Porträt

laut.de-Biographie

Art Garfunkel

"Tom, get your plane right on time / I know your part will go fine" ("Tom, nimm deinen Flug / Ich weiß, dass du deine Rolle gut spielen wirst") dichtet Paul Simon 1970 im melancholischen "The Only Living Boy In New York". Gemeint ist Art Garfunkel, der sich nach Mexiko begibt, um in der Verfilmung von Joseph Hellers Roman "Catch-22" mitzuwirken. Doch es handelt sich nicht um einen Glückwunsch, eher um eine Trennung: Alles Gute, denn unsere Wege trennen sich hier, lautet die Botschaft.

Die Freundschaft der zwei geht zurück auf ihre Kindheit, die sie im New Yorker Stadtteil Queens verbringen. Neben der Schulbank teilen sie auch musikalische Interessen und begeistern sich für Folk, Doo Wop und den harmoniebetonten Pop der Everly Brothers. 1957 feiern sie als Tom & Jerry ihr discographisches Debüt und mit "Hey School Girl" ihren ersten, kleineren Hit. Der schlacksige Garfunkel ist die Katze, der untersetzte Simon die Maus.

In den 60er Jahren erobern sie unter ihren Nachnamen die Welt – sie avancieren zum erfolgreichsten Popduo aller Zeiten. Dabei schreibt Simon die Lieder, spielt Gitarre und singt die zweite Stimme, während Garfunkel produziert und mit seinem samtenen Organ die Lorbeeren erntet. Ihre Zusammenarbeit endet 1970 mit "Bridge Over Trobled Water". Simon bleibt in den folgenden Jahrzehnten der Musik treu und schlägt immer wieder neue Pfade ein, Garfunkel entwickelt andere Interessen.

Der studierte Mann (Abschlüsse in Literatur, Geschichte, Architektur und ein Doktortitel in Mathematik) widmet sich zunächst dem Kino, unter anderem an der Seite Jack Nicholsons im Skandalstreifen "Carnal Knowledge". 1973 begibt er sich wieder ins Studio und nimmt sein Solodebüt "Angel Clare" auf, das sowohl in den USA als auch in Europa Erfolge verbucht. "Breakaway" (1975) enthält neben "I Only Have Eyes For You" auch ein neues Simon & Garfunkel-Stück, "My Little Town".

Aus einer Reunion wird – mit Ausnahme einzelner Auftritte – nichts. "Watermark" (1978) und "Fate For Breakfast" (1979) festigen Garfunkels Ruf, ein einfühlsamer Interpret von Stücken Anderer zu sein. 1979 landet er mit "Bright Eyes" seinen größten Solohit: Die Single verkauft sich über eine Million Mal und landet auf Platz 1 in den britischen Charts.

Mit "Scissor's Cut" erlebt er 1981 seinen ersten kommerziellen Flop, obwohl er für die Auskopplung "A Heart In New York" die denkbar beste Bühne zur Verfügung hat – nämlich die des Central Park beim legendären Reunion-Konzert mit Paul Simon. Die zwei setzten ihre Auftritte in Europa fort, doch aus einem gemeinsamen Album wird erneut nichts.

Der Tod seiner guten Freundin Laurie Bird stürzt Garfunkel in eine schwere Krise. In den 80er Jahren beschäftigt er sich mit Reisen und dem Niederschreiben von Gedichten in Prosaform, die 1989 im Band "Still Water" erscheinen. 1984 startet er den "Walk Across America", bei dem er sein Heimatland in Abschnitten von 100 Meilen durchquert und jedes Mal wieder dort weitermacht, wo er aufgehört hat. Ein Konzept, das er später in Europa fortführt.

"Lefty" (1988) ist Garfunkel erstes Album seit 1981, mit Ausnahme des Soundtracks zum Theaterstück "Animal Christmas" (mit Amy Grant, 1985). Der Erfolg hält sich zwar in Grenzen, doch der Wuschelkopf begibt sich damit zum ersten Mal seit 1978 auf Tour und heiratet seine zweite Frau, Kim Cermak. Es ist so etwas wie ein Neuanfang. 1990 kommt das erste Kind des Paares zur Welt, in den folgenden Jahren gibt Garfunkel vermehrt Konzerte und veröffentlicht "Up 'til Now" (1993) und den Livemitschnitt "Across America" (1996) mit Frau, Sohnemann und James Taylor. Von väterlichen Gefühlen beflügelt, bringt er 1997 "Daydream - Songs From A Parent To A Child" heraus, das unter anderen "Morning Has Broken" von Cat Stevens und "I Will" von den Beatles enthält.

2000 singt Garfunkel Monty Pythons "Always Look On The Bright Side Of Life" für den Streifen "Besser Geht's Nicht" ein, für den sein Freund Jack Nicholson einen Oscar erhält. 2002 kommt es schließlich zu einem unerwarteten Debüt als Songschreiber: "Everything Waits To Be Noticed" enthält Material aus der eigenen Feder. Für Furore sorgt jedoch wieder eine Reunion-Tour mit Paul Simon, die 2003 in den USA beginnt und im Juli 2004 vor 600.000 Zuschauern in Rom endet.

Anschließend landet Garfunkel in der Klatschpresse: Er lässt sich zweimal von der Polizei mit Gras erwischen, außerdem wird er 2005 im Alter von 63 Jahren noch einmal Vater. Im März 2007 erscheint sein elftes Album "Some Enchanted Evening", das Coverversionen mit Orchesterbegleitung enthält.

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