Porträt

laut.de-Biographie

Fabolous

Man hat manchmal das Gefühl, dass in den Staaten Rapper aus dem Boden schießen wie hierzulande Boy-Groups oder gecastete Pop-Stars. Klar gibt es dort auch eine riesengroße Auswahl, und das Genre ist, wie hierzulande der Bro'Sis-Billig-Pop, ein sehr ertragreiches Betätigungsfeld für geldgeile Plattenfirmen.

Fabolous - Real Talk
Fabolous Real Talk
Tiefgläubige Ghetto-Proleterei aus dem Big Apple.
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Rap allerdings gehört immer noch zur Hip Hop-Kultur, und diese fußt bekanntlich auf den Skills des Einzelnen. Underground-Fame erreicht man eben doch nur durch harte Knochenarbeit. Selbst Superstars wie Nas, Jay-Z oder DMX haben sich durch Live-Battles gequält und bei Open Mic-Nights einen Namen gemacht, ehe sie unter Vertrag genommen wurden.

Einer, der es ohne Umweg über diesen steinigen Weg geschafft hat, begegnet uns in der Person des Brooklyn-Natives Fabolous. Dem mit dem Talent eines einzigartigen Laid-Back-Flows gesegneten Jungspund wird die Rapkarriere sozusagen aufgedrängt. "Ich war damals gar nicht besonders scharf darauf, ein Rapper zu werden", erinnert sich der am 18. November 1977 als John David Jackson geborene und gelegentlich auch unter dem Namen Loso antretende MC. "Aber ich wusste, es war eine Chance."

Eine Chance, die er cool und abgebrüht nutzt, so dass er ohne ein Album, ja sogar ohne einen einzigen Song aufgenommen zu haben, zur Legende wird. Vergleichbar vielleicht mit einem Amateur beim Fußball, der in seinem ersten Spiel bei den Profis seine Mannschaft mit zwei Toren gegen die Bayern zum Sieg führt. Doch was ist an diesem denkwürdigen Montagabend im Frühjahr 1998 in den heiligen Hallen des Radiosenders Hot 97 überhaupt passiert?

Irgendwie verirrt sich Fabolous, der seinen Bühnennamen anfangs noch mit dem Zusatz "Sport" verziert, ins Studio des DJ Clue, und das auch noch während der Monday Night Show, die als Pflichtveranstaltung für jeden Rapfan gilt. "Normalerweise lasse ich niemanden auf Sendung gehen, den ich mir nicht vorher mindestens einmal angehört habe", so Clue.

Aufgrund einer plötzlichen Eingebung schmeißt er seine Prinzipien über den Haufen und lässt Fab zusammen mit Noreaga über einen Beat rappen (keine Battle, lediglich ein Duett). Der Rest ist Geschichte. Mit seinen am Nachmittag hastig geschriebenen Reimen und dem smoothen, aber punchline-gestählten Flow walzt Fabolous Nore regelrecht an die Wand. So was nennt man wohl "die Gunst der Stunde nutzen".

Kurz darauf nimmt ihn Clue bei seinem Label Desert Storm unter Vertrag und bringt ihn auf mehreren Mixtapes unter. Sein erster Track "If They Want It" erscheint auf Clues Album "DJ Clue? The Professional". Offensichtlich wollen die Leute: Fab darf als Support die "Hard Knock Life"-Tour von Roc-A-Fella Jay-Z begleiten.

Als Clues Firma eine Geschäftsbeziehung mit dem Major Elektra eingeht, macht sich Fab mit diversen Gastauftritten endlich auch außerhalb der Rapszene einen Namen. Er leiht unter anderem Lil Mo für "Superwoman Pt. 2.", Mariah Carey für "Last Night A DJ Saved My Life" und Mary J. Blige für "Family Affair" seine prägnante Stimme.

So überrascht es nicht, dass der Mainstream-Markt in Form von MTV und dem Rolling Stone-Magazin auf den Fabolous-Zug aufspringt. MTV pusht sein erstes Video zu "Can't Deny It", einer Kollaboration mit Nate Dogg. In der Musikzeitschrift hagelt es Artikel. Am 11. September steht Fabs Debüt "Ghetto Fabolous" in den Läden. Trotz der WTC-Tragödie und rückläufiger Umsätze verkauft sich das Album bis Jahresende über 500.000 Mal und klettert bis auf Platz 4 der Billboard-Charts. Anfang 2002 wird mit dem Neptunes-Track "Young'N" die zweite Nummer ausgekoppelt. Insgesamt landen vier Singles in den Top 40.

Auch Album Nummer Zwei findet eine breite Käuferschar, obwohl sich Fabolous beim Release von "Street Dreams" im März 2003 gegen die neue Ghetto-Übermacht 50 Cent behaupten muss. Für zwei Mixtape-Rapper aus dem Ghetto des Big Apple scheint aber kein Platz zu sein, denn Fifty düst uneinholbar in die Multimillionen Dollar-Gefilde ab. "Street Dreams" landet auf dem wohlvertrauten Platz 4, erreicht aber wie sein Vorgänger mühelos Platin-Status. A propos Mixtape-Rapper: Fabolous schiebt noch im gleichen Jahr eine entsprechende Mischung mit dem Titel "More Street Dreams" dazwischen.

2004 legt Fabolous dann richtig nach. Seine Single "Breathe" kündigt Großes für das anstehende Album "Real Talk" an. Neben "Lean Back" von der Terror Squad wohl einer der Tracks, die die Clubs in New York und dem Rest der Welt zum Tanzen bringen. Das Album fällt qualitativ gegenüber der Vorab-Single etwas ab. Trotzdem liefert Fabolous mit seinem patentierten schludrigen Nuschel-Rap einen soliden dritten Longplayer ab, der allerdings lediglich den sechsten Rang der Hit-Listen erreicht.

Bis zum nächsten Album soll es ein Weilchen dauern. Für Langeweile bleibt Fabolous allerdings keine Zeit. In den Jahren 2005 und 2006 produziert er eine ganze Reihe von Mixtapes. Sein Duett mit Christina Milian, ein Remix von "Dip It Low", wird 2005 für einen Grammy nominiert. Anfang 2006 gibt er seinen Wechsel zu Def Jam bekannt. Im gleichen Jahr debütiert er im Klamauk-Horrorstreifen "Scary Movie 4" als Schauspieler.

Am 17. Oktober 2006 wird Fabolous nach dem Besuch eines Restaurants in einer Tiefgarage in eine Schießerei verwickelt, bei der er einen Treffer in den Oberschenkel abbekommt. Auf der Fahrt ins Krankenhaus geraten er und seine Begleiter in eine Polizeikontrolle. Die Beamten durchsuchen den Wagen und finden nicht registrierte Waffen. Statt im Spital endet der Trip in der Krankenstation des Gefängnisses.

Material genug für mehrere Geschichten. Das nächste Album ist ohnehin bereits geplant. Ebenso übrigens die erste eigene Modelinie, die bei Rich Yung erscheinen soll. "From Nothin' To Somethin'" wird Anfang Juni 2007 veröffentlicht. Fabolous vierter Longplayer setzt sich an die Spitze der R'n'B- und Hip Hop-Charts und verfehlt die Spitze der Billboard-Liste nur um einen Platz.

Für "Diamonds" hatte sich Fabolous ursprünglich mit Lil' Wayne zusammen getan. Aus Gründen, die die Labelpolitik gebot, wird dessen Part auf dem Album schließlich von Young Jeezy übernommen. Bei der Single "Make Me Better", deren Beat vom Grammy-dekorierten Hitproduzenten Timbaland zusammen geschustert wurde, sitzt R'n'B-Shooting-Star Ne-Yo mit im Boot. Weitere Featuregäste wie Jay-Z, Rihanna, Akon und Junior Reid sowie Produktionen von The Runners oder Just Blaze machen deutlich: Hier ist einer darauf aus, seine Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen. Ein Vorhaben, das durchaus als geglückt zu betrachten ist.

"Fogging Up The Windows", einen Track, in dem Vocals von R. Kelly im Chopped & Screwed-Style verwurstet werden, sucht man auf "From Nothin' To Somethin'" vergebens. Propheten sehen diesen bereits auf dem nächsten Album, das schon für 2008 versprochen wird.

Alben

Fabolous - Real Talk: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2004 Real Talk

Kritik von Alexander Engelen

Tiefgläubige Ghetto-Proleterei aus dem Big Apple. (0 Kommentare)

Videos

Baby Don't Go
Make Me Better
My Time
Breathe
  • Def Jam

    Übersichtliche und recht informative Label-Seite.

    http://www.defjam.com
  • Urban

    Das Ganze auf Deutsch.

    http://www.urban.de
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