laut.de-Kritik

Perfekt zubereitete Nu-Metal-Kost, servierfertig für die Tonne.

Review von

Die Ankündigung einer neuen Korn-Platte kommt gewissermaßen der immer näher rückenden Zeugnisausgabe zu Schulzeiten gleich: Wer nicht zu viel erwartet, kann letzten Endes auch nicht enttäuscht werden. Bloß müsste der Prototyp des pickeligen 90er-Jahre-Nu-Metal-Kiddies inzwischen in den späten Dreißigern stecken und dürfte seine Geduld mit den Pionieren schon längst verloren haben.

Nach gescheiterten Back-to-the-Roots-Versuchen, einer Dubstep-Crossover-Platte und dem Wiedereinstieg des bekehrten Ex-Gitarristen Brian "Head" Welch treiben Korn mit "The Serenity Of Suffering" orientierungslos durch den Raum. Dabei macht es die Platte dem Hörer zunächst noch erfreulich schwer, der Band mangelnde Kreativität vorzuwerfen.

Wo "Insane" mit einer Ride-Becken-Reminiszenz an das essenzielle "Blind" startet, geht es schon wenige Sekunden später voll zur Sache: billige, aber drückende Modern-Riffs, standardisierter Slap-Bass und ein knapper Ohrwurm-Chorus, den alsbald das noch eingängigere – und härtere – "Rotting In Vain" übertüncht. Jajaja, das Original bleibt eben das Original.

Die Rückkehr des Freizeit-Jesuiten Head hat der Band gut getan, gar keine Frage. Nach dem angenehm quäkig-psychedelischen Touch des Comebacks "The Paradigm Shift" gehen Korn nun allerdings wieder wesentlich routinierter zu Werke. Dissonant quietschende Gitarren-Harmonics und patentiertes, aber seit langem nicht mehr gehörtes "Twist"-Gegrunze betten sich mühelos zwischen Pop-Pathos und Synthesizer-Backings.

Warum aber lässt sich dann der stetige Gedanke, jeden Takt des Albums so schon tausendmal gehört zu haben, trotzdem nicht verdrängen? Warum verwechselt man im Unterbewusstsein den Einstieg von "Rotting In Vain" mit "Right Now"? Warum klingt "Baby" wie eine halbherzig aufpolierte Version von "Freak On A Leash"?

Womöglich, weil Korn inzwischen viel zu gut wissen, wie der Hase durchs Business sprintet. Dementsprechend gestaltet sich "The Serenity Of Suffering" im weiteren Verlauf als lebloses Ergebnis einer Frankenstein-Operation aus verschwenderischen Drei-Ton-Refrains, Retro-Scratch-Samples, für die es schon in den 2000ern Schellen geregnet hätte, und einer beachtlichen Ansammlung belanglosen Herumgeriffes, das nicht einmal der Gene Simmons des Nu Metal zu kaschieren vermag ("A Different World (feat. Corey Taylor)").

Wie singt Davis in Track sieben? "Everything falls all apart / there is nothing in my head."

Schlimmer als bei jedem High-Class-Catering-Betrieb werden sich die erprobten Nu-Metal-Köche aus dem frisch vermarkteten Produkt allenfalls wieder zwei bis drei Songs für ihr klassikerdominiertes Live-Set herauspicken. Die übrigen Tracks? ReFood. Resteverwertung. Ab in die Tonne.

Trackliste

  1. 1. Insane
  2. 2. Rotting In Vain
  3. 3. Black Is The Soul
  4. 4. The Hating
  5. 5. A Different World (feat. Corey Taylor)
  6. 6. Take Me
  7. 7. Everything Falls Apart
  8. 8. Die Yet Another Night
  9. 9. When You're Not There
  10. 10. Next In Line
  11. 11. Please Come For Me
  12. 12. Baby
  13. 13. Calling Me Too Soon

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28 Kommentare mit 37 Antworten

  • Vor 11 Monaten

    Also wenn dieses bla bla bla Von wegen aufgewärmt der Kost lese wird mir schlecht als ob ich irgend eine Kost zum 50. Mal aufwärmen würde.
    Ich persönlich stört es nicht wenn die Band versucht wieder zurück zu ihrem alten Stil zu finden. Das ist mir alle Mal lieber als irgendwelche Experimente sich neu zu erfinden.
    Solche Versuche gehen nämlich regelmäßig schief wie die Geschichten vieler Bands zeigen, sei es Metallica zu den späten Neunzigern oder Kiss in den späten Achtzigern und so weiter und so weiter. Der Erfolg einer Band gründet doch darauf dass sie einen bestimmten Stil haben und nicht dauernd ihren Stil wechseln, oder irre ich mich da?
    Des weiteren fällt mir zusehends auf sich mein Schreiberlinge hier in ihren Plattenkritiken dir Selbstbeweihräucherung in dem sie jeglichen Respekt gegenüber den Bands oder Künstlern vergessen und versuchen besonders cool zu wirken in dem sie stellen Weise mit Beleidigungen um sich werfen.
    Jungs, Respekt gehört zum Umgang mit den Mitmenschen und das sollte man auch den Künstlern entgegen bringen.

    • Vor 11 Monaten

      Sorry wegen einiger Schreibfehler die sich in meinen Kommentar eingeschlichen haben.
      Anscheinend versteht mich die Spracheingabe nicht immer richtig;-))

  • Vor 7 Monaten

    Wahnsinn. Entwickelt sich eine Band weiter, passt es nicht, weil sie zurück zu ihren Wurzeln sollten. Tun sie das, heisst es, es ist immer dasselbe. Die Scheibe HAUT DRAUF WIE NOCHWAS! Das ist KoRn, wie gut sie seit 2003 nicht mehr waren. Allein "Rotting in Vain" hat ALLES, was KoRn jemals ausgemacht hat. Bratzfettes Riff, eingängiger Refrain. Was wollt ihr eigentlich alle? Mir kommt es vor, dass viele Leute älter werden und einfach gerne motzen. Vielleicht seid ihr für den Sound auch zu alt geworden? Klar ist die Scheibe nicht perfekt. Ich weiß nicht, ob man nach so vielen Alben von KoRn ein perfektes Album erwarten kann, aber 4 Sterne hat die Scheibe verdient. Ich wiederhole es gerne auch nochmal, was ich bei der neuen LOA ("A Place where...") drunter geschrieben habe: Metakritiken lesen, Wiki lesen: Rolling Stone UND laut.de hauen permanent daneben. Musik = subjektiv nach Geschmackt. Aber wenn 9 "gut" sagen und einer permanent "schlecht" sagt, kritisiert er entweder subjektiv oder schelcht bzw. beides!

    • Vor 7 Monaten

      "Musik = subjektiv nach Geschmackt. Aber wenn 9 "gut" sagen und einer permanent "schlecht" sagt, kritisiert er entweder subjektiv oder schelcht bzw. beides!"

      Willkommen in den Irrungen und Wirrungen der menschlichen Logik. Du bist neu hier?