Porträt

laut.de-Biographie

Nate Dogg

"Ich sage ja nicht, dass ich den G-Funk erfunden hätte, aber wenn man einmal genau darüber nachdenkt, wird man feststellen, dass ich schon einen sehr großen Anteil an seinem Siegeszug hatte." Da hat der gute Nate Dogg zweifelsohne Recht. Auf keinem Westcoast-Album seit Beginn der Neunziger darf sein prägnanter Rapgesang fehlen. Die bekanntesten Beispiele sind "The Chronic", "2001" (beide Dr. Dre), "Doggystyle", "The Last Meal" (beide Snoop Dogg), "All On Eyez On Me", "Still I Rise" (beide 2Pac), "Regulate" (Warren G), "Doogfood" (Dogg Pound), "The Marshall Mathers LP" (Eminem) oder "Restless" (Xzibit). Über 60 Millionen mal verkaufen sich diese Platten insgesamt. Doch so stattlich sich diese Zahlen auch ausnehmen, Nate Dogg fehlt zum Superstar ein richtiger Soloerfolg. Mit "Music And Me" steht 2002 nach über zehn Jahren im Rapgame erst sein zweites eigenes Werk in den Plattenläden.

Nate Dogg wird in Long Beach, CA, als Nathaniel Hale geboren, wächst jedoch in Clarksdale Mississippi auf. Sein Vater ist dort als Prediger tätig, und Nate beginnt folglich im Kirchenchor zu singen. Als Teenager kehrt er dann wieder zurück nach Long Beach und gründet mit Cousin Snoop Dogg sowie Dr. Dres Halbbruder Warren G die Gruppe 213. Das Trio tritt auf Blockpartys und in Clubs auf. Derweil schreibt der Doktor mit NWA Hip Hop-Geschichte und beginnt nach dem unrühmlichen Ende der Niggas With Attitude mit seiner Solokarriere. Zusammen mit Death Row-Boss Suge Knight nimmt er kurz darauf die Mitglieder von 213 genau unter die Lupe.

Das Resultat: Snoop wird zum kongenialen Partner von Dr. Dre, und Nate Dogg darf auf "Theez Nuts" vom "The Chronic"-Album singen. Auch Warren G startet voll durch. Mit dem Megahit des "Above The Rim"-Soundtracks "Regulate", auf dem er Kumpel Nate Dogg featured, gelangen Beide zu Weltruhm. Doch im Gegensatz zu Warren G und Snoop Dogg klappt es für Nate trotz einiger hochkarätiger Gastauftritte (2Pac, Snoop Dogg) nicht mit einer Solokarriere bei Death Row Records.

So kehrt Nate ihnen bald den Rücken und veröffentlich auf dem kleinen Label Breakaway Records 1998 sein Debutalbum "Funk Classics Vol. 1-2", welches jedoch mangels Promotion zu Unrecht in den Regalen der Plattengeschäfte verstaubt. Man höre ich nur einmal nur die Single "Nobody Does It Better" an, in denen Nate Dogg und Warren G eine intensive Vergangenheitsbewältigung betreiben. "Do you remember back on the east side?/When all of us niggas used to love to ride/We didn't care what we did/Time was nothing to us, we were just kids/Times are different now, but you still get stuck/I'm not a kid no more, I just don't give a fuck/So if you think you really wanna step to me/Keep this is mind: nobody does it better than me."

Notgedrungen besinnt sich der Dogg nach seinem 98er Debut wieder auf die alten Stärken, die ihn einst berühmt gemacht haben. Er singt die Hooklines, u.a. bei Kurupt, C-Murder, Dr. Dre, Eminem, Snoop Dogg, Xzibit, Fabolous, Ludacris, Mariah Carey, Jermaine Dupri und Jadakiss. Das gibt erstens richtig Kohle und zweitens bleibt der Name im Geschäft. Doch bevor sich die Gelegenheit für ein zweites Solowerk bietet, muss Nate erst mal seine inneren Dämonen bekämpfen. Er wird wegen Entführung und Bedrohung seiner Freundin von einem Swat-Einsatzteam verhaftet.

Trotzdem oder gerade deswegen (ein wenig Gangsta-Gehabe ist ja oft verkaufsfördernd) nimmt ihn die Elektra unter Vertrag. Ende Oktober 2001 (in Deutschland Anfang Mai 2002) steht in den USA das Album "Music And Me" in den Läden. "Ich wollte 15 Singlehits über mein Leben machen, denn ich habe Material ohne Ende, wenn es um die Reflektion meines Seins geht", so Nate. Und das sein Leben reichlich Stoff für Geschichten und Texte enthält, beweist er ein mal mehr Ende April 2002. Der Dogg wird in Kingman, Arizona wegen Marihuana und – unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet. Für die Kaution von 3500 Dollar kommt er wieder auf freien Fuß. Ihm drohen nun insgesamt vier Jahre Gefängnis.

Doch er hat noch einmal Glück gehabt, denn Anfang Juni verdonnert ihn das Gericht nur zu einem Jahr auf Bewährung. Echte Bestrafung erfährt er aber dadurch, dass die Promotion für sein Album mehr als hinkt. Obwohl Nate bei zahlreichen Rap-Hits der letzten Jahre beteiligt war, verkauft sich das qualitative Album nur mittelprächtig.

Die Fans in Deutschland bekommen aber noch eine zweite Chance, mit "Music And Me" ihre Plattensammlung zu erweitern. Mit zwei, vom deutschen Beatbastler Simon Vegas produzierten, Bonus-Tracks steht im Sommer 2003 eine Neuauflage in den Regalen. Auf dem Song "One Night Stand" kollaborieren die beiden für den Titeltrack der MTV-Serie "Dismissed". Einer der ersten Promotion-Schachzüge in der Karriere von Nate Dogg. Die deutschen Fans können sich freuen.

Der große Soloerfolg bleibt dennoch weiter aus. Stattdessen darf Nate Dogg von sich behaupten, an über 40 Charthits anderer Künstler mitgewirkt zu haben. 2003 gibt Elektra eine Trackliste bekannt, die zeitnah ein neues Album ankündigt, doch zu einer Veröffentlichung kommt es nicht. Auch als mit "Nate Dogg" wenig später erneut ein drittes Album ansteht, müssen die Fans sich weiter gedulden. Obwohl schon für 2004 angekündigt, erscheint die LP erst 2008.

In der Zwischenzeit taucht Nate Dogg weniger wegen seiner Musik, als vielmehr wegen gesundheitlicher Probleme in den Schlagzeilen auf. Im Dezember 2007 erleidet er einen ersten Schlaganfall, wird jedoch kurz darauf wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Wie später bekannt wird, trägt der Rapper bleibende Schäden davon, denn seine linke Körperhälfte ist von nun an gelähmt und auch das Sprechen fällt schwer. Seine Anstrengungen, zur Normalität zurückzukehren und seine Karriere weiter zu verfolgen, werden im September 2008 von einem zweiten Schlaganfall unterbrochen.

Am 15. März 2011 stirbt Nate Dogg in seiner Heimat Long Beach im Alter von 41 Jahren. Das Hip Hop-Game verliert damit einen weiteren seiner Großen.

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Nate Dogg - Music And Me: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2002 Music And Me

Kritik von Stefan Johannesberg

Die Feature-Stimme des G-Funk überzeugt auch auf der langen Distanz. (0 Kommentare)

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