich es schaffe, meinen Rap irgendwie annähernd so gut hinzubekommen wie das Produzieren, dann bin ich unbesiegbar. Seitdem versuche ich, den "Beat zu catchen".
Wo wir gerade beim Produzieren sind. Ich habe das Gefühl, dass Produzenten zur Zeit in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Stars wie Britney wollen Beats von dir oder den Neptunes. Wie siehst du diese Entwicklung, dass die Produzenten in den Mittelpunkt geraten?
Ich glaube es geht hier mehr um die Persönlichkeit, als um den Produzenten selbst. Ich meine, die Leute haben angefangen, sich wie Pharell zu kleiden. Die Leute fangen auch an, sich wie ich anzuziehen. Wenn wir also jetzt den gleichen Einfluss wie ein Rapper haben, wollen wir uns auch unter den berühmten Leuten aufhalten.
Erwartet dich der gleiche Weg, den die Neptunes gegangen sind? Man sieht Pharell in jedem dritten Video auf MTV. Willst du das überhaupt?
Ich habe das doch schon. Da brauch ich nicht sagen, ob ich das will. Ich fühle mich im Moment einfach nur gesegnet. Ich weiß, das hält nicht für immer, deswegen bin ich auch hier und versuche, das Beste daraus zu machen.
Lass uns über die Zukunft sprechen. Wie steht es um dein neues Album? Arbeitest du bereits daran oder promotest du gerade nur die aktuelle Platte?
Ich musste gerade erst das John Legend-Album fertig stellen. Das ist einer meiner eigenen Künstler. Außerdem muss ich noch Commons Platte machen. Dann gehe ich noch auf Tour mit Usher. Danach hab ich dann die Möglichkeit, an das neue Album zu denken.
Produzierst du also das ganze neue Common-Album, obwohl du gerade so viel mit deiner eigenen Karriere beschäftigt bist?
Auf jeden Fall. Ich und Jay Dee produzieren alles. Die Sache mit Common ist die: alles was ich für ihn machen muss, ist ein Beat und eine Idee für den Refrain. Er kümmert sich dann um den Rest. Genau das gleiche gilt für John Legend. Er könnte sogar selber sein ganzes Album produzieren.
Kommt das auf deinem eigenen Label raus?
Ja genau, auf Very Good Music mit Hilfe von Sony. Dadurch, dass er mit mir die letzte Zeit im Studio war und an so vielen verschiedenen Sachen gearbeitet hat, könnte er selber sein ganzes Album produzieren.
Du designst auch Schmuck und Kleidung, oder?
Ja. Ich designe Klamotten und Schuhe. Eigentlich bin ich ein Designer.
Und wie schaffst du das zeitlich?
Gleich wenn das Interview vorbei ist, werde ich mich an ein paar Entwürfe und Zeichnungen für einen Basketballschuh setzen. Ich schau mir auch schon die ganze Zeit deine Schuhe an.
Ich habe gelesen, dass die ersten Beats, die du für Jay-Z gemacht hast, eigentlich für Ghostface Killah bestimmt waren. Stimmt das?
Ja. Eigentlich habe ich sie für Ghostface gemacht. Aber Jay-Z hat sie gehört und gleich angefragt, ob er sie haben kann.
Gab es dann Problem mit Ghostface?
Nein. Das lief dann alles cool ab.
Wie sieht es mit deinen Vorbildern oder musikalischen Einflüssen aus?
Ma$e ist für mich der beste Rapper aller Zeiten. Nas. Biggie. 2Pac. Jay. Bei den Produzenten wären es Pete Rock, Stevie Wonder, The Neptunes, Timbaland oder Dre.
Wie sieht es aus mit NO I.D.?
Natürlich. NO I.D. war mein erster Mentor. Zu ihm habe ich auf jeden Fall immer aufgeschaut. Er war der erste, den ich in der Musikindustrie kennen gelernt habe, als ich 14 Jahre alt war.
Ich bin total begeistert von dem Cover deines Albums. Was hat es damit auf sich?
Ich bin ein großer Fan der viktorianischen Kunst, Statuen und so was. Außerdem wollte ich auf jeden Fall Engel darauf haben. Ich liebe Engel. Ich finde das war einer der besten Epochen in der Kunst. Und dann ist da natürlich noch das Maskottchen, der Bär. In Amerika gibt es eben diese Maskottchen, die den Spirit der Schule repräsentieren. Normalerweise springen die Maskottchen lustig herum. Ein Maskottchen mit gesenktem Kopf dasitzen zu sehen, bebildert für mich den Titel "The College Dropout".
Da spielt aber doch auch eine Menge Humor mit, oder? Ist das deine Art von Humor?
Mein Humor war es eigentlich nur, dass Def Jam mir nicht vorschreiben konnte, was ich auf das Cover meiner CD mache.
Denen hat es am Anfang nicht gefallen?
Nein, überhaupt nicht. Aber es bleibt einfach hängen. Kannst du dich an die alten A Tribe Called Quest-Cover erinnern? Die sind auch hängen geblieben.
Du sprichst oft vom College. Kannst du deine ungewöhnliche Beziehung zum Schulsystem und zum College erklären?
Für mich ist die Schule so lange gut, wie sie etwas für den eigenen Nutzen bringt. Man muss nicht zur Schule gehen und so viel Geld bezahlen, um dann von denen ausgenutzt zu werden und nichts davon zu haben. Keinen Job zu bekommen, obwohl man einen Abschluss hat. Am Ende des Tages nicht das tun, was man eigentlich will.
Ich habe ein paar neue Raps, die gehen etwa so. (Rappt) Second I finish this Usher tour up I'm gonna pay some bills and get my credit score up They say the realest kick is real estate Do you know what you own for one for them student loans? If you would know what you know now that you was grown I spoke to you like your favourite lyrics to a song Or like your conscience when you are doing wrong.
Wie siehst du die deutsche Rap-Szene? Du hast mit Melbeatz zusammen gearbeitet ...
Ich bin einfach nur glücklich, dass ich ein Teil davon sein durfte. Einfach nur, um den eigenen Horizont zu erweitern. Sie ist einfach das Heißeste hier, und ich bin der Heißeste in den Staaten. Vielleicht kann sie mir helfen, hier ein paar Fans zu gewinnen, und ich kann das selbe für sie in Amerika tun.
Glaubst du, sie kann es in den Staaten schaffen?
Ich hoffe es. Wir haben auf jeden Fall einen richtig heißen Song zusammen gemacht.
Eine letzte Frage noch. Wie war die Zeit früher in den Straßen von Chicago, als du mit Common und NO I.D. abgehangen bist?
Die meiste Zeit habe ich sie eigentlich nur verfolgt, damit sie mir beim Rappen zuhören. Seit ich ein kleines Kind bin, waren sie immer diejenigen, die es schon geschafft hatten. Deswegen war ich ihnen immer auf den Fersen und habe versucht, vor ihnen zu rappen.
Vielen Dank für das Interview, Kanye.
Ich danke. Machs gut.
Das Interview führte Alexander Engelen
Viele Informationen mehr oder weniger übersichtlich aufgemacht.
http://www.kanyewest-online.de.tl/
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Kanye West am 23.11.2008 live in Oberhausen DieHanna |
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21.10.08, 15:21 DieHanna |