Porträt

laut.de-Biographie

Dr. Dre

Es war einmal ... Hip Hop findet nahezu ausschließlich an der amerikanischen Ostküste statt. Zwischen den Party-Vibes der Oldschool und den wütenden, finsteren Polit-Raps von Public Enemy oder KRS-Ones Boogiedown Productions existiert wenig bis nichts - bis ein Mann aus Kalifornien den Gangsta-Rap aufs Tapet bringt: Der Rapper Dr. Dre kommt zwar lange nicht über simple Reime und dürftige Technik hinaus, dem Ausnahmeproduzenten Dre gebührt jedoch Respekt für echte Pioniertätigkeit.

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Andre Romell Young erblickt das Licht der Welt am 18. Februar 1965 im kalifornischen Compton. Die Eltern lassen sich bereits vor seiner Geburt scheiden. Andres Mutter heiratet später erneut und beschert ihm einen Halbbruder, den die Welt als Warren G kennenlernen wird. In den frühen 80er Jahren verfällt Andre den Beats.

Mit 17 Jahren tritt er, gemeinsam mit seiner World Class Wreckin' Cru, in South Central L.A. bei Housepartys und in Clubs auf. Beim Auflegen trägt er in den Anfangszeiten gelegentlich einen Mundschutz. Ob sein Künstlername hierauf oder auf seine Verehrung für den Basketball-Stars Julius "Dr. J" Erving zurück zu führen ist, lässt sich im Nachhinein schwer feststellen. Eines jedoch ist sicher: Aus Andre wird Dr. Dre.

1986 trifft Dre auf Ice Cube. Gemeinsam nehmen sie einige Songs für Ruthless Records, das Label des ehemaligen Drogendealers Eazy E, auf. Dieser versucht, einen Track des Duos ("Boyz N The Hood") bei HBO, einer Unterabteilung des Labels unterzubringen. Dieser Versuch scheitert, führt aber zur Gründung der N.W.A.. Auf ihr Debüt ("N.W.A. And The Posse", 1987) folgt im Jahr darauf "Straight Outta Compton", das - ganz ohne Unterstützung von Presse, Radio oder gar MTV - spätestens jetzt die West Coast auf den Hip Hop-Plan holt. "Fuck Tha Police" trägt ihnen darüber hinaus eine Ermahnung des FBI ein.

Hauptsächlich aufgrund von Streitereien ums Geld verlässt Ice Cube 1989 die Crew und hinterlässt Eazy E den Posten des Frontmanns. Die musikalische Oberherrschaft obliegt allerdings zweifellos Dr. Dre. Er unterlegt Noise-Collagen mit prägnanten Rhythmen und entwickelt aus dem Funk George Clintons einen ganz eigenen Stil: Wir erleben die Geburtsstunde des G-Funk. Zwei Jahre und zwei Alben später befinden sich N.W.A. auf der Höhe ihres Erfolgs.

Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Dre denkt bereits 1991 an einen Ausstieg, zumal er wegen eines Angriffs auf den Host einer Fernseh-Show einen Prozess an der Backe hat. 1992 macht er damit ernst. Dre steigt bei N.W.A. aus und gründet zusammen mit Suge Knight das Label Death Row Records. Die Legende besagt, Knight sei mit geladener Kanone beim damaligen Manager der Combo aufgetaucht, um diesen mit deutlicher Gestik davon zu überzeugen, Dre aus seinen Verträgen zu entlassen. Es geht doch nichts über nachdrücklich vorgetragene schlagende Argumente.

Death Row entwickelt sich in kürzester Zeit zur dominierenden Kraft im Hip Hop-Biz und kann seine Vormachtstellung bis Mitte der 90er unangefochten behaupten. Das Frühjahr 1992 sieht die Veröffentlichung von Dres erster Solo-Single. "Deep Cover" markiert gleichzeitig den Beginn der Kollaboration mit Snoop Doggy Dogg. Dre verdankt diesen Kontakt seinem Halbbruder, der ihn mit Mixtapes des angehenden Doggfathers versorgte.

Dr. Dre - Compton
Dr. Dre Compton
"Rich as fuck but guess what? I'm back to work."
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Erheblichen Einfluss auf die Wichtigkeit Death Rows nimmt Dr. Dres Solo-Debüt: "The Chronic" von 1992 landet in den Top 10, feiert mit "Nuthin' But A 'G' Thang", "Fuck Wit Dre Day" und "Let Me Ride" Erfolg um Erfolg, holt mehrfach Platin, einen Grammy für die beste Rap-Solo-Performance (für "Let Me Ride") und featuret ausgiebig Dres Entdeckung Snoop Dogg. Dessen von Dre produziertes erstes Album "Doggystyle" steigt 1993 als erstes Debüt eines Künstlers auf Platz eins der Billboard-Charts ein.

Ohne eine eigene Platte auf den Markt zu bringen, arbeitet Dre in den folgenden Jahren wie besessen. Mehrere Soundtracks (darunter die zu "Murder Was The Case" und "Above The Rim") gehen auf sein Konto. Er liefert die Beats für Warren Gs "Regulate... The G Funk Era" und produziert für Blackstreet sowie 2Pac, Nate Dogg und andere Mitglieder der Death Row-Familie. Aus einer Reunion mit Ice Cube entsteht "Natural Born Killaz". Death Row dominiert das Geschehen bis 1996. Dres Sound wird imitiert, fast vier Jahre lang beherrscht G-Funk den Hip Hop.

Aber, wie gehabt: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Death Row feiert mit 2Pacs "All Eyez On Me" (und einem Dre-Feature auf "California Love") einen weiteren Erfolg, doch Dre erkennt das am Horizont heraufziehende Unheil schneller als der Rest der Welt. Im Sommer 1996 nimmt er seinen Hut und startet sein neues Projekt: Aftermath Entertainment. Die erste Veröffentlichung, "Dr. Dre Presents ... The Aftermath" stellt eine Kollektion von Dres Schützlingen vor, erreicht - gemessen an seinen hohen Maßstäben - trotz erheblicher Aufmerksamkeit seitens der Medien nur mäßige Verkaufszahlen. Dennoch avanciert "Been There, Done That", Dres Nachruf auf den hiermit totgesagten Gangsta-Rap, zum Hit.

1999 legt Dre mit "2001" und dem dazugehörigen Instrumental-Album nach. Wie die Gästeliste zeigt, hat Dre mittlerweile das Detroiter Weißbrot Eminem entdeckt, für den er ausgiebig Beats liefert. Unter anderem seine Tätigkeit für Eminems "Marshall Mathers LP" wird 2000 mit einem Grammy für den Produzenten des Jahres gewürdigt. Dessen Referenzen können sich sehen lassen: Er arbeitet für Eminem ("Marshall Mathers LP", "The Eminem Show", "Encore"), Xzibit ("Restless", "Man Vs. Machine"), Obie Trice ("Cheers"), 50 Cent ("Get Rich Or Die Tryin'", "The Massacre", "Get Rich Or Die Trying - The Soundtrack"), The Game ("The Documentary"), und und und ...

Zwischen 1994 und 2004 veröffentlicht er außerdem mehrere Compilations, absolviert Feature-Auftritte bei diversen Kollegen und spielt in etlichen Filmen (darunter "Set It Off", "Training Day" und "The Wash") mit. Eine Schauspielkarriere möchte er allerdings gemäß eigenen Aussagen nicht weiter verfolgen. Ein ganz nebenbei an der University of Phoenix erworbener Abschluss in Psychologie rechtfertigt zumindest teilweise den selbstverliehenen "Dr." im Namen.

Bei der Verleihung der Vibe Awards 2004 wird Dre attackiert und mehrfach ins Gesicht geschlagen. Young Buck, ein Mitglied der G-Unit, sticht daraufhin den Angreifer nieder. Umgehend machen Gerüchte die Runde, Suge Knight sei - wie auch immer - in den Vorfall verwickelt.

Wie wärs eigentlich mal wieder mit einem Solo-Album? "Detox" wird für 2005 angekündigt. Mitte 2005 ist es angeblich fertiggestellt - nicht jedoch zur Zufriedenheit des perfektionistischen Urhebers. Dre bastelt erneut daran herum. Der Release wird um ein Jahr verschoben, auf der Homepage von Aftermath ist gar erst die Rede von einer Veröffentlichung 2007. Nach unzähligen weiteren verschobenen Release-Terminen entwickelt sich "Detox" zum Mythos.

Der Doctor macht stattdessen lieber Business. 2011 konzentriert sich darauf, seine Kopfhörer-Marke Beats By Dre "auf ein Level mit Apple" zu bringen. Der Software-Riese aus Kalifornien macht Dre schließlich zum ersten Hip Hop-Milliardär: 2014 kauft Apple das Unternehmen für drei Milliarden Dollar, um damit seinen Streamingdienst Apple Music salonfähig zu machen.

Auf dem zugehörigen Online Radio Beats 1 moderiert Dre seine eigene Radioshow "The Pharmacy". Dort gibt er Anfang August 2015 überraschend bekannt, dass sein drittes Studioalbum - immerhin ganze 16 Jahre nach "2001" - nicht etwa "Detox", sondern "Compton" heißt und schon eine Woche später exklusiv bei iTunes und Apple Music erscheint. Inspiriert vom N.W.A.-Biopic "Straight Outta Compton" lädt sich Dre neben alten Bekannten wie Snoop Dogg, The Game und Ice Cube auch seine Lieblingsschüler Eminem und Kendrick Lamar ins Studio ein.

"Es ist verrückt, dass das erst mein drittes Album in mittlerweile 30 Jahren ist", meint Dre im Interview mit DJ Zane Low. Gleichzeitig soll "Compton" aber auch das letzte Solo-Album des Doctors bleiben.

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Dr. Dre - Compton: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2015 Compton

Kritik von Dani Fromm

"Rich as fuck but guess what? I'm back to work." (0 Kommentare)

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