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Neben Willi Millowitsch sind sie wohl die bekanntesten Vertreter des kölschen Dialekts, nur Millowitsch rockt eben nicht. Das tun Niedecken & Co. schon seit 1979. Kamillentee für den Boss und dann wird gespielt, bis die Fans aufgeben. So etwas bleibt selbst in Amerika nicht unbemerkt. Dabei sind sie nicht einmal die Erfinder des deutschen Mundartrocks - da ist Schwoißfuaß vor.
Anfang der Achtziger haben BAP ihre größten Erfolge. Songs wie "Verdamp lang her" und "Kristallnaach" treffen den Nerv der Zeit, in der nicht nur Birne auf der Suche nach neuen moralischen Werten ist. "Plötzlich spielten wir auf von irgendwelchen Bürgerinitiativen angezettelten Veranstaltungen. Um es ganz simpel und prosaisch zu sagen: Das waren damals die einzigen Auftrittsmöglichkeiten!" erzählt Niedecken später über die Anfangszeit.
Dass die Geschichten und Gefühle, über die Niedecken durchaus charismatisch singt, meist aus dem Alltag gegriffen sind, macht die Band für ihre Fans so glaubwürdig. Und gerade in der Zeit des politischen Umbruchs ist Glaubwürdigkeit ein hohes Gut. Solche Fans sind lange treu. Auf den BAP-Konzerten der 90er drängeln sich die Glatzen, unfreiwillige natürlich.
1995 bringen BAP eine "Best of"-CD: "Wahnsinn" heraus, danach folgt ein Umbruch innerhalb der Band: Die beiden Urgesteine "Schmal" Boecker und Steve Borg verlassen die Gruppe. Beim 1996 erschienenen Album "Amerika" sind erstmals die "Neuen" Werner Kopal, Jens Streifling und Mario Argandona mit im Studio. Ungewöhnlich auch die Auswahl der Gastmusiker - neben Nina Hagen wirkt auch der Clan der Kelly-Family mit.
1999 feiern BAP ihr 20-jähriges Bestehen mit einer Platte ("Comics & Pin-Ups"), die sich zwar gut verkauft, aber erstmals richtig böse Kritiken erntet: Die Texte "zementieren nur noch Klischees, weit und breit ist keine lebendige Wendung mehr zu entdecken. Und die Musik? Routiniert, chorgesangs- und schunkeltauglich stampft sie einher, Rummelplatzrock für große Hallen", schreibt die renommierte Neue Züricher Zeitung. Da zudem Klaus "Major" Heuser, Alexander "Effendi" Büchel und Hans "Fonz" Wollrath im Sommer aufhören wollen, wird die Jubiläumstour von April bis Juni womöglich so etwas wie eine Abschiedstour. Denn "Major", seit 1980 dabei, war das musikalische Herz der Band.
Für echte Fans ist der Verlust von "Major" vergleichbar mit dem "Ausstieg von Keith Richards bei den Stones". Niedecken aber will BAP auch ohne "Major" am Leben erhalten. Als Ersatz hat er Helmut Krumminga (Ex-Gitarrist von Wolf Maahn) und Michael Nass (Keyboard in Gundermanns Seilschaft) verpflichtet.
Im September '99 zeigt das erste Album nach 'Major' ganz offen, dass der Mann, der aus BAP erst eine Rockband machte, kaum zu ersetzen ist. "Tonfilm" ist eine Mischung aus Konzeptalbum und Hörspiel, 16 Titel, 8 alte und 8 neue, die mal melancholisch, mal ironisch die Geschichte verschiedener Figuren einer Rockband erzählen. Dem trägt die Tonfilm-Tour, die am 20. November beginnt, Rechnung: Zum ersten Mal in der Bandgeschichte spielen BAP vor sitzendem (!) Publikum.
Das Live-Album "Övverall", ein Mitschnitt des Konzerts vom 17. Dezember 2001 in der Kölnarena, erscheint 2002 und präsentiert Altes in neuer Frische, um über den Verlust von Major hinwegzutrösten. Vor der Veröffentlichung von "Sonx" (2004) haben Bap mit Jens Streifling wieder einen Abgang zu verkraften, der dementsprechend abgespeckte Sound passt jedoch nicht schlecht in eine Zeit, in der lauter "The"-Bands mit Retro-Rock die Charts erobern. Schwächen zeigt die Scheibe vor allem dort, wo Niedecken sich selbst (erstmals) als Komponist versucht.
Trotzdem bleiben genug Gründe, um im Herbst 2005 das 30-jährige Bandjubiläum mit "Dreimal Zehn Jahre" ausgiebig zu feiern. Kurz darauf meldet sich auch der Major zurück, nachdem er gemeinsam mit der Berliner Sängerin Susanne Werth fast drei Jahre lang an seinem eigenen Album gefeilt hat: das Ergebnis heißt "Major & Suzan" und erscheint im Februar 2006.
2008 melden sich BAP gleich mit zwei Studio-Alben zurück. "Radio Pandora" ist in einer "Plugged"- und einer "Unplugged"-Version erhältlich. "Unplugged" enthält neben acht gemeinsamen Songs vier eigens für dieses Album komponierte Titel, ergänzt durch zwei Bob Dylan-Cover. Musikalisch zeigen sich die kölschen Jungs nach so manch zurückliegendem Alben-Durchhänger hier in bestechender Form.
Anlässlich des Auftritts von Bap bei Rock am See erläutert Wolfgang Niedecken u.a. die Gründe für Majors Ausstieg.
Bevor BAP während ihrer Tour in Konstanz auftraten und dabei fast drei Stunden mit ihren Fans "23 Jahre BAP" zelebrierten, konnte sich die LAUT-Redaktion mit dem Sänger der Kölner Kombo unterhalten.
Sie haben wahrscheinlich gute Erinnerungen an Konstanz, aber feuchte? Ich habe ohne Ende Erinnerungen hierdran, ich habe hier 1981 zum ersten Mal gespielt, und das sind jetzt wirklich 18 Jahre her. Und seitdem sind wir immer wieder nach Konstanz gekommen. Bei fast jeder Tournee haben wir hier gespielt, ob's da irgendwann mal feucht war oder nicht, ist ziemlich egal.
Ich hab so ein Konzert in Erinnerung vom Rock am See von 1986 - strömender Regen - aber das Publikum war trotzdem ganz begeistert. Jetzt habt Ihr in Köln gespielt mit den Rolling Stones, da hat es auch ein bißchen geregnet ... Bei uns nicht, bei den Stones schon!
Und hat sich Mick Jagger an "Verdammt lang her" erinnern können, das hat er wohl mal gekannt? Ich hab ihn nicht gefragt, ob der da was mitgekriegt hat. Nein, wir haben unser Set gespielt und da hinten im Backstage-Bereich, da laufen so viele Wichtigtuer herum, das ist hermetisch abgegrenzt, daß da ja keiner in einen Bereich kommt, wo er nicht hin soll. Wir haben aber auch keine Anstrengungen unternommen, unbedingt zu den Stones vorzudringen. Ich kann das ja verstehen, wenn Leute über zwei Jahre auf ein und dergleichen Tournee sind und sich in jeder Stadt mit Gott weiß wem unterhalten sollen, daß sie dazu keinen Bock haben, das ist ja nur normal.
Kennt Ihr die Stones persönlich, schon mal gesprochen? Ich habe den Mick Jagger kennengelernt und den Keith Richards auch, vor Jahren.
Und Ihr habt einen Witz gemacht, Ihr werdet jetzt alle 17 Jahre zusammen spielen? Alle 17 Jahre, klar!
Könnt Ihr Euch das vorstellen, noch 17 Jahre zu spielen? Ich kann mir das vorstellen, warum auch nicht? In anderen kulturellen Bereichen fragt man die Leute ja auch nicht: "Wie lange wollen Sie das noch machen?" ... Stell Dir mal vor, jemand würde einen Schriftsteller fragen: "Wie lange willst Du denn noch schreiben?" oder einen Maler: "Wie lange willst Du denn noch malen?". Und gerade so Leute wie B.B.King, wie lang sind die zu Gange? Musik macht man, solange man Lust hat. Das hört eigentlich nur auf, wenn Du nicht mehr unbedingt für Jugendlichkeit stehst.
Ihr habt jetzt eine Tour hinter Euch, die im März angefangen hat. Spürt man da nicht das Alter irgendwann in den Knochen? Nein, überhaupt nicht. Das ist eigentlich eine Frage, die müßtest Du den Roadies stellen. Die Crew hat die Arbeit, wir gehen doch nur feiern.
Das klingt gut. Jetzt die Frage, die kommen muß: Warum hört der Major auf? Das ist die Frage, die Du dem Major stellen mußt und nicht mir. (lacht)
Aber Du kennst ihn sehr gut, vielleicht weißt Du, was er sich verspricht von einer Zeit ohne BAP? Zunächst einmal muß man sagen, daß es ein ganz normaler Schritt ist, daß man, wenn man etwas über eine lange Zeit gemacht hat, und die Vorstellungen gehen dann leicht auseinander, daß man dann irgendwann, wenn man feststellt: "So, es ist jetzt nicht mehr so zusammenzubringen, daß es für alle erquicklich ist", daß man dann die Konsequenzen daraus zieht. Und er will eigentlich seit langem schon andere Acts produzieren, er wird auch mal eine Soloplatte machen, wo die Musik ausschließlich so ist, wie er sich das denkt. Und wenn er die Entscheidung fällt, daß er das so machen muß, dann respektiere ich das. Ich bin aber sehr froh, daß vor der Tour die Entscheidung gefallen ist, und daß wir trotzdem so eine schöne Tour zusammen hinkriegen. Das bedeutet schon was! Ich bin auch sehr stolz, daß wir das so hinkriegen. Bei anderen Bands ist das dann der "Ober-Abturn" und bei uns ist das ... wirklich, wir sind hier jetzt nicht auf einer Abschiedstournee, sondern machen eine Tournee, wo wir auf die Bühne gehen und - wie ich eben gesagt habe - feiern!
Abschied, das ist das Stichwort: Ich habe auf einer Fanpage im Internet gelesen, daß zumindest dieser Fan die Tour als Abschiedstournee betrachtet. Wie könnt Ihr den trösten? Es kommt immer darauf an. Du kannst diesen Tisch hier subjektiv, aus Deiner Sicht als völlig häßlich betrachten, und ich kann sagen: "Das ist der schönste Tisch des Jahrtausends" ... jeder hat seine subjektive oder seine objektive Sichtweise, und so muß dieser Fan das auch hinkriegen, für sich zu entscheiden, ob das eine Abschiedstournee ist. Wenn er nur am Major hängt, dann ist das bestimmt die Abschiedstournee. Wenn er aber an BAP hängt, an dem, was BAP jetzt seit 23 Jahren macht, und die Kontinuität bemerkt hat, die in all dem steckt, was wir machen und vielleicht auch bemerkt hat, daß ich seit Jahren der Letzte bin vom ersten Album, daß wir vor dem Amerika-Album auch zwei langjährige Weggenossen verabschiedet haben, dann weiß er, daß diese Tour keinen Abschied von BAP bedeutet. Wir haben uns immer wieder gehäutet, und dadurch ist die Band heiß geblieben. Das Gegenmodell wäre jetzt, man stellt krampfhaft immer wieder die gleichen Nasen auf die Bühne, egal ob sie noch Bock haben oder nicht. Hauptsache ist, das Publikum sieht immer die gleichen Gesichter. Das kann's ja wohl nicht sein! Und BAP ist nie eine Band gewesen wie die Beatles, die von vier Leuten gegründet worden ist, und das mußten dann auch immer diese vier sein. BAP ist eine Band, die um mich herum gewachsen ist, und ich sage mal ganz keß: „Solange ich BAP-Songs singe und die Band heiß ist, die Band wirklich brennt, dann ist das BAP!“
Ihr bringt im Herbst ein neues Album raus? Wer hat die Songs geschrieben? Ja, ist auch schon aufgenommen. Das sind zur Hälfte Songs, die schon auf anderen Alben waren, also vertraute Songs, keine Big Hits. Wobei das sowieso eine Frage ist: "Was ist schon ein Big Hit bei einer Band, die hauptsächlich Alben abliefert?" Die andere Hälfte sind Songs, die schon vorhanden, nur noch nicht verwirklicht waren, und dabei sind auch neue Songs geschrieben worden. Jens hat drei Stücke beigesteuert, von mir sind paar dabei - es sind auch Nummern dabei, die der Major geschrieben hat.
Also es ist noch nicht so, daß man auf dieser Platte BAP ohne Major hören kann? Nein, das ist auch... also, ich hüte mich ja immer vor sentimentalen Sprüchen, aber den Major wird man noch ein paar Jahre bei uns hören - er hat bei BAP so einen großen Fußabdruck hinterlassen, das wäre auch ganz ganz traurig, wenn dem nicht so wäre.
Aber damit ist nicht gemeint, daß er auch wieder bei BAP spielen wird? Ich habe mir abgewöhnt "nie" zu sagen, aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, weil ich den Major gut kenne. Wenn der sich einmal zu solch einem Entschluß durchringt, dann war es das dann auch.
Radio Pandora (Plugged) (2008), Radio Pandora (Unplugged) (2008)
Dreimal Zehn Jahre (2005)
Comics & Pin-Ups (1999), Amerika (1996), Wahnsinn-Die Hits von 79-95 (1995), Mit Offenen Karten (1993), Pik Sibbe (1993), ... Affrocke (1992), X Für E U (1990), Da Capo (1988), Ahl Männer, Aalglatt (1986), Zwesche Salzjebäck Un Bier (1984), Bess Denmähx (1983), Vun Drinne Noh Drusse (1982), Für Usszeschnigge (1981), Affjetaut (1980), ... Rockt Andre Kölsche Leeder (1979)
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The BossHoss (19.11.) u. BAP (21.11.) live and for free!! stephano |
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17.11.08, 14:32 stephano |
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BAP-Sänger Wolfgang Niedecken bei RPR1. zu Gast RPR1.Insider |
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26.05.08, 17:10 RPR1.Insider |
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