Porträt

laut.de-Biographie

Scarface

Er ist der Vater des Dirty South-Rap. Die Blaupause des Ghetto-Chronisten aus dem amerikanischen Süden. Referenzpunkt für die Weezys, Jeezys und T.I.s, Szene-Stütze des Derrty Derrtys und Initialzünder einer Bewegung, an der das Hip Hop-Genre des neuen Jahrtausends nicht vorbeikommt. Ohne Scarface würde es den Erfolg des Reality Raps aus Houston, New Orleans und Atlanta nicht geben.

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Mit den Geto Boys übersetzte Scarface den kompromisslosen Ansatz N.W.A.s in eine Südstaaten-Narrative, auf Solo-Pfaden avancierte der Rapper zum Vorreiter einer Storyteller-Generation, die ohne Rücksicht auf Verluste, die hässliche Fratze der amerikanischen Brennpunkte auf Vinyl presste. Scarface ist für den dreckigen Süden, was Ice Cube für den Westen und Big Daddy Kane für die Ostküste ist: Vaterfigur, Trendsetter und ewig unerreichte Legende.

Einen Respekt, den Scarface ohne einen wirklichen Mainstream-Buzz, schon Mitte der Neunziger inne hat. Damals stürmen die ganz großen Jungs Ice Cube, Dr. Dre, 2Pac und Master P ins Studio des Houston Natives. Brad Jordan ist zu jener Zeit die absolute Verkörperung des Südstaaten-Thugs. Harte, teils politische, teils gewalttätige Lyrics und seine bedingungslose Treue zum unbekannten Produzenten Mike Dean machen ihn intern zur Legende ohne absolute Top-Hits. Doch selbst Mitte der 90er gehört das Fossil bereits ein Jahrzehnt zum Rap-Inventar.

Unter dem Pseudonym Akshen nimmt ihn der berüchtigte Entrepreneur und Gangster James Smith aka J. Prince in den 80ern bei Rap-A-Lot Records unter Vertrag und bringt ihn in seiner Crew The Geto Boys (mit Willie D und Bushwick Bill) unter. Ihr Debüt "Grip It! On That Other Level" (1990) schockt die Musikszene mit kompromisslos-gewalttätigen Texten. Das Album enthält auch den Song "Scarface", in dem Akshen sein neues Alter Ego vorstellt. Scarface steht selbstredend für Narbengesicht, ist außerdem der Spitzname von Al Capone, sowie der Titel des von Brian de Palma produzierten Blockbusters, in dem Al Pacino die Gangster/Mafia-Blaupause schlechthin verkörpert.

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Scarface The Diary
Der Blueprint für harte, ehrliche Thug Life-Musik.

Im Fahrwasser des Erfolgs wandelt der charismatischste Geto Boy ab 1991 auf Solopfaden, was im Endeffekt zu unüberbrückbaren Differenzen mit Bill und Willie führt. Es ist der Beginn einer wegweisenden Solokarriere. "Mr. Scarface Is Back" (1991), "The World Is Yours" (1993) und vor allem "The Diary" (1994) mit der legendären Ice Cube-Kollaboration "Hand Of The Dead Body" unterstreichen die Fähigkeiten des Rappers. Während der Eiswürfel jedoch zum Rap- und Hollywood-Superstar aufsteigt, bleibt das Narbengesicht mit "Untouchable" (1997) und "My Homies" (1998) im Untergrund. Erst mit "The Fix" findet Scarface die landesweite Anerkennung.

Scarface setzt sich trotz Old School-Appeal sogar kurzfristig an die Spitze des aufsteigenden Dirty Souths. Und an die des von ihm später so verteufelten Business: Scarface steigt zum Präsident des neu gegründeten Def Jam South-Ablegers auf, nimmt als ersten Künstler Ludacris unter Vertrag und läutet persönlich seinen Anfang vom Ende ein.

Wie im Sturm erobert Atlanta mit Ludacris an der Spitze und Lil Jons Crunk-Beats als Marschmusik Charts, Clubs und Straßen. Und selbst in Houstons Hinterhöfen formiert sich mit Lil Flip, Paul Wall, Z-Ro und Slim Thug Jordans Wachablösung. Dem Veteran bleibt genauso wie seinen New Yorker-Kollegen nur die Zuschauerrolle.

Erst als T.I. einen imaginären Königsmord begeht, sich mit "Urban Legend" selbst zum "King Of The South" krönt und die anderen jungen Wilden dem Scarface-Status zur Seite springen, rückt der Name Scarface noch einmal ins hellste Rampenlicht. T.I. wirft man Blasphemie vor, denn der einzige König des Südens ist und bleibt Scarface. Die Majorlabels werden wieder hellhörig.

Während sein böses Ex-Label Rap-A-Lot ein Album nach dem nächsten in die Regale, Tauschbörsen und Download-Shops wirft (unter anderem die ohne das Wissen von Scarface veröffentlichte Kollaboration mit 2Pac "2Face"), zieht sich Scarface wieder in den untergrundigen Schatten zurück. Die Wogen glätten sich sogar so weit, dass Scarface mit Bill und Willie ein neues Geto Boys-Album aufnimmt.

Um seinen Respekt in der Szene muss er längst nicht mehr ringen. Im Alleingang gewinnt er mit seinen Soloplatten "Made" und "Emeritus" gar den Mainstream erneut für sich. Dennoch belässt es Scarface mit den Karrierebemühungen. Der Dirty South gehört längst den Enkeln im Geiste - Lil Wayne, Soulja Boy und Konsorten -, die das, was Scarface einst aus der Taufe hob, auf eine ganz andere Stufe hieven.

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