Porträt

laut.de-Biographie

The Cure

Man mag vom dauergeschminkten Mann mit dem zerzausten Haar halten, was man will. An der Tatsache, dass sich Robert Smiths Band The Cure neben britische Rockgrößen wie Led Zeppelin und Black Sabbath einreihen darf, kommt so schnell niemand vorbei. Zu stark wirkte Smiths über die Jahre permanent ihre Mitglieder wechselnde Gruftie-Truppe seit 1977 auf das Musikgeschehen ein.

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Seit dem Rauswurf von Gründungsmitglied Lol Tolhurst Anfang der 90er Jahre ist Smith sozusagen der letzte Mohikaner und außerdem unumstrittener Kopf der Band. Lediglich Basser Simon Gallup, der kurz nach der Gründung zur Band hinzustieß, stieg gegen 1982 kurzzeitig aus und darf sich daher rühmen, mit himmelsschreienden Popperlen wie "The Walk" oder "The Lovecats" nichts zu tun gehabt zu haben.

1977 starten Smith (Vocals, Guitar), Tolhurst (Drums) und Michael Dempsey (Bass) als Trio. Ihr rauher, ungestümer Sound klingt punk-infiziert, weist aber schon düstere Ansätze auf ("Subway Song") und landet in den Independent-Charts der Insel. Für Dempsey stößt nach der ersten UK-Tournee Gallup zur Truppe, womit die dunkelste, von Sehnsucht zerfressene Cure-Phase ihren Lauf nimmt.

Sah die Band anfangs noch aus wie eine nette Schulbuben-Gang, ändern hochtoupierte Haare, Schminke, Rüschenhemden und schwarze Klamotten schlagartig das Image. The Cure finden sich in der von Joy Division bereits geöffneten Gothic-Schublade mit Bands wie Siouxsie & The Banshees, Bauhaus und Sisters Of Mercy wieder, die Anfang der 80er Jahre mit Sound und Outfit für den neuen Style stehen.

Mit "Seventeen Seconds" (1980) und "Faith" (1981) veröffentlichen die Briten zwei bis heute als Cure-Meisterwerke angesehene Alben, an denen auch Neu-Keyboarder Matthieu Hartley mitwirkt. Wie Smith im Jahr 2000 dem britischen Magazin Uncut verrät, war er zu jener Zeit zwar erst 21, fühlte sich aber steinalt. Zu seiner Lebenseinstellung ergänzt er: "Ich glaubte an gar nichts und sah auch keinen großen Sinn im Leben. Während der nächsten zwei Jahre hatte ich ständig das Gefühl, nicht sehr alt zu werden und tat alles, um dieses Gefühl wahr werden zu lassen."

The Cure - Pornography
The Cure Pornography
Prägend für das Lebensgefühl der Gothic-Kultur der 80er Jahre.
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Dies gelang ihm zwar glücklicherweise nicht, dennoch scheint der Mann sich damals physisch wie psychisch ziemlich verausgabt zu haben. Zur B-Seite "Descent" der '81er Single "Primary" ergänzt Smith später: "Es war von vornherein klar, dass es ein Instrumental werden würde, weil ich keine Texte mehr schreiben wollte. Alles, was benötigt wurde, hatte ich für 'Faith' geschrieben und mehr gab es wirklich nicht zu sagen."

Auf der '82er Tournee zum bis dato dunkelsten Cure-Album "Pornography" kommt es in Straßburg zu einer Prügelei zwischen Smith und Gallup, woraufhin Letzterer seine Sachen packt. Nach der Tour sieht selbst Smith die Band als aufgelöst an. So taucht er mit Freundin Mary erst mal unter, während Kollege Tolhurst vom Schlagzeug die Nase voll hat und Keyboardstunden nimmt.

Nur aufgrund einer Magazin-Anfrage komponiert Smith Anfang 1983 den Song "Lament". Doch entgegen seines Wunsches, ihn als Robert Smith-Song laufen zu lassen, druckt das Magazin The Cure auf die Flexi-Scheibe. Anschließend fließen Smith, dem die Trennung von Gallup noch immer nahe geht, plötzlich ohrwurmtaugliche Popsongs aus der Feder, wie man sie ihm vorher niemals zugetraut hätte. "The Walk", "Let's Go To Bed" und "The Lovecats" mit Neu-Keyboarder Tolhurst erklimmen 1983 prompt die Charts.

Zur selben Zeit springt Smith bei den Kollegen der Banshees als Gitarrist ein und veröffentlicht mit Severin ein Album unter dem Projektnamen The Glove. In neuer Fünfer-Besetzung touren The Cure 1984 mit dem Album "The Top", das Robert dennoch im Alleingang aufnimmt, durch die halbe Welt. Nachdem Neu-Drummer Andy Anderson zum wiederholten Male wegen Trunksucht auf Tour ausrastet, fliegt er aus der Band und macht Platz für Boris Williams.

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The Cure "Zum ersten Mal glaube ich, dass wir wirklich gut sind!"
Die britische Wave Pop-Institution The Cure kam am Wochenende erstmals seit der "Bloodflowers"-Tour wieder für zwei Festival-Auftritte nach Deutschland.

Im Februar 1985 verlässt Basser Phil Thornalley das Gruftschiff und Gallup kehrt zurück, im Spätjahr erscheint das synthetische "Head On The Door", aus dem die Single "Close To Me" in die Charts geht. Im Folgejahr erlebt das schon 1979 veröffentlichte und kaum beachtete "Boys Don't Cry" einen zweiten Frühling und mit der Platte "Kiss Me Kiss Me Kiss Me" mutieren The Cure 1987 endgültig zum Stadion-Rock-Act in Europa sowie Nord- und Südamerika.

Umso verwunderlicher, dass die Band 1989 mit "Disintegration" die finsterste Scheibe seit Jahren abliefert, die alte Fans und Schwarzkittelträger zu Jubelstürmen hinreißt. Mit "Lullaby" und "Lovesong" bewahren sie sich dennoch ihren Pophit-Anspruch. Nach der dazugehörigen Tour verkündet Robert Smith nicht nur das Ende der Live-Aktivitäten, es kommt auch zum Eklat mit Gründungsmitglied Tolhurst.

Nachdem jener zunächst in beiderseitigem Einvernehmen die Band verlässt, tauchen plötzlich finanzielle Forderungen in der Presse auf, die zu einem anderthalbjährigen Gerichtsstreit ausarten und dem Image von The Cure durch allerlei Halbwahrheiten nachhaltig schaden. So musste Tolhurst angeblich bei der Aufnahme des Songs "Shiver And Shake" 1987 im Studio direkt vor Smith stehen, damit dieser die benötigte Portion Ekel für die Performance aufbringen konnte ...

Eine nicht minder unschöne Geschichte von den Aufnahmen zur "Lullaby"-B-Seite erzählt Gallup im Booklet des 2004er-Boxsets "Join The Dots": "Für den Song "Babble" wollten wir im Hintergrund Sounds wie Radiorauschen oder andere Störgeräusche. Also holten wir Boris' Hund ins Studio und ließen ihn mit seinen Tatzen über Lols Keyboard laufen, um verrückte Klänge zu bekommen. Während dessen lag Lol mal wieder total zugedröhnt in der Ecke und sah sich mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Hund seine Parts einspielte."

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Nach dem mutigen Remix-Werk "Mixed Up" von 1990, das auch mit Hip Hop-Rhythmen zahlreiche Fans verprellt, mausert sich das neue Studioalbum "Wish" 1992 zu einem weiteren Highlight der Bandgeschichte. Die "Wish"-Tour gerät länger und erfolgreicher denn je, was nicht zuletzt am kommerziellen Erfolg der Single "Friday I'm In Love" liegt. Nach einer mehrjährigen Pause erscheint 1996 "Wild Mood Swings", mit dem The Cure jedoch ausnahmsweise nicht den Nerv der Zeit treffen, selbst die Singles ("The 13th", "Mint Car") interessieren diesmal fast niemanden. Somit bleiben im Gegensatz zu 1993 die MTV-Kids den Konzerten der Swing-Tour fern, und die Band schüttelt live zur Freude der Spätgeborenen längst verschollen geglaubte Oldies aus den Ärmeln.

Am Valentinstag 2000 erscheint nach langer Vertröstung das 12. Studiowerk der Düsterrocker. Der passende Titel zum Tag der Veröffentlichung: "Bloodflowers". Das Werk, das sogar für einen Grammy nominiert wird, orientiert sich soundtechnisch stark an den dunklen Alben "Pornography" und "Disintegration". Nur wenige Monate danach streut Smith mal wieder Trennungsanekdoten: So soll der "Bloodflowers"-Song "Maybe Someday" seinen Abschied von The Cure ausdrücken. Sein ganzes Leben habe er der Band gewidmet, nun sei es Zeit für etwas Neues. In dem Song heißt es: "No, I won't do it again, I don't want to pretend, if it can't be like before, I've got to let it end."

Abschied? Mal wieder alles Quatsch. Im November 2001 bringt Smith als letzte Platte für Polydor ein weiteres "Greatest Hits"-Album mit limitiertem Unplugged-Special sowie zwei neuen Songs heraus. Ende Februar 2003 haben dann auch die Spekulationen über die Zukunft von The Cure ein Ende. Smith, Gallup, Gitarrist Perry Bamonte, Drummer Jason Cooper und Keyboarder Roger O'Donnell unterschreiben einen Vertrag über drei Alben bei I Am Recordings, dem Label des NuMetal-Produzenten Ross Robinson. "The Cure waren jahrelang meine Lieblingsband und haben meinen Produktionsstil geprägt", meint Robinson, der ansonsten Acts wie Korn, Limp Bizkit oder Slipknot produziert.

Mit der Veröffentlichung dauert es aber noch ein Weilchen. Währenddessen spielt die Band einige Konzerte, auf denen ausschließlich die Cure-Alben "Pornography", "Disintegration" und "Bloodflowers" zum Einsatz kommen, um "eine Ära für The Cure zu beenden", so Bandleader Smith. Das Spektakel aus dem Berliner Tempodrom erscheint 2003 als DVD mit dem Titel "Trilogy". Mittlerweile steht der Dunkelfürst auch bei jüngeren Kollegen als Gastsänger hoch im Kurs.

So kollaboriert Smith u.a. mit den Trance-Brüdern Blank & Jones, den Holländern von Junkie XL, Junior Jack und den Ami-Punks von Blink 182. Anfang 2004 gelangt endlich das lange von Smith angedachte Cure-Boxset "Join The Dots" in die Läden, das sämtliche Single-Rückseiten der Bandkarriere sowie unveröffentlichte Songs auf vier CDs featuret. Der Vergangenheitsbewältigung wäre damit (vorerst) Genüge getan.

Mitte 2004 kommt der lange ersehnte Longplayer "The Cure" in die Regale und schafft es auf Rang drei der deutschen Albumcharts. Begleitend spielt die Band im Sommer einige Festivals und bucht unter dem Titel "Curiosa" auch wieder eine Tournee in Amerika, gemeinsam mit den von The Cure beeinflussten Bands Interpol, The Rapture und Mogwai. Als logische Folge muss Smith wieder annähernd so viele Interviews geben wie zur letzten Cure-Hochphase 1993 und wird von MTV in der Spezialsendung "MTV Icon" für sein Lebenswerk geehrt. Laudator ist Dunkelfürst-Nachfolger Marilyn Manson.

Bevor ein neues Studioalbum erscheint, weidet sich Smith erneut an der eigenen Vergangenheit. Sämtliche Cure-Alben bis 1989 erscheinen als Deluxe Editions (u.a. "Three Imaginary Boys", "The Head On The Door", "Kiss Me Kiss Me Kiss Me". "Disintegration" folgt 2010), natürlich tiptop aufgemacht mit dickem Booklet und neuen Erinnerungszeilen des Struwwelpeters.

2005 besteht die Band nur noch aus Smith, Gallup und Drummer Jason Cooper. Bamonte und O'Donnell mussten offenbar gehen, zumindest wäscht der enttäuschte Keyboarder schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit. Mit Roberts Langzeitkumpel und Schwager Porl Thompson, der 1993 ausstieg und später für Page & Plant in die Saiten griff, releasen Cure 2008 die Platte "4:13 Dream", die jedoch floppt. Dennoch tourt die Band noch einmal ausgiebig, bevor sie eine lange Pause einlegt.

Gelegentlich spielen sie Konzerte, etwa 2011 im Sydney Opera House die Alben "Three Imaginary Boys", "Seventeen Seconds" und "Faith" nacheinander. Für diese Auftritte entern tatsächlich Lol Tolhurst sowie O'Donnell die Bühne: Den ersten Block bestreitet die Band als Trio, den zweiten als Quartett, den dritten sowie die Zugaben als Quintett. Kurz darauf ist O'Donnell wieder vollwertiges Bandmitglied, 2012 steht anstelle von Thompson plötzlich Ex-Bowie-Gitarrist Reeves Gabrels auf der Bühne. Gabrels behält den Job bis 2016, als The Cure mal wieder eine Welttournee ankündigen, auf der sie auch "neue Songs" spielen wollen, wie es heißt.

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The Cure - 4:13 Dream: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2008 4:13 Dream

Kritik von Eberhard Dobler

Die können auch anders, wollten es aber nicht. (0 Kommentare)

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Überall Heimvorteil: Robert Smith und Band., Pinkpop-Festival, 2012 | © laut.de (Fotograf: Michael Grein) Überall Heimvorteil: Robert Smith und Band., Pinkpop-Festival, 2012 | © laut.de (Fotograf: Michael Grein) Überall Heimvorteil: Robert Smith und Band., Pinkpop-Festival, 2012 | © laut.de (Fotograf: Michael Grein) Überall Heimvorteil: Robert Smith und Band., Pinkpop-Festival, 2012 | © laut.de (Fotograf: Michael Grein)

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Termine

Mo 17.10.2016 Hamburg (Barclaycard Arena)
Di 18.10.2016 Berlin (Mercedes-Benz Arena)
Mo 24.10.2016 München (Olympiahalle)
So 06.11.2016 Stuttgart (Schleyerhalle)
Mo 07.11.2016 Frankfurt (Festhalle)

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