5. Oktober 2010

"Ich würde sterben für Led Zeppelin!"

Interview geführt von

Erst brennt Nu-Metal-Ikone Jonathan Davis im Zürcher Volkshaus ein
Livefeuerwerk ab und gesteht anschließend geduldig Rede und Antwort.
Überraschend offen, höflich und fast ein wenig schüchtern zeigt sich
Davis im Interview. Von ernsten Themen wie dem abgründigen Entstehungsprozess des Albums bis hin zu lustigen Video-Auftritten als Cowboy, der Korn-Fronter hat zu allem eine interessante Story parat.

Wie war die Show für dich?

Ich mag, es kleinere Shows zu spielen. Da kann man die Energie der Leute so richtig spüren. Es ist auch viel persönlicher, eine tolle Show. Ich würde gern mehr solche Shows spielen.

Korn und Dimmu Borgir zusammen auf Tour. Das ist doch total verrückt oder? Viele Leute konnten es zunächst gar nicht glauben. Wie ist denn das Tourleben so?

Ich mag die Jungs total gerne.

Wer kam eigentlich auf die Idee?

Das wäre dann wohl ich. Ich steh voll auf Dimmu Borgir und wir sind immer eine Band gewesen, die die Grenzen ausreizt. Warum sollten wir nicht mit einer verdammten Black-Metal-Band touren? Wir sind mit Pharcyde getourt, überhaupt mit ganz vielen verschiedenen Bands. Das ist cool, ich mag sie alle sehr. Ich weiß, das passt vielen nicht, aber wen interessierts?

Ja, eine ganz andere Show. Gibt es Künstler, verstorben oder lebendig, mit denen du gern mal ein Duett singen würdest?

Ich würde gern mal mit Led Zeppelin spielen, das ist mein Traum. Dafür würde ich sogar sterben, um mit denen spielen zu dürfen.

Hast du jemals John Paul Jones getroffen?

Nein, ich bin nur mal mit Jimmy [Page] abgehangen. Als ich vor ein paar Jahren in London eine Show gespielt habe, hat er mich überrascht. Das war mein Geburtstagsgeschenk: ein Geburtstagsessen mit Jimmy. Es war unglaublich, er hat meinem Sohn sogar ein Autogramm gegeben.

Ja, ich habe John Paul Jones mit Them Crooked Vultures letztes Jahr in München gesehen, das war unglaublich.

Geil!

"Wir sind raus und haben einfach gerockt"


"Remember Who You Are", der Titel eures neuen Albums, ist ein Statement, was im Inneren passiert. Was ist deiner Meinung nach die Essenz der LP?

Ich glaube, das Album hat uns dahin zurück gebracht, woher wir kamen. Es hat uns daran erinnert, wie wir als fast noch kleine Kinder diese Band gegründet haben. Wir wollten es so aufnehmen, wie wir es früher getan haben. Wir sind ins Studio gegangen und haben uns in einem sehr kleinen Raum eingeschlossen. Dort haben wir dann mit den einfachsten Mitteln unsere Musik aufgenommen, kein Profi-Equipment oder so etwas. Das hat mich daran erinnert, wie cool und echt es ist, auf diesem Weg aufzunehmen. Ich musste zum Beispiel jeden Refrain singen, kein Computer-Scheiß. Das war der "real deal".

Die Texte auf dem neuen Album handeln von Dingen wie Rache und Enttäuschung. Was ist seit dem letzten Album passiert, dass es jetzt derart kraftvoll ausfällt?

Das war Ross [Robinson, der Produzent], der mich gefoltert hat. Das Album ist eine Art Selbsthilfetherapie für mich gewesen. Ich habe es auf die Dinge reduziert, die mich am meisten verletzt und bewegt haben. In anderen Alben ging es um Schuld, meine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln, die Qualen der Entziehungskur, um alles möglich eben. Als ich über diese Dinge nachdachte, kamen alte Gefühle hoch, die es zu neu bewältigen galt.

Das klingt auch sehr schmerzhaft?

Ja, definitiv. Es war nicht gerade einfach, diese Platte zu machen.

Wieso hast du es dann gemacht?

Ich musste es einfach tun, für mich und für die Fans. Ich wollte eine ehrlich Platte machen.

Hast du einen Unterschied gemerkt zwischen dem letzten Album "Untitled" und dem aktuellen Werk? Der Vorgänger klang ja recht wenig nach Korn, würdest du mir da zustimmen?

Es gab schon Aspekte des Korn-Sounds, aber wir wollten einfach experimentieren und ganz neue Dinge entdecken. Wir haben total viele Sachen am Computer ausprobiert. Auch mussten wir mit verschiedenen Drummern arbeiten, da David [Silveria] ausstieg. Das hat sich dann auch in der Musik widergespiegelt. "Untitled" waren Korn, die etwas ganz neues ausprobiert haben. Jetzt ist ja Ray [Luzier] dabei.

Das führt mich auch schon zur nächsten Frage. Lass uns über Ray reden. Auf "Korn 3 – Remember Who You Are" liefert er einen tollen Job ab. Er spielt sehr kraftvoll und dynamisch. Hat er seinen Platz in der Korn-Familie gefunden?

Auf jeden Fall! Wir haben mit so vielen Drummern gearbeitet, aber mit ihm hat es sofort gepasst.

Ich habe ihn auf der Bühne beobachtet. Er spielte stets mit einem Lächeln im Gesicht und dann noch das klasse Drum-Solo ...

Ja, Ray lebt das einfach. Er läuft dauernd mit seinen Drumsticks in der Hand herum, immer am Üben. Das inspiriert uns auch sehr, da wir noch nie so jemand in der Band hatten. Deshalb wussten einfach sofort, dass der Typ richtig für uns ist. Wir sagten sofort: "Das ist unser Typ!"

Ihr seid ja auch immer sehr bedacht auf eure Videoauftritte. Ein beeindruckender Teil eurer Videografie ist mit Sicherheit der Promo-Auftritt im Kornfeld zum Song "Let The Guilt Go On". Ist man da traurig, nicht für die MTV-Videoawards nominiert zu sein?

Naja, es ist einfach eine andere Zeit. Bei MTV, zumindest in den Staaten, geht es doch viel mehr um Reality-Fernsehen als um Musik. Dann ist ja auch klar, dass die eher Pop-Acts nominieren. Wir machen aber weiterhin Videos, vor allem für unsere Fans. Wir sehen das schon auch als Kunst.

Ja, gerade das Video zu "Twisted Transistor" ist großartig. Auch eben der Auftritt im Kornfeld, tolle Aktion.

Wir haben extra ein paar Spezialisten aus London einfliegen lassen, die die Kornkreise gemacht haben. Wir sind dann nach Bakersfield in dieses Weizenfeld gegangen und haben eine komplette Show gespielt. Da wird auch noch eine DVD folgen. Wir sind große Fans von Pink Floyd, erinnerst du dich an "Live At Pompeji"?

Ja.

Wir wollten einfach diesen Vibe des Gigs einfangen. Wir haben alte wie neue Sachen gespielt und zwischendurch etwas improvisiert. Das war alles ohne Probe, wir sind da raus und haben einfach gerockt. Es war toll!

"Man muss alles einmal ausprobiert haben"


2007 hast du einen verrückten Werbespot gedreht. Was ist mit JD Kornuto geschehen, kannst du uns etwas über ihn erzählen? Und gibt es Ballsville Beef Parts wirklich?

Dude, das hat echt Spaß gemacht. Wir haben davor schon ein virales Video gedreht. Wir waren zum Beispiel alle verrückte Wissenschaftler. Es war einfach lustig, diese Alter-Egos auszuprobieren. Ich meine, wir haben so viele ernsthafte Videos gemacht, da wollten wir auch zeigen, dass wir Sinn für Humor haben.

Ich habe das Video auf MySpace gesehen und mich wirklich gefragt: "Ist das jetzt echt?". Amerikanisches Fernsehen ist einfach so, das könnte ja echt so sein.

Das ist schon alles erfunden. Wir haben uns diese Firma ausgedacht und die Videos wurden rumgereicht. Es war einfach ein nettes Gimmick für die Kids.

Du bist ja ein richtiger Jäger oder? Da passt ja dieses Texas-Cowboy-Ding gut rein.

Ja ja, auf jeden Fall. Das haben wir einfach ein wenig auf die Schippe genommen.

Wird man dich als JD Kornuto jemals wiedersehen? Zum Beispiel nach Korn oder im Kino oder so?

Ich glaube eher nicht. Ich bin passionierter Hobby-Cowboy, ich liebe das Reiten. Mein Sohn ist letztens sein erstes Rodeo geritten. Für die Kleinen setzen sie einfach einem Hammel das Geschirr auf und die Kleinen versuchen sich daran. Ich mag diese Seite meines Lebens auch sehr. So ist das Leben, man muss am besten alles einmal ausprobiert haben. Und das mache ich auch.

Du bist ja ein großer Fan und Freund von H.R. Giger. Man sieht dich ja selten ohne deinen extraordinären Giger-Mikrofonständer. Hast du mal das Museum in Château St. Germain Gruyères besucht? Das ist ja nicht weit von hier.

Ich war heute erst da, das war jetzt mein fünfter Besuch dort. Sobald ich in der Nähe bin, gehe ich dort hin. Heute morgen kam ich um zehn Uhr dort an, bin ein wenig herumgelaufen und meine Frau hat ein Foto von mir und dem Mikrofonständer gemacht. Ich liebe Giger, ein toller Typ.

Dann kennst du ja auch die Gegend dort. Wäre es nicht ein toller Ort für ein Konzert mit Blick auf das 400 Jahre alte Schloss. Auch innen gibt es ja Räume zu vermieten oder?

Das wäre echt verrückt und einfach unglaublich, wenn sie uns das erlauben würden. Ich habe schon an vielen verrückten Orten gespielt. Mit meinem Soloprojekt bin ich in einem alten italienischen Dorf gelandet, wo ein alter Priester mich erst einmal inspiziert hat. Er dachte, ich hätte umgedrehte Kreuze auf meinem Rucksack. Er hat mich also untersucht und dann schließlich doch die Erlaubnis für das Konzert gegeben. Das war so ein 700 Jahre alter Innenhof mit römischen Ruinen. Ich liebe so Zeug, also wäre auch das ein toller Ort. Ich liebe Gruyères, wahrscheinlich sieht so der Himmel aus.

Gibt es schon Planungen für derart spezielle Konzerte?

Für jedes Album veranstalten wir eine Art Event. Das Konzert im Kornfeld hat beispielsweise Tage der Planung verschlungen, ein riesiger Aufwand. Allein das ganze Equipment und den Kamera-Scheiß dort hinzubringen war übel. Also nichts, was man an einem Tag schaffen würde.

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Korn

Im Alternative-Bereich haben Korn fett zugeschlagen: Steiler Karriereschub, von der Highschool direkt in die Billboards. Zu Recht, denn im Dschungel der …

Noch keine Kommentare