- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Nachdem Michael Amott bei Carcass so etwas wie Grindcore-Geschichte geschrieben hat, ist nach "Heartworks" von 1992 die Luft raus. Dass er sich auf diesen Stil nicht limitieren lassen will, beweist er anschließend bei der Stoner-Doom-Band Spiritual Beggars, die er im selben Jahr gründet.
Damit nicht genug: Gemeinsam mit seinem ebenfalls Gitarre spielenden Bruder Christopher, Drummer Daniel Erlandsson (Ex-In Flames) und Shouter Johan Liiva, der genau wie Michael schon bei Carnage mitzockte, ruft er 1996 Arch Enemy ins Leben.
Als Quartett geht es ins Studio, doch eigentlich spielt Michael bis auf die Drums alles selbst ein. "Black Earth" entsteht in Zusammenarbeit mit Produzent Frederik Nordström, der Acts wie Dimmu Borgir, In Flames, oder At The Gates zu amtlichen Sounds verholfen hat.
Obwohl die Basis von Arch Enemy eindeutig im Death Metal liegt, sind es die ausgefeilten Melodien und die zweistimmigen Gitarrenläufe, die den Sound von Anfang an bestimmen. Den guten Eindruck von "Black Earth" setzt "Stigmata" souverän fort, doch der Projekt-Charakter bleibt bestehen.
Die Drums spielt Darkane-Stöckeschwinger Peter Wildoer ein und am Bass steht Martin Bengtsson von Armageddon, dem Nebenprojekt von Chris. Wieder ist es die Kooperation von Frederik und Michael, die produktionstechnisch keine Wünsche offen lässt. Musikalisch lassen die beiden Amott Brüder eh nichts anbrennen. In Japan schon mit ihrem Erstwerk verehrt, nimmt in Europa Century Media die Band unter ihre Fittiche und lizenziert "Stigmata".
Auch das ein Jahr später nachgeschobene Album "Burning Bridges" erfüllt alle Erwartungen und zeigt die musikalischen Fähigkeiten und vor allem das Zusammenspiel der einzelnen Musiker deutlich ausgereifter. Hinter den Drums sitzt wieder Daniel Erlandson, den Bass bedient inzwischen Sharlee D'Angelo, der auch bei Mercyful Fate, Witchery, Sinergy oder Dismember aktiv ist bzw. war. In dieser Besetzung gehts auf die ersten Dates in Südamerika, als Co-Headliner mit Hammerfall.
Es folgen ausgeprägte Touren durch Europa, Japan und die USA, unter anderem mit Dark Tranquillity, In Flames und Children Of Bodom. Sharlee nimmt aber nicht an allen Touren teil, Vor allem in Japan gerät jedes Konzert zum Erfolg, weshalb im selben Jahr "Burning Japan Live" folgt. Dass sich die Wege von Sänger Johan und Arch Enemy danach trennen, kommt für viele überraschend.
Noch viel überraschender jedoch fällt die Entscheidung über die Nachfolge von Johan aus. Mit Sängerin Angela Gossow - einer aus Köln stammenden jungen Frau, die bisher bei Asmodina und Mistress hinterm Mikro stand - vergeben sie den Gesangsposten an jemanden, der nicht nur mit attraktivem Äußeren, sondern auch mit einer verdammt ausdrucksstarken Stimme überzeugt. Den Mix des Albums legt man in die Hände von Andy Sneap (Testament, Nevermore oder Kreator).
Im März 2002 kommen nach Japan und USA endlich auch die deutschen Fans in den Genuss der neuen Scheibe "Wages Of Sin". Teil zwei der Doppel-CD bietet neben drei Coverversionen von Judas Priest, Iron Maiden und Europe vier Songs, die bisher nur als Japan-Export erhältlich sind.
Auf dem Live-Sektor muss Deutschland aber zurückstecken, denn die Band tourt zunächst nur mit Opeth durch Großbritannien und geht nach ein paar Festivalauftritten mit Nile und Hate Eternal in die USA, um dort sechs Wochen durch die Lande zu ziehen. Das klappt so gut, dass sie zwei Monate später als Headliner mit God Forbid und Sworn Enemy dorthin zurückkehren und wieder mächtig absahnen.
Bis Anfang 2003 touren sie weiterhin kreuz und quer über den Planeten und machen sich anschließend mit Andy Sneap wieder an die Arbeiten zu "Anthems Of Rebellion". Die einzelnen Keyboardpassagen auf dem Album spielt Michaels alter Kumpel Per Wiberg (Spiritual Beggars) ein. Chris Amott steuert ein paar klare Gesangslinien bei.
Schon bevor die Scheibe Ende August erscheint, spielt die Band auf diversen Festivals und bestätigt zudem eine Tour als Support für Nevermore im Herbst durch Europa. Der Erstpressung liegt eine Gratis-CD mit speziellen Livetracks der "Wages Of Sin"-Tour sowie 5.1 Surround-Mixen der Songs des neuen Albums bei.
Da Amerika inzwischen zu einem der wichtigsten Märkte für die Band avanciert, sind sie dort anschließend wieder mit Slayer und Hatebreed auf der Jägermeister-Tour unterwegs und supporten quasi im Anschluss Iron Maiden in Kanada.
In Europa lassen sie sich mit Zyklon und Stampin' Ground sehen, ehe sie Ende des Jahres noch mit Dark Tranquillity und The Haunted die ultimative Schweden-Harke auspacken. Zwischenzeitlich entstehen nicht nur neue Songs für Spiritual Beggars, sondern auch für Arch Enemy.
Zwar spielt Chris auf dem neuen Album noch mit, doch kündigt er jetzt schon seinen Ausstieg an. Den Platz nimmt vorerst Ex-Nightrage/Dream Evil und Firewind-Klampfer Gus G ein. "Doomsday Machine" erscheint Mitte August, als Arch Enemy schon lange wieder auf der Ozzfest-Tour unterwegs sind. Deutschland darf sich das Quintett erst im Oktober kurz zu Gemüte führen.
Wie nicht anders zu erwarten, kehrt Mitte März 2007 auch Christopher wieder zu Arch Enemy zurück. Sein zwischenzeitlicher Ersatz Fredrik Åkesson ist damit wieder raus, die Arbeit am neuen Album in vollem Gange. Wie Arch Enemy diese allerdings erledigen, ist schon fast ein Geheimnis, denn die Band ist quasi ununterbrochen auf Tour.
Zwischenzeitlich geben sowohl Angela als auch Michael einen Gastbeitrag auf dem "Metal"-Album von Annihilator und Ende September steht schließlich "Rise Of The Tyrant" in den Regalen. Kaum veröffentlicht, sind Arch Enemy natürlich wieder auf Tour und begleiten Machine Head, Trivium und Shadows Fall auf ihrer Europa-Rundreise.
So langsam aber sicher wird es auch einmal Zeit, eine DVD zu veröffentlichen. So lassen sie in Japan die Kameras mitlaufen. Das Ergebnis landet schließlich in Form von "Tyrants Of The Rising Sun" beim Label und Ende November als DVD und Live-CD im Handel.
Den Rest des Jahres verbringen Arch Enemy zur Hälfte auf Tour, zur Hälfte im Studio, wo sie Songs aus der Prä-Angela Gossow-Ära neu aufarbeiten. Anfang 2009 steht die Truppe in Dubai auf dem Desert Rock Festival auf der Bühne und ist in Europa und Südamerika unterwegs. Die Best Of "The Root Of All Evil" erscheint im Herbst 2009, während Arch Enemy bereits wieder in Asien, Australien und Neuseeland auf Tour sind. 2011 folgt "Khaos Legions", auf dem sich die Amott-Brüder mal wieder so richtig austoben.
Allerdings nicht sonderlich lange, denn Christopher packt Anfang 2012 mals wieder seine Sachen und steigt aus. Da das alles aber im freundschaftlichen Rahmen ablief, hatte der Rest der Band Zeit, sich mit dem Arsis-Gitarristen Nick Cordle für die anstehenden Touren Ersatz zu suchen.
Über das neue Album und Promo in Japan.
"Khaos Legions" nennt sich das neue Arch Enemy-Album, das dieser Tage erschien. Bereits im März lud das Label zu einem besonderen Geheimgig der Band und zur Listening-Session in irgendein seltsames Kaff zwischen Köln und Dortmund am nächsten Morgen.
Für "Khaos Legions" haben sich Arch Enemy und ihr Label etwas Besonderes einfallen lassen. Im Vorprogramm gab es für Presse und ein paar Die Hard-Fans ein nahezu privates Konzert im AJZ in Wermelskirchen. Wermelswiebitte? Wermelskirchen! Denn in diesem Club hatte die damals wohl noch als Teenager durch die Gegend hüpfende Angela Gossow ihren allerersten Gig überhaupt!
Mit 200 Leuten ist der Club mehr als gefüllt, entsprechend kuschelig geht es zu, als Angela und Arch Enemy die ebenfalls äußerst kleine Bühne betreten. Fotograben oder Security ist hier Fehlanzeige – alle müssen sich drauf verlassen, dass das Publikum mitspielt und nicht auf einmal 20 Leute neben den Musikern auf der Bühne stehen.
Das Experiment geht aber voll auf! Der Sound ist klasse, das Publikum frisst Angela, die ihre Ansagen meist - trotz sehr internationalem Publikum - auf Deutsch hält, aus der Hand und der Einzige, der sich später aus dem Publikum zu ihr auf die Bühne gesellt, ist ihr kleiner Bruder, der natürlich genau wie Mama Gossow vor Ort ist und sich im Moshpit wacker schlägt. Neben dem bekannten Material gibt es auch bereits zwei neue Songs zu hören, die bei den Fans umgehend auf Gegenliebe treffen. Scheinbar haben die Jungs und ihr Mädel wieder alles richtig gemacht.
Der Eindruck hält auch am nächsten Vormittag an, als wir zusammen mit dem Rest der Pressemeute erneut im AJZ sitzen und uns die ungemasterten Songs von "Khaos Legions" anhören dürfen. Musikalisch gibt es erwartungsgemäß keine große Veränderung, schließlich haben die Amott-Brüder ihren Stil über die Jahre perfektioniert.
Was Michael und Chris an Leads und Soli aus ihren dürren Ärmeln schütteln, bewegt sich einmal mehr im obersten Bereich, auch die Riffs lassen Großes erwarten. Drummer Daniel Erlandson hat ebenfalls ein paar starke Momente auf dem Album, weswegen wir ihn und Chris Amott wenig später zum Gespräch bitten.
Während Daniel interessiert und offenherzig erscheint, gibt sich Chris immer ein wenig zögerlich, leise und sehr zurückhaltend. Man ist sich nie ganz sicher, ob Interviews allgemein nicht so sein Ding sind, weil er sich unsicher fühlt, oder ob er schlicht und ergreifend keinen Bock drauf hat. Somit vergehen ein paar Minuten, ehe der Mann etwas auftaut.
Daniel: Ja, da liefen mal wieder ein paar Sachen schief und je näher wir der Deadline kamen, desto klarer wurde, dass das wohl nicht klappt (lacht). Wir haben also Andy Sneap, unseren Produzenten angerufen, und ihm gesagt, dass er ne Nachtschicht einlegen muss. Die Songs hat er nun heute Morgen durchgemailt, damit ihr sie euch heute überhaupt anhören könnt. Da ist im Endeffekt noch einiges dran zu arbeiten, aber das was ich bislang gehört habe, klang schon mal großartig.
Kann ich nur bestätigen. Wart ihr eigentlich nervös, wie die die Leute hier auf die Scheibe reagieren oder habt ihr mittlerweile so viel Routine, dass ihr auf eure Stärken vertraut?
Daniel: Nein, natürlich waren wir nervös und neugierig und sind es immer noch. Wir stecken ja jedes Mal verdammt viel Arbeit in ein Album und sind immer gespannt, wie es von Fans und Presse aufgenommen wird. Allerdings wollten wir auch nicht mit drin sitzen und versuchen, in den Gesichtern von jedem Einzelnen zu lesen, deswegen haben wir uns nach draußen in die Sonne verzogen.
Chris: Ich war dann doch neugierig und hab ein paar Mal reingeschaut, während die Scheibe lief. Für mich sah es aber so aus, als ob die meisten mit den Songs zufrieden waren. Aber genau weiß man das auch immer erst im Nachhinein.
Wenn ihr der Scheiben den Titel "Khaos Legions" gebt, was bedeutet Chaos für euch?
Chris: Hm, ich denke mal, so ziemlich das gleiche, wie für jeden anderen auch. Etwas, das nicht organisiert oder geordnet ist. Ich hab mir da aber auch noch nie so große Gedanken drüber gemacht. Texte sind ja weitgehend Angelas und vielleicht Michaels Gebiet. Uns darfst du eigentlich nur was zum Thema Musik fragen.
Angela ist ja eine politisch sehr interessierte und aktive Person. Seid ihr da ähnlich gepolt oder haltet ihr euch beim Thema Politik lieber zurück.
Daniel: Also mein Ding ist das nicht so sehr, aber ich würde uns als Band eher so einstufen, dass wir gegen bestimmte religiöse oder politische Ansichten sind. Angela ist da tatsächlich sehr engagiert und aktiv, aber der Rest von uns ist in der Beziehung etwas zurückhaltender.
Chris: Wir haben innerhalb der Band auch recht unterschiedliche Meinungen, auch wenn wir nach außen hin relativ geschlossen auftreten. So sind mittlerweile auch fast alle in der Band und der Crew Vegetarier, was aber ebenfalls nicht unbedingt auf Angelas Einfluss zurück zu führen ist. Das hat sich einfach nach und nach so ergeben, und ich bin auch kein echter Vegetarier, da ich auch immer wieder gern mal Fisch esse.
Wie entstehen die Songs denn bei euch? Trefft ihr euch tatsächlich im Proberaum, um sie dort gemeinsam auszuarbeiten?
Daniel: Das unterscheidet sich von Album zu Album. Dieses Mal haben wir tatsächlich sehr viel gemeinsam im Proberaum an den Songs gearbeitet. Die meisten Ideen bringt Michael, und wir arbeiten sie dann zusammen aus. Wir lassen bei den Proben aber auch immer die Mikrofone mitlaufen und jammen mehr oder weniger drauf los. Dann hören wir uns abends die Bänder an und sehen, ob etwas Brauchbares dabei ist.
Probierst du dann für dich auch erst mal bestimmte Drumpatterns aus, ob sich an einer bestimmten Stelle jetzt eher was Schnelles oder was Langsames anbietet?
Daniel: Klar, auf jeden Fall. Wenn Michael mit einem Song ankommt hat er dafür zwar auch meistens schon gewisse Idee und Vorgaben, bzw. etwas programmiert, aber das heißt ja nicht, dass das alles komplett so übernommen werden muss.
Chris: Wir sind uns in solchen Sachen aber auch alle meist sehr schnell einig. Jeder in der Band weiß, wie Arch Enemy zu klingen haben, und da gibt es dann auch keine großartigen Diskussionen. Von Streitereien kann man da gar nicht erst reden. Das läuft alles sehr harmonisch ab.
Auch bei einem Song wie "No Gods No Masters", der ja doch recht straight und simpel ausgefallen ist? Immerhin geht der für eure Verhältnisse doch fast schon in eine poppige Richtung.
Daniel: Da hast du recht, das ist wahrscheinlich der straighteste Song, den wir bis dato geschrieben haben. Aber das bringt auch eine gewisse Dynamik auf die Scheibe. Dass wir eine sehr genaue Vorstellung davon haben, wie wir als Band klingen wollen, heißt ja im Gegenzug nicht, dass wir uns deswegen limitieren würden. Wir haben ja auch Thrasher wie "Vengeance Is Mine", da kann man bei anderen Songs auch mal ein wenig vom Gas gehen.
Chris: Es war sehr interessant, "No Gods No Masters" gestern zum ersten Mal live zu spielen, denn der Song ist wirklich eine sehr relaxte Nummer für uns. Da kann man sich echt mal die Zeit nehmen, um das Publikum zu beobachten, weil man an den Instrumenten nicht so gefordert wird. Der Song ist schon relativ soft, funktioniert aber dank der aggressiven Vocals auch in unserem Kontext. Ansonsten wär das wohl echt ne Pop-Nummer.
Michael hat ja seine ganzen anderen Projekte, Chris und Sharlee ebenfalls. Was ist denn mit dir Daniel? Bist du abseits von Arch Enemy auch aktiv?
Daniel: Nein, mein ganzer kreativer Input fließt in Arch Enemy. Ich arbeite als Techniker im Studio und mache da auch bei uns im Proberaum mehr und mehr draus, um das dann auch bei den Aufnahmen zu verwenden. Aber musikalisch halte ich mich aus anderen Sachen raus.
Chris: Ja, auf jeden Fall! Wir haben noch einen Kumpel als Tourmanager dabei, aber Angela nimmt in Sachen Management mittlerweile das meiste in die Hand. Das ist aber auch ok und sinnvoll, schließlich sind wir lange genug im Business und wissen, wie der Hase läuft. So haben wir die meisten Entscheidungen in der Hand und können auf Anfragen und alle weiteren Dinge direkt reagieren.
Wie reagiert ihr denn auf die Katastrophe in Japan, mit den ganzen Erdbeben und der Tsunamie? (Die Reaktor-Katastrophe war zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht so weit fortgeschritten, d. Red.)
Chris: Tja, wir hätten nächste Woche eigentlich nach Japan fliegen sollen, um dort ebenfalls Interviews zu geben, haben das jetzt aber erst einmal abgesagt. Wir haben enorm viele Fans und auch Freunde in Japan, mit denen wir uns erst einmal in Verbindung gesetzt haben. Das ist echt furchtbar, was da gerade passiert. Ich hoffe, den Menschen wird schnell geholfen. Wenn alles klappt, holen wir den Trip aber in einem Monat etwa nach.
Daniel: Auch wenn die Situation in Japan sicher wäre, hätte es kaum Sinn, jetzt zur Promotion da rüber zu fliegen. Mal im Ernst: im Licht der schrecklichen Geschehnisse ist eine Albumveröffentlichung nun wirklich das Letzte, auf das sich die Leute kümmern wollen und sollen. Da stehen ganz andere Probleme an.
Zurück zum Album. Chris, wenn du live deine Soli zockst, wie viel ist dabei dann Improvisation und wie viel ist Festgelegtes?
Chris: Wie gesagt, wir nehmen die Proben immer auf und oftmals landen die Soli, die ich währenden Proben improvisiere, dann auch auf der Scheibe. In den Grundzügen spiele ich die dann auch live, aber das ist in der Regel eher fifty/fifty. Bei anderen muss ich mich aber auch richtig hinsetzen und sie ausarbeiten, weil ich mit den ersten Ideen nicht wirklich zufrieden bin. Das ist dann richtig Arbeit, aber wenn das getan ist, dann bleiben die auch weitgehend in der Form. Auch live, da bin ich dann sehr kritisch, denn ich will mich auch so wenig wie möglich wiederholen. Allerdings höre ich mir die alten Scheiben und Soli von uns so gut wie nie an, weswegen ich kaum sagen kann, ob ich da irgendwas wiederhole oder nicht (lacht). Ich denke mal, gerade in den Songs, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, haben sich die Soli am meisten verändert.
Daniel, bei "Under Black Flag We March" hast du ein paar sehr coole Drumpatterns eingespielt. Was macht dir mehr Spaß? Straight Sachen oder doch solche Nummer, wo du auch ein bisschen Abwechslung und eine Herausforderung hast?
Daniel: Auch wenn ich das jetzt wahrscheinlich nicht sagen dürfte, aber eigentlich die straighten Sachen. Ich wird ja auch alt (lacht). Mit der Zeit wird man bei so was ein bisschen fauler, und hab ich bei all den technischen Sachen dann auch nichts gegen ein paar simple, straighte Nummern. Vor allem, weil die Fans in solchen Parts auch natürlich deutlich besser mitgehen und mitbangen können. Aber auch da gibt es auf der neuen Scheibe sehr unterschiedliche Sachen. Bei ein paar Songs muss ich mich richtig anstrengen und für ein paar Parts musste ich sogar eine neue Technik in Sachen Double-Kick ausprobieren, weil ich das sonst in der Geschwindigkeit nicht hätte spielen können. Dabei sind das nicht mal die Blastbeats, wo ich mit dieser Technik arbeiten muss. Naja, jedenfalls versuche ich sowohl mit den Fußballen, als auch mit den Fersen zu spielen, was nicht ganz einfach ist. Von daher denke ich, dass es vollkommen ok ist, wenn man bei neuen Songs experimentiert und andere Sachen ausprobiert. Man muss aber immer im Auge behalten, dass man die Sachen auch live spielen muss, und da wird es dann manchmal ganz schön haarig.
Wenn Daniel sagt, dass er ein paar neue Tricks in Sachen Drumming gefunden und ausprobiert hat. Wie sieht das für dich an der Gitarre aus, Chris?
Chris: Puh, ich glaube nicht, dass es da in spieltechnischer Hinsicht noch viel Neues zu entdecken oder auszuprobieren gibt. Das ist dann eher eine Sache des Aufnehmens, Arrangierens und Ausarbeitens. Michael und ich nehmen uns meist gegenseitig auf, dass ich seine Sachen überwache und ausproduziere und er meine. Es sind also dann eher die Studiomöglichkeiten, die wir dann neu ausloten, als die spieltechnischen.
Daniel: Das ist dann aber auch die Gefahr im Studio, dass man sich zu sehr auf Kleinigkeiten fokussiert und daran immer und immer wieder herum bastelt. Ich hab zum Beispiel ewig an einem Snare-Sound rumgebastelt, den Andy Sneap unbedingt haben wollte. Dazu musste ich die Snare in einem bestimmten Winkel mit einer bestimmten Stärke treffen und das hat und hat einfach nicht geklappt. Andy hat diesen Sound durch Zufall einmal gehört und wollte ihn dann immer (lacht). Das musste ich dann immer und immer wieder versuchen, bis er zufrieden war.
Kein Wunder, dass ihr mit der Scheibe nicht rechtzeitig fertig wurdet, wenn ihr euch mit so was aufhaltet.
Daniel: Naja, das Ding ist halt, dass wir es uns mittlerweile auch leisten können, so lange im Studio zu bleiben. Das ist sowohl Fluch, als auch Segen. Früher hätten wir nicht mal ansatzweise das Geld dafür gehabt, uns mit solchen Kleinigkeiten zu beschäftigen. Da mussten Aufnahme, Mix und Mastering quasi in einer Woche abgeschlossen sein, weil die Kohle einfach nicht da war.
Wie viele Lieder hattet ihr denn zur Auswahl für die Scheibe?
Chris: Eigentlich gab es nur einen weiteren Song, der es nicht auf das Album geschafft hat, aber der wird wohl auf einer EP landen. Dann gibt es natürlich noch den üblichen Bonustrack für Japan, wobei es sich wohl um ein Mike Oldfield-Cover handeln wird. Aber eigentlich ist alles, was wir aufgenommen haben, nun auch auf "Khaos Legions" zu hören. Das heißt aber nicht, dass wir knapp mit Songs gewesen wären. Ganz im Gegenteil, denn dieses Mal haben sich echt wieder alle am Songwriting beteiligt. Auch Sharlee hat mal wieder ein paar Sachen beigesteuert.
Ihr habt ja auch schon wieder einen proppevollen Tourkalender. Mir wurde gesagt, dass ihr von März bis Dezember unterwegs seid.
Daniel: Naja, nicht komplett durchgehen, aber im Groben stimmt das schon. Und das ist ja nur 2011. Für 2012 stehen auch schon die ersten Dates (lacht). Aber so lange es Spaß macht, kann man ja nicht wirklich von harter Arbeit sprechen.
Kaum zurück von der Promotiontour in Italien, ruft die zierliche Frontlady mit der großen Stimme auch schon beim laut.de-Redakteur an, um auch mit ihm über das neue Album "Doomsday Machine" und den fehlenden Zusammenhalt in der Metalszene zu diskutieren.
Es ist schon fast unglaublich, wie manche sich das Maul über die zierliche Fronterin von Arch Enemy zerreißen. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn man(n) eher Fan von ihrem Vorgänger Johan Liiva war, aber der Großteil der Kritik an Angela klingt doch meistens nach Angstbeißen und nicht nach konstruktiver Auseinandersetzung mit der Leistung der Dame. Kein Wunder also, dass Angela sich für mehr Zusammenhalt in der Metal-Szene einsetzt ...
"Nemesis" war der erste Song, den ihr schon auf eure Homepage gestellt habt, und der auch auf der Scheibe sofort im Ohr hängen bleibt. Du singst dort: "One for all and all for one". Widerspricht das nicht etwas dem Prinzip der Nemesis, also der Rache?
Findest du? Ich denke eigentlich schon, dass das passt. Ich sehe in der Metal-Szene einfach noch diesen rebellischen, aggressiven Ansatz. Rachefeldzug ist da vielleicht zu viel gesagt, aber ich finde einfach, es sollte unter den Metallern ein viel größeres Einheitsgefühl geben. Im Text heißt es ja auch: "We are Nemesis", das soll dieses "Wir gegen den Rest der Welt Gefühl" ausdrücken. Wir sind die Rache, oder die Vergeltung (lacht).
Du beziehst den Text also auf die Metal-Szene?
Ja, absolut, es heißt ja: "One for all, all for one, we are one we are strong".
Dieses Einheitsfeeling scheint irgendwie dein Ding zu sein, oder? Auf dem letzten Album "Anthems Of Rebellion" handelte der Text von "We Will Rise" doch ein ähnliches Thema ab.
Stimmt, mir liegt das aber auch sehr am Herzen, denn die Metal-Szene scheint in letzter Zeit nichts Besseres zu tun zu haben, als sich gegenseitig zu beschimpfen oder zu dissen. Es gibt überall Reibereien zwischen den verschiedenen Strömungen und auch Bands. Es ist mir einfach wichtig zu betonen, dass die Metal-Szene nur aus einer Grundstimmung hervorgegangen ist und das wir alle zusammen gehalten haben. Das Wichtige dabei ist die Idee, sich gegenseitig zu akzeptieren, zu tolerieren und zusammen zu halten.
Machst du diese Erfahrung tatsächlich in solchem Maße, dass sich die Fans gegenseitig dissen?
Du musst doch nur mal im Internet auf irgendein Forum gehen. Schon allein der Ton, der da herrscht, ist unglaublich aggressiv und die Leute behandeln sich gegenseitig stellenweise wie Dreck. Sobald man eine Band nicht mag und sie kritisiert, muss man sich die übelsten Beschimpfungen anhören. Ich denke schon, dass der Tonfall in der letzten Zeit unglaublich aggressiv geworden ist. Auch bei unseren Konzerten kam es schon vor, dass irgendwelche Straight Edge Hardcore-Leute auf die Metaller gestoßen sind, und letztendlich musste die Ambulanz sich drum kümmern. Da gab es Messerstechereien, sobald einem irgendwas nicht passt, wird drauf gehauen. Da erfüllt man natürlich auch herrlich das Klischeebild des tumben Langhaarigen.
So extrem ist mir das persönlich noch nie aufgefallen. Dass man sich aufs Übelste beschimpfen lassen muss, wenn man mal was Negatives über eine Band schreibt, damit hab ich Redakteur hingegen schon genügend Erfahrungen.
Das kann ich mir vorstellen, aber selbst das war früher doch nicht so extrem. Klar, durch das Internet ist die Kommunikationsmöglichkeit viel größer geworden und man kann sich viel schneller den Frust von der Seele schreiben. Was mir aber immer wieder besonders übel aufstößt, sind die Reaktionen, wenn eine Band einen Auftritt absagen muss. Wenn mir das früher bei einer Band passiert ist, habe ich mich ein wenig geärgert, wusste aber, die kommen ja irgendwann wieder. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, denen gleich eine Hassmail zu schreiben. Solche Mails bekommen wir aber immer wieder, sobald wir einen Gig canceln müssen. Vielleicht war der Respektlevel früher höher, ich weiß es nicht. Respekt scheint in der heutigen Gesellschaft immer mehr zu verschwinden. Das Gleiche gilt für Toleranz und freundliches Miteinander, und das geht mir in der Metal-Szene einfach gegen den Strich. Ist doch egal, ob das Nu Metal, Metalcore, Death Metal oder wie auch immer heißt. Wir stehen alle etwas außerhalb der Gesellschaft und sollte dann doch gerade zusammen halten und nicht aufeinander rumhacken. Was soll das denn? Das war früher doch nicht so. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen hast du einen Metalhead auf der anderen Straßenseite gesehen, und egal, was der für ein Shirt anhatte, du hast ihn gegrüßt, weil es eben auch ein Metaller war. Heute wirst du erst mal unter die Lupe genommen, ob dein Shirt auch die richtige Band vorne drauf hat. Damit wirst du gleich mal gewertet. Da könnte ich mich stundenlang drüber auslassen. Hast du noch andere Fragen? Wenn ja, müssen wir das jetzt stoppen, hahaha.
Wie viele Texte auf "Doomsday Machine" stammen diese mal denn von dir? Auf dem letzten hast du dir die Lyrics ja noch mit Michael geteilt.
Bis auf zwei stammen alle von mir, und an den beiden hab ich auch mitgebastelt. Das hat sich so ergeben, da Michael und Chris eben das Songwritingteam sind. Auch Daniel (Erlandson, dr) ist inzwischen gut darin integriert, und deswegen halte ich mich aus dem Songwriting weitgehend raus. Das sind drei fähige Leute, weswegen ich mich also auf die Texte konzentriert habe. Ich brauche allerdings immer den Song als Demo, um entsprechende Texte zu schreiben, denn die Worte sollen zu Musik, Atmosphäre und Rhythmus passen. Von daher haben wie die Songs wirklich komplett gemeinsam ausgearbeitet, aber jeder war einfach in sein bestimmtes Feld integriert.
Songs wie "Taking Back My Soul", "My Apocalypse" und "I'm Legend" klingen dem Titel nach recht persönlich. Auf der anderen Seite kommen Sachen wie "Enter The Machine", "Mechanical God Creation" oder "Slaves Of Yesterday" eher einem politischen Statement gleich. Macht's die Mischung?
Auf jeden Fall, ich versuche meine Texte immer in der Art von kleinen Kurzgeschichten zu gestalten, die jeder lesen und für sich etwas rausziehen kann. Manche mögen sie, machen weniger, für mich haben sie natürlich alle eine bestimmte Bedeutung, die ich aber nicht als konkret, formuliertes Statement in den Song packen will. Das finde ich sogar schon gefährlich, denn gerade die jüngeren Fans orientieren sich doch mitunter noch sehr stark an ihre Idolen. Ich will da eigentlich niemanden beeinflussen, denn man bekommt in den Medien schon genügend Meinungsmache um die Ohren gehauen. Da muss ich nicht auch noch kommen, wir versuchen lieber, uns als Band so unpolitisch wie möglich zu halten. Natürlich haben wir auch Songs, die in diese Richtung gehen, die sind aber dann eher indirekt formuliert.
Wie habe ich dann einen Albumtitel wie "Doomsday Machine" zu verstehen?
Jaha, das hat irgendwie eine ganz neue Bedeutung bekommen. Während der Interviews gestern hab ich die Meldungen aus London mitbekommen (die Anschläge in der U-Bahn, Anm. d. Red.), ein Bekannter von mir war quasi vor Ort. Das ist schon beängstigend, was da abläuft. Ich verstehe einfach nicht, wie Menschen so etwas tun können. Vor allem, weil jetzt auch Europa langsam immer mehr vom Terrorismus bedroht wird. Das kann einem schon Angst macht.
Da gebe ich dir Recht. Lass uns lieber auf erfreulichere Themen kommen. Ich habe den Eindruck, dass die Songs auf "Doomsday Machine" ein wenig rockiger geworden sind, gerade "Taking Back My Soul". Schimmert da das Erbe von den Spiritual Beggars durch?
Nein, das glaube ich nicht. Ich finde das Album sehr ausgewogen, es gibt ein paar rockigere Sachen, genauso wie schnelle und melodische. Ich finde eigentlich, dass wir eine sehr gute Mischung auf dem Album haben. Außerdem hat Michael die Songs ja nicht alleine geschrieben, sondern Christoffer, Sharlee und Dennis haben ihn dabei ebenfalls unterstützt. "Taking Back My Soul" stammt zum großen Teil von Christoffer. Aber ich habe das Gefühl, dass er mit dem Sound von uns nicht mehr so viel anfangen konnte und auch deswegen aus der Band ausgestiegen ist.
Er ist also definitiv draußen? Ich dachte, er macht nur eine Pause, um sein Studium zu beenden?
Nein, er ist ausgestiegen, und das sehr plötzlich und auch ein wenig unschön. Deswegen haben wir ja auch keine Festivals im Sommer gespielt. Er hat einfach den Spaß an der Musik verloren und sich dann an der Uni eingeschrieben, um zu studieren. Ich denke aber, dass das nicht wirklich lange vorhalten wird, denn so wie ich ihn kenne, kann er nicht lange ohne die Musik leben und wird sich früher oder später wieder bei uns melden.
Bis dahin habt ihr Gus G dabei (Ex-Nightrage, Firewind)
Ja, wir kennen ihn schon lange und hatten auch schon das eine oder andere Konzert mit ihm. Der Kerl ist echt klasse, nicht nur vom Gitarrenspiel her, sondern auch vom Stageacting wird er Chris ganz gut ersetzen.
Um noch mal auf Chris zu kommen, er hat zu dem letzten Album ja ein paar klare Gesangslinien beigetragen. Auf "Doomsday Machine" habt ihr darauf verzichtet, warum?
Weil sie einfach nicht gepasst hätte. Es macht ja keinen Sinn, so was zu verwenden, nur um es auf dem Album zu haben. Die Texte sind nicht dafür geeignet, und auch die Melodien haben meiner Meinung nach einfach nach den heftigen Vocals verlangt.
Hast du jemals versucht, Cleangesang bei Arch Enemy einzubringen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du unter der Dusche auch vor dich hinröhrst.
Hahaha, nein, das tu ich natürlich nicht, aber ich habe auch nie versucht, mit klarer Stimme bei Arch Enemy zu singen. Das würde da überhaupt nicht hinpassen, da ich eher eine Sopranstimme habe. Das hat bei Arch Enemy überhaupt nichts zu suchen und würde den Sound nur in eine vollkommen andere Ecke drängen.
Im Profil auf der Homepage gibst du Jeff Walker (Carcass), Chuck Schuldiner (Death) und Chuck Billy (Testament) als Einflüsse an. Hat dich Sabina Classen (Holy Moses) mit ihrem Gesang nicht auch beeinflusst?
Nein, eigentlich gar nicht. Als ich angefangen habe, so zu singen, kannte ich Holy Moses und Sabina gar nicht. Von daher konnte sie mich auch nicht beeinflussen. Es waren tatsächlich die Herren der Schöpfung, die mich auf die Idee brachten, so eine extreme Art des Gesangs zu versuchen, und es hat auch ganz gut geklappt.
Nun hat Sabina auch in einer normalen Unterhaltung eine Stimme wie Onkel Fritz in der Räucherkammer. Deine Stimme klingt hingegen vollkommen normal, wie kommt’s?
Nun ja, Sabina hat nun mal die Angewohnheit, ganz gern ein Bier zu zischen und auch mal eine zu rauchen, diesen Luxus gönne ich mir nicht. Ich achte wirklich sehr auf meine Stimme, was Sabina in den Anfangstagen bestimmt nicht gemacht hat. So bilden sich diese Knoten auf den Stimmbändern, und das verleiht der Stimme dann diesen unverwechselbaren Charme, hahaha. Ich schone mich auf Tour so weit wie möglich, und wenn es sein muss, halte ich auch mal den ganzen Tag über die Klappe, damit ich abends wieder singen kann.
Das Interview führte Michael Edele
Live Apocalypse (2006)
Burning Japan Live 1999 (1999), Burning Bridges (1999), Stigmata (1998), Black Earth (1996)
| Fr | 21.06.2013 | Arch Enemy Metalfest Open Air Germany (St. Goarshausen) | |
| Sa | 03.08.2013 | Arch Enemy Wacken Open Air (Wacken) |
24,90 EUR
24,90 EUR
24,90 EUR
24,90 EUR
24,90 EUR
21,99 €
30,99 €
16,99 €
18,99 €
9,90 EUR
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
arch enemy SuicideKing |
37 |
31.07.09, 21:03 flo1986 |
Format
Homepage: