Porträt

laut.de-Biographie

Bushido

Wer darf sich schon in Deutschland als Gangsta-Rapper bezeichnen, ohne rot zu werden? Klar, Ferris MC oder The Spezializtz mögen keine Bullen, die Massiven sind nach eigener Aussage auch Gangstas, sprechen aber nicht darüber, und die Rödelheimer spielen bereits 1995 zu Karrierebeginn mit jenem umstrittenen Image. Die echte Gangsta-Rap-Schnittmenge findet sich jedoch erst im neuen Jahrtausend in Berlin-Schöneberg.

Irgendwo zwischen dem urbanen Untergangsszenarien von Mobb Deep und den prollig harten Attitüden eines 50 Cent lebt Bushido aka Sonny Black in einer Welt voller Goldketten, Lederjacken, Huren, Drogen, Waffen, Party, Spielkasinos und Hip Hop. "Die Leute wollen hören, wie ich den Typen eine aufs Maul haue. Sie wollen wissen, wie ich meine Drogen verkaufe", tönt Bushido im Juice-Magazin.

Logisch, dass Bushido von den Gangsta-Rappern N.W.A. geprägt ist. Doch erst zur Jahrtausendwende greift er ernsthaft zum Mic. Das erste Feature folgt auf dem Frauenarzt-Tape mit Orgasmus für I Luv Money Records.

Nach kurzer Zeit und dem Tape "King Of Kingz" wechselt Bushido den Verein. Er will voran kommen und findet beim aufsteigenden Aggroberlin-Label von Chef Specter mit Sido, B-Tight und Fler die richtige Sozialisation: Ghetto.

Die klare Aggro-Ansage lautet: "Deutsch Rap will Ghetto werden, doch die Nutte weiß nicht wie." Nach M.O.R. und Battle Rap prollt 2002 Gangsta bzw. Reality Rap mit "Fuck The World"-Attitude aus den abgefuckten Vierteln Westberlins nach Deutschland. Aggro-Tapes rollen haufenweise nach Hamburg, München und Stuttgart.

Bushido schwingt sich im Zuge des Hypes zum Aushängeschild auf. Im Oktober 2002 erscheint unter dem Synonym Sonny Black das Debüt "Carlo, Cokxxx, Nutten" mit Kollegen Fler alias Frank White. Titel wie "Drogen, Sex Und Gangbang" oder "Wer will Krieg" geben die Richtung vor. Bushidos guter, leicht düsterer Flow und eine tighte, sample-lastige Produktion drängen die sexistischen und prolligen Lyrics in den Hintergrund.

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Im Sommer 2003 bricht Bushido endgültig durch die Oberfläche des Rapgames. "Vom Bordstein Bis Zur Skyline" ist noch mehr Macho, noch mehr Ghetto und avanciert mit furztrockenen Beats und harten Reimen zum modernen Klassiker des Deutsch-Rap.

Doch der Aufstieg Aggroberlins zur festen Institution im deutschen Rapbiz bringt die üblichen Negativerscheinungen mit sich, und Bushido wechselt zum Majorlabel Urban/Universal. Im Nachhinein deklariert er Aggro als Label, das zu schnell gewachsen sei, ohne eine Basis von Vertrauen oder Respekt entwickelt zu haben.

Der Streit zwischen beiden Parteien bei der Trennung eskaliert derart, dass Bushido auf seinem Nachfolgealbum mehrmals in deren Richtung schießt und auch mit seinem ehemaligen Crewpartner aus "Carlo, Coxxx, Nutten"-Zeiten, Fler aka. Frank White, nichts mehr zu tun haben will. Aggro mit seinen Konzert-Messerstechereien und dem Kleinkrieg um den Berliner Rapthron stellt für den aufstrebenden Künstler am Ende eher eine Last als eine Unterstützung dar.

Mitte 2004 macht Bushido noch einmal kurz von sich reden, als er im Auftrag der Industrial-Kapelle Rammstein einen Song remixt. Im Oktober folgt "Electro Ghetto", unter anderem mit zwei Azad-Features, und steigt auf Platz drei der Trendcharts ein - noch vor den Ärzten und den Fantastischen Vier.

Im April 2005 folgt das vierte Album in zweieinhalb Jahren: "Carlo Coxxx Nutten II" mit Baba Saad als Ersatz für Fler. Trotz immer noch provokanter Texte und guter Beats merkt man dem Rapper die Ermüdungserscheinungen an. Kein Wunder, schließlich hat er erst im Winter eine Hauptrolle im bislang größten deutschen Beef um Eko Fresh gespielt und schoss einen vorzüglichen Diss gegen Ex-Homie Fler.

Bushido & Shindy - CLA$$IC
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Im August 2005 verletzen Bushido und seine beiden Leibwächter nach einem Konzert in Linz einen 20-Jährigen mit Schlägen und Fußtritten gegen Kopf und Körper lebensgefährlich. Berichten zufolge fand Bushido die Reifen seines 7er-BMW platt und verfolgte den angeblichen Reifenstecher. Bushido wird verhaftet und kommt erst nach 15 Tagen U-Haft wieder auf freien Fuß. Im Prozess Anfang November kommt der Rapper mit einem blauen Auge davon; folgerichtig nennt er seine folgende Konzertreise "Gegen Kaution auf Tour 2005". Der Albumtitel "Staatsfeind Nr.1" dagegen stand wohl schon vor dem Linzer Vorfall fest.

Unterdessen schart Bushido nach dem Split mit Aggro Berlin und der nachfolgenden Trennung von dem langjährigen Produzenten Ilan und Bass Sultan Hengzt eine neue Crew um sich. Anfang Februar präsentiert der Berliner die erste Label-Compilation seiner Ersguterjunge-Truppe.

Mit dabei sind das Linzer Produzenten-Team Beatlefield, bestehend aus Rapper/Produzent Chakuza und DJ Stickle, das schon auf "Staatsfeind Nr.1" den Großteil der Produktion übernommen hat. Außerdem tauchen Saad, D-Bo, Bizzy Montana und der verloren geglaubte Ekrem Bora aka Eko Fresh auf "Nemesis" auf.

Wie abgesprochen erscheint nur wenige Wochen später zunächst die Live-DVD "Deutschland Gib Mir Ein Mic!", die das denkwürdige Konzert in der Berliner Columbiahalle zeigt, und dann Eko Freshs Single "Gheddo", an der Bushido als Feature-Partner mitwirkt. Im Sommer 2006 folgt "Von Der Skyline Zum Bordstein Zurück", das sich nicht nur vom Titel an dem eigenen Klassiker orientiert und seine Vorgänger abhängt.

Der Löwenanteil der Beats von "7" (2007) stammt aus den Händen der Beatlefield-Produzenten Chakuza und DJ Stickle. Auf der Gästeliste sonnen sich Summer Cem, Ex-Chablife-Rapper Kay One, die Ersguterjungen Chakuza und Nyze sowie Philippe, bekannt aus der Casting-Show "Popstars".

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In diesem Jahr belehrt der Rapper alle Kritiker, die ein Ende des Hypes prophezeien, eines Besseren: Er heimst von Echo über Comet und Otto bis zum MTV Europe Music Award ("Best German Act") sämtliche namhaften Preise ein und sichert sich durch die Aufzeichnung seines "7 Live"-Konzertes in der Frankfurter Jahrhunderthalle zum wiederholten Mal den Echo als Liveact.

Im Sommer 2009 beginnen Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel mit der Verfilmung von Bushidos Biografie. Moritz Bleibtreu ("Der Baader Meinhof Komplex", "Lola Rennt") verkörpert darin Bushidos Freund Arafat, Hannelore Elsner gibt Bushidos Mutter. "Zeiten Ändern Dich" soll Anfang 2010 in die Kinos kommen - zeitgleich erscheint ein ebenso betiteltes Album.

Zuvor legt Bushido aber noch eine Neuauflage des "Carlo Cokxxx Nutten"-Themas vor, für das sich Fler aka Frank White und Bushido aka Sonny Black wieder zusammen gerauft haben. Und auch die Jahre hingebungsvoll gepflegte Feindschaft mit Sido trägt Bushido medienwirksam zu Grabe, in neuer Liebe entbrannt zeugen "Deutschraps Top zwei" im Herbst 2011 das gemeinsame Baby "23".

Im November 2011 bekommt Bushido überraschend den Bambi für Integration verliehen. In der Begründung der Jury heißt es u.a.: "Der in Bonn geborene und in Berlin aufgewachsene Deutsch-Tunesier richtet seinen Appell für ein respektvolles Miteinander an seine Fans ebenso wie an Politik und Öffentlichkeit". Die Wahl der Jury stößt auf Unverständnis bei Zuschauern und Prominenten. Peter Maffay beendet etwa die Zusammenarbeit mit ihm und Sido, Heino gibt seinen gar Bambi zurück. Und Bushido, der bei der Verleihung sagt, dass er nicht weiß, wofür er diesen Preis verdient, zieht sich erst mal ins Private zurück.

Anfang 2012 heiratet er seine Freundin Anna- Maria Lagerblom, die Schwester von Sarah Connor. Ein halbes Jahr später kommt die gemeinsame Tochter zu Welt. Kurz zuvor absolviert er, ganz Vorbild, im Juni noch ein Praktikum im deutschen Bundestag - was angesichts seiner Vergangenheit in manchem Presseorgan wieder nicht gut ankommt.

Öffentlich ausgetragene Schlammschlachten mit dem einstigen Zögling Kay One, das erfolgreiche Signing von dessen Nachfolger Shindy und diverse Provokationen führen dazu, dass Bushido sich auf dem Radar der Öffentlichkeit dauerhaft einnistet.

Musikalisch zeigt sich der bekennende Aquaristik- und World Of Warcraft-Fan ebenso ambitioniert. Dem Album "Sonny Black", das in der Top 5 der meistverkauften Longplayer des Jahres den vorletzten Platz einnimmt, folgt ein Jahr später der dritte Teil von "Carlo Cokxxx Nutten". Lange macht Bushido ein Geheimnis um den Kollabo-Partner, Namen wie Haftbefehl und Shindy stehen im Raum.

Am Ende macht er's dann aber doch - na? - richtig, ganz alleine. Wie so oft zeigt Bushido den Fans, den verhassten Medien und dem Rest des Universums den blanken Mittelfinger.

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Fotogalerien

Live in Bonn 2007 Von der Skyline zurück in die Geburtsstadt: Bushido in Bonn.

Von der Skyline zurück in die Geburtsstadt: Bushido in Bonn., Live in Bonn 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Von der Skyline zurück in die Geburtsstadt: Bushido in Bonn., Live in Bonn 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Von der Skyline zurück in die Geburtsstadt: Bushido in Bonn., Live in Bonn 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Von der Skyline zurück in die Geburtsstadt: Bushido in Bonn., Live in Bonn 2007 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

Live in Konstanz 2005 Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz.

Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: ) Tempelhofer 'Street Credibility' in der Provinz., Live in Konstanz 2005 | © LAUT AG (Fotograf: )

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