laut.de-Kritik

Bis auf ein paar bissige Körner eher labbriges Weißbrot.

Review von

Mehr als voreingenommen näherte ich mich vor ungefähr einem Monat vorsichtig der Myspace-Seite von Korn, um mir vorab die Single "Evolution" anzuhören. Die entsprach genau dem Gegenteil meiner Befürchtungen: Ordentlich sortiert, eingängig und vom Aufbau klar in Refrain und Strophe geteilt. Wie es sich für einen Ohrwurm gehört. Ich hatte ein konfuses Arrangement mit zu viel Distortion oder ähnlichem Schnickschnack erwartetet.

Die elektronischen Spielereien der beiden Vorgängeralben, die nicht von Kreativität, sondern von Einfallslosigkeit und Planlosigkeit zeugten, ließen mich einfach mit einem nicht für meine Ohren geschnitzten Stück Musik rechnen. Aber schon beim zweiten Durchlauf von "Evolution" ertappte ich mich, wie ich auf und unter meinem Tisch eifrig zu trommeln anfing und den Refrain zu summen begann.

Mittlerweile sitze ich, ein wenig aufschlussreiches Interview mit Fieldy später in der von der Julisonne durchfluteten Redaktion. Vor mir liegt die neue Platte, die auf Jonathans Wunsch keinen Titel trägt. Das Interpretationsspektrum des Fans sollte durch die Namensgebung nicht eingeschränkt werden.

Die Single "Evolution" sticht wie auch "Twisted Transitor" beim Vorgänger "See You On The Other Side" aus dem Gesamtwerk heraus, steht dieses Mal aber nicht ganz so einsam auf weiter Flur. Dem Opener "Starting Over" fehlt zum Beispiel nur der letzte Schuss Durchschlagskraft, um es ganz nach oben zu schaffen, ansonsten gibt es an dem Track nichts zu beanstanden. Eine gute Einleitung in ein Album, das viel Melodie und Harmonie in die Songs integriert, die in den meisten Fällen durch eine wiedergewonnene Klarheit glänzen.

Hin und wieder finden sich die in den letzten Jahren bei Korn Usus gewordenen elektronischen Soundschnipsel. Hier und da ist auch ein Glockenspiel wie bei Alice im Wunderland oder Echsengeschrei à la Jurassic Park zu vernehmen. Diese Spielereien sind aber angenehm von den eigentlich prägenden Elementen getrennt. Die zur Hälfte von Brooks Wackerman (Bad Religion) und zur anderen Hälfte von Terry Bozzio eingespielten Drums fügen sich mit dem tiefgestimmtem Bass von Fieldy und Davis Gesang (Davis lieferte übrigens auch ein paar "additional drums") zu einem souveränen Grundgerüst, das das gesamte Album trägt.

Jonathan zieht alle Register, wenn es darum geht, seine Stimme von süßlichen Klängen bis zum kratzigem Screaming zu verbiegen. Das bringt Abwechslung in die sonst höchstens kernige Hausmannskost. Etwas weniger feingemahlenes Weißmehl, sondern der Mut das volle Korn zum Backen des Kuchens zu verwenden, hätte den Produzenten gut gestanden und dem Gesamtwerk vielleicht etwas mehr Kontur gegeben.

Sehr ruhig und poppig kommt "Love and Luxuary" um die Ecke. Auf einen von Synthies unterstützten Beat, den man bestimmt auch auf einem Pink-Album finden könnte, säuselt Jonathan sinnfreie Zeilen vor sich her. Besonders, wenn sie die Geschwindigkeit auf ein Schneckentempo herunterfahren, offenbart sich die Gehaltlosigkeit dieses Songs. Auch der Einstieg von "Innocent Bystander" erinnert mich mehr an Disco als an Metal. Aber gut, gesanglich setzt Davis im Verlauf des Tracks deutliche Akzente, das Shouting passt gut in die Harmonien und die Pausen sind gekonnt gewählt. Wirklich innovativ ist das nicht, aber nett, ja nett kann man es durchaus nennen.

"Killing" dagegen ist wieder einer der Songs, bei denen ich die Körner einfach nicht ganz verstehe. Erst trommeln sie eine Marschmusik wie die Jungs von der Militärkapelle, dann mimt Jonathan Davis den Aaron Lewis von Staind, bevor sie sich am Ende in einem verqueren Mischmasch aus Screaming und Death Metal-Geröhre ergehen. Klingt schwer nach dem angestrengten Versuch, sich und der Fangemeinde zu beweisen, dass man immer noch verdammt hart und nach Metal klingt.

Ein paar griffige Riffs und Basslines und die markante Stimme von Jonathan Davis, viel mehr war und ist bei Korn einfach nicht zu holen. Trotzdem verfügen die Jungs über ein gutes Gespür für Harmonien und erzeugen so hin und wieder einen Vibe, der einen irgendwie doch nicht ganz kalt lässt. Eine knappe Handvoll Hits liefert die neue Scheibe und kann damit als Fortschritt gegenüber "See You On the Other Side" und "Take A Look In The Mirror" betrachtet werden.

Dennoch ist dieses Album ohne Namen nicht hart genug um sich richtig wegrocken zu lassen, gleichzeitig aber auch nicht tiefgründig genug, um sich in die düsteren Bilder einzufühlen, die Texte und Cover vermitteln wollen. Nein, eine Gänsehaut ist bei keinem der Songs zu verspüren, aber ein paar Stücke rufen wenigstens ein Zucken der Gliedmaße hervor.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Starting Over
  3. 3. Bitch We Got A Problem
  4. 4. Evolution
  5. 5. Hold On
  6. 6. Kiss
  7. 7. Do What They Say
  8. 8. Ever Be
  9. 9. Love And Luxury
  10. 10. Innocent Bystander
  11. 11. Killing
  12. 12. Hushabye
  13. 13. I Will Protect You

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84 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 10 Jahren

    Morgen erscheint das unbetitelte neue KoRn Album...viele wird es überraschen aber dennoch überzeugen. Wer sich schon einen Tag vorher für die neuen Songs interessiert sollte auf die My Space Seite von KoRn gehen und die 4 Songs "Evolution" (erste Single); "Ever Be", "Starting Over" und "Bitch We Have A Problem" schon vorher anhören...
    Ich kann es nur empfehlen...
    Die Jungs aus Bakersfield haben sich weiterentwickelt und wollen dies nun der ganzen welt zeigen.
    Ob es den Fans gefällt wird sich zeigen...
    Mich haben ´die neuen Song schon jetzt überzeugt, so dass ich morgen gleich nach dem Aufstehen in die satdt gehen werde um das Album zu kaufen...

    Und was haltet ihr davon?[/color][/color][/color]

  • Vor 10 Jahren

    Morgen erscheint das unbetitelte neue KoRn Album...viele wird es überraschen aber dennoch überzeugen. Wer sich schon einen Tag vorher für die neuen Songs interessiert sollte auf die My Space Seite von KoRn gehen und die 4 Songs "Evolution" (erste Single); "Ever Be", "Starting Over" und "Bitch We Have A Problem" schon vorher anhören...
    Ich kann es nur empfehlen...
    Die Jungs aus Bakersfield haben sich weiterentwickelt und wollen dies nun der ganzen welt zeigen.
    Ob es den Fans gefällt wird sich zeigen...
    Mich haben ´die neuen Song schon jetzt überzeugt, so dass ich morgen gleich nach dem Aufstehen in die satdt gehen werde um das Album zu kaufen...

    Und was haltet ihr davon?

  • Vor 10 Jahren

    Noch gar kein "Korn sind tot" Beitrag?

  • Vor 9 Jahren

    das album ist einfach nur klasse!

  • Vor 9 Jahren

    meine sicht der dinge:

    also ich habe mir am ersten tag die scheibe geholt, und zwar die special edition...

    meine wertung
    ich bewerte das album im einzelnen und die sonder edition mit dvd.

    INTRO - 1/5
    die scheibe liegt im player und langsam geht das intro los. und ich hab angst, sollte das neue album so beginnen wie das letzte (SYOTOS) aufgehört hatte? man könnte sagen, JA!
    das intro weckt in mir nix befriedigendes und es wirkt ziemlich belanglos.

    STARTING OVER - 5/5
    dafür geht der richtige erste track atmosphärisch los. JD's stimme klingt wie aus alten tagen und das erfreut mein herz, genauso wie die dazugehörige musik.ich bin leicht überrascht, was meine vorfreude auf den rest der platte um einiges steigert.

    BITCH WE GOT A PROBLEM - 4/5
    auch der zweite titel überrascht mich, mit einem ungewohnten aber satten groove geht es los und der song entwickelt sich doch zu einem echt guten aber am ende doch nicht ganz hervorragenden stück musik.

    EVOLUTION - 4/5
    "evolution" ist beim ersten hören ganz klar als single zu erkennen. nicht weil er total genial ist, vielmehr überzeugt der song mit seiner einfachheit, das sollte nicht negativ bewertet werden.

    HOLD ON 4/5
    YES!, dachte ich als ich "hold on" gehört hatte. endlich ein song mit arsch in der hose. dieser gedanke verfolgte mich noch bis ich das zur single gehörende video sah. von da an hatte der song einen leicht ausgelutschten eindruck auf mich gemacht da das video gar nicht zur stimmung des songs passt. trotzdem ist er wirklich gut!

    KISS - 3/5
    "kiss" ist eigentlich von der dramatik her recht gut gelungen. doch so ganz überzeugen kann es mich nicht. ich weiß nicht ob ich dazu in trauer schwelgen oder in langeweile untergehen soll.

    DO WHAT THEY SAY - 2/5
    dieser titel ist schwierig, und zwar in dem sinne weil er sich so dahin plätschernd gehen lässt ohne wirklich zu beeindrucken. die alarmsirenen im hintergrund machen zwar schon irgendwie stimmung aber fetzen tut das stück musik nicht.

    EVER BE - 3/5
    der anfang ist interessant, im gegensatz zum gesamten vorgänger track. im endspurt wird er sogar noch ein stück interessanter. nur dazwischen fehlt mir irgendwie was. zu oft wird mir da der etwas nervige refrain um die ohren geblasen. aber wenn man sich an diesen gewöhnt hat, geht der song durchaus in ordnung.

    LOVE AND LUXURY - 2/5
    ja...was soll ich sagen?
    sehr poppig...sehr, wie sagt man, 'catchy'.
    aber mehr ist das nicht, obwohl gegen ende doch noch ein gewisser charme auszumachen ist. und deswegen gibt es grad noch zwei punkte.

    INNOCENT BYSTANDER - 3/5
    einer der wenigen songs die in irgendeiner weise abgehen. nur stört mich komischer weise wieder einmal JD's gesang. ich liebe JD's gesang, doch hier nervt er mich doch ein wenig. zu dünn klingt hier dieses organ das normaler weise boxen zum beben bringt.
    doch dafür ist der refrain einigermaßen auf 'moshen' abgestimmt. das gefällt mir wiederum sehr.

    KILLING - 2/5
    "killing" ist bis zu einem gewissen zeitpunkt echt gut gelungen. doch dann fängt JD gegen ende an zu grunzen und es treibt mir die charmesröte ins gesicht! hätte wirklich ein guter song werden können.

    HUSHABYE 4/5
    der anfang ist schön melancholisch und JD's stimme gefällt mir hier wieder richtig gut. so hab ich es gern und da gibt es von mir die ersten 2 punkte. und da mir der song um einiges mehr imponiert als der zuvor gibt es gleich den 3. punkt dazu. am ende bleibt ein song der mal wieder richtig schön durch die boxen nudelt. allemal ein grund für mich, dem dann auch 4 punkte zu geben.

    I WILL PROTECT YOU - 3/5
    ein guter song allemal. und das drum-solo mittendrin haut mich auch schon irgendwie um. es verleiht dem song noch mehr fahrt und es scheint ein gutes ende zu nehmen. dem ist nicht ganz so. denn auf dem drum-solo folgt eine kurze durststrecke, die den wind leicht aus den segeln nimmt. doch zum ende hin wird doch alles gut und man hat einen doch recht guten abschluss gefunden zu einem eher durchwachsenden album.

    bonus track
    SING SORROW - 4/5
    dieser song hätte eigentlich den weg auf das album finden müssen. denn hier wird so viel atmosphäre erzeugt das es mir förmlich die gänsehaut auf's fleisch meiner gliedmaßen brennt. JD's stimme und die musik im hintergrund passen perfekt und ich muss doch sagen das ich diesen titel besser finde als so manch anderen auf der platte.

    FAZIT - das album ist am anfang freude strahlend in der mitte eher unbegeisternd und am ende doch einigermaßen zufrieden stellend zu betrachten.
    und die dvd als beilage lohnt sich total da der blick hinter die kullissen zeigt das die herren korn doch richtig viel spass am musik machen haben und man angesichts dessen nicht von geldmacherei oder dergleichen reden kann. außerdem gefallen mir auch die berichte zu jedem einzelnem song. ein dickes plus!

    standard edition 3/5
    special edition mit dvd 4/5

  • Vor 9 Jahren

    Die Truppe um Davis kann machen was sie will und es ist völlig irrelevant wie es klingen würde, sie werden auf ewig von Kritikern verrisssen und es werden ewig auf alte Heldentaten verwiesen. Untitled mag zwar recht viel austauschbares vorweisen, aber letztlich ist klar ein kreativer Faden durchs Album gezogen und die Texte haben sich auch intesiviert, dazu muss man auch Jonathan Davis Performance mal loben. Lediglich die Gitarrenarbeit lässt hier und da mal zu wünschen übrig. Aber vergleichsweise mit anderen Releases des Sektors in den letzten Jahren steht die Platte objektiv auf jeden Fall noch recht ordentlich dar. Ich weiß nicht was ihr alle habt...