- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Eine fast unglaubliche Erfolgsgeschichte: Drei Produzenten gründen eine Band, basteln eine Weile an verschiedenen Sounds rum, finden plötzlich eine begabte und ausdrucksstarke Sängerin und verkaufen von ihrem ersten Album vier Millionen Exemplare.
"Wir haben damals einfach eine gute Platte gemacht", sagt Produzent Butch Vig über das Debütalbum und den erstaunlichenen Erfolg von Garbage, "indem wir Techno-, HipHop-, Rock- und Popeinflüsse verarbeiteten und daraus unsere eigene musikalische Hybride erschaffen haben. Natürlich haben wir eine Menge Glück gehabt, wir waren einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort."
Fest steht jedenfalls, dass die Band aus dem amerikanischen Nest Madison und ihre schottische Sängerin Shirley Manson mit ihrem Debütalbum "Garbage" einen unverwechselbaren Sound geschaffen haben. Und dass von dieser Band noch zu hören sein wird, selbst wenn sich das zweite Album am ersten nicht messen kann.
Besser gelingt da schon der Dienst im Namen ihrer Majestät. Auch Garbage dürfen im Jahr darauf den Titelsong des aktuellen James Bond interpretieren, das heißt dann "The World Is Not Enough" und hört sich an, wie alle James Bond-Songs seit jeher. Nur sehr verhalten modernisieren Garbage die vertrauten Klänge - sie sind sich wohl der Ehre bewusst. Immerhin kann sich die Ahnengalerie der Interpreten sehen lassen: Neben Sheryl Crow, Tina Turner, Duran Duran, Shirley Bassey und Tom Jones hat auch der unsterbliche Louis Armstrong schon für 007 gesungen.
Im Oktober 2001 erscheint nach langem Warten, Trennungsgerüchten und Muttervisionen mit "Beautiful Garbage" das dritte Studioalbum. Doch auch nach dem Erscheinen wollen die Probleme nicht abbrechen: Butch Vig - Gitarre, Drums, Programmierung - zieht sich während der Tour als Vorband für U2 eine heftige Hepatitis-A-Infektion zu. Für ihn springen Matt Chamberlain (Ex-Pumpkin) und Matt Walker an den Drums ein. Kurz darauf heiratet Butch Vig seine Freundin und Steve Marker bekommt mit seiner Frau das erste Kind. Während es sich die anderen zuhause gemütlich machen, kämpft Shirley Manson mit ihrer Stimme ... und verliert sie komplett. Ärzte stelle eine Zyste auf den Stimmbändern fest, die weg operiert werden muss.
Mehr aus Pflichtgefühl, denn aus wahrem Interesse treibt es die Musiker zurück ins Studio. Doch Butch Vig hält es nur eine Woche aus, bevor er flüchtet. Erneute Trennungsgerüchte lassen nicht lange auf sich warten. Doch nach fünf Monaten findet die Band wieder zusammen. Zunächst mit Producer John King (einem der Dust Brothers, die unter anderem schon Beck und die Eels produzierten) und Dave Grohl am Schlagzeug.
Doch diese Kombination hält nur für einen Song: "Bad Boyfriend". Danach geht Grohl wieder seinen eigenen Geschäften nach, und die Band verabschiedet sich freiwillig von King. Schlussendlich entsteht "Bleed Like Me" wieder einmal in Eigenregie. Das Album, das im Garbage-Kosmos durch seine Rock-Instrumentierung auffällt, besticht vor allem mit Balladen. Auch hier macht Shirley Mansons Stimme den entscheidenden Unterschied aus.
Die Tour zum Album läuft ab März des Jahres an, endet jedoch schon im Oktober mit Konzerten in Australien. Die anstehenden Gigs in Europa werden mit der Begründung, die Band sei erschöpft, ersatzlos gestrichen. Erneut machen Gerüchte um eine Trennung der Band die Runde, ehe Garbage selbst auf ihrer Homepage klarstellen, dass sie sich nicht auflösen. Dennoch gehen die Musiker fürs Erste getrennte Wege, um die Batterien wieder aufzuladen.
Butch Vig dreht für Jimmy Eat World und deren "Against Me!" an den Reglern. Gerüchte um ein etwaiges Solo-Album von Shirley Manson machen die Runde, das allerdings nicht realisiert wird. Ende Juli 2007 erscheint mit "Absolute Garbage" eine erste Best Of-Zusammenstellung, die mit "Tell Me Where It Hurts" einen brandneuen Track enthält. Zusätzlich erscheint eine Special Edition inkluisve einer Remix-CD. Eine ergänzende DVD folgt im August.
Über die Zukunft von Garbage befragt, erläutert Butch Vig in einem Billboard-Interview, dass mit der Kompilation ein Schlussstrich unter das bisherige Schaffen der Band gezogen wird. Man wolle ab jetzt "ursprünglicher" und "zurückgenommener" agieren: "Vielleicht wird das ein kommerzieller Selbstmord, andererseits ist das Musikgeschäft so durcheinander, vielleicht wird es auch das unzugänglichste Album unserer Karriere und trotzdem der größte Hit!" Wie auch immer. Kommerziellen Zwängen ist die Band nicht unterworfen.
Shirley Manson über leere Akkus und eine total missglückte Soloalbum-Idee.
Mehr als ein halbes Jahrzehnt lagen Garbage auf Eis und nicht einmal die eingefleischtesten Anhänger der Combo, wussten wie und vor allem ob es mit dem Vierer weitergehen würde.
Mit dem Best-Of-Album "Absolute Garbage" schien sich die Akte zu schließen, denn keiner der Bandmitglieder wollte sich nach Veröffentlichung so recht zur Zukunft der Band äußern. Umso überraschender machte dann im letzten Jahr die Nachricht die Runde, dass sich die Band um Shirley Manson mit neuem Material beschäftigt.
Urplötzlich war das Quintett wieder in aller Munde, und die immer noch zahlreiche Gefolgschaft weltweit spitzte fast täglich die Ohren, um an neue Updates hinsichtlich des sehnsüchtig erwarteten Comebacks ihrer Heroen zu kommen. Auch wir schlossen uns der Neugierde an und trafen uns mit der Sängerin zum Release von "Not Your Kind Of People" in Berlin, um herauszufinden, warum das mittlerweile fünfte Studioalbum so lange auf sich warten ließ.
Hallo Shirley, es gab nicht viele Menschen, die noch mit einem neuen Album von euch gerechnet haben. Wie sah das bei dir aus?
Ich kann die Leute gut verstehen, die uns nicht mehr auf dem Zettel hatten. Vielleicht hätten wir in der Vergangenheit klarer Stellung beziehen müssen, aber es bringt jetzt nichts mehr, zurück zu blicken. Fakt ist, dass wir uns als Band nie wirklich aufgelöst haben. Nach dem letzten Album ("Bleed Like Me") waren wir einfach durch. Wir hatten keine Kraft mehr und waren leer im Kopf. Also beschlossen wir, auf unbestimmte Zeit unsere eigenen Wege zu gehen. Wir hatten uns kein Zeitlimit gesetzt. Dass letztlich sechs Jahre daraus werden würden, war uns zu Beginn natürlich nicht bewusst. Aber manchmal brauchen gewisse Dinge im Leben halt seine Zeit.
So richtig durchgehend abschalten konntest du aber scheinbar nicht, denn in der Zwischenzeit hattest du an den Arbeiten für ein Soloalbum begonnen.
Ja, das stimmt, wobei ein Soloalbum nochmal etwas anderes ist, als eine Platte mit einer Band aufzunehmen. Das Ganze hat aber letztlich eh nicht funktioniert, was mich im Nachhinein schon etwas traurig stimmt. Aber irgendwie sollte es nicht sein.
Es hieß, es gab Differenzen mit der Plattenfirma. Stimmt das?
Ja. Wir hatten einfach völlig verschiedene Auffassungen. Man wollte aus mir ein Pop-Püppchen machen. Das wollte ich aber nicht, denn das bin ich nicht. Ich bin keine Marionette, die man benutzen kann, nur um irgendwelchen Trends gerecht zu werden.
Welches Gefühl überwog während dieser Phase? Wut oder Traurigkeit?
Ich denke, es war ein Mix aus beidem (lacht). Ich war schon richtig frustriert. Während dieser Zeit bin ich vor allem meinem Mann tierisch auf die Nerven gegangen. Ich hatte einfach keine Lust mehr, für andere den Arsch hinzuhalten. Ich dachte mir, wenn sie meine Sachen nicht so veröffentlichen wollen, wie ich es will, dann lass ich es halt ganz bleiben. Ich war richtig bockig und hatte keine Lust mehr auf diesen ganzen Scheiß.
Stimmt, und letztlich bin ich heilfroh, dass ich da wieder herausgefunden habe. Ich kann mich noch sehr gut an den Abend erinnern, als alles wieder ins Rollen kam. Ich war mit meiner Agentin essen, und sie lag mir den ganzen Abend in den Ohren. Sie fragte, was denn nur los sei mit mir und warum ich nicht endlich den Stock aus meinem Hintern ziehen würde (lacht). Ich musste mir wirklich so einiges von ihr anhören. Aber sie hatte ja Recht mit dem, was sie sagte. Ich wusste aber nicht, wie ich anfangen sollte. Ich hatte keinen Startpunkt.
Sie erzählte mir dann von einer möglichen Show zusammen mit einem Orchester in der Hollywood Bowl. Ich riss sofort die Augen auf und war Feuer und Flamme. Also rief ich die Jungs an und fragte, ob sie Lust dazu hätten. Das Konzert kam dann zwar aus verschiedenen Gründen nicht zustande, aber viel wichtiger war, dass wir wieder Kontakt miteinander hatten. Wir trafen uns dann im Studio und fingen einfach an zu jammen; völlig ohne Zwang. Wir quartierten uns eine Woche ein und hatten unheimlich viel Spaß zusammen. Die ganze Atmosphäre war sehr entspannt. Wir spielten teilweise bis spät in die Nacht, lachten viel und waren einfach nur glücklich wieder zusammen Musik zu machen.
Das klingt fast schon verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sich in den Jahren zuvor nicht immer alle Bandmitglieder grün waren.
Nun, wir kennen uns alle schon eine Ewigkeit. Da ist es, denke ich, ganz normal, wenn es auch einmal Reibereien gibt. Aber im Grunde sind wir wie eine Familie. Wir lieben uns. Auch wenn es in der Vergangenheit vielleicht manchmal nicht den Anschein hatte (lacht).
Vor allem die Zeit der Aufnahmen zum letzten Album sollen sehr anstrengend gewesen sein. Stimmt das?
Oh ja, das war wirklich keine angenehme Phase. Es hatte aber weniger mit der Beziehung der Bandmitglieder untereinander zu tun, als vielmehr mit der Gesamtsituation. Es war ein immenser Druck da. Es gab permanent Probleme mit der Plattenfirma. Irgendwann schaffst du es dann nicht mehr, diese graue Wolke aus dem Studio und von deiner Arbeit fernzuhalten. Dennoch haben wir ein wirklich tolles Album hinbekommen. Ich bin sehr stolz auf die Scheibe, aber der Weg dorthin war ein Martyrium.
Dieses Mal war wirklich alles anders, weil wir auch gleich zu Beginn klargestellt haben, dass es nur um uns geht. Deswegen haben wir auch in Eigenregie produziert, denn wenn du ein großes Major-Label im Rücken hast, dann hast du auch zwangsläufig Dutzende Leute um dich herum, die meinen, alles besser zu wissen. Jeder will seinen Senf dazu geben. Diesmal haben wir aber gesagt: Fuck you! Wir machen unser eigenes Ding.
Ich weiß nicht, vielleicht. Aber wir hatten einfach keine Lust, uns weiter mit Leuten auseinander zu setzen, die etwas vollkommen anderes wollten als wir. Es geht letztlich doch immer ums Geld. Das kann ich auch bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Ständig erscheinen neue Bands auf dem Schirm, die sich der Industrie anbiedern. Und wenn ich als Label-Verantwortlicher die Wahl hätte zwischen einer blonden, jungen aufstrebenden Stimme, die man noch formen kann und einer alten rothaarigen Kratzbürste, die weiß, was sie will; dann würde ich wahrscheinlich auch lieber meine Zeit mit der Erstgenannten verbringen wollen.
Als Künstlerin kann ich da aber nicht mitziehen, sondern muss klarmachen, was mir und meiner Band wichtig ist. Das haben wir gemacht, indem wir zur Tür raus sind und die Dinge fortan in die eigenen Hände genommen haben.
Gab es eigentlich Berührungsängste, als ihr euch das erste Mal wieder begegnet seid?
Natürlich waren wir alle nervös, als wir uns nach so langer Zeit wiedertrafen. Aber als der Moment dann da war, war davon nichts mehr zu spüren. Es war wie eine Kerze, die man nach langer Zeit wieder anzündet; ein wirklich toller Moment.
Irgendwann ging es dann ans Eingemachte und das Projekt 'Neues Album' wurde mehr und mehr in die Tat umgesetzt. War der Entstehungsprozess diesmal ein anderer, verglichen mit euren Alben zuvor?
Es war insofern anders, als dass es dieses Mal keinerlei Erwartungen gab. Weder von uns, noch von außen. Es gab kein Label, was wochenlang an die Tür klopfte, und es gab auch keine Erwartungshaltung unserer Fans, weil kaum einer wusste, dass wir überhaupt mit neuem Material beschäftigt waren. Ich glaube, hätten wir nach "Bleed Like Me" einfach so weitergemacht, hätten wir uns früher oder später wirklich aufgelöst. Diese Pause war wirklich wichtig für die Band. Und sie war mindestens genauso wichtig für das Album, denn wir konnten absolut druckfrei arbeiten.
Ich bin wirklich dankbar für all die Erfahrungen der letzten Jahre und dafür, dass ich heute hier in Berlin sitze und über unser neues Album reden kann. Wir haben schon so viel erreicht mit allem, was wir bisher gemacht haben. Weitaus mehr, als wir je zu träumen wagten. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich die neue Platte auch nur annähernd so gut verkaufen wird wie unsere ersten Alben, auch wenn das nicht am Produkt selber liegt, sondern vielmehr an generellen Entwicklungen im Musik-Business.
Wir haben nahezu all unsere Ersparnisse in dieses Album gesteckt. Das birgt natürlich ein gewisses Risiko, dessen wir uns durchaus bewusst sind. Aber grundlegend ist der kommerzielle Aspekt bei diesem Album eher sekundär, auch wenn wir uns natürlich freuen, wenn es die Leute kaufen. In erster Linie geht es aber um uns und um unser Gefühl. Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis und vollends zufrieden. Das ist das Wichtigste und die vor allem auch schönste Erkenntnis an dem Ganzen.
Das neue Album klingt für mich aufgrund seiner Vielfalt wie ein musikalischer Befreiungsschlag. Empfindest du das ähnlich?
Absolut. Wir haben in der Vergangenheit oftmals zu steril gearbeitet. Viele Ideen wurden gar nicht erst ausgesprochen, geschweige denn ausprobiert, weil man eigentlich schon von vornherein wusste, dass man auf taube Ohren stoßen würde. Das neue Album hat einen komplett anderen Entstehungsprozess hinter sich. Wenn jemand eine Idee hatte, haben die anderen zugehört. Und so entstand viel Neues und Kreatives. Wir waren diesmal offen für alles. Und ich glaube, das hört man dem Album an.
Stell dir vor, der Papst ist tot und am Kölner Dom die Hölle los. Genauso war es an diesem sonnigen Tag. Ideal für einen kurzen Spaziergang am Dom entlang, über den Rhein bis hin zum protzigen Hyatt Hotel. Hier werden wir bald vor Shirley Manson sitzen und über das neue Garbage-Album "Bleed Like Me" reden. Zuvor zwängen wir uns an Hunderten von Pilgern vorbei, die dem Papst im Dom die letzte Ehre erweisen wollen. Anstrengend. Aber der Gang über die Rheinbrücke im strahlenden Sonnenschein lässt die Massenhysterie schnell vergessen.
Endlich angekommen verkündet uns der Promoter, dass es eine gute und eine schlechte Nachricht gibt. O.k., dann bitte erst die schlechte. Shirley geht es nicht gut. Sie hat die Interviewtermine abgesagt. Sie muss ihre Stimme schonen, bevor sie abends beim Rockpalast im Palladium mit einigen anderen Bands auf der Bühne steht. Tolle Wurst und was ist nun die gute Nachricht? Steve Marker und Duke Erikson sind da, und wir haben eine halbe Stunde Zeit, mit ihnen über Gott und die Welt zu sprechen. Wow, who the fuck are these piepel? Na, die Produzenten von Garbage. Hmm, nun gut. Die Fragen, die wir uns vorwiegend für Frau Manson ausgedacht haben sind dann ja nun für den Mülleimer ... oder? Wir betreten die Suite mit einem wunderbaren Ausblick auf den Rhein, vor uns stehen zwei reifere Männer, die uns freundlich begrüßen. Steve verlässt noch mal kurz den Raum, um ein anderes Geschäft zu erledigen. Na, dann fangen wir halt schon mal mit unserer beliebten Einstiegsfrage an.
Duke, was war deine erste Liebe?
Duke: Meine erste Liebe? (lacht) . Ihr Name war Jackie McKenzie. Ich war sehr jung, aber sehr verliebt.
War sie auch in dich verliebt?
D:(überlegt): Ich denke nicht.
Also war es eine unerwiderte Liebe?
D: Allerdings. Das sagt jetzt schon Einiges über mich aus, oder? Sie hätte es erwidern können, wenn ich irgend etwas zu ihr gesagt hätte.
Weiß sie heute darüber Bescheid, dass du in sie verliebt warst?
D: Ja. Ich habe sie auf unserem 25. Schuljahrestreffen gesehen. Und da hat sie mir gesagt, dass sie auch in mich verknallt war.
Das ist ein bisschen spät, oder?
D: Ja, ein bisschen. Ich habe sie gefragt, ob sie mich veräppeln will? Da hat sie nein gesagt.
Also, bleibt diese Liebe unerwidert?
D: Ja, verdammt. Und sie sieht selbst nach 25 Jahren noch so toll aus.
Wahrscheinlich hat sie jetzt schon Kinder und ist verheiratet?
D: Ja, aber ich weiß nicht, ob sie wirklich glücklich verheiratet ist. Sie sah nicht zufrieden aus. Lass uns sehen was passiert ... O.k, genug mit dieser Frage. (wendet sich zu Steve, der sich mittlerweile dazu gesellt hat). Du kannst auch diese Frage beantworten?
S: Ich weiß überhaupt nicht wovon ihr sprecht.
Die Frage lautete: Was war deine erste Liebe. Es ist übrigens nicht notwendig eine Person zu nennen.
(Ein aufgeregtes Raunen geht durchs Zimmer)
D: Aha.
S: Musik.
Natürlich.
S: Gitarre spielen. D: Ah, jetzt verstehe ich. So hätte man also auch antworten können (grummel).
Warum hast du Gitarre gespielt? War das nur, um ein Mädchen zu beeindrucken?
D: Das war um seine erste Liebe zu beeindrucken. Los, komm, sag das Steve (grins). S: Ja, das war vielleicht ein Grund. In der Schule war ich nie so gut im Football, Laufen, Mathematik, oder so was in dieser Richtung. Aber dann habe ich gesehen, dass ich Gitarre spielen könnte, wenn ich mir viel Mühe gebe. Wahrscheinlich war es immer so, dass man ein Mädchen beeindrucken wollte. Wenn du in einer Band spielst, ist es ein Weg, Leute zu beeindrucken. Das ist besser, als ein Kapitän in einer Fußballmannschaft zu sein. Ich kann billige Rocksongs spielen und bekomme die Mädchen.
Was für eine Musik hat dich beeinflusst?
S: Ich bin mit Radio aufgewachsen. In meiner Jugend gab es viele Uni-Radios, besonders FM Radio in New York, wo ich aufgewachsen bin. Sie spielten wilden Avantgard-Jazz und Greatful Dead, Kiss und David Bowie. Die totale Mischung. Ich habe versucht, diese verschiedenen Stile auf der Gitarre nachzuspielen. Ich wollte nicht nur ein Metal-Gitarrist werden.
D: Für welches Magazin schreibt ihr noch mal?
Für das Online Magazin laut.de.
S: (ganz laut) LAUT? Ich habe laut.de gesehen, online. L, A, U, T, E. de? LAUT. Das ist gut. (zu Duke) Was waren deine musikalischen Einflüsse?
D: Ich bin mit den Beatles aufgewachsen.
S: Du hast nur Beatles gehört?
Keine Stones?
D: Die Beatles waren die erste Band, die mich angemacht haben. Elvis Presley auch ein bisschen. Aber ich habe die Idee geliebt, eine Band, wie die Beatles zu gründen. Zu lernen, wie man Gitarre spielt und wie sich die Lieder zusammen setzen. Ich habe die Schlagzeug-Beats und die Bass-Linien dieser Band auswendig gelernt. Neben den Beatles war ich auch von den, Stones, Yardbirds und The Animals, dieser ganzen "britischen Invasion " begeistert. " Das war meine erste Injektion, die beste Droge (lacht). Es hat mich wach gemacht.
Denkst du, dass es heute auch eine ähnliche Szene gibt wie in den 60er Jahren?
D: Ich werde diese Erfahrung nicht mehr machen. Die ganze Szene um die Beatles, diese Ära, werden wir nicht noch mal haben. Es war unglaublich. Sie haben die Grenzen der Musik verschoben. Ab und zu gibt es vielleicht auch heute Bands, die das machen.
Was denkt ihr über die verschiedenen Szenen von heute?
D: Ich lese sehr viele Plattenbesprechungen, aber kaufe sehr viel weniger CDs als früher. Das Problem ist, dass mich 60% der Platten eher enttäuschen. Wenn ich etwas über eine Band gelesen habe und mir dann die Musik dazu anhöre, bin ich immer enttäuscht.
Habt ihr Zeit, euch Bands live anzusehen?
D: Die letzte Band, die ich gesehen habe ... ich weiß es gar nicht mehr. (er wendet sich zu Steve): Was war der letzte Auftritt den du gesehen hast?
S: Wir waren die letzten zwei Jahre für unser neues Album im Studio. Wir haben fast gar nichts anderes gemacht, außer im Studio zu arbeiten. Wir wohnen in Madison, Wisconsin, das ist nicht New York, Chicago oder L.A.
D: Das ist kein Musik-Mekka.
S: Doch.
D: Ich habe den Singer/Songwriter Joseph Arthur gesehen. Habt ihr von ihm gehört? Ich kann ihn nur empfehlen. Es ist wunderbare Popmusik. Er hat eine ausgezeichnete Stimme. Er ist auf Peter Gabriels Label, Real World.
S: Da gibt es ganz viele Bands, die ich gerne sehen möchte. Viele neue englische Bands, die richtig gut sind. Zum Beispiel Franz Ferdinand (tatsächlich sind das allerdings Schotten. Anm. der Redaktion) und andere...
Ah, wie Bloc Party und The Futureheads, …
S: Genau!
… und alle diese Postpunk Revival Bands, wie Kaiser Chiefs (aus Leeds) und Killbright Groceries (Luton).
S: Viele von diesen Bands benutzen die Musik von Gang Of Four aus den 80er Jahren...
Stimmt. Die haben sich ja auch wieder neu gegründet und in Manchester und Leeds gespielt. Es gibt viele Post-Postpunk-Revival Bands heute.
S: Vielleicht werden sie dieses Mal diese Szene weiter nach vorne bringen? Ich habe im Stoole Pigeon Magazin gelesen, dass Andy Gill (Gitarrist von Gang Of Four) das Futureheads Album zuerst produzierte. Die Band verehrt ihn wie den "Godfather of Postpunk", dennoch hat sie ihn rausgeschmissen. Sie hatten das Gefühl, dass sie mit ihrer Musik auf einer anderen Ebene sind. Heutzutage gibt es ja auch viele Garage Punk- Retrobands ...
S: Zum Beispiel?
Die Band, mit der ihr heute Abend spielt, The International Noise Conspiracy (Rockpalast im Palladium, Köln) aus Schweden. Oder auch The Hives, ebenfalls aus Schweden. Es macht Spaß, sie live zu sehen und zu hören, aber es ist nichts Neues.
S: The Hives sind großartig. Ich würde sehr gerne sehen, dass sie das nächste große Ding werden.
D: Diese Art von Bands verstehe ich nicht.
S: Wo können sie hinkommen mit ihrer Musik?
D: Sie rennen gegen eine Mauer und kommen nicht weiter.
Und die andere Band? The International Noise Conspiracy? Ich habe großen Respekt vor ihnen, aber letztendlich sind sie nur eine Kopie von noch einer Retroband, The Make Up. Und das waren die Reste von noch einer großartigen Band, Nation Of Ulysses. Sie wollten die Musik verändern.
D: Diese Musik wird immer jung bleiben.
S: Es ist aufregend, wenn man es das erste Mal hört.
Die Lebensdauer vieler Bands ist heutzutage sehr kurz. Hat das was mit dem Musikmarkt zu tun?
D: Ich denke es hat mit Marketing zu tun. "Marketing dictates what the market is." Man will nicht so viel Geld und Zeit für Bands ausgeben.
Sie möchten das investierte Geld halt sehr schnell zurück bekommen.
S: Ja, wenn sich das erste Album nicht zu einer bestimmten Menge verkauft, bist du raus. Früher durfte man noch drei Alben herausbringen und die Plattenfirmen warteten sogar noch auf das vierte Album, bis die Band dann erfolgreich war. Heute muss du schon nach dem Debüt erfolgreich sein. Wenn die zweite Platte dann nur noch zu 90% verkauft wird, dann denken die Firmen sofort, dass das ein Misserfolg ist. Das ist sehr traurig. Es geht nur noch um Business. Wir müssen das auch akzeptieren. Wir hatten bereits unsere Hochs und Tiefs. Wir sind jetzt schon seit zehn Jahren zusammen, und es war mal heiß, mal kalt. Aber wir sind auch stur. Wir werden nie aufgeben.
Mit eurem neuen Album "Bleed Like Me" wart ihr zwei Jahre im Studio. Viele Bands können so viel Geld gar nicht investieren. Wie kann man überhaupt außerhalb von diesem gnadenlosen Konkurrenzkampf überleben?
S: Wir ignorieren einfach diese Tretmühle. Wenn wir da mitziehen würden, könnten wir nicht das machen, was wir heute tun. Wir hätten schon längst aufgegeben und die Band aufgelöst. Aber da wir so stur sind, hören wir nicht auf und machen weiter. Wir selber wissen, dass wir noch Einiges zu sagen haben, und dabei ist es egal, wie viele Platten wir verkaufen.
Wie war die Arbeit mit dem neuen Produzenten auf eurem Album?
S: Das ist misslungen. Wir haben versucht, mit anderen Produzenten zu arbeiten, zum Beispiel mit John King von den Dustbrothers, aber das hat nicht funktioniert. Es gibt nur ein Stück auf der Platte, wobei er geholfen hat. Irgendwann während der Produktion des Albums haben wir gemerkt, dass es nicht so richtig klappt. Vielleicht brauchen wir mal Hilfe von außerhalb?. Dann gibt es einen Produzenten und wir sind "nur" die Musiker. Wir waren einen Monat mit John im Studio in L.A. Es war schon sehr gut, aber wir sind auch eine sehr eigene Band. Wir leiden nicht, wenn uns jemand anderes sagt, was wir zu tun haben. Am Ende haben wir dann doch fast alles wieder selbst gemacht. Allerdings haben wir unsere Lektion gelernt. Die war sehr teuer.
Letztendlich war es aber doch auch eine wertvolle Erfahrung, abgesehen davon, dass ihr so viel Geld investiert habt?
S: Ja, ich denke schon. Man kann schon stolz auf das sein, egal wie anstrengend es war.
Vor vielen Jahren habt ihr ja komplett alles selbst produziert. Ihr konntet nur das machen, was ihr wolltet. Das ist ja schon eine beachtliche Leistung und verdient Respekt.
S: Ich weiß nicht, ob es wirklich so schlau von uns war, zu machen was wir wollten ...
Aber ihr habt es geschafft. Wird es noch mehr Garbage in der Zukunft geben?
Ja, das hoffen wir. Es gab nie einen Plan. Ich denke, das kann man auch gar nicht planen. Wenn du uns vor zehn Jahren gesagt hättest, dass wir dort ankommen, wo wir jetzt sind, ich hätte dir nie geglaubt. Wir sind alle gespannt, wie lange wir das noch machen. Auf jeden Fall nicht so lange wie die Rolling Stones. Nicht mehr mit 70 spielen.
Hält die Stimme von Shirley die Strapazen denn noch aus?
S: Das kann ich nicht beantworten. Ich hoffe, dass sie noch lange singt.
Ist ihre Stimme zur Zeit ein großes Problem?
S: (wendet sich an Duke): Die Stimme von Shirley?
D: Was meinst du? Was ist mit ihrer Stimme?
S: Machen wir uns Sorgen um ihre Stimme?
D: Nein, überhaupt nicht.
S: Sie hatte ein kleines Problem mit ihren Stimmbändern. Sie hat viel an ihrer Stimme gearbeitet, und jetzt klingt sie besser als früher.
Hatte sie Probleme mit ihren Halslymphknoten?
S: Ja, genau. Sie hatte eine Stimmbandoperation.
Wir haben gehört, dass sie die Interviews nicht machen kann, weil sie ihre Stimme für heute Abend schonen muss.
S: Ja, wir haben auf dem Flug hierhin alle eine kleine Erkältung bekommen.
Also, hat das nichts mehr mit ihren Lymphknoten zu tun?
(beide gleichzeitig): Nein, gar nicht. D: Es ist nur eine kleine Virusinfektion. Es hat gar nichts mit ihrer Operation zu tun. Sie hat nur eine Erkältung.
Das ist gut. The Show must go on.
D: Ja, schnell mal auf Holz klopfen (sucht nach einem Holzgegenstand im Zimmer und klopft dann auf die Tischplatte, die allerdings aus Stein ist).
Wie sieht es aus mit einer Tour durch Deutschland?
S: Wir werden wohl auf vielen Festivals spielen. Das haben wir schon immer gemacht. Rock am Ring etc.
D: Ja, wir haben auch auf dem Hurricane mal gespielt und in einer Burg. Das war in Singen auf einem Berg. Es dauerte über zehn Minuten bis man endlich da oben war. S: (auf deutsch) Altes Schloss.
D: Genau. Da haben wir nur vor 100 Leuten gespielt. Es war ganz seltsam.
S: Ja, das hat nicht so richtig funktioniert (lacht).
Und eine Tour durch Europa?
S: Bis jetzt ist da noch nichts geplant. Es hängt davon ab, wie gut unser Album ankommt. Wir machen zuerst die Promotour und sehen dann, wie es läuft. Wenn die Leute es mögen, kommen wir wieder. Hoffentlich auch nach Deutschland.
Wie war denn die Reaktion in den USA?
S: Die Platte erscheint zur selben Zeit auf der ganzen Welt. Deshalb wissen wir noch nicht, wie es dort ankommt. Wir sind sehr gespannt. Die letzte Platte kam richtig gut an. Unsere Single "Why Do You Love Me" läuft seit einigen Wochen in Amerika schon in den Radios. Bisher sehr gut (klopft noch mal auf Holz bzw. Stein). Wir haben das Gefühl, dass Amerika für uns bereit ist, und das ist wichtig, da viele von uns dort wohnen.
Das Interview führten Paul J. Greco und Jasmin Luetz
Absolute Garbage (Special Edition) (2007), Absolute Garbage (2007)
Garbage (1995)
30,99 €
30,99 €
14,90 EUR
14,90 EUR
19,99 EUR
29,99 €
9,99 €
13,99 €
14,90 EUR
6,45 EUR
Nette Labelsitel in rot-schwarz, die vor allem auf den Style achtet.
http://garbage.com/
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
Hab das neue Album beautifulgarbage Anonymous |
8 |
16.07.04, 13:39 deadsøn |
|
|
Wer will S E X mit Shirley Manson ??? Anonymous |
6 |
02.09.01, 22:15 Anonymous |
|
|
Version 2.0 Anonymous |
13 |
11.08.01, 17:19 Anonymous |
Format
Homepage: