laut.de-Kritik

Ehrliche Werkschau ohne großes Spektakel.

Review von

65 Jahre Wolfgang Niedecken, 40 Jahre BAP. Der Weg vom Kölner Chaotenkollektiv hin zum deutschlandweit anerkannten Aushängeschild rheinischer Rockmusik mag langwierig und steinig gewesen – doch das dritte große Kapitel der Bandgeschichte bricht gerade erst an. Nachdem mit Helmut Krumminga auch der zweite große Songwriter BAP-Chef Niedecken den Rücken gekehrt hat, rappelt sich der Herr mit der Pudelmähne nach Schlaganfall und Akustiktour erneut auf, um die Band mit frisch verjüngter Besetzung am Leben zu halten.

Was mit dem äußerst besinnlichen Songwriter-Album "Lebenslänglich" begann, hat inzwischen eine knallharte Promophase erreicht. BAP steht eine knapp 50 Termine umfassende Tournee bevor – die Hallen der Nation wollen schließlich wieder gefüllt werden. Dazu avanciert Niedecken nicht nur zum Dauergast auf Xavier Naidoos Sing meinen Song-Couch, sondern lässt auch kurzerhand "Die Beliebtesten Lieder" hinterherschieben – eine weitere Best-of, wie sie BAP seit den Neunzigern im Zehn-Jahres-Rhythmus auf den Markt werfen.

Statt jedoch wie einst auf "Dreimal Zehn Jahre" (2005) ein gewisses Wagnis einzugehen und Stücke neu einzuspielen (geschweige denn neu zu arrangieren), legen Niedecken und Label nicht mehr und nicht weniger als eine zusammengeklaubte Chronologie ihrer größten Erfolge vor. Wie gemacht für 2 Millionen VOX-Zuschauer, die plötzlich wieder ein "Verdamp Lang Her"-Ohrwurm plagt. Muss eben auch mal sein.

Dabei bringt die Compilation zusammen, was zusammengehört: Zwei große Schaffensphasen, deren beider Abschluss die ewigen Nörgler auf den Plan rief. Sätze wie "Seitdem der Major nicht mehr dabei ist…" verfolgen Niedecken seit dem Weggang Klaus Heusers vor immerhin 17 Jahren bis heute. Ein Spuk, der sich nun, da ewig Gestrige die Band mit dem Ausstieg von Gitarrist Krumminga erneut zu Grabe tragen wollen, zu wiederholen scheint.

Tatsächlich zeigen "Die Beliebtesten Lieder" aber nicht nur die Verschmerzbarkeit, sondern sogar die Notwendigkeit der knapp 20 Besetzungswechsel in vier Dekaden auf. Schon die amateurhafte Erstbesetzung, deren Gruppenfoto hier das Innere des Booklets ziert, erweist sich trotz ihres frühen Hits "Wahnsinn" ("Wild Thing", The Troggs) als kaum tauglich für professionelle Auftritte und Tourneen – wodurch die eigentliche Band schon nach nur einem Studioalbum zerbricht.

In den kommenden Jahren ebnet Klaus "Major" Heuser BAP dann den Weg in die Küchenradios der Republik ("Verdamp Lang Her", "Do Kanns Zaubere"), bevor er sich im Laufe der Achtziger immer aufpolierteren Sounds hingibt ("Fortsetzung Folgt..."). Arrangements wie die von "Alles Em Lot" nennt Niedecken inzwischen "Phil Collins für Arme" – auf der aktuellen Werkschau findet die synthesizerlastige Zeitgeist-Ausgeburt dann aber eben doch ihr Plätzchen.

Als sich die Radio-Pop-Chose zuspitzt, ziehen Niedecken und Heuser 1999 die freundschaftliche Notbremse. Der Major dankt ab. Unter Ex-Wolf Maahn-Gitarrist Helmut Krumminga produzieren BAP in den 2000ern intelligente, vor allem aber wieder organisch-kernige Rockmusik ("Aff Un Zo"), widmen sich mit dem doppelseitigen Reifezeugnis "Radio Pandora" aber auch vermehrt den ruhigen Tönen – in weiser Voraussicht. So greifen BAP in der zweiten Hälfte der vorliegenden Compilation dann auch erstmals in die Chronologie der Tracklist ein und ersetzen einzelne Originalaufnahmen ("Ruut-Wiess-Blau, Querjestriefte Frau", "Für 'ne Moment") durch Unplugged-Versionen der altersmilden Akustiktour aus dem Jahr 2014.

Wirklichen Mehrwert bietet "Die Beliebtesten Lieder" dem BAP-Fan dann aber einzig und allein in der Special Edition, der auf einer zusätzlichen Disc immerhin 17 Coverversionen beiliegen. Während die Diskografie der Gruppe seit jeher von Niedeckens ewige Liebe zu Bob Dylan durchzogen wird, sind auch Cover und Features mit Kinks-Chef Ray Davies und Gentleman enthalten. Tribute an Leonard Cohen, Bob Marley und Niedeckens berühmtesten Duettpartner Bruce Springsteen vervollständigen den Gesamteindruck. Die gesammelten Cover entpuppen sich logische Ergänzung zur Diskografie einer Band, die Bowies "Heroes" und Lindenbergs "Cello" längst im Repertoire hatte, bevor diese im Zuge von Radio-Pop-Standardisierungen und Märtyrer-Beweihräucherung wieder ausgegraben wurden. BAP can be heroes – for ever and ever.

Trackliste

  1. 1. Wahnsinn
  2. 2. Helfe Kann Dir Keiner
  3. 3. Ne Schöne Jrooss
  4. 4. Verdamp Lang Her
  5. 5. Do Kanns Zaubere
  6. 6. Kristallnaach
  7. 7. Alexandra, Nit Nur Do
  8. 8. Ahl Männer, Aalglatt
  9. 9. Fortsetzung Folgt...
  10. 10. Alles Em Lot
  11. 11. Paar Daach Fröher
  12. 12. Widderlich
  13. 13. Amerika
  14. 14. Nix Wie Bessher
  15. 15. Ahnunfürsich
  16. 16. Ruut-Wiess-Blau Querjestriefte Frau (Live Kölner Philharmonie 2014)
  17. 17. Müsli Män (Schrank-Version / Remastered 2007)
  18. 18. Frau, Ich Freu Mich
  19. 19. Arsch Huh, Zäng Ussenander (Live Lanxess Arena Köln 2008)
  20. 20. Für 'ne Moment (Live Kölner Philharmonie 2014)
  21. 21. Rita, Mir Zwei (Remastered 2007)
  22. 22. Aff Un Zo (Remastered 2007)
  23. 23. Unger Krahnebäume (Remastered 2007)
  24. 24. Songs Sinn Dräume (Plugged Version)
  25. 25. Diego Paz Wohr Nüngzehn (Plugged Version)
  26. 26. Halv Su Wild (Album Version)
  27. 27. Noh All Dänne Johre
  28. 28. All Die Augenblicke
  29. 29. Zosamme Alt (Live Kölner Philharmonie 2014)
  30. 30. Alles Relativ
  31. 31. Hungry Heart (Soundcheck At Schloss Merode Germany 2011)
  32. 32. Redemption Song
  33. 33. Rock 'N' Roll-Star (Remastered 2007)
  34. 34. Heroes (Live At E-Werk, Köln 1991)
  35. 35. Wat Schriev Mer En Su Nem Fall
  36. 36. Chelsea Hotel (Unplugged Version)
  37. 37. Vill Passiert Sickher (Live At Kölnarena 2001)
  38. 38. Für Immer Jung (Plugged Version)
  39. 39. Jed Körnche Sand (Unplugged Version)
  40. 40. Señor (Unplugged Version)
  41. 41. Leopardefellhoot (Live Schloss Merode Germany 2011)
  42. 42. Millione Meilen (Live Lanxess Arena Köln 2008)
  43. 43. Hollywood Boulevard
  44. 44. Mer Stonn Op Berlin
  45. 45. Weihnachtsnaach
  46. 46. Cello
  47. 47. Kaspar (Remastered 2007)

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Neben Willi Millowitsch sind sie wohl die bekanntesten Vertreter des kölschen Dialekts, nur Millowitsch rockt eben nicht. Das tun Wolfgang Niedecken …

4 Kommentare mit 22 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Auch wenn ich sonst kein Fan von diesem Genre bin, so gefällt mir doch vieles von BAP und dem Niedecken sehr gut. Ich finde es auch sehr löblich, das hier oftmals ein lokaler Dialekt gepflegt wird. Das ist allemal besser, als diese allgegenwärtige Aufweichung der deutschen Sprache kommentarlos hinzunehmen. Dem gesellschaftspolitischen Engagement stehe ich selbstverständlich kritisch gegenüber. Aus diesem Grunde werde ich auch auf einen Kauf verzichten.

    • Vor einem Jahr

      "allgegenwärtige Aufweichung der deutschen Sprache"

      Idiot.

    • Vor einem Jahr

      @Alboin:
      "Ich finde es auch sehr löblich, das hier oftmals ein lokaler Dialekt gepflegt wird."
      "dass" in diesem Fall mit Doppel-S, Du Sprachaufweicher!
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      "Dem gesellschaftspolitischen Engagement stehe ich selbstverständlich kritisch gegenüber"

      ...aha. Welchem jetzt genau?

    • Vor einem Jahr

      @Skywise: Die Klugscheißerei kannst Du Dir sparen. Ich spreche hier von Verwässerung durch kulturfremde Einflüsse und nicht von Rechtschreibung

    • Vor einem Jahr

      @Herr Berrt: Da gibts doch so einige, Kumpanei mit der Oberfeministin oder Alibi Aktionen gegen Rassismus zum Beispiel.

    • Vor einem Jahr

      @Alboin:
      Einen Satz beendet man mit einem Satzzeichen.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      @alboin
      Sancho, bist du das? Oder sollte ich Spiegel sagen? Zyniker? :D
      @Skywise
      Trolling much? :P

    • Vor einem Jahr

      @Skywise: Wenn Dir Argumente fehlen, dann solltest Du es gleich ganz sein lassen. Mit Systemjüngern von Deinem Format werde ich doch im Halbschlaaf fertig.
      @moody: Ich habe keine Ahnung was Du meinst.

    • Vor einem Jahr

      "Alibiaktion".

    • Vor einem Jahr

      Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Jahr

      @Alboin:
      "Schlaf" schreibt sich nur mit einem A. Und ich lasse mir doch nicht von einem kulturvergessenen Sprachpanscher, dem man während der Schulzeit am besten auflagenweise den jeweils aktuellen Duden ins große Maul gestopft hätte, den Mund verbieten. So was wie Du sollte man am besten direkt aus dem Land jagen, wenn Du nicht mal über so viel deutsches Nationalbewußtsein verfügst, Deine eigene Muttersprache korrekt zu gebrauchen! An die Wand hätte man Dich stellen sollen! Nicht mal so viel Ehre im Leib, die deutsche Kultur aufrecht zu halten und ihre Rechtschreibregeln zu achten, stattdessen mit sprachlichen Unzulänglichkeiten auch noch dem kulturvergessenen Gesocks in die Karten spielen! Kannst Du nicht irgendwo erst mal üben gehen, anstatt hier drei feherbehaftete Sätze in Folge an mich abzuschicken!?
      Und so ein hirnloses Arschloch will mit seinem nationalistischen Gewäsch Deutschland retten oder mit mir im Halbschlaf fertig werden - beschämend! Wirklich beschämend!
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      @Skywise: Du scheinst ein wirklich unangenehmer Zeitgenosse zu sein. Ich rate Dir dringend Deine aufgestaute Wut anders abzuarbeiten z.B. mit körperlicher Arbeit. Ich muss wohl nicht erwähnen das mich niemand aus diesem Land jagen wird. Immerhin kann ich meinen Stammbaum lückenlos bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Den unterschwelligen Vorwurf ein "Nationalist" zu sein, weise ich weit von mir. Meine politische Heimat war stets die Sozialdemokratie.

    • Vor einem Jahr

      @Alboin:
      "z. B." ist eine Abkürzung, also haben die Abkürzungen auch so behandelt zu werden wie vollständige Worte, daher gehört zwischen "z." und "B." ein Leerschritt.
      "Ich muss wohl nicht erwähnen das" - Komma nach "erwähnen", "dass" mit Doppel-S.
      Dein Stammbaum geht mir am Arsch vorbei. Es gibt genügend Familien, deren unverzweigter Stammbaum irgendwann degenerierte Schwachsinnige hervorgebracht hat, wahrscheinlich handelt es sich bei Dir um ein solches Exemplar, immerhin braucht es schon enorm große Scheuklappen, wenn der Vorwurf des Nationalismus auf Deiner Seite als "unterschwellig" ankommt.
      Deine Heimat war niemals die Sozialdemokratie, denn Deine Aussagen zeigen nicht einmal einen Hauch von sozialem Denken, von einem Verständnis der Demokratie ganz zu schweigen. Du bist einfach nur ein Sprachassi, Deine Äußerungen an dieser Stelle lassen darüber hinaus vermuten, dass sich Dein Assitum sogar noch auf Deine weitere Persönlichkeit erstreckt.
      Aber mach Dir nichts draus, der Synapsenmangel in Deinem Hirn wird aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest dafür sorgen, dass Du Deine eigene ekelhafte Gestörtheit und Deine Überflüssigkeit in der Gesellschaft nicht wahrnimmst.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      ALSO HIER IST ES WIRKLICH SCHWER ZU ENTSCHEIDEN; WER VON EUCH ZWEI DER GRÖSSERE MONGO IST!?!

    • Vor einem Jahr

      Ich denke es reicht langsam. Ich habe kein gesteigertes Interesse daran, dass sich ein gefrusteter Orthografie-Troll an mir abarbeitet. Du solltest Dich etwas mehr mit der Geschichte der Sozialdemokratie beschäftigen, bevor Du Deine wütigen Tiraden veröffentlichst! Dir ist ja sicherlich auch bekannt das der von allen hochgeschätze Thilo Sarrazin ein aktives SPD Mitglied ist?

    • Vor einem Jahr

      Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Jahr

      @Alboin:
      "Ich denke" Komma "es reicht langsam."
      "auch bekannt" Komma, dass mit Doppel-S.
      Thilo Sarrazin und die Geschichte der Sozialdemokratie machen das Rechtschreibgewichse, das in Deinem Fall ganz offensichtlich völlig verunglückten Erziehungsmaßnahmen und/oder der absoluten Degeneration irgendeines (!) Kulturgefühls, am allerwenigsten des Kulturgefühls eines guten, korrekten Deutschen entspringt, auch nicht intelligenter oder kulturell wertvoller. Vielleicht solltest Du es mal mit einer anderen Sprache versuchen, mit einer anderen Kultur, die Du hochhältst. Für einen Deutschen bist Du auf jeden Fall viel zu minderwertig ausgestattet.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      HALT DOCH ENDLICH MAL DIE BACKEN DU SELTEN DUMMER MONGO!!!

    • Vor einem Jahr

      @dummer mongo:
      Sei mal lieber still, sonst lese ich Deine Posts auch noch Korrektur.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      VON NEM VIERTKLASSGEN ORTHOGRAPHIE-OCHSEN LASS ICH MIR GARANTIERT NICHT DEN MUND VERBIETEN!!!
      GRUSS
      MONGO

  • Vor einem Jahr

    Es ist ein wenig schade, wie Niedecken über Songs wie "Alles em Lot" spricht. Ich finde den ziemlich großartig und einen der stärksten Songs von BAP überhaupt. Niedecken sollte nicht vergessen, dass er es auch Heuser zu verdanken hat, dass BAP so groß geworden sind.

    • Vor einem Jahr

      Um seinen Respekt vor Heuser mache ich mir keine Sorgen. Das Zitat stammt aus Sing meinen Song neulich, da macht er aber auch ganz deutlich, dass es nur ums Arrangement und nicht um die Komposition geht.

  • Vor einem Jahr

    Alex Klug. Bestimmt ein running gag in der Redaktion wenn der Herr mal aufs Örtchen muss. hehe

  • Vor einem Jahr

    Dem gesellschaftspolitischen Engagement stehe ich selbstverständlich 100% wohlwollend und bewundernd gegenüber. BAP kann ich, gerde deshalb auch, wirklich ohne Einschränkung empfehlen!