Porträt

laut.de-Biographie

Animus

Mousa A., Jahrgang 1987, will vor allem eins: sich nicht festlegen lassen. "Ich bin kein Zielgruppenrapper", erklärt der Sohn persischer Flüchtlinge. In Heidelber bricht er etwa um 2000 herum als Animus – frei nach Carl Gustav Jungs analytischer Psychologie – auf, um seine Spur in der Hip Hop-Geschichte zu hinterlassen.

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Ob das nun Conscious oder Gangsta geschieht, möchte Animus nicht eindeutig beantworten. Einerseits droppt der leidenschaftliche Storyteller 2010 den Track "Iran Azadi". In dem Stück thematisiert er die Lage in der ehemaligen Heimat seiner Eltern.

"Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem man seine Meinung frei äußern kann, selbst frei ist und alle Menschen, Männer und Frauen, gleich sind", heißt es im dazugehörigen Infotext. "In dem Land, aus dem meine Eltern vor ca. 30 Jahren geflohen sind, ist das nicht so. Menschen werden unterdrückt, korrupt, ermordet."

In weiteren Statements betont der Freiheitskämpfer seine Bewunderung für seine emanzipierte Mutter, die im Iran unterjocht wurde und schließlich politisches Asyl suchte. Wie die Familiengeschichte damals weiterging, verrät "Iran Azadi" auch, wenn es heißt: "Eltern, deren Diplome hier nicht reichen – 'Putzen gehen!'"

Andererseits unterschreibt Animus nach sechs Mixtapes zwischen 2007 und 2012 (unter anderem bei 3P) Mitte 2013 ausgerechnet beim Fler-Label Maskulin. Das mag aufgrund des Künstlernamens ganz gut passen, schließlich repräsentiert Jungs Animus das maskuline Unbewusste. Viele Fans runzeln trotzdem die Stirn.

Aber der Heidelberger gibt nicht viel auf die Skeptiker. Er sieht kein Problem darin, einerseits "Männer, die Händchen haltend durch die Stadt laufen, finde ich sweet" zu twittern, andererseits bei einer Plattenfirma unterzukommen, deren Männlichkeitsideale kaum als progressiv durchgehen.

Liebend gern möchte er nicht nur weiter mit den Labelkollegen Fler, Silla und Jihad arbeiten, sondern eines Tages auch mit Frankfurts Prostituiertenrapperin Schwesta Ewa. Für Curse-Freund Animus geht eben immer beides.

So auch beruflich. Nachdem er eine Ausbildung zum Grafikdesigner absolviert, packt ihn der Ehrgeiz, am eigenen Körper zu arbeiten. Nach Jahren der Hänselei wegen seiner schmächtigen Statur nistet er sich unter Hantelbänken ein. Irgendwann ist ein Fitnessstudio in Schriesheim nicht nur sein neuer Arbeitsplatz, sondern auch der Ort, an dem viele spätere Animus-Videos entstehen.

Animus - Purpur Aktuelles Album
Animus Purpur
Für die, die sich Blöße geben.

Er sträube sich dagegen, Menschen nur nach ihrem Aussehen zu beurteilen, erklärt er. Weil er aber auch der Meinung ist, Musik könne Menschen helfen und motivieren, Hindernisse zu überwinden, macht er fortan den eigenen Erfolg beim Muskelaufbau zur prinzipiellen Metapher seiner Musik. So wie Mousa sein körperliches "Defizit" überwunden habe, könne das jeder andere Hörer des Fitnessraps auch. Zitat: "Schweiß ist Schwäche, die den Körper verlässt."

"Entertainment steht bei mir nicht an erster Stelle. Ich möchte Menschen klar machen, dass man nicht dumm sein muss, nur weil man breit gebaut ist." Wer trotzdem nicht mit der Kritik am Maskulin-Deal verstummt, nervt zwar, wird aber aufgeklärt.

"Ich mache jetzt Conscious Rap auf dem richtigen Level. Meine Kumpels sagen heute 'Das bist jetzt wirklich du'." Jetzt nämlich rede er, genau wie mit dem Freundeskreis, ganz erdig "übers Ficken und übers Pumpen". Bisher hätten ihm dafür "ein wenig die Eier gefehlt", gibt Animus zu. Doch seit er Fler kennengelernt habe, sei er viel mehr bei sich selbst.

Ein Gefühl, das nicht allzu lange vorhält: Wie schon andere vor ihm muss auch Animus irgendwann feststellen, dass sich eine Zusammenarbeit mit Fler eher ... schwierig gestaltet. Das Zerwürfnis, das vorprogrammiert schien, lässt sich nicht länger vermeiden. Animus trennt sich von Maskulin. Im Bösen, versteht sich. Anders scheint das bei Fler nicht zu gehen.

Er findet bei Distri eine neue Labelheimat. Sein Album "Purpur" erscheint dort im Februar 2015. Warum ausgerechnet Bushido sich im Vorfeld genötigt fühlt, selbiges im Vorfeld bereits mit Sticheleien zu überziehen? Nun, womöglich hat Animus einen Nerv getroffen, wenn er rappt:

"Dein Make-Up: eine Maske. Meine Muskeln: ein Panzer. Wir sind nur, wie wir sind, weil wir Angst haben. Weil wir Angst haben."

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Animus - Purpur: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2015 Purpur

Kritik von Dani Fromm

Für die, die sich Blöße geben. (0 Kommentare)

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