laut.de-Kritik

Der 'Tiger' versucht den Johnny Cash-Trick.

Review von

In den Händen deutlich jüngerer Produzenten, die ihnen ein modernes Soundgewand verpassten, läuft so mancher alter Held noch einmal zu Höchstform auf. Warum schwant einem bei Tom Jones dann Böses? Vielleicht weil "Mr. Sexbomb" schon immer mehr Pop und eben auch mehr Mainstream war? Weil Jones sich im Laufe seiner über 40-jährigen Karriere das ein oder andere Mal vielleicht zu bereitwillig neuen Trends angebiedert hat? Oder weil das Cover dunkel und in Sepia daherkommt, die Platte "Spirit In The Room" heißt und man deswegen befürchtet, dass er und der deutlich jüngere Produzent Ethan Johns sich hier am Inbegriff aller Spätwerke, an Johnny Cashs "American Recordings", orientieren?

Der "Tiger" beginnt jedenfalls mächtig selbstüberzeugt mit den Zeilen "I was born like this/ I had no choice/ I was born with the gift of a golden voice". Keine Frage: Was, wenn nicht seine Stimme hat ihn schließlich bis hierher gebracht? "Tower Of Song", ein Leonard Cohen-Klassiker, ist aber eigentlich ein Lied übers Altern und thematisiert auch Schwächen: "Well, my friends are gone/ And my hair is grey/ I ache in the places where I used to play" singt Jones, nur eine leise Akustikgitarre und ein leises Klavier begleiten seine Stimme. Das kommt deutlich schwerer und ernster rüber als der Piano-Preset-Sound des Originals.

Die Agenda ist also gesetzt, die Befürchtung war berechtigt: wir bekommen bedeutungsschwangere Lieder, gesungen von einer außergewöhnlichen, gereiften Stimme eines authentischen Kerls, der schon Einiges erlebt hat. Der zweite Song "(I Want To) Come Home", eine McCartney-Komposition, kopiert mit Akustik-Gitarre, Country-Bass und schweren Klavier-Akkorden dann auch etwas zu offensichtlich den späten Johnny Cash, dessen weltweiter Erfolg auf der gleichen Formel beruhte. Den kriegt man danach schwer wieder aus dem Kopf.

"Love Blessings" führt mit seinem rumpelnden Rock 'n' Roll-Refrain erst mal aus dem Tal. Kaum zu glauben, dass das von Paul Simon ist und nicht von Tom Waits.

"Soul Of A Man" gerät dann wieder arg schwer und ernst, und leider gewinnt diese Seite der Platte die Überhand. Jones kann das zwar auch, sogar überraschend gut: das letzte Quäntchen Seele fehlt aber, so richtig tief berührt es einen dann doch nicht. Das müssen solche Songs aber, sobald sie das nämlich nicht tun, fliegt der ganze Schwindel auf: dass der Sänger ja nicht wirklich verzweifelt und gottverlassen vor dem schon geschaufelten Grab steht. Sondern im Studio sitzt und versucht, gut abzuliefern.

"Bad As Me", jetzt also doch noch Tom Waits, macht kurz wieder mehr Laune. Das vielleicht modernste Stück der Platte beginnt recht aufregend, verödet aber gegen Ende, da schwitzt dann alles zu sehr. Allerdings muss man sagen: Die Stimme hält, auch im Bluesrock-Sumpf!

"Dimming Of The Day" danach ist erholsam ruhig und 'ne richtig schöne Nummer: vielleicht klappt es hier doch noch mit der nötigen Tiefe. Die einzige Eigenkomposition (zusammen mit Ethan Johns) "Traveling Shoes" macht sich mit Slide-Gitarre dann wieder auf zurück ins Blues-Delta. Mit ganz und gar schrecklichen Chören, kitschigen Lyrics und schmierigem Gesang endet das Album zwei Songs später denkbar schlecht.

Tom Jones hat in den letzten zehn Jahren im Schnitt alle zwei Jahre ein Album rausgehauen, darunter so interessante Kollaborationen wie die mit Wyclef Jean oder Jools Holland. "Spirit In The Room" ist nun schon die zweite von Ethan Johns produzierte Scheibe. Im Booklet dankt Jones seinem Produzenten dafür, dass er ihm "gibt, was immer er braucht, um auf der Höhe seines Könnens zu arbeiten." An einigen Stellen überrascht und berührt "Spirit In The Room". Für ein richtig gutes Album mangelt es aber noch an Tiefe. Vielleicht muss Tom Jones für seine Johnny Cash-Platte einfach noch ein wenig warten?

Trackliste

  1. 1. Tower Of Song
  2. 2. (I Want To) Come Home
  3. 3. Hit Or Miss
  4. 4. Love And Blessings
  5. 5. Soul Of A Man
  6. 6. Bad As Me
  7. 7. Dimming Of The Day
  8. 8. Traveling Shoes
  9. 9. All Blues Hail Mary
  10. 10. Charlie Darwin

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