Porträt

laut.de-Biographie

Master P

Der meisterhafte Percy Miller ist bei einigen Hip Hop-Headz gerade diesseits des Atlantik nicht wohl gelitten. Zu flach, eintönig und gewollt kommerziell kommt der Sound seiner No Limit-Truppe seit Mitte der Neunziger daher. Synthie-Beats aus der Retorte und gewalttätige, vulgäre Lyrics sind beileibe nicht der Weisheit letzter Schluss, auf den aber zumindest die US-Rapfans bis Anfang des neuen Jahrtausends wie wild abfahren. Mit von der Gangsta-Partie sind zudem seine jüngeren Brüder Silk The Shocker und C-Murder, das Duo Kane und Abel, Fiend, Big Ed, Young Bleed, Mia X, Mac sowie die rekrutierten Fremdenlegionäre Snoop Dogg, und Mystikal. Letztere verlassen aber zur Jahrtausendwende nach zwei Alben klugerweise wieder das sinkende Schiff. Denn auch der Sound von Master P hat irgendwann einmal ausgespielt.

Am Beispiel von Snoop lässt sich das musikalische Dilemma der No Limit-Posse ganz gut erläutern. Anstatt des Dre'schen G-Funk von seinem legendären "Doggystyle"-Debut nimmt er 1998 den typischen No Limit-Sound an und beginnt wie P und Kollegen ausschließlich über seine mittlerweile in reichlicher Menge vorhandenen Moneten zu reimen. Das Resultat ist Fast Food-Rap vom Feinsten. Auf Grund dieser Phase gilt Snoop auch nicht als der Hip Hop-Superstar. Ein Jay-Z oder DMX haben ihm da mit Konstanz den Rang abgelaufen. Doch auch bei allen anderen Master P-Produkten seit Mitte der Neunziger findet fast keine künstlerische Weiterentwicklung statt. Da nützt es auch wenig, dass Master P vor geraumer Zeit seine Hausproduzenten Beats By the Pound feuert. "I don’t have Beats by the pound no more. Our sound had played out. I'm real to myself – that sound had played out after 1998."

Die Probleme bleiben. Die letzten Alben "Ghetto Postage" (2001), "Game Face" (2002) sowie die 504 Boyz (Master P, Silk The Shocker, Mystikal, C-Murder, Krazy )-Scheibe "Good Fellas" floppen. Letzte Trumpfkarte ist somit vorerst sein Sohn Lil Romeo, der endlich wieder für ein wenig mehr Erfolg sorgt. Das soll nicht heißen, dass Master P jetzt am Hungertuch nagt, denn seine Tätigkeit als Sport-Manager (Jason Terry, Derek Anderson), die eigene Klamottenlinie und die South Park-Serie werfen noch genug Profit ab. Und in seiner Funktion als No Limit-Boss hat er auch immerhin über 30 Millionen Tonträger an den Mann und die Frau gebracht. Die ersten 1,5 Millionen sogar auf reiner Independent-Basis. Das heißt, dass Anfang der 90er allein durch diese 1,5 Mille ein Reinerlös von ca. 25 Millionen Dollar in seine Kassen regnet.

Trotzdem ist die wirtschaftliche Krise 2002 durchaus spürbar. Einige unbezahlte Rechnungen in sechsstelliger Höhe sind kein Pappenstiel. Herr Miller lebt ja bekanntlich auch auf riesengroßem Fuße. Und wer seine Villa mit See, Park und Sportplatz bei MTV – Acess All Areas gesehen hat weiß wovon die Rede ist.

Sein Leben mutet im Gegensatz zu seinen Kollegen wie der Prototyp einer typisch amerikanischen 'vom Tellerwäscher zum Millionär'-Geschichte an. MC Hammer hält diese sogar für eine der beeindruckendsten Storys überhaupt. Als Percy Miller am 29. April 1970 im Calliope Projects-Ghetto von New Orleans, LA als eines von sechs Kindern geboren wird, ahnt noch keiner, dass aus dem schnuckeligen Baby mal ein Multimillionär werden sollte. Als Jugendlicher macht er einen auf Hustler und dealt mit Drogen. Er ist zudem ein talentierter B-Baller und versucht sich später sogar bei den NBA-Teams der Toronto Raptors bzw. der Charlotte Hornets. Beide Engagements enden aber relativ erfolglos.

Zwar bricht er sein Wirtschaftsstudium in Oakland schnell wieder ab, doch seinen Traum eines unabhängigen Geschäftsmannes vergisst er nicht. Nach der Scheidung der Eltern zieht er 1990 mit seiner Mutter nach Richmond, Kalifornien. Mit einer Finanzspritze von 10.000 Dollar, die sein Opa ihm vererbt, gründet er seinen eigenen Plattenladen, den No Limit Record Store. Dort erfährt er, welche Art von Musik auf den Straßen angesagt ist, doch das Gangsta Rap-Regal ist nach dem Ende der G-Funk-Ära relativ bescheiden. Deswegen gründet Master P wenige Monate später sein Label No Limit Records in Richmond.

Er selbst ist nur ein mittelmäßiger Rapper, aber die Mixtur aus harten Lyrics, bouncenden Beats, pumpenden Bässen und zirpenden Synthies begeistert die Massen. So werden das erste Independent-Album "The Ghetto Is Tryin' To Kill Me" sowie die "West Coast Bad Boyz Compilation" mit den bis dato noch unbekannten Rappin-4-Tay und E-40 große Underground-Hits. 300.000 Exemplare kann er ohne einen Vertriebsdeal oder Hilfe von einem größeren Major absetzen. Das heißt, alle Erträge wandern in die Tasche von Percy Miller. Durch die Erfolge ermutigt, zieht Master P 1995 mit seinem Label nach New Orleans zurück und veröffentlicht die EP "99 Ways To Die", welche wieder ohne Ende Kohle in die No Limit-Kassen schwemmt.

Natürlich flattern im Laufe der Zeit eine Fülle von Angeboten der größten Plattenfirmen ins Haus, die aber seine Freiheiten beschneiden würden. So geht er nur einen reinen Vertriebsdeal mit Priority Records ein. Er behält die komplette kreative Kontrolle über seine Projekte und mit denen startet er ab 1996 erst so richtig durch. Er gründet sein eigenes Production-Team Beats By The Pound (Craig B, KLC, Mo. B. Dick) und entwirft die hässlichsten, aber einprägsamsten Cover, die es im Rap je gegeben hat. Große, billige Künstlerfotos stehen inmitten von Schmuck, großen Autos, Villen, Knarren und Dollarnoten.

Diese Zutaten zieren auch die nächsten Scheiben die "Down South Hustlers Compilation" sowie sein drittes Solowerk "Ice Cream Man". Seinen größten Hit landet Master P aber mit der neugegründeten Gruppe True, die aus ihm und seinen zwei Brüdern Silk The Shocker und C-Murder besteht. Ebenfalls in die Millionen gehen seine neue Scheibe "Ghetto Dope" sowie die Debutalben von Kane And Abel und Silk The Shocker, die zusammen mit den zweiten Platten der "West Coast Bad Boyz" und Tru ("Tru 2 Da Game") für ein musikalisches Hammerjahr 1997 des Master P sorgen. Und man bedenke, dass MTV und andere Medien den werten Meister noch verschmähen.

Der eigentliche Clou ist in diesem Jahr jedoch der selbstfinanzierte Videofilm "I'm A Bout It" inklusive Soundtrack, die sich beide mittlerweile mehrere Millionen mal verkauft haben. Auch hier bedenke man, dass dieser Film nie in den Kinos läuft, sondern sofort in die Videotheken wandert. Weitere Leinwandprojekte wie "I Got The Hook Up" (1998) folgen. Im Rapbereich sind zwischen 98/99 "MP The Last Don" sowie Snoop Doggs und Mystikals zwei No Limit-Scheiben an der Spitze der Billboard-Charts.

Doch danach ist der musikalische Höhenflug von Master P und seinen Soldiers vorerst vorbei. Die Platten ab 2000 verkaufen sich wie erwähnt nicht mehr so gut (bis auf Lil Romeo), und für 2002 steht nun der große Umbruch an. Neue Märkte sollen erschlossen und alte Fans zurück gewonnen werden.

News

Alben

Master P - Game Face: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2002 Game Face

Kritik von Stefan Johannesberg

Der Hip Hop-Millionär bietet mal wieder Rap-Fastfood vom Feinsten. (0 Kommentare)

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare