Porträt

laut.de-Biographie

Geto Boys

"Before the Geto Boys came around. You can't front their clout, H-town was no town. Yeah, we know you still skeptic, cause we ain't kissing no God damn ass to be accepted."

Ende der Achtziger verankert sich Hip Hop dank Run DMC, Public Enemy, N.W.A. und den Beastie Boys dem massivem Protest der breiten Öffentlichkeit zum Trotz im Mainstream. Es gibt zwei musikkulturelle Kriegsschauplätze: die Ost- und die Westküste.

Dass zwei Dekaden später der amerikanische Süden das komplett kommerzialisierte Genre anführen soll, ahnt zu dieser Zeit niemand, trotz zur Schau getragenen Selbstbewusstseins wahrscheinlich nicht einmal die akzeptierten Ziehväter des Dirty South: die Geto Boys.

Hand in Hand geht die Erfolgsgeschichte des Freak-Trios aus Houston mit der Historie des ortsansässigen Stadtlabels Rap-A-Lot, das in den ausgehenden Achtzigern als einzige Rap-Institution neben den Unternehmen in Los Angeles und New York behauptet.

Das Label, das 1986 von J Prince gegründet wird, avanciert zu dem, was Ruthless Records für die West- und Def Jam für die Eastcoast bedeutet: Szene-Stütze und Vermarktungsmotor in einem. Das erste Zugpferd: Die Geto Boys, ein Trio bestehend aus dem kleinwüchsigen Tänzer/Rapper Bushwick Bill und den zwei Solo-Rappern Scarface und Willie D.

Dass die Originalbesetzung bei dem Debüt "Making Trouble" 1988 gänzlich anders aussieht, staubt in den Geschichtsbüchern als Randnotiz vor sich hin. Die Geto Boys starten als The Ghetto Boys mit den Mitgliedern Prince Johnny C., the Slim Jukebox und DJ Reddy Red als Run DMC-Klone mit leichtem Down South-Einschlag.

Erst als Produzent und Labelchef J Prince die Mannschaft umstellt, erhaschen die Geto Boys auch die Aufmerksamkeit von Def Jam-Boss Rick Rubin. Ab diesem Zeitpunkt ist das Trio das Härteste, das dem Amerika südlich der Mason/Dixon-Grenze entstiegen ist.

Genauso pervers und schamlos veranlagt wie die 2 Live Crew aus Miami, ecken die Geto Boys zusätzlich mit ihren drastisch in Szene gesetzten Straßentales aus dem notorischen 5th Ward-Ghetto Houstons an. Der Major Geffen Records, mit dem Rick Rubin einen Deal aushandelt, bekommt angesichts nekrophiler Tötungsszenarien aus den kranken Geto Boys-Hirnen kalte Füße.

Rubin zieht die Reißleine und veröffentlicht die Neuauflage des untergegangenen Debüts "Making Trouble" als "Grip It! On That Other Level" auf seinem Def American-Label neu.

Auf die aufkommende Debatte über Moral und Verantwortung der neuen aufstrebenden Hip Hop-Generation um N.W.A. und der 2 Live Crew antworten auch die Geto Boys mit einem kompromisslosen Schuss vor den Bug des konservativen Amerikas. Das Cover von "We Can't Be Stopped" zeigt Geto Boy Bushwick Bill mit schweren Schussverletzungen im Gesicht. Die Szene ist nicht einmal gestellt. Bushwicks Frau hatte ihm in einem Streit aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen.

Nicht der einzige Grund, wieso die Öffentlichkeit mit Entsetzen reagiert. Die Single "My Mind Playing Tricks On Me", eine schonungslose Reportage des Ghettolebens auf einem lieblichen Isaac Hayes-Sample, klettert auf den ersten Platz der US-Charts.

Das Album zieht in Richtung Platin-Himmel nach, obwohl die knüppelharten Inhalte es der Radiolandschaft nicht erlauben, die Songs zu spielen. Angesichts millionenfach verkaufter N.W.A.- und Geto Boys-Platten hat White America gehörig die Hosen voll.

Mit dem Erfolg nimmt das Trio mit seinem so kompromisslosen wie Soul-geladenem Sound viel von dem vorweg, was Jahre später die Dirty South-Folgegeneration zum heißesten Scheiß der Rap-Industrie macht. Zudem beeinflusst insbesondere Scarface mit seinem herausragendem Rap-Talent Nachkömmlinge zwischen Houston, Atlanta und Miami.

So ist es auch in erster Linie der als Brad Jordan geborene Houstoner, der in seiner Solokarriere ähnlichen Erfolg wie die Gruppe selbst erzielt. Nach der Jahrtausendwende bekleidet er gar zeitweise den Chefsessel von Def Jam South.

Längst aber haben im amerikanischen Süden Andere das Sagen: Master Ps No Limit-Imperium und Birdmans Cash Money Records geben jenseits der Küsten den Ton an. Die Geto Boys raufen sich zwar trotz interner Kabbeleien noch einmal für das gefeierte "The Resurrection" zusammen und schaffen eine so funky wie knallharte Großtat. Doch die ausbleibende ganz große Rückkehr ins Spiel setzt der Band ein vorzeitiges Ende.

Den Respekt der Enkel behalten Bill, Scarface und Willie D dennoch. Weezy, Jeezy, T.I. und Konsorten führen die Geto Boys neben UGK stets als Inspirationsquellen an und versichern, dass die Gründer auch weiterhin im Munde bleiben.

Davon motiviert kommt es 2005 zu einem respektablen Comeback auf "The Foundation". Die Anerkennung überwiegt zwar den kommerziellen Erfolg bei weitem, aber die Geto Boys können sich ihrer Stellung in der Hip Hop-Historie auch über die Stadtgrenzen Houstons hinaus sicher sein. Ihr Credo dürfte daran nicht ganz unschuldig sein: Küss' niemals den Arsch der Industrie.

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