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Wenn man ein Faible für die Kultur Ägyptens mit all ihren Geheimnissen und Wunderwerken hat, was liegt dann näher, als sich nach dem Fluss zu benennen, der den Aufstieg und Fall des einstigen Imperiums miterlebt und ermöglicht hat? Das denken sich auch Karl Sanders (Gitarre/Vocals), Chief Spires (Bass/Vocals) und Drummer Pete Hammoura und rufen 1993 in Greenville in South Carolina eine Band gleichen Namens ins Leben.
Nicht nur in ihren Texten beziehen sich Nile auf die vorchristliche Kultur, sondern sie vermischen ihren Death Metal auch mit orientalischen Melodien und Chören. Ihre erste EP "Festivals Of Atonement" erscheint zwei Jahre später über ihr eigenes kleines Anubis Records Label.
Doch irgendwie will die Sache trotz kleinerer Touren mit Obituary und Deicide nicht so recht anlaufen. Auch die nächsten drei Songs, die sie unter dem Titel "Ramses Bringer Of War" über das Visceral Productions Label veröffentlichen, bringen nicht den Durchbruch. Als das Label dann auch noch pleite geht, bevor der erste richtige Longplayer erscheinen soll, ist die Laune natürlich vollends im Eimer.
Doch Nile stecken die Köpfe nicht in den Sand, sondern engagieren vielmehr mit Dallas Toller-Wade einen zweiten Gitarristen. Als 1999 Relapse Records auf den Plan treten und anbieten, das schon eingespielte "Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka"-Album zu veröffentlichen, sieht die Sache schon wieder besser aus.
Die Scheibe gerät absolut hörenswert und eröffnet der Band eine breitere Fanschicht. Um diese auch zu erreichen, begeben sich die vier kurz nach der Veröffentlichung auf eine ausgedehnte Tour durch die Staaten, um im Anschluss mit Morbid Angel über den Globus zu brettern.
Als sie im August 1999 wieder zu Hause sind, machen sie sich daran, die Ideen, die teilweise schon seit zwei Jahren in ihren Köpfen herum schwirren, in Songs zu verwandeln. Allerdings bricht sich Pete vor den Aufnahmen den Arm, weswegen Derek Roddy (Ex-Divine Empire/Hate Eternal) einspringt.
"Black Seeds Of Vengeance" ist wieder mal pfeilschnell eingedroschen, besitzt aber mehr interessante Details, und auch die orientalischen Elemente kommen deutlicher zur Geltung. Neben afrikanischen Chören kommen auch so ausgefallene Instrumente wie Tablas, Tempuras, Sitars, tibetanische Doom Horns und hier und da mal ein Gong zum Einsatz.
Zwischenzeitlich erscheint in Form von "In The Beginning" noch eine CD, die die ersten beiden Veröffentlichungen der Band auf einem Album anbietet. Doch dann knuspert es etwas in der Band, was dazu führt, dass Basser Chief und Drummer Pete aussteigen und auf der Tour mit Incantation und Impaled Drummer Tony Laureano (Ex-God Dethroned/Malevolent Creation) und Basser Jon Vesano aushelfen.
Beide heuern bei Nile vorübergehend fest an und sind somit auch auf der neuen Scheibe "In The Darkened Shrines" zu hören und auf den Dates mit Arch Enemy, Hate Eternal und Origin mit dabei.
Im Oktober 2003 packt das Quartett erneut die Koffer und machen sich zunächst mit Kreator, Vader und Amon Amarth auf die 'Art Of Noise II'-Tour quer durch den nordamerikanischen Kontinent. Zum Ende des Jahres stehen ein paar Gigs mit Misery Index und Dew-Scented in Südeuropa an, bevor sie im Rahmen der 'X-Mas Fests 2003'-Tour den Rest von Europa abklappern.
Während Tony mal kurz bei Dimmu Borgir einspringt und der zurück gekehrte Dallas auch bei einem Nebenprojekt aktiv ist, erfüllt sich Karl Ende 2004 einen kleinen Traum und veröffentlicht mit "Saurian Meditation" ein Album, das sich ganz auf orientalisch-ägyptische Klänge konzentriert. Fans seiner Hauptband werden sich davon vielleicht nicht so sehr angesprochen fühlen, Freunde von Dead Can Dance oder Qntal sollten dem Album eine Chance geben.
Nach diesem Solo-Ausflug konzentriert sich Karl wieder auf Nile. Die bringen mit der EP "Lashed To The Slave Stick" 2005 ein neues Lebenszeichen auf den Markt, ehe sie noch im selben Jahr das Album "Annihilation Of The Wicked" nachlegen. Mit dieser Scheibe perfektionieren sie ihr komplettes Package. Neben dem stilvollen Artwork - das sich auch auf der eigenen Web-Präsenz fortsetzt - begeistern vor allem die technischen Finessen der Songs.
Allerdings ist Tony inzwischen weg vom Fenster und die Drums spielt der Nightfall-Drummer George Kollias ein und bleibt gleich fest dabei. Noch vor dem Release sind sie zusammen mit King Diamond auf Co-Headliner-Tour, ehe sie den Globus im Alleingang bereisen. Allerdings ist Basser Jon auch schon wieder Geschichte. Live steht der 19-jährige Joe Payne zur Verfügung.
Auf der 'No Mercy Festival'-Tour mit Six Feet Under, Dying Fetus, Disbelief und Cataract ist auf einmal Dalles für den Leadgesang zuständig. Für den Posten am Bass haben sich Nile inzwischen darauf geeinigt, nur noch Session-Musiker für die Touren zu verpflichten. Anfang 2006 begleiten sie The Haunted und Exodus nach Japan und unterzeichnen Ende Mai schließlich bei Nuclear Blast.
Dort erscheint Mitte Juli das neue Langeisen "Ithyphallic", für das sie direkt mit Decapitated im Anschluss in Australien auf Tour sind. Als Appetizer für das Album veröffentlichen sie die Single "Papyrus Containing The Spell To Preserve Its Possessor Against Attacks From He Who Is In The Water".
Danach sind sie Teil der Ozzfest-Tour und spielen noch nebenher ein paar Dates mit Chthonic. Darüber hinaus arbeitet Karl zum zweiten Mal an einigen Songs für sein Soloprojekt.
Auch in Europa lassen sich Nile im Laufe ihrer Tour sehe, müssen aber die geplanten Südafrika-Dates Ende 2008 wieder absagen. Stattdessen schrauben Nile einfach an neuem Material. Bereits im April veröffentlicht Karl mit "Saurian Exorcisms" sein zweites Soloalbum.
Ende Oktober 2009 steht schließlich "Those Whom The Gods Detest" in den Regalen. Mit Grave und Krisiun sind sie im November in Europa auf Tour, ehe es Anfang 2010 mit Immolation in den USA rund geht.
Glühender Ägypten-Fan und Mastermind von Nile: Karl Sanders im Gespräch.
Im Death Metal kann man sie wohl als 'Neigungsgruppe Ägyptologie' betrachten: Karl Sanders, Mastermind von Nile, und seine Band haben seit Juli ihre neue Scheibe "Ithyphallic" am Start. Während seiner Promotion-Tour fühle ich ihm bezüglich seiner Faszination für Ägypten und seinem Soloprojekt auf den Zahn; er erzählt mir über seine Rolle als allein erziehender Vater und die Schwierigkeiten mit Label und Ex-Bandkollegen.
Obwohl er noch bis in die Nacht hinein weitere Fragen beantworten muss und obendrein verkühlt klingt und niest, ist er in angenehmer Laune und freundlich, als er aus dem "wunderschönen Darmstadt in Deutschland" anruft. Klar, dass ich mich erst mal mit ihm über das neue Album unterhalten will – was er exzellent findet, wie er mir sagt.
Na dann: Here we go! Als erstes würde mich interessieren, was das Wort "Ithyphallic" überhaupt bedeutet.
Der Begriff bezieht sich auf ein antikes Ritual, eine Tradition der Kriegsgötter, das der Fruchtbarkeit diente. Es sollte Fruchtbarkeit und die kreative Kraft demonstrieren.
Worum geht es auf der Scheibe – gibt es ein spezielles Thema?
Nein, im Album geht es um nichts Spezielles. Doch natürlich handeln viele Songs von ägyptischer Geschichte und Mythologie.
Wie lange hat es gedauert, bis das Endprodukt fertig war?
Wir haben im August angefangen, Songs zu schreiben. Bis Februar haben wir geprobt, und am 1. März begonnen, die Songs aufzunehmen. Wir haben 51 Tage im Studio verbracht.
Habt ihr in dieser Zeit jeden Tag am Album gearbeitet?
Oh ja. Viele lange Stunden jeden Tag.
Wie zufrieden seid ihr nun mit dem vollständigen Werk?
Wir sind sehr zufrieden. Ich denke, es ist ein gutes Brutal Metal-Album. Auch die Arbeit mit unserem Produzenten Neil war wieder befriedigend. Wir sind wirklich erfreut darüber, wie viel er für die Band getan hat. Ebenso wie über all die Dinge, die wir diesmal am Album gelernt haben. Wir wollten "Ithyphallic" so stark wie möglich machen. Das neue Album hat mehr entwickeltes Spiel, wirklich forderndes Instrumentenzeugs.
Ich weiß nicht. Ich wäre glücklich, wenn die Leute es nur hören. Das ist genug für mich. Haha.
Ihr seid ja sehr begeistert von eurem Drummer George.
Haha. Ja, wir sind sehr zufrieden mit ihm.
Das bringt mich zu eurem vorigen Drummer, Tony Laureano. Er spielt ja mittlerweile auch mit den Österreichern Belphegor. Wie denkst du darüber?
Hm. Es zählt gar nicht, was ich denke. Ich mag Belphegor wirklich. Ich denke, er wird einen guten Job machen.
Steht ihr noch in Kontakt?
Nein. Es war keine glückliche Trennung. Aber ich rede generell nicht über diese Dinge. Der Fakt, dass wir ein paar Scheiben zusammen gemacht haben, ist genug für mich. Ich erinnere mich an die guten Dinge, statt Zeit damit zu verschwenden, mir über die negativen Gedanken zu machen.
Nun gut. Eine andere Frage: Woher kommt deine Faszination für ägyptische Mythologie?
Mmh. (überlegt) Das ist eher ein persönliches Interesse. Wie ein Hobby.
Hast du so viel Lovecraft in deiner Jugend gelesen?
Haha. Oh. Ja. Ziemlich viel. Er ist einer meiner Lieblingsautoren.
Da du dich ja so viel mit Ägypten beschäftigst, dachte ich mir, vielleicht hast du ja so was wie deine eigene Theorie über die Konstruktion der Pyramiden.
Haha. Ich denke, es ist genauso, wie man es auch gemeinhin annimmt. Mit Sklaven, die die Steine schleppen und so. Ich glaube nicht an all die außerirdischen Theorien.
Wer weiß. Ich weiß nicht, ob ich das gesagt habe, aber wer weiß. Vielleicht kann das mal passieren.
Ich habe übrigens gelesen, dass du noch nie in Ägypten warst!
Das ist wahr. Ich war noch niemals dort.
Nie Zeit gehabt?
Keine Zeit, kein Geld. Mit Death Metal macht man nicht so viel Geld, und es ist einfach sehr teuer, um von den USA da hin zu kommen.
Hast du dann eigentlich einen 'normalen' Job neben Nile?
Keinen normalen Job. Aber ich bin allein erziehender Vater. Ich habe einen zwölf Jahre alten Sohn und keine Mutter, die mir hilft. Es ist ein Job, Elternteil zu sein und Death Metal zu spielen.
Wie funktioniert das, während du auf Tour bist und deinen Sohn zu Hause hast? Das muss hart sein.
Ja. Aber er kann dann im Haus meiner Mutter wohnen.
Was ist eigentlich mit deinem Soloprojekt? Werden wir da bald mal wieder mehr hören?
Ich arbeite gerade an vier Songs. Vielleicht, wenn ich eine Pause von Nile nehme, habe ich Zeit, um an mehr zu arbeiten. Vielleicht stelle ich sie dann fertig und sehe, welches Label es will.
Wie sieht es mit Relapse aus? Denkst du nicht mehr daran, es hier zu veröffentlichen? Wenn ich frage, tun sie das sicher. Aber ich denke nicht, dass ich das machen werde. Da gab es Differenzen, über die ich aber nicht reden kann und will.
Saurian Exorcisms (2009)
Annihilation Of The Wicked (2005)
In Their Darkened Shrines (2002), In The Beginning (2000), Black Seeds Of Vengeance (2000), Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka (1998)
19,90 €
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