Porträt

laut.de-Biographie

Röyksopp

Röyksopp. Spontane Assoziationen mit diesem Wort laufen zunächst mal ins Leere. Klingt für mitteleuropäische Ohren schon leicht unorthodox, was sich die beiden Norwegerbengels Svein Berge und Torbjorn Brundtland aus Bergen, hoch oben im Lande der Northern Lights, haben einfallen lassen, um ihrem Leftfield-geschwängerten Electronic Sound Mitte der 90er Jahre einen Namen zu geben.

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Matthias Manthe über den Röyksopp-Kurzfilm, den "Whale Watching"-Tourstopp in Berlin und Justin Vernons Kiffsitzung mit Rick Ross.

Ein unmögliches Wort sollte es sein, das ihre Musik erklären konnte, der Grund also, warum die Wahl auf Röyksopp fiel. Auf Norwegisch bedeutet es angeblich so viel wie Schokoladenkuchen essen mit einem Hamburger oben drauf oder auch Atompilz. Jedenfalls verwendet kein Mensch dort dieses Wort. Was soll man auch anderes machen, wenn man in Tromso, unweit des Polarkreises seine Jugend größtenteils im Dunklen verbringt, wo der Rentierzüchter-Schwof die Zungen aller Tanzmusikverrückten zum Schnalzen bringt, und man aufpassen muss, dass einem nicht auch noch das Hinterteil einfriert.

Und doch: In Tromso gab es früher anscheinend drei Personen mit einem Faible für elektronische Musik. Auch Raves fanden statt. Damals in der Schule, um 1993 herum, spielten alle (oder versuchten es zumindest) Gitarre, möglichst hart. Außer Svein und Torbjorn. Die beiden versuchten sich an elektronischer Musik. Logisch, dass die Hartwurstfraktion und die evil Grunztüten höhnisch feixten und mit Dresche drohten.

Nichtsdestotrotz experimentierten sie im Musikraum ihrer Schule mit dem aus Keyboards und Samplern bestehenden Equipment herum, das sie aus den einschlägigen Läden zum "Testen" geliehen hatten. Eines Tages drücken sie Geir, Mitglied einer Band namens Biosphere und Lokalgröße, ihr Demo in die Hand, der es an das für guten Ambient bekannte Apollo Label schickte. Als Resultat bekommen sie einen Vertrag angeboten. 1995 erscheint unter dem Alias Aedena Cycle das Album "Travellers Dream".

Nach der Schule zerstreuen sich zunächst ihre Wege, bis sie sich ein, zwei Jahre später in Bergen – zuhause in Tromso gab es keinen Raum zum Musizieren – wieder zusammentun und Röyksopp gründen. In Bergen formiert sich die Szene aus Musikern und DJs zum einem Teil um das Plattenlabel Telle, das auch Röyksopps erste Maxi "So Easy" veröffentlicht. Wall Of Sound Recordings aus London werden darauf aufmerksam, das Duo hat einen neuen Deal.

Ihre Musik beschreibt Torbjorn als eine Kombination aus Filmmusik-Harmonien, klassischen Komponisten wie Erik Satie, Melodien künstlerisch anspruchsvoller Pornomucke eines Francis Lai, analoger Wärme der siebziger Jahre und den glorreichen Achtzigern. Im Oktober 2001 veröffentlichen Röyksopp das Debüt "Melodie AM", das so gut wie keiner auf der Rechnung hat, und das sich weltweit rund 750.000 Mal verkauft, davon mehr als die Hälfte allein in Großbritannien. Das Album nistet sich in den Charts ein, und Röyksopp gehen auf Tour, wo sie u.a. mit Moby, Basement Jaxx, Orbital und Pulp sowie beim Glastonbury auf der Bühne stehen. 2002 bekommen sie bei den MTV Awards den Preis für den besten Videoclip.

Den Überrachsungsfaktor können Röyksopp Anno 2005 nicht mehr für sich verbuchen. Dennoch führen sie relativ erfolgreich ihr Konzept fort. "The Understanding" erntet zwar nicht durchweg positive Kritiken, aber das dürfte die Protagonisten einigermaßen kalt lassen. Von der kommerziellen Seite her gesehen wuppt die Geschichte nämlich äußerst gut: ihre Songs tauchen immer wieder als Untermalung in Werbspots auf.

Dass es sich bei den beiden nicht um reine Studiotüftler handelt, machen sie bei umfangreichen Konzertreisen deutlich. Wer sich das ganze ins Wohnzimmer holen möchte, besorge sich mit "Röyksopp's Night Out" einen kleinen Ausschnitt ihres Könnens. Darauf zu hören: eine äußerst launige Version des QOTSA-Songs "Go With The Flow".

2009 steht ganz im Banne eines größer angelegten Projektes. Mit "Junior" und ein Jahr später "Senior" legen Torbjørn Brundtland und Svein Berge ihr "Use Your Illusions" vor.
2009 steht ganz im Banne eines größer angelegten Projektes. Mit "Junior" und ein Jahr später "Senior" legen Torbjørn Brundtland und Svein Berge ihr "Use Your Illusions" vor.

Darauf zu hören auch der Track "The Girl and the Robot", eine Kollaboration mit der schwedischen Vorzeige-Popqueen Robyn. Die Zusammenarbeit läuft galant und erfolgreich, so dass nichts gegen eine weitere Nummer spricht. "None Of Dem" wird ein Jahr später veröffentlicht – dieses Mal auf Robyns "Body Talk Pt 1".

Doch bekanntlich sind aller guten Dinge drei. Es ist das Jahr 2013 und Robyn und Röykopp do it again. "Der Begriff 'Zusammenarbeit' war in der Musikwelt noch nie so gerechtfertigt wie hier!", erklären Röyksopp dazu und Robyn führt aus: "Svein, Torbjörn und ich haben Anfang 2013 an neuen Musikstücken gesessen. Zu Beginn wussten wir nur, dass wir etwas gemeinsam erschaffen wollten, doch dann fühlten wir uns eher wie Mitglieder einer Band als nur reine Songschreiber für ein Album von Röyksopp oder Robyn."

So kommt es, dass das Material für eine ganze EP ausreicht. "Do It Again" erscheint im Frühjahr 2014 und wird mit einer großangelegten Welttournee promotet. "Wir sehen das Mini-Album als eine Ausdrucksform, bei der Pop und Kunst Seite an Seite regieren", so Röyksopp.

Das spiegelt sich auch im Tourtrailer wieder: Schwarz-weiße, verzerrte Bildwelten mit einer Robyn in bollerigem Bühnenoutfit, Plateuschuhen und engen Leggins sowie den Röyksopp-Jungs in LED-Jacken, mit Robotermasken oder Fischernetz-Ganzkörperanzügen. Die Skandinavier setzen ihr Motto durch und durch um.

News

Alben

Röyksopp - Senior: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2010 Senior

Kritik von Daniel Straub

Ein Trentemöller hätte Wunder bewirkt. (0 Kommentare)

Röyksopp - Junior: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 Junior

Kritik von Martin Tenschert

Angenehmes Auf und Ab zwischen Ambient und Disco. (0 Kommentare)

Videos

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What Else Is There ?

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