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Im Alternative-Bereich haben Korn fett zugeschlagen: Steiler Karriereschub, von der Highschool direkt in die Billboards. Zu Recht, denn im Dschungel der Crossover- und Nu Metal-Bands fanden die fünf Freunde aus Bakersfield in Kalifornien zu ihrem unverwechselbar bösen und durchgeknallten Sound.
Aber die Korns brauchen dazu kein Make-Up und bunte Kontaktlinsen - sie sind wirkliche Freaks. Die beiden Riff-Künstler James 'Munky' Shaffer und Brian 'Head' Welch fahren quietschende und ächzende Panzergitarren an die Soundfront und werden dabei von der heftigen Rythmsection von Reginald 'Fieldy' Arvizu am Bass und David Silveria an den Drums kräftig in den Arsch getreten.
Der unverwechselbare Kornsound macht sich an runtergestimmten Gitarren und Fieldys Slap-Bassspiel fest. Sänger Jonathan Davis kommt aus der Klassik und erreicht ein erstaunliches stimmliches Spektrum vom affektierten Chorknaben bis hin zur sprechsingenden Kreissäge. Seine düsteren und zynischen Lyrics schaffen es scheinbar perfekt, den 'Kids In America' aus den ungeliebten, gebeutelten Herzen zu sprechen.
Die Bandgeschichte beginnt im Jahr 1992 in eben jenem kalifornischen Kaff Bakersfield, in denen die Körner beschließen, die Bierdosen gegen Instrumente auszutauschen. Der erste Gig folgt 1993. Sie ziehen nach LA und verdienen sich, wie es das große Buch vom Rock-Biz von jedem Newcomer verlangt, erst einmal die Sporen mit vielen, vielen Liveauftritten. Irgendwann landen sie beim Immortal-Label und bringen dort 1994 ihr selbstbetiteltes Debüt heraus, das ein mittelschweres Erdbeben in der Metalwelt auslöst und heute als Geburtshelfer und Klassiker des Nu Metals gilt. Songs wie "Shoots And Ladders" oder "Blind" kennt jeder Metalhead, der Cap und schlabbrige Hosen trägt.
Korn hüllen sich und ihre Hörer in eine selten dagewesene Finsternis. Das spricht die Jugendlichen an, sie können sich mit dem von Korn gezeichneten Bild des vernachlässigten Mittelstandskids, das mit seinen Ängsten allein steht, bestens identifizieren. Korn legen mit "Life Is Peachy" und "Follow The Leader" zwei weitere Nu Metal-Hämmer nach.
Letzeres Album bedeutet für sie auch den kommerziellen Durchbruch, die Videos zu "Got The Life" und "Freak On A Leash" laufen auf MTV auf Heavy Rotation. 1998 stellen sie außerdem die 'Family Values'-Tour auf die Beine, auf der sie unter anderem mit Limp Bizkit, Rammstein und Ice Cube die Bühne teilen.
Doch irgendwie schaffen es Korn nicht, ihre Wut und damit ihre Originalität zu konservieren. In den folgenden Jahren macht Fronthemd Jonathan Davis durch seine Alkoholsucht von sich reden, die er therapiert, indem er Prozac-abhängig wird. Vor der Presse redet er lieber über seine Vorliebe für Pornos als über die Musik. Das geht auch an der Band nicht spurlos vorüber.
Auf den nächsten Alben "Issues" von 1999 und dem 2002er "Untouchables" gehen Korn den eingschlagenen Weg dennoch konsequent weiter. Die Fans scheint das zu freuen, "Issues" schafft es in den deutschen Albumcharts bis auf Platz Neun, "Untouchables" toppt die Charts sogar. Das Hip-Hop-lastige Soloprojekt von Basser Fieldy namens Fieldy's Dreams ist dagegen nicht von großem Erfolg gekrönt. Er veröffentlicht 2002 sein "Rock'n'Roll Gangster", das in Kritikerkreisen weitgehend durchfällt.
Korn profitieren jedoch weiterhin von ihrer sehr loyalen Fanschar, die sie sich mit ihren sehr intensive Liveshows aufgebaut haben. Ihr sechstes Album veröffentlichen die fünf Ende 2003 mit "Take A Look In The Mirror". Die Platte bietet keine ungewöhnlichen Veränderungen im Sound-Kostüm, hält dafür aber umso mehr für den Fan bereit, der das bewährte Konzept schätzt.
2004 erscheint die mit "Greatest Hits Vol.1" betitelte Retrospektive. Der Titel deutet darauf hin, dass die Band den ersten Hits noch viele folgen lassen möchte. "Die Band" besteht allerdings bald aus einem Gründungsmitglied weniger. Gitarrist Brian 'Head' steigt im März 2005 aus, um sein Leben fortan Jesus zu widmen. Er bereist das heilige Land per Kamel, lässt sich stilecht im Jordan taufen und schreibt einen Brief für (oder gegen) 50 Cent. Die Intention dahinter: "Es ist eher wie der liebende Vater, der seinen Sohn diszipliniert."
Im Spätherbst 2005 veröffentlichen Korn mit "See You On The Other Side" ihr siebtes Studioalbum. Hier bieten Korn neben den altbewährten, tiefergelegten Gitarrenriffs auch manch Veränderung und verwirren manch alteingessenen Fan mit Industrial-Einflüssen. Das Video zur ersten Single "Twisted Transistor" zeigt Lil Jon als Jonathan Davis. Snoop Dogg verkörpert Munky, Banner den Drummer Silveria und Xzibit Basser Fieldy.
Für das Label Sony/BMG liefern Korn im Mai 2006 noch "Live & Rare" als letzten Release ab, doch so rar sind die Titel auf der Scheibe nicht, lediglich die Live-Aufnahmen locken den einen oder anderen Die Hard-Fan hinterm Ofen hervor. Ungefähr zur selben Zeit verkündet Jonathan Davis überraschend auf der Korn-Webseite, dass Schlagwerker Silveria die Band vorerst verlässt, da er sich ausgepowert fühlt und sich um Familie und seine zwei Restaurants kümmern möchte.
Noch überraschender ist jedoch die Nachricht, wer an seiner das unbetitelte achte Studio-Album eintrommelt: Terry Bozzio soll den Körnern den Rhythmus um die Ohren dreschen. Das ist für ihn kein Problem, schließlich hielt sogar Musik-Genius Frank Zappa sehr viel von ihm.
Sein Engagement endet allerdings bereits während des Aufnahmeprozesses. Bei der US-Tour im Sommer 2007 trommelt Joey Jordison von Slipknot. Jordison ist nach Brooks Wackerman von Bad Religion, der nur einen Live-Termin mit Davis und Co. in LA bestreitet, und Terry Bozzio bereits der dritte Ersatz-Drummer. Letztendlich sichert sich aber Ray Luzier (Ex-Army Of Anyone/David Lee Roth) den Posten, da Silveria sich endgültig von der Band verabschiedet.
Korn existieren auch weiterhin abgekoppelt von den Solo-Ambitionen Jonathans. Diese nehmen Mitte 2009 Formen an, als bekannt wird, dass Davis einen Labeldeal bei Warner an Land zieht. Dass sich der Sänger nun auch solo austobt, hat auf die Arbeiten am nächsten Korn-Album kaum Auswirkungen. Mit "Korn III - Remember Who You Are" geht es 2009 wieder back to the roots.
2011 zeigen sich Korn dagegen experimenteller denn je und veröffentlichen die Single "Get Up!", eine Kollabo mit dem erfolgreichen US-Dubstep-Produzenten Skrillex. Nach überzeugenden Verkaufszahlen und positivem Fan-Feedback setzen die Kalifornier das Experiment auf Albumlänge fort und veröffentlichen im Dezember 2011 "The Path Of Totality". Auf dem zehnten Studioalbum arbeitet die Band mit diversen Produzenten aus dem elektronischen Sektor zusammen, darunter das holländische Trio Noisia oder Excision aus Kanada.
Die Zeiten, in denen die Öffentlichkeit Korn als "Lieblingsband der gefrusteten weißen Kids" (Stern, 1999) und Vorreiter eines neuen Genres feiern, gehören sicherlich der Geschichte an. Während sich viele Fans der ersten sechs Studioalben nicht mit der stilistischen Entwicklung anfreunden, werfen die Medien der Band oftmals vor, nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein. Die hartnäckige Kritik hält die vier Mitglieder jedoch nicht davon ab, nach wie vor international die Hallen zu füllen und die großen Festivals zu rocken. Die Live-Power ist Korn schließlich in all den Jahren nie abhanden gekommen.
Jonathan Davis über das neue Album, verrückte Konzert-Locations und seine Liebe zu H.R. Giger.
<>Erst brennt Nu-Metal-Ikone Jonathan Davis im Zürcher Volkshaus ein Livefeuerwerk ab und gesteht anschließend geduldig Rede und Antwort.>Überraschend offen, höflich und fast ein wenig schüchtern zeigt sich Davis im Interview. Von ernsten Themen wie dem abgründigen Entstehungsprozess des Albums bis hin zu lustigen Video-Auftritten als Cowboy, der Korn-Fronter hat zu allem eine interessante Story parat.
Wie war die Show für dich?
Ich mag, es kleinere Shows zu spielen. Da kann man die Energie der Leute so richtig spüren. Es ist auch viel persönlicher, eine tolle Show. Ich würde gern mehr solche Shows spielen.
Korn und Dimmu Borgir zusammen auf Tour. Das ist doch total verrückt oder? Viele Leute konnten es zunächst gar nicht glauben. Wie ist denn das Tourleben so?
Ich mag die Jungs total gerne.
Wer kam eigentlich auf die Idee?
Das wäre dann wohl ich. Ich steh voll auf Dimmu Borgir und wir sind immer eine Band gewesen, die die Grenzen ausreizt. Warum sollten wir nicht mit einer verdammten Black-Metal-Band touren? Wir sind mit Pharcyde getourt, überhaupt mit ganz vielen verschiedenen Bands. Das ist cool, ich mag sie alle sehr. Ich weiß, das passt vielen nicht, aber wen interessierts?
Ja, eine ganz andere Show. Gibt es Künstler, verstorben oder lebendig, mit denen du gern mal ein Duett singen würdest?
Ich würde gern mal mit Led Zeppelin spielen, das ist mein Traum. Dafür würde ich sogar sterben, um mit denen spielen zu dürfen.
Hast du jemals John Paul Jones getroffen?
Nein, ich bin nur mal mit Jimmy [Page] abgehangen. Als ich vor ein paar Jahren in London eine Show gespielt habe, hat er mich überrascht. Das war mein Geburtstagsgeschenk: ein Geburtstagsessen mit Jimmy. Es war unglaublich, er hat meinem Sohn sogar ein Autogramm gegeben.
Ja, ich habe John Paul Jones mit Them Crooked Vultures letztes Jahr in München gesehen, das war unglaublich.
Geil!
Ich glaube, das Album hat uns dahin zurück gebracht, woher wir kamen. Es hat uns daran erinnert, wie wir als fast noch kleine Kinder diese Band gegründet haben. Wir wollten es so aufnehmen, wie wir es früher getan haben. Wir sind ins Studio gegangen und haben uns in einem sehr kleinen Raum eingeschlossen. Dort haben wir dann mit den einfachsten Mitteln unsere Musik aufgenommen, kein Profi-Equipment oder so etwas. Das hat mich daran erinnert, wie cool und echt es ist, auf diesem Weg aufzunehmen. Ich musste zum Beispiel jeden Refrain singen, kein Computer-Scheiß. Das war der "real deal".
Die Texte auf dem neuen Album handeln von Dingen wie Rache und Enttäuschung. Was ist seit dem letzten Album passiert, dass es jetzt derart kraftvoll ausfällt?
Das war Ross [Robinson, der Produzent], der mich gefoltert hat. Das Album ist eine Art Selbsthilfetherapie für mich gewesen. Ich habe es auf die Dinge reduziert, die mich am meisten verletzt und bewegt haben. In anderen Alben ging es um Schuld, meine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln, die Qualen der Entziehungskur, um alles möglich eben. Als ich über diese Dinge nachdachte, kamen alte Gefühle hoch, die es zu neu bewältigen galt.
Das klingt auch sehr schmerzhaft?
Ja, definitiv. Es war nicht gerade einfach, diese Platte zu machen.
Wieso hast du es dann gemacht?
Ich musste es einfach tun, für mich und für die Fans. Ich wollte eine ehrlich Platte machen.
Hast du einen Unterschied gemerkt zwischen dem letzten Album "Untitled" und dem aktuellen Werk? Der Vorgänger klang ja recht wenig nach Korn, würdest du mir da zustimmen?
Es gab schon Aspekte des Korn-Sounds, aber wir wollten einfach experimentieren und ganz neue Dinge entdecken. Wir haben total viele Sachen am Computer ausprobiert. Auch mussten wir mit verschiedenen Drummern arbeiten, da David [Silveria] ausstieg. Das hat sich dann auch in der Musik widergespiegelt. "Untitled" waren Korn, die etwas ganz neues ausprobiert haben. Jetzt ist ja Ray [Luzier] dabei.
Das führt mich auch schon zur nächsten Frage. Lass uns über Ray reden. Auf "Korn 3 – Remember Who You Are" liefert er einen tollen Job ab. Er spielt sehr kraftvoll und dynamisch. Hat er seinen Platz in der Korn-Familie gefunden?
Auf jeden Fall! Wir haben mit so vielen Drummern gearbeitet, aber mit ihm hat es sofort gepasst.
Ich habe ihn auf der Bühne beobachtet. Er spielte stets mit einem Lächeln im Gesicht und dann noch das klasse Drum-Solo ...
Ja, Ray lebt das einfach. Er läuft dauernd mit seinen Drumsticks in der Hand herum, immer am Üben. Das inspiriert uns auch sehr, da wir noch nie so jemand in der Band hatten. Deshalb wussten einfach sofort, dass der Typ richtig für uns ist. Wir sagten sofort: "Das ist unser Typ!"
Ihr seid ja auch immer sehr bedacht auf eure Videoauftritte. Ein beeindruckender Teil eurer Videografie ist mit Sicherheit der Promo-Auftritt im Kornfeld zum Song "Let The Guilt Go On". Ist man da traurig, nicht für die MTV-Videoawards nominiert zu sein?
Naja, es ist einfach eine andere Zeit. Bei MTV, zumindest in den Staaten, geht es doch viel mehr um Reality-Fernsehen als um Musik. Dann ist ja auch klar, dass die eher Pop-Acts nominieren. Wir machen aber weiterhin Videos, vor allem für unsere Fans. Wir sehen das schon auch als Kunst.
Ja, gerade das Video zu "Twisted Transistor" ist großartig. Auch eben der Auftritt im Kornfeld, tolle Aktion.
Wir haben extra ein paar Spezialisten aus London einfliegen lassen, die die Kornkreise gemacht haben. Wir sind dann nach Bakersfield in dieses Weizenfeld gegangen und haben eine komplette Show gespielt. Da wird auch noch eine DVD folgen. Wir sind große Fans von Pink Floyd, erinnerst du dich an "Live At Pompeji"?
Ja.
Wir wollten einfach diesen Vibe des Gigs einfangen. Wir haben alte wie neue Sachen gespielt und zwischendurch etwas improvisiert. Das war alles ohne Probe, wir sind da raus und haben einfach gerockt. Es war toll!
Dude, das hat echt Spaß gemacht. Wir haben davor schon ein virales Video gedreht. Wir waren zum Beispiel alle verrückte Wissenschaftler. Es war einfach lustig, diese Alter-Egos auszuprobieren. Ich meine, wir haben so viele ernsthafte Videos gemacht, da wollten wir auch zeigen, dass wir Sinn für Humor haben.
Ich habe das Video auf MySpace gesehen und mich wirklich gefragt: "Ist das jetzt echt?". Amerikanisches Fernsehen ist einfach so, das könnte ja echt so sein.
Das ist schon alles erfunden. Wir haben uns diese Firma ausgedacht und die Videos wurden rumgereicht. Es war einfach ein nettes Gimmick für die Kids.
Du bist ja ein richtiger Jäger oder? Da passt ja dieses Texas-Cowboy-Ding gut rein.
Ja ja, auf jeden Fall. Das haben wir einfach ein wenig auf die Schippe genommen.
Wird man dich als JD Kornuto jemals wiedersehen? Zum Beispiel nach Korn oder im Kino oder so?
Ich glaube eher nicht. Ich bin passionierter Hobby-Cowboy, ich liebe das Reiten. Mein Sohn ist letztens sein erstes Rodeo geritten. Für die Kleinen setzen sie einfach einem Hammel das Geschirr auf und die Kleinen versuchen sich daran. Ich mag diese Seite meines Lebens auch sehr. So ist das Leben, man muss am besten alles einmal ausprobiert haben. Und das mache ich auch.
Du bist ja ein großer Fan und Freund von H.R. Giger. Man sieht dich ja selten ohne deinen extraordinären Giger-Mikrofonständer. Hast du mal das Museum in Château St. Germain Gruyères besucht? Das ist ja nicht weit von hier.
Ich war heute erst da, das war jetzt mein fünfter Besuch dort. Sobald ich in der Nähe bin, gehe ich dort hin. Heute morgen kam ich um zehn Uhr dort an, bin ein wenig herumgelaufen und meine Frau hat ein Foto von mir und dem Mikrofonständer gemacht. Ich liebe Giger, ein toller Typ.
Dann kennst du ja auch die Gegend dort. Wäre es nicht ein toller Ort für ein Konzert mit Blick auf das 400 Jahre alte Schloss. Auch innen gibt es ja Räume zu vermieten oder?
Das wäre echt verrückt und einfach unglaublich, wenn sie uns das erlauben würden. Ich habe schon an vielen verrückten Orten gespielt. Mit meinem Soloprojekt bin ich in einem alten italienischen Dorf gelandet, wo ein alter Priester mich erst einmal inspiziert hat. Er dachte, ich hätte umgedrehte Kreuze auf meinem Rucksack. Er hat mich also untersucht und dann schließlich doch die Erlaubnis für das Konzert gegeben. Das war so ein 700 Jahre alter Innenhof mit römischen Ruinen. Ich liebe so Zeug, also wäre auch das ein toller Ort. Ich liebe Gruyères, wahrscheinlich sieht so der Himmel aus.
Gibt es schon Planungen für derart spezielle Konzerte?
Für jedes Album veranstalten wir eine Art Event. Das Konzert im Kornfeld hat beispielsweise Tage der Planung verschlungen, ein riesiger Aufwand. Allein das ganze Equipment und den Kamera-Scheiß dort hinzubringen war übel. Also nichts, was man an einem Tag schaffen würde.
Bassist Fieldy zeigt seine Begeisterung für Ipods, Sepultura und deutsches Brot.
Kurz bevor die Körner die Zitadelle in Berlin Spandau zum Beben bringen, treffe ich Bassist Reginald "Fieldy" Arvizu zum Interview. Außer Ipods und Sandwiches preist der 'Rock'n'Roll-Gangster' die neue "Untitled" als das beste Album der Korn-Geschichte an.
Lässig schlappt mir Fieldy mit seinen viel zu großen und ungeschnürten Skateschuhen entgegen. Dass er mit seinem modischen Schuhwerk die Füße nur leicht vom Boden heben kann, führt zusammen mit den schunkelnden Rastas auf seinem Kopf zu einer amüsanten Erscheinung.
Wie gefällt dir Berlin?
Wir waren jetzt schon ein paar Mal hier, die Stadt ist wunderschön. Ich bin heute zusammen mit meinem Freund Clint, der zurzeit bei uns Gitarre spielt, an diesem Fluss joggen gegangen. Ich habe mir nur gedacht: "Manche Leute zahlen Geld, um hier Urlaub zu machen!". Auch das Essen hier, ich hatte einen Sandwich, das Brot hier ist einfach umwerfend. Ich liebe es! Es ist richtig cool hier!
Hast du auch schon den beliebtesten Snack der Stadt, den Döner probiert?
Nein, siehst du, so einen hole ich mir heute Abend. Der Sandwich heute Mittag war schon gut, aber hey den 'Döner' muss ich dann wohl auch probieren.
Als ich neulich mit Linkin Park gesprochen habe, wollten sie nicht als Nu Metal Band qualifiziert werden. Stört es euch, dass ihr oft als Erfinder des Nu Metals bezeichnet werdet?
Korn gibt es lange genug, dass man uns nennen kann, wie man will. Es spielt keine Rolle, wir sind durch alle Sounds von Grunge, Thrash bis zu Nu Metal, New School Metal gegangen. Wie immer du uns nennen willst, du kannst es tun, weil es uns schon seit 15 Jahren gibt. Niemand hat so richtig rausgefunden, wie er uns nennen will. Aber es hat den Punkt erreicht, an dem die Leute sagen: "Hast du von Korn gehört?" "Yep!"
Als ihr angefangen habt, war Grunge das Ding, das jeder hörte. Dann kamt ihr und machtet einen neuen Sound so erfolgreich. Heute suchen die Leute wieder nach einer Kiste, in die sie erfolgreiche Musik einsortieren können. Kannst du den Journalisten bei ihrer Suche nach dem neuen Renner helfen?
Ich hab kein Problem mit Nu Metal. Ich mag Metal. Hört sich gut an für mich. Ich trage ein Shirt, auf dem Nu Metal steht.
Na ja ... diese Etiketten von Musik, was sie ja im Endeffekt nur sind, gehen mit der Zeit durch einen Wandel. So auch die Musik. Glaubst du, dies ist ein evolutionärer Prozess, in dem die alten Sorten aussterben und nie wiederkehren, oder ist es lediglich ein Kreislauf, bei dem die alten Styles je nach Mode wieder rausgekramt werden?
Ich denke, wenn du etwas sehr traditionell hältst, wird es für immer Bestand haben. Wenn du versuchst, einen Trend zu setzen, wirst du kommen und wieder verschwinden. Ich denke, wir haben es mit einem sehr traditionellen, aber neuerem Metal gehalten. Es ist aber immer noch traditionell und wird daher nicht verschwinden. Wir haben so viele Bands kommen und gehen gesehen, aber es war nie mehr als eine Phase. Man muss sich eben traditionell an den ursprünglichen Metal halten.
Und dann bleibt es für die Ewigkeit?
Ja es ist dann kein Style, es ist traditionell, es ist klassisch. Ich denke, das ist es, was es braucht, um klassisch, traditionell zu bleiben.
Weißt du, man wird wahrscheinlich von allem beeinflusst, sogar von Hip Hop, weil es ist einfach nicht mehr wie früher, als du dich glücklich schätzen konntest, sechs CDs zu besitzen, die dir gefallen haben und die du hören konntest. Heute hast du so viele Songs auf deinem Ipod und so eine Vielfalt von Liedern, die du dir anhören kannst. Du hörst also einen Hip Hop-Song und denkst dir: "Oh ich mag diese Bassline!" oder du hörst einen Alternative-Song oder einen Metal-Song oder einen Speed Metal-Song ... Die Vielzahl auf dem Ipod ... Hast du einen Ipod?
Yep
Wie viele Songs?
Oh, ich habe nur den kleinen.
Vielleicht eintausend? Eintausend! Weißt du, was ich meine!?! Du kriegst so viel Einflüsse von so unterschiedlichen Arten von Musik. Nur weil du bei dem Song die Bassline magst, muss es nicht heißen, das du einen Hip Hop-Song machst, du kannst einfach die Bassline nehmen und einen Metal-Song machen. Und wenn du die Gitarre aus dem Country-Song magst, heißt es nicht, dass es ein Country-Song wird. Nein, dir gefällt einfach die Gitarre, und du nimmst ein paar Ideen von allem.
Die Revolution beim Musikkonsum hat während eurer Bandgeschichte stattgefunden. Als ihr anfingt, gab es vielleicht gerade mal eine Handvoll Leute, die ihre CDs über den PC hörten. Heute hast du den Ipod und das Internet. Denkst du die Musikindustrie und die Menschen, die ihr Geld mit Musik verdienen, sind mit all den neuen Möglichkeiten besser aufgestellt, oder schadet den professionellen Musikern die Internetpiraterie mehr, als das Internet ihnen hilft?
Ich denke, die Leute stehen heute besser da, falls sie offen für Neues sind. Es gibt so viele Leute, die nicht offen für Neues sind, aber wenn du clever und gewieft bist, kannst du aus allem etwas Gutes machen.
Aus der Sicht des Konsumenten gibt es MySpace und ähnliche Möglichkeiten, sich über Musik und Bands zu informieren. Aber als professioneller Musiker bekommst du doch auch Probleme damit, oder?
(Ungläubig) Was für Probleme?
Einen Abfall der Plattenverkäufe z.B.. Ich meine mich zu erinnern, dass ihr 2002 für euren Rückgang bei den Plattenverkäufen die Internetpiraterie verantwortlich gemacht habt.
Ich weiß nicht.
Das ist nur das, was ich gelesen habe!
Wenn wir ein Album rausbringen, repräsentiert es uns, wo wir im Leben stehen. Und wenn die Leute da nicht mit uns sind, ist es wahrscheinlich auch nicht das bestverkaufte Album. Keine Ahnung, aber die haben sich doch alle gut verkauft?
Das wollte ich damit auch nicht sagen, aber ich denke eben, dass die neue Technologie eine große Herausforderung ist für Leute, die Musik verkaufen. Manche Bands sind darin sehr erfolgreich, eure Band zählte wahrscheinlich zu den Pionieren, als es darum ging, mit den Fans über das Netz in Kontakt zu treten.
(Gelangweilt) Ja, das haben wir. Das Internet ist mächtig. Wir haben da einen Haufen gemacht, und andere Bands sollten sich da auch beteiligen, um zu kommunizieren und mit den Menschen in Kontakt zu treten die ihre Musik mögen. Da gibt es ja so viele Leute ...
Auf unserer letzten Tour gab es ein paar Tickets für 9.99 US-Dollar. In den USA nennen wir sie "Lawn seats", was bedeutet, dass du dich auf einem Hügel über den regulären Rängen aufs Gras setzen kannst.
Um zu eurem neuen Album "Evolution" zu kommen. In eurer ersten Single bestreitet ihr, dass die Menschheit in ihrer Geschichte einen Evolutionsprozess durchgemacht hat, und behauptet, dass wir immer noch in unseren animalischen Strukturen leben. Glaubst du, dass eure Musik einen evolutionären Prozess beschreitet?
Wenn wir es sind, sind wir im Moment auf einem Weg nach oben! Wir gehen nicht zurück zu den Affen, weil es einfach immer besser und besser wird. Im Moment geht unsere Evolution steil bergauf, geradewegs zum Ziel! So wir wie auf "Evolution" über die Evolution der Menschen reden, gehen sie zu ihrem Gipfel und dann wieder zurück zu den Affen und benehmen sich wie Tiere. Ich glaube nicht, dass wir auf dem Weg nach unten sind, das neue Korn-Album, das wir gerade herausbringen, ist das beste, was wir je gemacht haben.
Also geht ihr durch einen Evolutionsprozess?
Über was wir auf "Evolution" reden, ist "Devolution", was so viel bedeutet wie rückwärts laufen, zu einem Punkt, an dem wir schlechter werden, davon handeln der Song und das Video. Wie wir begonnen haben und wie wir zurückkommen zu dem Punkt, an dem wir so doof sind wie Affen.
Ah, ich hatte es eher so verstanden, als ob wir einfach auf dem selben niedrigen Niveau verweilen. Aber ihr sagt, wir werden schlechter ...
Wir werden besser! Und wenn du das Wort benutzen willst: ja wir entwickeln uns so, wie man es gewöhnlich mit dem Wort Evolution verbindet.
Ich versuche gerade zur nächsten Frage überzuleiten, als Fieldys Handy klingelt. Seine Frau will ihn sprechen. Nach einem kurzen Disput fragt er mich mit dem Ohr an der Hörmuschel:
Wie viele Fragen hast du noch?
Nachdem ich ihm versichere, bald Schluss zu machen, vertröstet er die Dame auf später und räumt mir gnädiger Weise noch ein paar Fragen ein
Wie siehst du also die Zukunft von Korn ?
Ich bin wirklich gespannt, ob die neue Korn-CD, an der wir so hart gearbeitet haben und die ein echtes Meisterwerk geworden ist, von der Welt genauso geliebt wird wie von uns. Es stellt sich die Frage, ob wir dieses nächste Level erreichen können. Die Fans werden es entscheiden, und das ist wirklich aufregend zu beobachten. Aber im Moment sind wir nur am Touren, Touren, Touren und Touren. Nach dieser Tour bin ich acht Tage zu Hause und dann auf der Family Values-Tour, dann im Januar, Februar wieder zurück nach Europa, um hier nochmals Family Values zu bringen, nur größer und besser. Das geht im Moment so ab.
Ich hab gehört, dass die 16 Songs des Albums in einem Monat zu Stande kamen. Es scheint also einen richtigen kreativen Knall gegeben zu haben?
Ja, in einem Monat hatten wir die in etwa zusammen, aber das war nur der Anfang. Das Ganze dauert so ungefähr acht Monate.
Aber es war doch so was wie ein Funke, der das Ganze entzündete. Natürlich bedarf es eines Haufens Zeit und Arbeit, um aus einer guten Idee ein gutes Produkt zu schaffen. Aber was war die eigentliche Inspiration dahinter?
Wenn du nicht bereit bist, aufzugeben, und du es weiter machen willst, dann wird es Inspiration geben. Wenn du jemanden verlierst, so wie damals als David uns verließ, um sein eigenes Ding zu machen, hätten wir sagen können: "Mann, es ist vorbei!" Aber wir waren noch nicht so weit, und so bot es sogar mehr Inspiration, mit einem neuen Drummer zu arbeiten und um ihn herum neue Musik zu schaffen. Mit neuen Musikern zu arbeiten, brachte die Inspiration und den Funken, es ist eine Herausforderung und es war cool.
Was hältst du von dem Sepultura-Comeback?
Mann, ich bin ein Sepultura-Fan. Ich liebe Sepultura und höre sie jeden Tag. Ich bin also richtig gespannt, weiß aber nicht, ob Igor es wirklich macht ... Ich habe das nur so gehört und könnte falsch liegen, aber ich habe das neulich gehört ...
Da bist du wahrscheinlich besser informiert als ich. Ich habe gehört, dass sie nur noch ein paar Lizenz-Probleme wegen ihres Namens daran hindern, loszulegen.
Ich hoffe, sie machen es, weil ich Sepultura liebe.
Sollten Limp Bizkit auch noch mal versuchen, oder ist der Zug abgefahren?
Ich weiß nicht. Keine Ahnung, aber ich habe gehört, dass sie an einer neuen CD arbeiten.
Ach wirklich?
Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher, aber ich hab gehört, dass sie dabei sind. Nur West wird nicht dabei sein.
Das wird ein Haufen Leute ziemlich freuen ...
Ich weiß nicht, aber ich hoffe sie tun es und machen die Leute glücklich.
Danke für das Interview und viel Glück mit der Frau!
Live At Montreux 2004 (2008)
Untitlet (2007)
Life Is Peachy (1996), Korn (1994)
| Mi | 14.03.2012 | Korn Oberhausen (Turbinenhalle) | |
| Fr | 16.03.2012 | Korn Offenbach (Stadthalle) | |
| Mo | 19.03.2012 | Korn CH-Zürich (Volkshaus) |
6,45 €
9,90 €
39,90 €
49,90 €
49,90 €
49,90 €
49,90 €
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19,90 €
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06.10.10, 17:06 derapU |
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18.12.05, 12:30 Ratatui |
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