Porträt

laut.de-Biographie

Tom Jones

Es ist nicht ganz die Geschichte 'vom Tellerwäscher zum Millionär', doch Tom Jones' Weg vom Staubsaugervertreter und Hilfsarbeiter zum erfolgreichen Künstler von Weltrang ist durchaus ähnlich gelagert. Am 7. Juni 1940 kommt er unter dem bürgerlichen Namen Thomas John Woodward als Bergarbeiter-Sohn im walisischen Pontypridd zur Welt.

Erste Sangesübungen sind von spiritueller Art: Er singt als Mitglied im örtlichen Kirchenchor. Bereits mit 16 Jahren, nach Beendigung der Schulzeit, heiratet Tom seine Klassenkameradin Melinda Trenchard. Aus dieser Verbindung kommt ein Jahr später ein Sohn zur Welt. Beruflich entwickelt sich sein Werdegang zunächst eher schlicht: Tom Jones schuftet auf dem Bau, verkauft Staubsauger und ist in Fabriken als Hilfsarbeiter tätig.

In der Freizeit verdingt sich der junge Mann als Sänger in verschiedenen lokalen Clubs. Sein Künstlername in dieser Zeit Anfang der sechziger Jahre lautet Tommy Scott. Als seine Begleitband fungieren die Senators. Jones und seine Mitstreiter kommen mit ihren Beat-Songs beim Publikum an und entwickeln sich zu einer regionalen Größe.

Doch Tom will über den Status eines Hobby-Sängers hinaus und nimmt einige Stücke im Studio von Soundtüftler Joe Meek, dem Kopf der erfolgreichen Synthie-Beat-Band The Tornados auf. Allerdings gelangen Jones' dort eingespielte Titel erst Jahre später zur Veröffentlichung. Mit den Senators entwickelt sich seine angestrebte Laufbahn nicht recht weiter, so entschließt sich Tom zum Start einer Solo-Karriere.

Ab 1963 tourt er durch walisische Lokalitäten, bevor es 1964 in einem Londoner Club zu einer entscheidenden Begegnung kommt: Der Musik-Manager Gordon Mills wird auf den jungen Waliser aufmerksam, nimmt ihn unter Vertrag und verpasst ihm seinen bis heute gültigen Künstlernamen. "Chills And Fever" ist die erste Single-Veröffentlichung, erweist sich aber als Flop. Doch die zweite Veröffentlichung schlägt nachhaltig und wegweisend in den Charts ein: "It's Not Unusal" stürmt in Großbritannien die Hitparaden-Spitze und macht den Sänger mit einem Schlag weit über die Grenzen der Insel hinaus bekannt.

Einen weiterer Schritt in Sachen Popularität und künstlerischer Anerkennung folgt 1965. Tom Jones wird die Ehre zuteil, den Titelsong für den James Bond-Film "Thunderball" einzuspielen. Weitere Hits folgen Schlag auf Schlag: Songs wie "Delilah", "What's New Pussycat" oder "The Green, Green Grass Of Home" entwickeln sich zu Welterfolgen. 1967 singt er im Londoner Palladium vor der Queen und dem Rest der königlichen Familie. Jones ist Gast in unzähligen TV- und Radioshows und tourt 1965 sowie 1968 erfolgreich durch die USA.

Das 1969 aufgezeichnete britische TV-Special "This Is Tom Jones" bringt dem produzierenden Sender durch den Verkauf ans US-Fernsehen eine Summe von 20 Millionen Dollar ein. Ein besonderes Verhältnis pflegt der Waliser zu seinen zahlreichen weiblichen Fans, die ihm den Beinamen 'Tiger' verleihen. Jones spielt erfolgreich mit seiner sinnlichen Ausstrahlung und entwickelt sich zu einem Sex-Symbol.

Seine Konzerte sind ausverkauft und überfüllt von enthemmt kreischenden Frauen und jungen Mädchen. Die bekommen neben seiner souligen Stimmgewalt auch optisch eine Menge geboten: Jones tritt in hautengen Hosen auf, und ein stets zu weit geöffnetes Hemd enthüllt sein üppiges Brusthaar. Das jahrelang andauernde Fan-Bombardement von Slips und anderen weiblichen Wäschestücken lässt Kritiker neidvoll spotten, Jones könne problemlos eine erfolgreiche Zweitkarriere als Unterwäsche-Händler starten.

Zu Beginn der siebziger Jahre wird es ruhiger um den Tiger. Er tritt in dieser Zeit verstärkt in Las Vegas-Shows auf. Wegen der hohen Steuern in Großbritannien siedelt Jones 1977 mit seiner Familie ganz nach Amerika über. 1980 erreicht seine Karriere einen Tiefpunkt: Die Konzerte sind immer spärlicher besucht, woraufhin die Plattenfirma MCA auch den Platten-Vertrag mit Tom Jones nicht mehr verlängert. Ein weiterer Schicksalsschlag trifft Tom im Jahr 1986 mit dem tragischen Krebstod seines langjährigen Managers und Freundes Gordon Mills. Mark Woodward, der Sohn Mills, übernimmt fortan die Betreuung des Künstlers.

Jones beginnt, neue musikalische Wege zu beschreiten. 1986 beschert ihm die Zusammenarbeit mit dem legendären Gitarristen "Mr. Twang" Duane Eddy und den Sound-Tüftlern The Art Of Noise samt der Song-Einspielung "Peter Gunn" einen neuen Achtungserfolg. 1988 leitet die Single "Kiss", ein Cover des berühmten Prince-Songs, endgültig das fulminante Comeback ein: Mit erneuter Unterstützung von The Art Of Noise gelingt dem Künstler damit ein großer Hit.

In den Folgejahren veröffentlicht Tom Jones weitere Alben, auf denen er kontinuierlich mit zeitgemäßen Sounds experimentiert. 1996 übernimmt er eine selbstironische Gastrolle in Tim Burtons schräger SciFi-Parodie "Mars Attacks!" Das trotzdem noch oft vorherrschende, leicht angestaubte Las Vegas-Tiger-Image landet jedoch erst 1999 mit dem Erfolgsalbum "Reload" auf dem Müll. In Duetten mit unterschiedlichsten, (überwiegend) jungen Künstlern zeigt sich die persönliche Klasse des Tom Jones als absolut kompatibel mit den Geschmäckern der Neuzeit.

"Reload" strotzt nur vor herausragenden Tracks, etwa das Talking Heads-Cover "Burning Down The House" (mit Nina Persson) und "Baby, It's Cold Outside" (mit Ceris Matthews). Die Mousse T.-Kollaboration "Sex Bomb" wirft gar einen riesigen Single-Charts-Erfolg ab. 2000 erhält Tom Jones den Brit-Award als bester britischer Künstler.

In den Folgejahren bleibt der Sänger mit verschiedenen Alben weiter im Gespräch, kann aber den Sensationserfolg von "Reload" nicht wiederholen. Der Ritterschlag erfolgt dennoch 2005: Queen Elizabeth II ernennt den Waliser zum "Knight Of The British Empire" – fortan ist der Tiger ein Sir.

News

Alben

Tom Jones - Mr. Jones: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2002 Mr. Jones

Kritik von Marc Winkelmann

Mit Wyclef Jean und souliger Wärme meldet sich der Tiger zurück. (0 Kommentare)

Tom Jones - Reload: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

1999 Reload

Kritik von Alexander Cordas

Wer kann da schon nein sagen, wenn einer wie Tom Jones ruft? (0 Kommentare)

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