laut.de-Kritik

Über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Hip Hop.

Review von

Common hat Klassiker geschaffen. Der Mann brachte Chicago auf die Rap-Landkarte, befeuerte die Fackel der Native Tongue-Bewegung und schenkte dem Hip Hop-Genre Musik (!), die jedem goldbehangenem Rap-Egomanen die Tränen in die verkifften Augen treibt. 2003 heiratete er Neo Soul-Ikone Erykah Badu, und mit einem psychedelischen Ethno-Trip (aus dem übrigens ein hervorragendes Album entstanden ist) zog er den Hass der meisten Rap-Heads auf sich.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2005. Common hat sich seiner Batikklamotten entledigt und sich von seiner spirituellen Muse Erykah getrennt, um nichts weniger als einen Klassiker zu erschaffen. Der Titel drückt dabei wunderbar das Gefühl aus, das "Be" vermittelt und das Common seit jeher in seine Musik zaubert. Wie Conscious-Rap-Kollege Talib Kweli, der das Leben kürzlich als "Beautiful Struggle" bezeichnete, spendet auch Common für das tägliche Leben eine Botschaft, die positiver nicht sein könnte: "Presence is a gift and I just wanna be."

War Common bei "Electric Circus" noch auf der musikalisch eskalierenden Suche nach sich selbst, stößt er mit "Be" nicht nur hörbar in sein Innerstes vor, sondern bringt auch die pure Essenz aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Hip Hop-Genres auf den Punkt. Wer für diesen Selbstfindungsprozess verantwortlich ist, zeigen bereits die ersten Töne des Intros. Nicht nur diese elektrisierende Bassline trägt eindeutig die Handschrift von Kanye West. Das komplette Album ist durchzogen von Kanyes Soul, seiner Ehrfurcht vor seinen musikalischen Vorvätern und seinem Talent, Hip Hop auf eine neue Ebene zu heben. Gemeinsam machen Common und Kanye "Be" zu einem musikalischen Kunstwerk und verbinden Marvin Gayes "What's Going On", De La Souls "3 Feet High And Rising", Nas' "Illmatic" sowie ihre eigenen Werke "Like Water For Chocolate" und "The College Dropout" zum neuesten Kleinod des Genres.

Jede weitere der spärlichen Kollaboration auf "Be" ist perfekt ausgewählt, und jeder Gast trägt seinen Teil zum Gesamtbild dieses perfekten Albums bei. John Legends Piano sowie sein Gesang packen den Soul – im wahrsten Sinne des Wortes – in das verträumte "They Say". The Last Poets verleihen "The Corner" den schroffen Charme eines wahren Rapstücks der Straße. Kanyes kongeniales Instrumental interpretiert dazu Urbanität einmal nicht als hektischen Lärm oder betonharte Beats, sondern knüpft ein herumschwebendes Stimmenwirrwarr in einen straighten Beat. Die Zusammenarbeit mit Bilal ("Faithful", "It's Your World") wirkt ähnlich wunderbar wie auf dem Grammy-nominierten "The Light", wenn Bilal auf Piano und Streicher langsam den Track ausklingen lässt.

Lediglich auf zwei Stücken hat Kanye West das Mischpult geräumt und demjenigen überlassen, der Commons Album "Like Water For Chocolate" musikalisch dirigierte: Jay Dee. Der Detroiter zaubert, trotz aller Ähnlichkeit mit Wests Produktionen, Common ganz eigene Stücke auf den Leib. Dilla bedient sich bei Marvin Gayes "God Is Love" und schafft so einen musikalischen Flauscheteppich für Commons poetische Ausführungen über eine Sache, die im Hip Hop selten Thema ist: "You know what love is? You even found it on the ground where the thugs live!" Auch der letzte Track gehört Dilla, bei dem erneut trotz detailreichem Beat genügend Platz für Common bleibt, seine Rap-Poesie zu entfalten.

"Be" begeistert auch mit einer Hymne ("Chi-City") über Chicago, die Stadt, die Common, den Old School-Vorzeigelyricist, und Kanye West, den genauso überheblichen wie genialen Jungspund hervorgebracht hat und hier nun schließlich zusammenführte. Des weiteren bietet das Album eine jazzige Blaskapelle ("Real People"), das bezaubernde Kopfnickstück mit Traumhook "The Food", einen dezenten Appell an die Fantasie namens "Go" und die dramatische Story um eine Kronzeugin auf perfekt gesetztem Sample ("Testify"). Auf 42 Minuten finden sich etliche musikalische Facetten, ohne dass der Fixpunkt Rap dabei abhanden kommt. Common hat mit Hilfe von Kanye West ein Werk gezaubert, dass mit seiner lyrischen Tiefe, seiner musikalischen Prägnanz und spiritueller Andacht im Rapjahr 2005 einzigartig da steht.

Trackliste

  1. 1. Be (Intro)
  2. 2. The Corner
  3. 3. Go!
  4. 4. Faithful
  5. 5. Testify
  6. 6. Love Is...
  7. 7. Chi-City
  8. 8. The Food
  9. 9. Real People
  10. 10. They Say
  11. 11. It's Your World

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LAUT.DE-PORTRÄT Common

Common. Unpassender hätte der Rapper aus Chicago seinen Namen nicht wählen können. Von "gewöhnlich" ist dieser Styler vor dem Herren Lichtjahre entfernt.

7 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Hi!

    Also nach mehrerem anhören vom neuem Common Album,muss ich festellen das mir dieses Album definitiv zu sehr gehyped wird.

    Ok..es ist definitiv ein gutes Album...aber immer gleich 5 von 5 Sterne dafür.
    Mit ein Grund,warum dieses Album überall so hoch im Kurs steht,ist die Tatsache das Kayne West seine Finger im Spiel hatte.
    Natürlich sind Kanye's Beats gut,aber man kann definitiv nicht von einem SuperAlbum sprechen wie ich finde.
    Tracks wie "Go" oder "The Corner" aber auch "The Food" sind richtig gut was die Beats und Sampler anbelangt (Ich spreche nur von den Beats und nicht von Commons starken Qualitäten als Writer)

    Man sollte das Album als Ganzes sehen und nicht immer nur einzelne Tracks usw. herausheben.

    Bleibt zu sagen,dass es ein gutes,solides Album geworden ist,aber mehr auch nicht.

    Gut Nacht

  • Vor 12 Jahren

    Egal welches Common-Album...alle sind soulig,anspruchsvoll, refkeltierend, kritisch(Be weniger...leider).Common gehört zu den unantastbaren Künstlern,die mit jedem Album aufs neuste und anders beigeistern... all seine Alben besitzen für mich Klassikerpotenzial.Like Water for Chocolate ist ein bißchen mehr hervorzuheben,weil es sein überwältigendstes Album ist.Nach so einem Album wird jedes Album-Relase schwierig.

    Kanye,Common und Talib sind für mich das Maß aller councsious rap'schen Dinge und wichtige Musikkünstler im Generellen.:)

    Presence is a gift and I just wanne BE

  • Vor 12 Jahren

    ganz unrecht hat NERD nicht - nicht jeder Track ist ein Kracher

    4 Punkte hätten definitiv gereicht - trotzdem eines der Highlights dieses Jahr