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Man mag vom dauergeschminkten Mann mit dem zerzausten Haar halten, was man will. An der Tatsache, dass sich Robert Smiths Band The Cure neben britische Rockgrößen wie Led Zeppelin und Black Sabbath einreihen darf, kommt so schnell niemand vorbei. Zu stark wirkte Smiths über die Jahre permanent ihre Mitglieder wechselnde Gruftie-Truppe seit 1977 auf das Musikgeschehen ein.
Seit dem Rauswurf von Gründungsmitglied Lol Tolhurst Anfang der 90er Jahre ist Smith sozusagen der letzte Mohikaner und außerdem unumstrittener Kopf der Band. Lediglich Basser Simon Gallup, der kurz nach der Gründung zur Band hinzustieß, stieg gegen 1982 kurzzeitig aus und darf sich daher rühmen, mit himmelsschreienden Popperlen wie "The Walk" oder "The Lovecats" nichts zu tun gehabt zu haben.
1977 starten Smith (Vocals, Guitar), Tolhurst (Drums) und Michael Dempsey (Bass) als Trio. Ihr rauher, ungestümer Sound klingt punk-infiziert, weist aber schon düstere Ansätze auf ("Subway Song") und landet in den Independent-Charts der Insel. Für Dempsey stößt nach der ersten UK-Tournee Gallup zur Truppe, womit die dunkelste, von Sehnsucht zerfressene Cure-Phase ihren Lauf nimmt.
Sah die Band anfangs noch aus wie eine nette Schulbuben-Gang, ändern hochtoupierte Haare, Schminke, Rüschenhemden und schwarze Klamotten schlagartig das Image. The Cure finden sich in der von Joy Division bereits geöffneten Gothic-Schublade mit Bands wie Siouxsie & The Banshees, Bauhaus und Sisters Of Mercy wieder, die Anfang der 80er Jahre mit Sound und Outfit für den neuen Style stehen.
Mit "Seventeen Seconds" (1980) und "Faith" (1981) veröffentlichen die Briten zwei bis heute als Cure-Meisterwerke angesehene Alben, an denen auch Neu-Keyboarder Matthieu Hartley mitwirkt. Wie Smith im Jahr 2000 dem britischen Magazin Uncut verrät, war er zu jener Zeit zwar erst 21, fühlte sich aber steinalt. Zu seiner Lebenseinstellung ergänzt er: "Ich glaubte an gar nichts und sah auch keinen großen Sinn im Leben. Während der nächsten zwei Jahre hatte ich ständig das Gefühl, nicht sehr alt zu werden und tat alles, um dieses Gefühl wahr werden zu lassen."
Dies gelang ihm zwar glücklicherweise nicht, dennoch scheint der Mann sich damals physisch wie psychisch ziemlich verausgabt zu haben. Zur B-Seite "Descent" der '81er Single "Primary" ergänzt Smith später: "Es war von vornherein klar, dass es ein Instrumental werden würde, weil ich keine Texte mehr schreiben wollte. Alles, was benötigt wurde, hatte ich für 'Faith' geschrieben und mehr gab es wirklich nicht zu sagen."
Auf der '82er Tournee zum bis dato dunkelsten Cure-Album "Pornography" kommt es in Straßburg zu einer Prügelei zwischen Smith und Gallup, woraufhin Letzterer seine Sachen packt. Nach der Tour sieht selbst Smith die Band als aufgelöst an. So taucht er mit Freundin Mary erst mal unter, während Kollege Tolhurst vom Schlagzeug die Nase voll hat und Keyboardstunden nimmt.
Nur aufgrund einer Magazin-Anfrage komponiert Smith Anfang 1983 den Song "Lament". Doch entgegen seines Wunsches, ihn als Robert Smith-Song laufen zu lassen, druckt das Magazin The Cure auf die Flexi-Scheibe. Anschließend fließen Smith, dem die Trennung von Gallup noch immer nahe geht, plötzlich ohrwurmtaugliche Popsongs aus der Feder, wie man sie ihm vorher niemals zugetraut hätte. "The Walk", "Let's Go To Bed" und "The Lovecats" mit Neu-Keyboarder Tolhurst erklimmen 1983 prompt die Charts.
Zur selben Zeit springt Smith bei den Kollegen der Banshees als Gitarrist ein und veröffentlicht mit Severin ein Album unter dem Projektnamen The Glove. In neuer Fünfer-Besetzung touren The Cure 1984 mit dem Album "The Top", das Robert dennoch im Alleingang aufnimmt, durch die halbe Welt. Nachdem Neu-Drummer Andy Anderson zum wiederholten Male wegen Trunksucht auf Tour ausrastet, fliegt er aus der Band und macht Platz für Boris Williams.
Im Februar 1985 verlässt Basser Phil Thornalley das Gruftschiff und Gallup kehrt zurück, im Spätjahr erscheint das synthetische "Head On The Door", aus dem die Single "Close To Me" in die Charts geht. Im Folgejahr erlebt das schon 1979 veröffentlichte und kaum beachtete "Boys Don't Cry" einen zweiten Frühling und mit der Platte "Kiss Me Kiss Me Kiss Me" mutieren The Cure 1987 endgültig zum Stadion-Rock-Act in Europa sowie Nord- und Südamerika.
Umso verwunderlicher, dass die Band 1989 mit "Disintegration" die finsterste Scheibe seit Jahren abliefert, die alte Fans und Schwarzkittelträger zu Jubelstürmen hinreißt. Mit "Lullaby" und "Lovesong" bewahren sie sich dennoch ihren Pophit-Anspruch. Nach der dazugehörigen Tour verkündet Robert Smith nicht nur das Ende der Live-Aktivitäten, es kommt auch zum Eklat mit Gründungsmitglied Tolhurst.
Nachdem jener zunächst in beiderseitigem Einvernehmen die Band verlässt, tauchen plötzlich finanzielle Forderungen in der Presse auf, die zu einem anderthalbjährigen Gerichtsstreit ausarten und dem Image von The Cure durch allerlei Halbwahrheiten nachhaltig schaden. So musste Tolhurst angeblich bei der Aufnahme des Songs "Shiver And Shake" 1987 im Studio direkt vor Smith stehen, damit dieser die benötigte Portion Ekel für die Performance aufbringen konnte ...
Eine nicht minder unschöne Geschichte von den Aufnahmen zur "Lullaby"-B-Seite erzählt Gallup im Booklet des 2004er-Boxsets "Join The Dots": "Für den Song "Babble" wollten wir im Hintergrund Sounds wie Radiorauschen oder andere Störgeräusche. Also holten wir Boris' Hund ins Studio und ließen ihn mit seinen Tatzen über Lols Keyboard laufen, um verrückte Klänge zu bekommen. Während dessen lag Lol mal wieder total zugedröhnt in der Ecke und sah sich mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Hund seine Parts einspielte."
Nach dem mutigen Remix-Werk "Mixed Up" von 1990, das auch mit Hip Hop-Rhythmen zahlreiche Fans verprellt, mausert sich das neue Studioalbum "Wish" 1992 zu einem weiteren Highlight der Bandgeschichte. Die "Wish"-Tour gerät länger und erfolgreicher denn je, was nicht zuletzt am kommerziellen Erfolg der Single "Friday I'm In Love" liegt. Nach einer mehrjährigen Pause erscheint 1996 "Wild Mood Swings", mit dem The Cure jedoch ausnahmsweise nicht den Nerv der Zeit treffen, selbst die Singles ("The 13th", "Mint Car") interessieren diesmal fast niemanden. Somit bleiben im Gegensatz zu 1993 die MTV-Kids den Konzerten der Swing-Tour fern, und die Band schüttelt live zur Freude der Spätgeborenen längst verschollen geglaubte Oldies aus den Ärmeln.
Am Valentinstag 2000 erscheint nach langer Vertröstung das 12. Studiowerk der Düsterrocker. Der passende Titel zum Tag der Veröffentlichung: "Bloodflowers". Das Werk, das sogar für einen Grammy nominiert wird, orientiert sich soundtechnisch stark an den dunklen Alben "Pornography" und "Disintegration". Nur wenige Monate danach streut Smith mal wieder Trennungsanekdoten: So soll der "Bloodflowers"-Song "Maybe Someday" seinen Abschied von The Cure ausdrücken. Sein ganzes Leben habe er der Band gewidmet, nun sei es Zeit für etwas Neues. In dem Song heißt es: "No, I won't do it again, I don't want to pretend, if it can't be like before, I've got to let it end."
Abschied? Mal wieder alles Quatsch. Im November 2001 bringt Smith als letzte Platte für Polydor ein weiteres "Greatest Hits"-Album mit limitiertem Unplugged-Special sowie zwei neuen Songs heraus. Ende Februar 2003 haben dann auch die Spekulationen über die Zukunft von The Cure ein Ende. Smith, Gallup, Gitarrist Perry Bamonte, Drummer Jason Cooper und Keyboarder Roger O'Donnell unterschreiben einen Vertrag über drei Alben bei I Am Recordings, dem Label des NuMetal-Produzenten Ross Robinson. "The Cure waren jahrelang meine Lieblingsband und haben meinen Produktionsstil geprägt", meint Robinson, der ansonsten Acts wie Korn, Limp Bizkit oder Slipknot produziert.
Mit der Veröffentlichung dauert es aber noch ein Weilchen. Währenddessen spielt die Band einige Konzerte, auf denen ausschließlich die Cure-Alben "Pornography", "Disintegration" und "Bloodflowers" zum Einsatz kommen, um "eine Ära für The Cure zu beenden", so Bandleader Smith. Das Spektakel aus dem Berliner Tempodrom erscheint 2003 als DVD mit dem Titel "Trilogy". Mittlerweile steht der Dunkelfürst auch bei jüngeren Kollegen als Gastsänger hoch im Kurs.
So kollaboriert Smith u.a. mit den Trance-Brüdern Blank & Jones, den Holländern von Junkie XL, Junior Jack und den Ami-Punks von Blink 182. Anfang 2004 gelangt endlich das lange von Smith angedachte Cure-Boxset "Join The Dots" in die Läden, das sämtliche Single-Rückseiten der Bandkarriere sowie unveröffentlichte Songs auf vier CDs featuret. Der Vergangenheitsbewältigung wäre damit (vorerst) Genüge getan.
Mitte 2004 kommt der lange ersehnte Longplayer "The Cure" in die Regale und schafft es auf Rang drei der deutschen Albumcharts. Begleitend spielt die Band im Sommer einige Festivals und bucht unter dem Titel "Curiosa" auch wieder eine Tournee in Amerika, gemeinsam mit den von The Cure beeinflussten Bands Interpol, The Rapture und Mogwai. Als logische Folge muss Smith wieder annähernd so viele Interviews geben wie zur letzten Cure-Hochphase 1993 und wird von MTV in der Spezialsendung "MTV Icon" für sein Lebenswerk geehrt. Laudator ist Dunkelfürst-Nachfolger Marilyn Manson.
Bevor ein neues Studioalbum erscheint, weidet sich Smith erneut an der eigenen Vergangenheit. Sämtliche Cure-Alben bis 1989 erscheinen als Deluxe Editions (u.a. "Three Imaginary Boys", "The Head On The Door", "Kiss Me Kiss Me Kiss Me". "Disintegration" folgt 2010), natürlich tiptop aufgemacht mit dickem Booklet und neuen Erinnerungszeilen des Struwwelpeters.
2005 lässt sich Roberts Langzeitkumpel und Schwager, Gitarrist Porl Thompson, der 1993 ausstieg und später für Led Zeppelins Page & Plant in die Saiten griff, wieder blicken. Voll an Bord releasen Cure mit ihm 2008 den Neuling "4:13 Dream".
Im Vorfeld bringen die Briten an jedem 13. des Monats von Mai bis August eine Single an den Start. Die Platte gerät für Cure-Verhältnisse dennoch zum Flop. Keyborder O'Donnell und Bamonte sind derweil Geschichte. Auf der Album-Tour werden The Cure ihrem annähernden Legendenstatus wieder gerecht und geben bis zu drei Stunden ausufernde Konzerte.
2011 spielen The Cure im Sydney Opera House die Alben "Three Imaginary Boys", "Seventeen Seconds" und "Faith" nacheinander. Für diese Auftritte entern tatsächlich Lol Tolhurst sowie O'Donnell die Bühne: Den ersten Block bestreitet die Band als Trio, den zweiten als Quartett, den dritte sowie die Zugaben als Quintett. Kurz darauf ist O'Donnell wieder vollwertiges Bandmitglied, 2012 steht anstelle von Thompson plötzlich Ex-Bowie-Gitarrist Reeves Gabrels auf der Bühne.
Die britische Wave Pop-Institution The Cure kam am Wochenende erstmals seit der "Bloodflowers"-Tour wieder für zwei Festival-Auftritte nach Deutschland.
Vor dem Konzert auf dem Zillo Festival zwackte Sänger Robert Smith zehn Minuten seiner kostbaren Zeit für ein Sechs-Augen-Gespräch mit LAUT ab. Ob der Mann neben Fußball auch am Internet Interesse hat, und wie er es derzeit mit dem Dauerthema "The Cure und die Zukunft" hält, lest ihr hier.
Hi Robert. Du bist doch ein großer Fußballfan. Wo hast du den World Cup angeschaut?
Ich habe jedes einzelne Spiel daheim angeschaut, habe also den ganzen Juni daheim verbracht. Einfach perfekt. Sowas habe ich seit fünf Jahren nicht mehr gemacht. Für die "besonderen" Spiele kamen ein paar Kumpels (lacht) - natürlich meine ich die England-Spiele. Und auch zu ein paar von den Irland-Spielen. Das ist dann teilweise schrecklich ausgeartet. Wir haben die ganze Nacht durchgezecht und uns dann morgens die England-Spiele angeschaut. Danach sind wir alle ins Bett gefallen.
Ihr spielt gerade diese Festivaltour ohne irgendwelche Plattenreleases im Vorfeld. Verspürst du manchmal dieses Verlangen, von zu Hause ausbrechen zu müssen, weil dich das "normale Leben" langweilt?
(zögert) Nun, so etwas wurde mir nachgesagt. Und es ist schon was Wahres dran. Aber ich glaube, das ist einfach etwas, was wir seit 15 Jahren so machen. Wir entschließen uns einfach, ein paar Festivals zu spielen. In der Vergangenheit fanden solche Aktionen zwar immer im Zusammenhang mit einer Plattenveröffentlichung statt. Dieses Mal ging es aber einfach nur um den Spaß an der Sache. Wir haben kürzlich ein paar Demos aufgenommen, hatten aber aus verschiedenen Gründen noch keine Zeit, sie abzumischen. So haben wir uns gedacht, noch einmal ein paar unserer alten Songs live zu spielen, weil wir in Zukunft vielleicht nicht mehr so oft dazu kommen.
Es ist meine Art, einen bestimmten Abschnitt von The Cure abzuschließen, bevor wir mit etwas Neuem beginnen. Was auch immer wir in Zukunft machen werden, es wird in einem anderen Umfeld geschehen und andere Leute sind dann darin involviert. Wir sind nicht einmal mehr bei unserem alten Label. Es sieht so aus, als müssten wir uns für die neuen Demos eine völlig neuartige Bühnenshow ausdenken. Ich weiß zwar nicht, wie viele Songs wir davon heute oder morgen spielen werden, geschweige denn, welche es auf unser neues Album schaffen werden.
Aber um nochmal auf deine Frage zurück zu kommen: Es geht uns dieses Mal einfach nur um den Spaß. Und wir treffen immer so viele nette Leute, wie z.B. Wayne (Hussey, Sänger von The Mission, Anm. d. Red., allgemeines spöttisches Lachen).
Ich versuche immer etwas früher auf dem Festivalgelände zu sein, um vor dem Gig noch mit ein paar Leuten abzuhängen. Vorgestern haben wir z.B. Orbital getroffen, das war ziemlich nett. Es ist einfach ein entspannteres Gefühl. Und jedes Mal, wenn wir auf die Bühne gehen, ist da viel mehr Enthusiasmus dahinter, als sonst, weil wir eben nicht wirklich "auf Tour" sind. Wir fahren zwischendurch heim für vier Tage und wenn wir dann wieder zurück kommen, dann sind wir alle total aufgeregt, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.
Werden die Demos, über die du gerade gesprochen hast, auch auf dem neuen Album zu hören sein?
Ja, definitiv. Wir befinden uns jetzt in einer witzigen Situation. Ich habe nämlich gerade meinen Krempel für mein Soloalbum fertig gekriegt. Da habe ich jetzt schon 18 Monate dran rumgewerkelt. Aber ich habe es noch nicht abgemischt. Gleichzeitig habe ich begonnen, neues Material für The Cure aufzunehmen. Ich weiß noch nicht, wo das hinführen wird. Vielleicht werden wir ein neues Cure-Album aufnehmen und mein Soloalbum ist dann als kostenlose Bonusplatte mit dabei.
Ich glaube, wenn ich mit meinem eigenen Soloding anfange, dann kostet mich das ein Jahr meines Lebens und ich bin mir nicht sicher, ob ich das so will. Weißt du, ich bin wirklich froh, wieder mit der Band zusammen zu sein. Ich genieße die Gegenwart der Jungs, wann immer es möglich ist. Ich hätte es lieber, wenn The Cure ein neues Album aufnehmen würden, und mein Soloprojekt würde noch zurückgestellt. Andererseits muss ich das Teil ja irgendwie promoten, wenn es rauskommt. Und eigentlich bin ich ziemlich selbstbewusst, was dieses Projekt angeht.
Wenn The Cure ein neues Album rausbringt, ist das nicht so schwer, es ist einfach ein Abschnitt in der Bandgeschichte, mit all den Dingen, die dem vorausgingen. Am liebsten wäre es mir, wenn meine Soloplatte mit der neuen Cure-Platte zusammen herauskommt, so ähnlich wie beim Greatest Hits-Album und der Akustik-CD. Dann ist sie halt raus und die Leute können sich drüber beschweren. Wenn sie sie dann alle scheiße finden, dann ist das egal und sie können sie einfach wegschmeißen (lacht).
Wie würdest du dein Soloprojekt beschreiben?
Es ist sehr atmosphärisch, aber gleichzeitig auch sehr elektronisch. Das neue Cure-Zeug ist unglaublich heavy. Schon fast Heavy Rock. Das sind zwei total verschiedene Sachen. Aber ich spiele immer noch lieber zusammen mit der Band, als alleine Musik zu machen.
Für die Greatest Hits-Platte hast du zusammen mit Saffron von Republica ein Duett aufgenommen. Würdest du gerne auch mit anderen Künstlern etwas ähnliches machen?
Saffron wurde mir von einem gemeinsamen Bekannten empfohlen. Ich hab sie auch schon ein paar Mal getroffen und mir gedacht, dass so eine Zusammenarbeit ein interessantes Experiment wäre. Es hat dann auch viel Spaß gemacht. Als ich mit der Arbeit an meinem Soloalbum anfing, hatte ich schon eine Liste mit Leuten zusammengestellt, die ich gerne dabei gehabt hätte. Aber das kann sich immer noch ergeben, weil ich es noch nicht abgemischt habe. Ich habe gerade mit Earl Slick einen Song aufgenommen, dem Gitarristen von Bowie. Während wir ein paar Demos aufgenommen haben, hat er die Gitarre auf "A Forest" mit uns gespielt und es war einfach fantastisch, diesen Typen Cure-Songs spielen zu hören. Das war schon ein cooles Erlebnis.
Die Möglichkeit, dass wir im Rahmen von The Cure in Zukunft öfter solche Kollaborationen eingehen, ist ziemlich groß. Ich spüre, dass der Sound der Band sehr stark gereift ist. Zum ersten Mal glaube ich, dass wir wirklich gut sind. Ich glaube, die "Bloodflowers-Tour" hat uns in diesem Lineup zu einer ganz guten Truppe gemacht. Und deshalb fände ich es sehr angenehm, andere Leute einzuladen, um mit uns zusammen zu spielen. Ich glaube, das würde ziemlich gut klappen. Wir werden sehen.
Aber um noch mal auf deine Frage zurück zu kommen, es gäbe da nicht viele Leute, mit denen ich gerne mal singen würde. Und deshalb fiel die Wahl auf Saffron auch nicht zufällig. Als ich sie das erste Mal traf, war ich eher zurückhaltend, aber als ich dann mit ihr quatschte, fanden wir heraus, dass wir in der gleichen Gegend aufgewachsen sind. OK, sie ist viel jünger als ich, aber sie ist nur fünf Meilen von mir entfernt aufgewachsen, kennt die gleichen Leute und hat früher in den selben Pubs gesoffen wie ich. Wir haben gemerkt, das wir viel gemeinsam haben. Sie ist eine sehr selbstbewusste und lebensbejahende Persönlichkeit und hat deshalb keine Schwierigkeiten mit mir. Die meisten Leute, die ich mag, sind aber eher Jammerlappen und wenn ich mit denen dann in einem Raum zusammen bin, dann wird es schrecklich (lacht).
Weißt du schon, auf welchem Label die neue Platte rauskommen wird?
Nein, wir haben uns noch für keine Firma entschieden. Wir hatten aber ein paar Angebote ...
Aber sie wird nicht ausschließlich im Internet veröffentlicht?
(zögert) Ja und Nein. Wir haben mit ein paar Firmen gesprochen, die hauptsächlich auf dem Internetvertrieb basieren. Das sind keine Plattenfirmen im herkömmlichen Sinne. Sie haben sich speziell aufs Internet ausgelegt und sind aber trotzdem vertraglich mit den traditionellen Labels verbunden. Das ist eine ziemlich interessante Sache und wir haben schon eine besondere Firma im Auge. Wir wollten die Platte ursprünglich selbst rausbringen, aber das ist einfach zu viel Arbeit. Ich meine, wir als The Cure hatten noch nie ein Imperium (lacht).
Es ist einfach nur eine Band. Und die Platte selbst zu veröffentlichen, würde bedeuten, wir müssten ein Büro aufmachen und Leute einstellen und ich würde wahnsinnig werden mit dem ganzen Business-Quatsch. So etwas interessiert mich nicht wirklich. Falls wir jedoch eine Plattenfirma finden sollten, die unsere Situation versteht, dass wir fast die letzten 25 Jahre bei einem Majorlabel gesignt waren und eine derartige Beziehung nicht mehr wollen, dann könnte sich schon etwas ergeben. Sogar Fiction Records (Roberts ehemalige Plattenfirma, Anm. d. Red.) als Independentlabel wurde immer von Universal und Elektra dreingeredet. Also war Ficition auch nicht independent - keine Firma ist heute noch wirklich "independent" (lacht).
Ein Label, das viele Künstler unter sich vereinigt, hat den Vorteil, dass es mehr Schutz bieten kann. Wenn Fiction nur uns als Künstler hat, dann kann uns das Label weniger Schutz bieten, sobald wir weniger Platten verkaufen. Wenn wir ein Label finden könnten, das vier oder fünf Künstler unter sich hat, die auch wir mögen, dann findet man besser zusammen und hat miteinander eine größere Stimme. Es gibt zwei Labels die nach dem eben gesagten für uns in Frage kämen. Vielleicht machen wir das auch, mal sehen.
Das wichtigste in meinem Alter ist jetzt, mit Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen ich auskomme - wisst ihr, die sind alle jünger als ich (allgemeines Lachen). Das ist mein Problem mit den Majorlabels. Die Abteilungsleiter sind alle weit jünger als ich und sie sagen mir, was ich zu tun und zu lassen habe (lacht).
Die Rolling Stones feiern gerade ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Kannst du dir vorstellen, mit 60 noch mit The Cure auf Tour zu gehen?
Nein! (lacht) Aber wir werden nächstes Jahr zum offiziellen 25. Bandjubiläum etwas auf die Beine stellen. Wir planen dafür etwas sehr besonderes. Es wird nächstes Jahr im Mai ein einmaliges Event geben und es ist geplant, dass alle ehemaligen Bandmitglieder mit von der Partie sind. Auch Lol (Tolhurst, Gründungsmitglied von The Cure, Anm. d. Red.) wird da sein. (kurze Denkpause) Aber nach 40 Jahren werde ich definitiv nicht mehr auf der Bühne stehen.
OK, vielen Dank für das Gespräch, Robert!
Danke euch auch. laut.de gehört zwar bisher nicht zu meinen Bookmarks, aber ich werde mal reinschauen, versprochen!
Das Interview führten Martin Mengele und Michael Schuh.
Nach dem Interview war es uns vergönnt, The Cure von der rockigsten Seite zu erleben. Robert Smith und Simon Gallup in absoluter Bestform! Kunststück bei dem glasklaren, fett abgemischten Sound - mit "Heavyrock" hat Smith uns nicht zu viel versprochen. Dazu ein Repertoire das seinesgleichen sucht. Eine Rückschau auf Klassiker, von "The Drowning Man" über "The Figurehead" und "A Hundred Years" bis hin zu "Shake Dog Shake", "Torture" und "The Kiss". Smith bot eine Setlist voller Insiderhits die ihresgleichen sucht und trotzdem gut ohne die Gassenhauer "Boys Don't Cry" und „Friday I'm In Love" auskommt. Von den neuen Demos war leider noch nichts zu hören.
Galore (1998), Wild Mood Swings (1996), Paris (1993), Show (1993), Wish (1992), Mixed Up (1990), Entreat (1989), Disintegration (1989), Kiss Me Kiss Me Kiss Me (1987), Standing On A Beach / Staring At The Sea (1986), The Head On The Door (1985), Concert (1984), The Top (1984), Japanese Whispers (1983)
Faith (1981), Seventeen Seconds (1980), Boys Don't Cry (1979), Three Imaginary Boys (1979)
12,99 €
9,99 €
4,90 EUR
4,90 EUR
9,90 EUR
15,99 €
10,99 €
18,99 €
16,99 €
12,99 €
Aktuelle Infos, Hörproben aus dem Studio und Roberts Lieblingsbands.
http://www.thecure.com/
Wow! Alle Cure-Auftritte ever! Für Bootleg-Sammler unerlässlich. Die meisten mit Setlists und einer Menge Zusatzinfos (Tickets, Plakate...).
http://www.cure-concerts.de
Roberts eigenwilliges Sideprojekt mit Steve Severin von Siouxie And The Banshees. Auf deutsch!
http://www.theglove.de/
Nervige Midis, aber immerhin auf deutsch!
http://www.knorkescureclub.handshake.de/thecure.htm
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