Porträt

laut.de-Biographie

Paul Simon

Wenige Musiker schaffen es, nach intergalaktischen Erfolgen als Teil einer Band auch auf Solopfaden Überzeugendes zu leisten. Oft enden sie nach ein oder zwei Veröffentlichungen im kommerziellen Nichts und geraten in Vergessenheit, bevor die alten Hits bei künstlerisch fraglichen Reunions wieder aus der Schublade gezogen und in leicht abgeändeter Form noch einmal dargestellt werden.

Paul Simon ist eine dieser Ausnahmen. Was wohl damit zusammenhängt, dass er sich von Anfang an weniger als ein Popstar und mehr als ein Künstler verstand, und auch als solcher wahrgenommen wird.

Nach dem Aus von Simon & Garfunkel im Jahre 1972 kehrt der 1941 in Hoboken Geborene dem Star-Dasein den Rücken und besinnt sich auf seine Wurzeln, die der ersten Soloaufnahme im Jahre 1965: Gitarrengetragene Erzählungen mit einprägenden Melodien, die nach und nach durch Exkursionen in den Jazz und in die südamerikanische Volksmusik erweitert werden. In den siebziger Jahren entstehen Lieder wie "Fifty Ways To Leave Your Lover," "Slip Slidin' Away" oder "Me And Julio Down By The Schoolyard", die heute noch zum Standard populärer Musik gehören.

Nach einer Rolle in Woody Allens "Annie Hall" im Jahre 1978 versucht er sich an einer eigenen Kinoproduktion. Mit "One-Trick Pony" (1980) fällt er allerdings böse auf die Schnauze: Der Film floppt, genauso wie die gleichnamige Platte, und seine Karriere erreicht einen ersten Tiefpunkt.

Von dem er sich ein Jahr später blendend erholt, als er 1981 mit Art Garfunkel vor 500.000 Zuschauern im Central Park auftritt und mit dem dazugehörigen Livealbum weit oben in den Charts landet. Als 1983 eine Soloplatte erscheint, ist die Enttäuschung um so größer. Das Publikum hatte ein neues Werk des Duos erwartet, und so wird "Hearts and Bones" kaum wahrgenommen, obwohl es mit dem Titeltrack, "The Late Great Johnny Ace" und "René And Georgette Magritte With Their Dog After The War" drei von Simons schönsten Kompositionen enthält.

Zeit für etwas radikal Neues, zumal auch seine Ehe mit der Schauspielerin Carrie Fisher (Prinzessin Leia in der ersten Star Wars-Trilogie) in die Brüche geht. Eine Kassette mit südafrikanischer Musik ist Simons Rettung. Er fliegt nach Johannesburg und nimmt mit "Graceland" (1986) einen Meilenstein der Musikgeschichte auf. Die Vereinigung exotischer Rhythmen und Gesangsweisen mit typischen Paul Simon-Melodien ist eine der meist verkauften Platten der achtziger Jahre und macht ihn zu einem der Vorreiter im Kampf gegen die Apartheid.

Mit dem 1990 erschienenen "The Rhythm of the Saints" begibt sich Simon musikalisch nach Brasilien. Nach Abschluss der Welttournee im Central Park 1991 (750.000 Zuschauer) zieht er sich aber vorübergehend zurück. Neben der Produktion einer Platte für seine neue Ehefrau Edie Brickell zeigt er sich nur gelegentlich in der Öffentlichkeit, wie bei der 1993 in New York stattgefundenen Reihe "The Concert of a Lifetime," in der er mit den jeweiligen Originalbesetzungen seine bekanntesten Lieder präsentiert, unter anderen mit Art Garfunkel und Ladysmith Black Mambazo.

Mit "The Capeman" (1997) wagt Simon einen gewaltigen Schritt. Das mit dem Nobelpreisträger Derek Walcott geschriebene Musical ist ein ambitioniertes Projekt, in dem der Doo-Wop der fünfziger Jahre und das Thema der Entfremdung zum Publikumserfolg führen sollen. Die wahre Geschichte eines puertoricanischen Gangmitglieds, das nach dem Mord an zwei Personen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und sich im Gefängnis der Literatur widmete, erregt allerdings nur die Gemüter der Angehörigen der Opfer und muss nach wenigen Wochen eingestellt werden - mit geschätzten Verlusten von 11 Millionen Dollar.

Wieder ein Flop - und wieder erhebt sich Simon aus der Asche. Nach der "PaulBob'99 Tour", eine Konzertreihe mit Bob Dylan, veröffentlicht er mit "You're The One" (2000) seine bis dahin persönlichste Platte.

2003 geschieht schließlich das, was die meisten Fans sehnlichst erwünscht, aber nicht mehr erhofft hatten: Simon & Garfunkel kommen wieder zusammen. Ein dreiviertel Jahr lang touren sie vor gefüllten Hallen durch Europa und die USA, zum Abschlusskonzert im Juli 2004 finden sich 600.000 Zuschauer vor dem Kolosseum in Rom ein.

Wieder gibt es kein gemeinsames Album, doch für seine folgende Studioarbeit begibt sich Simon nach England und sucht sich als unwahrscheinlichen kreativen Partner den Soundtüftler Brian Eno aus. "Surprise" (2006) erntet nicht nur unter den Fans wenig Verständnis - die musikalische Chemie zwischen den zwei stimmt einfach nicht.

So greift Simon wieder auf sein altes Material zurück. Anlässlich der Verleihung des Gershwin-Awards durch die Library of Congress in Washington tritt er 2007 mal wieder mit alten Weggefährten auf - Ladysmith Black Mambazo für "Diamonds On The Sole Of Her Shoes" und Art Garfunkel für "Bridge Over Troubled Water" und "Cecilia". Für eine Überraschung sorgt jedoch sein Duett mit Stevie Wonder in "Loves Me Like A Rock".

Auf "So Beautiful Or So What" (2011) kehrt Simon wieder zu traditionellern Rhythmen zurück und besinnt sich auf sein Ur-Instrument, der Akustikgitarre. Am 11. September 2011 bringt er Tausende zum Weinen, als er am Ground Zero eine ergreifende Version von "The Sound Of Silence" spielt.

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Alben

Paul Simon - Surprise: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2006 Surprise

Kritik von Giuliano Benassi

Auch ein weniger gelungenes Album ist bei ihm ein gutes. (0 Kommentare)

Paul Simon - You're The One: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2000 You're The One

Kritik von Giuliano Benassi

Paul Simon meldet sich mit einer überragenden Platte zurück. (0 Kommentare)

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