Porträt

laut.de-Biographie

No I.D.

In Chicago steppt der Bär, und das tut er nicht erst seit gestern. In der Windy City entsteht der Jazz während der großen Migrationsbewegung in den wilden 20er Jahren. Daraus resultiert der für Chicago typische Blues sowie später Soul. Louis Armstrong, Muddy Waters und Curtis Mayfield nannten die Stadt am Michigansee ihr Zuhause.

Jay-Z: Zu "Adnis" folgt nun doch ein Clip Aktuelle News
Jay-Z Zu "Adnis" folgt nun doch ein Clip
Hov widmet die emotionale Single seinem Vater. Dem Bonustrack zu "4.44" reicht er jetzt noch ein Musikvideo nach.

Die große Hip Hop-Bewegung zieht jedoch orkanartig, von Ost nach West und wieder zurück, lange Zeit an der Handelsstadt vorbei. In der späten 80er Jahren ist House der neueste Schrei, bei dem die Hüften in Schwingung geraten.

Der geborene Dion Wilson, später bekannt als No I.D. (was dem Vornamen von hinten gelesen entspricht) kommt ursprünglich aus diesem Genre. Doch inspiriert und infiziert von N.W.A., Run DMC, den Geto Boys und LL Cool J beginnt er mit Rappen. In den Knabenjahren drückt er die Schulbank mit einem gewissen Lonnie Rashid Lynn, später bekannt als Common.

Als der junge Student Wilson begreift, dass das mit College-Abschluss in diesem Leben wohl eher nichts mehr wird, beschließt er, ebenso wie Common mit Hip Hop seine Burger zu verdienen. Erste Beats entstehen, die auf Lynns "Can I Borrow A Dollar" landen.

Die Fusion bewirkt ein großes Rumoren, Rap erscheint plötzlich auf dem Stadtplan. Mit ihrem zweiten gemeinsamen Wurf ("Resurrection") landet das Conscious-Hip Hop-Duo einen der hip hoppigsten Tracks aller Zeiten: "I Used To Love H.E.R.". No I.D. verwandelt das George Benson-Sample "The Changing World" zu einem Jazz-lastigen Beat-Traum. Common rappt über eine Frau, meint damit aber den Verfall von Hip Hop während des Aufkommens des G-Funks und des West Coast-Gangstertums.

"One Day It'll All Make Sense" markiert 1997 vorerst die letzte Zusammenarbeit der Schulfreunde. Im selben Jahr bringt der Plattendreher sein eigenes Album "Accept Your Own And Be Yourself (The Black Album)" auf den Markt. Die Reaktionen auf seine Rapkünste fallen eher verhalten aus. Produktion und Arrangements dagegen loben auch die Kritiker.

In der Zwischenzeit erscheint Chicagos Finest Kanye West vor I.D.s Tür. Der kleine Stöpsel saugt alles auf, das mit Hip Hop zu tun hat. Steht er ihm zu Beginn seiner Karriere noch hilfreich zur Seite, wendet sich das Blatt schon sehr bald, und No I.D. fragt den Sprössling nach Tipps und Tricks.

Während West in seine Fußstapfen tritt und Commons "Be" sowie "Finding Forever" fast im Alleingang produziert, entwickelt sich Wilson stetig weiter. Beats kommen sowohl bei Ghostface als auch bei Method Man auf die Platten.

"Ich hatte einen bestimmten Sound, aber Musik ändert sich laufend und manchmal schreit sie nach Veränderungen. Ich bin hier, um das Game in eine neue Richtung zu lenken. Das war schon immer mein Ding."

2004 rutscht I.D. über West in dessen Label G.O.O.D. hinein. In "Big Brother" huldigt der Shootingstar der Stunde seinen alten Lehrmeister und bezeichnet ihn als Mentor. Wilson fühlt sich zwar geehrt, sieht sich selbst aber nicht als Wests Entdecker.

Auch Jay-Z beginnt, an No I.D.s Beatfertigkeiten Gefallen zu finden. Auf "American Gangster" finden sich einige musikalische Darbietungen des Mannes aus Chi-Town. Mit dem bahnbrechenden Erfolg von "Blueprint 3" und der Single-Auskopplung "D.O.A. (Death Of Autotune)" drehen die Medien am Rad. Wer ist dieser bescheidene Mann hinter den Reglern?

In den späten Nullerjahren arbeitet er stetig mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen. Auf den Produzentenlisten von Rick Ross, Drake, Kid Cudi, aber auch von Rihanna findet sich das Kürzel No I.D. Auch Newcomer J. Cole lobt den ruhigen Beatbastler in höchsten Tönen.

2011 verlässt er G.O.O.D. und agiert fortan als Vizepräsident von Def Jam Records. Im selben Jahr überrascht er gemeinsam mit Uralt-Homie Common die Hip Hop-Welt mit dem Song "Summer Madness". Fans der frühen Stunde dürfen zurecht auf ein Album der beiden Masterminds hoffen: "The Dreamer, The Believer" erscheint püntklich zum Weihnachtsgeschäft mit Sample-Beats aus dem MPC von No I.D.

"Ich hatte erneut die Chance dieses Album mit No I.D. aufzunehmen und das ist einfach die Musik, die ich liebe", so Common zu der Zusammenarbeit mit Busenfreund Dion.

Endgültig im Mainstream angekommen, geht es Wilson nach wie vor um die Musik, nicht um die großen Moneten. "Es ist, als würden wir alles mit der Geldwaage messen. Wenn ein Artist groß herauskommt und Kohle scheffelt, ist er gut. Wenn er bereits reich ist und ein neues Album aufnimmt, denken alle, es ist gut. Ich bin ein Künstler des Herzens. Mir geht es um die Kunst. Klar, auch ich will Geld verdienen, aber ich bin Mensch der Musik. Musik ist für mich wichtiger als Geld."

News

Alben

Surftipps

Noch keine Kommentare