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Sie sind eine der erfolgreichsten Alternative-Rockbands der Neunziger: Die Smashing Pumpkins. Im Gründungsjahr 1988 trifft Billy Corgan (bürgerlich William Patrick Corgan, Jr., geboren am 17. März 1967 in Elk Grove Village, Illinois) zunächst den späteren Pumpkins-Gitarristen James Yoshinobu Iha (geb. 26. März 1968 in Chicago, Illinois).
Die beiden lernen sich in dem Plattenladen kennen, in dem Corgan arbeitet. Der war gerade aus St. Petersburg, Florida zurückgekehrt, wo er die eher minder erfolgreiche Band The Marked betrieb. Gemeinsam entstehen erste Songs, als Einflüsse gelten damals The Cure und New Order. Bei einem Konzert lernt Corgan D'Arcy Elizabeth Wretzky (geb. 1. Mai 1968, South Haven, Michigan) kennen und lädt sie ein, den vakanten Bassposten bei den Pumpkins zu übernehmen.
Einen ersten Gig spielt das Trio am 10. August 1988 in einem Chicagoer Club. Zuvor traten Iha und Corgan schon zu zweit auf, anfangs spielt die Band mit Hilfe eines Drumcomputers - kein Dauerzustand - und so rekrutiert Corgan den Jazzdrummer James Joseph "Jimmy" Chamberlin (geb. 10. Juni 1964 in Joliet, Illinois), der erstmals bei einem Gig Anfang Oktober 1988 die Band komplettiert.
Chamberlin ist ein überaus begabter Schlagzeuger, der die musikalische Ausrichtung der Pumpkins nachhaltig beeinflussen soll. 1989 nimmt das Quartett erste Demos auf und ist auf einer Compilation mit lokalen Bands vertreten. Die erste Single, "I Am One", erscheint 1990 auf dem Chicagoer Label Limited Potential. Schon die zweite Single "Tristessa" kommt auf dem legendären Sub Pop-Label heraus.
Dennoch releast die Plattenfirma nicht das von Butch Vig (Nirvana, Garbage, Sonic Youth) produzierte Debütalbum "Gish": Es wird 1991 bei Caroline Records verlegt. Zu diesem Zeitpunkt sorgt Kontrollfreak Corgan das erste Mal für Reibungen innerhalb der Band. Er besteht darauf, alle Instrumente außer den Drums selbst einzuspielen.
Obwohl die Platte nur mäßig erfolgreich ist, bringt sie der Band Openerslots bei Größen wie den Red Hot Chili Peppers, Jane's Addiction oder Guns N'Roses ein. Obwohl sie sich immer gegen die Bezeichnung als Grungewehren, landen die Pumpkins in einer Schublade mit Bands wie Nirvana und Pearl Jam. Dabei ist der Sound der Chicagoer wesentlich eklektischer als der typisch rohe Grunge. Dennoch lässt sich der Vierer die Gelegenheit nicht entgehen, zum Soundtrack des Films "Singles", der in der Hauptsache dem Grunge zugeordneten Bands wie Soundgarden, Alice In Chains oder Mudhoney besteht, die Nummer "Drown" beizusteuern.
Im Winter 1992 ziehen die Pumpkins nach Atlanta, Georgia, um dort die Aufnahmen für "Siamese Dream" zu bewältigen. Wiederum produziert Butch Vig, und dieses Mal soll es klappen. Trotz des schwierigen Aufnahmeprozesses (Corgan versucht wiederum, so viel des kreativen Prozesses wie möglich an sich zu reißen) wird das zweite Album ein Erfolg. Künstlerisch wie kommerziell dringt die Platte mit seinen beiden Hitsingles "Today" und "Disarm" in den Alternative-Mainstream vor.
Die Platte erscheint im Sommer 1993, die Pumpkins profitieren jetzt definitiv vom Alternativerock-Boom, der nicht zuletzt von Nirvana ausgelöst wurde. Unabhängig davon gilt "Siamese Dreams" als ein Meisterwerk und ist eines der wichtigsten Alternative-Rock-Alben der Neunziger Jahre.
Im Sommer 1994 spielen die Smashing Pumpkins in der Headliner-Position beim Lollapalooza Festival. Im Oktober bringt die Band, mittlerweile bei Virgin Records unter Vertrag, mit "Pisces Iscariot" eine B-Seitensammlung heraus. Mit "Vieuphoria" erscheint ebenfalls ein Live-Video der Gruppe.
Im Herbst 1995 kommt das Mammutwerk, das Corgan und seine musikalischen Helfer von März bis August in Chicago aufgenommen hatten: "Mellon Collie And The Infinite Sadness". Das Doppel-Konzeptalbum mit den beiden Teilen "Dawn To Dusk" und "Twilight To Starlight" gilt als kreativer Höhepunkt ihres Schaffens. Produzenten sind diesmal Flood (The Jesus And Mary Chain, Nine Inch Nails, U2) und Alan Moulder (Depeche Mode, My Bloody Valentine).
"Mellon Collie And The Infinite Sadness" ("MCIS") steigt in den USA auf Platz eins der Charts ein. Es sollte das meistverkaufte Doppelalbum der Neunziger werden, erhält neun Mal Platin in den Staaten und bringt der Band 1997 sieben Grammy-Nominierungen ein. Allerdings gewinnt die Platte nur einen der Preise, den für die "Best Hard Rock Performance" für die Single "Bullet With Butterfly Wings", die auch hierzulande zum Hit wird.
Auch die anderen vier Singles, insbesondere "1979" und "Tonight, Tonight" landen in den Charts. Zu diesem Zeitpunkt rasiert sich Bandleader Billy Corgan die Haare ab, der Glatzkopflook steht fortan für die Kürbisse. Die Gruppe ist mittlerweile so populär, dass sie sogar einen Gastauftritt in der Folge "Homerpalooza" der Zeichentrickserie "Die Simpsons" bekommt.
Am 11. Juli 1996 nehmen Tour-Keyboarder Jonathan Melvoin und Jimmy Chamberlin in New York eine Überdosis Heroin. Melvoin stirbt noch im Hotel,Chamberlin, der zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre drogenabhängig war, fliegt aus der Band. Die Pumpkins sind nur noch zu dritt, Jimmy spielt kurze Zeit in Sebastian Bachs Band The Last Hard Men.
1997 Delektroide "Eye" untermalt David Lynchs "Lost Highway", das rockige "The End Is The Beginning Is The End" den Mainstream-Hit "Batman & Robin". Auch dieser Song bringt der Band einen Grammy ein, 1998 wiederum für Best Hard Rock Performance. An den Drums sitzt mittlerweile Matt Walker (vormals Filter, 2006 & 2007 Morrissey).
Das nächste Album der Band, "Adore", verarbeitet nicht nur den Tod Melvoins und die Abwesenheit Chamberlins, sondern auch die Scheidung Corgans von seiner Frau Chris Fabian sowie den Tod seiner Mutter. Die Musik klingt wesentlich düsterer als zuvor, gleichzeitig wendet sich die Gruppe einem deutlich elektroiden Sound zu. Die Drums kommen aus dem Computer oder werden von Sessionmusikern eingespielt.
Corgan, Iha und Wretzky kleiden sich, passend zum veränderten Sound, in der Folge in einem neuen Stil, der mitunter an Gothic-Mode erinnert. Obwohl "Adore", das im Sommer 1998 erscheint, gute Reviews erhält, floppt das Album kommerziell. Zumindest für Pumpkins-Standards. Im selben Sommer spielt die Band eine Tour, bei der sie die kompletten Einnahmen an lokale, wohltätige Einrichtungen spendet. Im Herbst spielen sie in Hamburg auf der Reeperbahn ein kostenloses Konzert unter freiem Himmel. Ebenfalls 1998 veröffentlicht James Iha sein Soloalbum "Let It Come Down", das allerdings nur mäßig erfolgreich ist.
Im Jahr 1999 rotiert das Besetzungskarussell: Anfang des Jahres geben die Pumpkins die Rückkehr ihres (Corgan: "unersetzlichen") Schlagzeugers bekannt - Anfang September muss die Fangemeinde den Abschied von D'Arcy hinnehmen. Vermutlich kam die Bassistin nicht mit dem Diktatorendenken von Billy Corgan zurecht, der die Platten der SP nach wie vor fast im Alleingang produziert.
Melissa Auf der Maur von Hole ersetzt D'Arcy, die jedoch noch am Aufnahmeprozess von "Machina/The Machines Of God" beteiligt ist. Das fünfte Studioalbum der Band wird im Pumpkinland eingespielt, dem Studio der Kürbisse, in dem schon ein Großteil von "MCIS" entstanden war. "Machina" erscheint im Frühjahr 2000.
Der Sound scheint nicht mehr ganz dem Geschmack der Zeit zu entsprechen, denn auch diese Scheibe verkauft sich nur mäßig. Obwohl sie musikalisch eine Rückkehr zum rockorientierten Sound bedeutet, wenn auch in einer softeren, mehr Synthesizer-gestützten Variante. Es dauert bis 2007, bis die Scheibe in den USA Gold-Ehren erfährt.
Im Mai 2000 gesteht Corgan ein, dass er bereits seit Monaten plant, die Band aufzulösen. Er habe schon länger das Gefühl, die Pumpkins seien "emotional, spirituell und musikalisch am Ende" sagt er in einem Radiointerview. Eigentlich habe er die Fans schon früher informieren wollen, doch dann habe er sich entschlossen, noch eine Weile zu warten, um den Erfolg von "Machina/The Machines Of God" nicht zu gefährden. Das Label zitiert einen ziemlich zynischen Corgan: "An der Band ist nichts falsch. Aber es ist hart, den Kampf gegen die Britneys dieser Welt aufrecht zu erhalten."
Die Smashing Pumpkins veröffentlichen noch ein weiteres Album, "Machina II/The Friends & Enemies Of Modern Music" - jedoch ohne ihr Label Virgin. Im Alleingang lässt die Band 25 Exemplare des Albums auf Vinyl pressen und verschickt sie an enge Freunde Corgans sowie einige Fanclubs mit der Aufgabe, die Songs als MP3-Files zum freien Download ins Web zu stellen.
Im Herbst begibt sich die Band auf eine ausführliche Abschiedstournee, am 2. Dezember gibt sie im Chicagoer Metro ihr letztes Konzert. An der gleichen Stelle, an der sie 1988 ihre Karriere als Viererband begonnen hat. Nach der Auflösung erscheint im Herbst 2001 die Best Of "Rotten Apples", der die B-Seitensammlung "Judas O" beiliegt.
Die Plattenfirma will offensichtlich noch von der Popularität der Band profitieren, die gesammelten Videos erscheinen auf DVD ebenso wie "Vieuphoria", das zeitgleich auch als CD unter dem Titel "Earphoria" auf den Markt geworfen wird. Corgan tourt derweil mit New Order und hilft ihnen bei den Aufnahmen zu deren Album "Get Ready".
Chamberlin und Corgan arbeiten auch nach dem Split zusammen. Sie gründen 2001 mit Gitarrist Matt Sweeney (Chavez, Skunk) Zwan. Sweeney holt David Pajo (Slint, Stereolab) als Basser an Bord. Mit der Rekrutierung von Paz Lenchantin (A Perfect Circle) für den Bass rückt Pajo an die Gitarre.
Zwan spielen zuerst einige Gigs als True Poets Of Zwan, nennen sich später Djali Zwan. In dieser Phase spielen sie hauptsächlich Akustikgigs. Im Januar 2003 erscheint das Album "Mary Star Of The Sea", doch schon im Sommer bricht die Band auseinander. Pajo und Lenchantin verlassen die Formation, im September gibt Corgan erneut eine Auflösung bekannt.
Der Workaholic kann aber nicht ganz ohne, und bringt 2004 mit "Blinking With Fists" eine Gedichtsammlung heraus, im Sommer 2005 erscheint sein Soloalbum "The Future Embrace", das allerdings untergeht. In den Jahren zuvor hatte Corgan schon als Produzent und Songwriter u.a. für Hole und für die Soundtracks zu "Ransom", "Stigmata" und "Spun" gearbeitet. Marilyn Manson berät er während der Aufnahmen zu "Mechanical Animals".
Neben Zwan unterhält Jimmy Chamberlin die Band The Jimmy Chamberlin Complex, das Trio (mit Billy Mohler und Gannin Arnold) veröffentlicht 2005 das Album "Life Begins Again". Hier ist auch Corgan als Sänger zu hören. James Iha tritt derweil A Perfect Circle, spielt auf "eMOTIVe" Gitarre und kümmert sich nebenbei noch um sein 1995 gegründetes Label Scratchie Records.
Im Interview mit laut.de deutet Corgan im Juni 2005 an, dass es zumindest vage Pläne gebe, einen Mitschnitt vom letzten Konzert der Pumpkins im Metro in Chicago als DVD zu veröffentlichen. Kurz darauf überrascht der Kürbiskopf - ausgerechnet in der Veröffentlichungswoche seines ersten Soloalbums - am 21. Juni 2005 mit einer Anzeige in der Chicago Tribune, in der er seine Pläne bekannt gibt, die Smashing Pumpkins wiederzubeleben.
Seine Smashing Pumpkins, wie Corgan zu verstehen gibt, ohne ein Wort über die anderen Bandmitglieder zu verlieren: "Ich will meine Band zurück, meine Songs und meinen Traum." Bevor der Traum konkrete Gestalt annimmt, gehen allerdings noch viele Monate ins Land.
Erst im April 2007 hat das Rätselraten um die Besetzung ein Ende. Ginger Reyes, Bassistin der eher unbekannten kalifornischen Poppunk-Band Halo Friendlies und Gitarrist Jeff Schroeder von der ebenfalls kalifornischen Lassie Foundation ersetzen Wretzky und Iha.
Weder das Comeback-Album "Zeitgeist" noch die anschließende Welttournee können annähernd an die erfolgreiche Zeit der Band in den 90ern anknüpfen. Corgan nimmts mit Humor und kommmentiert beim SP-Gastspiel in München die halbleere Olympiahalle: "Viele unserer Fans von damals müssen gestorben sein, ansonsten wären sie heute sicher hier. Ich kann ihre Geister spüren."
Die Besetzung der neuen Pumpkins bleibt ein ewiges Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Nie scheint Corgan zur Ruhe zu kommen, fast jedes Jahr gibt es Änderungen. 2009 trennt er sich erneut vom letzten Ur-Pumpkin Chamberlin. In einem Casting setzt sich der talentierte Drummer Mike Byrne durch - bei seinem Einstieg gerade einmal 19 Jahre alt.
Ab Dezember 2009 gehen die Smashing Pumpkins ungewöhnliche Wege der Veröffentlichung. Nach und nach stellen sie Songs zum Gratis-Download auf ihre Bandseite. Am Ende bilden diese das Album "Teargarden By Kaleidyscope". Nach ausbleibendem Erfolg veröffentlichen sie 2012 auf klassische Weise "Oceania". Ein Zyklus innerhalb des Zyklus.
Seine Band, seinen Traum und seine Songs hält Billy Corgan mit wechselnder Crew weiterhin am Leben. Somit ist er noch weit von einem geruhsamen Popstar-Lebensabend entfernt, wie ihn beispielsweise seine alte Kollegin D'Arcy genießt. Die ehemalige Bassistin lebt in einer Kleinstadt in Michigan, wo sie einige Antiquitätenläden und eine Pferdefarm unterhält.
Warum Corgan sich der Elektronik zuwendet, und warum die Pumpkins die Dunkelheit waren und Zwan das Licht.
Billy Corgan, Ex Ober-Kürbis, Ex Zwan-Vorsteher, Buch-Autor und Solomusiker sprach mit uns über sein Solo-Album und Robert Smith' Begeisterung für die Bee Gees. Weitere Themen: Warum Rockmusik Stärke bis zur Ekstase fordert, warum es keine Nirvana der gegenwärtigen Generation gibt, und wie Billy einmal einem echten Sheriff unterlag. Auf die Smashing Pumpkins-Reunion, die Corgan kurz nach diesem Interview ankündigt, gibt er hier noch wenig Hinweise: Zwar spricht er sehr positiv über die berühmte Band, zu seinen ehemaligen Mitstreitern hat er aber, abgesehen von Schlagzeuger Jimmy Chamberlin, keinerlei Kontakt. Hallo, Billy.
Hi, wie geht's? Gut, danke. Und dir? Ich bin so müde … Das ist das allerletzte Interview, bevor ich Europa wieder verlasse ...
Okay …
Aber ich werde versuchen, nett und höflich zu sein ... Ich hoffe, du bist noch etwas motiviert?
Ja, aber ich war die halbe Nacht wach, ich fühle mich etwas schräg.
Du bist seit gestern Hamburg. Nur wegen den Promoterminen, oder verbindest du etwas mit der Stadt? Oh, ich bin nur hier, um ein paar Interviews zu geben. Und gestern Abend haben wir uns mit einigen Fans getroffen.
Ich habe gelesen, dass du vor einigen Tagen in Paris warst und mit Leuten vor Sacre Coeur gesessen und Songs gesungen hast.
Ja, das war nett. Gestern Abend war es etwas anders, wir haben keine Songs gespielt ...
Wie fühlt sich das für dich an, deine Fans heutzutage zu treffen? Hat sich für dich etwas verändert, sagen wir, in den letzten 15 Jahren, wenn du mit Fans zusammenkommst? Hmm, Ich denke die Fans kennen mich heutzutage etwas besser. Ich glaube, ich bin für sie nicht einfach nur der Typ aus der Band, ich glaube, sie haben eine persönlichere Verbindung mit mir. Ich finde das positiv.
Und für dich ist das okay, wenn sie dir auf der Straße begegnen und sagen, "Hey, bist du das?"
Die Leute kommen die ganze Zeit auf mich zu. Sie sagen "Hallo" und wir sprechen über die Band. Das ist prima.
Ich habe dein Solo-Album gestern bekommen und es mir ein paarmal angehört. Und ich muss sagen, dass ich etwas überrascht war, weil ich im Internet gelesen hatte, dass du in Chicago akustische Gigs gespielt hast und Songs über Chicago geschrieben hast. Also ging ich davon aus, deine neue CD würde mehr in die akustische und ruhigere Richtung gehen.
Das war irgendwie eine Falschinfo. Ich hab nie behauptet, das nächste Album wäre ...
Nein, nein! Ich dachte nur ...
Nein, du kannst nichts dafür, aber so entsteht halt dieser Eindruck. Es stimmt schon, ich habe eine akustische Platte gemacht, hatte aber nicht vor, sie zu veröffentlichen.
Warum hast du dich also entschieden, mehr in die Electronic/Rock-Richtung zu gehen?
Ich würde das nicht als Electronic/Rock bezeichnen.
Gut, nicht Electronic/Rock. Für mich klingt es ein bisschen nach Joy Division, The Cure oder New Order. Und manchmal klingt es - ehrlich gesagt - ziemlich kalt. War das etwas, was du schon immer mal machen wolltest?
Hmm, wie sage ich das am besten. Ich verstehe zwar, was du meinst, aber das heißt nicht, dass ich dem auch zustimme. Deswegen weiß ich nicht, wie ich deine Frage jetzt beantworten soll. Ich sage nicht, dass deine Meinung falsch ist. Es ist nur so, dass ich nicht so über die Platte denke.
An welchem Punkt wusstest du, welche Art von Platte du machen willst?
Die ersten vier Monate habe ich damit verbracht, mit verschiedenen Sounds und Texturen herum zu experimentieren und nach etwas zu suchen, von dem ich dachte, es wäre eine neue Herangehensweise an Rock. Auf eine Art ist das Ganze sehr zerbrechlich. Weil es neu ist, ist es nicht unbedingt leicht zu behalten. Und es basiert teilweise schon auf Bands, die ich mag, und Joy Division gehört dazu. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass das Endergebnis die gleiche Art von Musik ist. Der Rhythmus und die Textur erinnern vielleicht daran. Es ist einfach ein anderer Ansatz. Aber ich hab nicht versucht zu sagen, oh, ich liebe diese Bands, meine Platte soll genau so klingen.
Nein, das habe ich auch nicht behauptet. Ich dachte nur: jeder weiß, dass du diese Bands magst, und einige Momente erinnern mich halt daran.
Ja, sicher. Ich habe diese Momente ja auch drinnen gelassen. Ich hab nicht versucht, sie zu kaschieren.
Als du die Songs für "The Future Embrace" geschrieben hast, war das Schreiben anders als für die Pumpkins oder für Zwan?
Ja, komplett anders.
Wie schreibst du einen Song? Was beeinflusst dich dabei?
Ich versuche einfach, von einem anderen, einem intuitiven Standpunkt aus zu schreiben. Wenn ich in einer Band bin, versuche ich normalerweise für die "Band-Maschine" zu schreiben. Wohingegen ich diese Songs zu meiner eigenen Unterhaltung geschrieben habe, darüber, was mich interessiert hat, und das ist eine Kombination aus Starkem und Schwachem. Bei Rock geht es hauptsächlich um Stärke, die sich bis hin zur Ekstase steigert, diese Hochs. Ist das irgendwie halbwegs verständlich?
Was erwartest du dir vom neuen Album? Was glaubst du, wie es aufgenommen wird? Oder spielt das für dich keine Rolle mehr?
Als ich jetzt nach Europa geflogen bin, habe ich mit einer Art gemischten Reaktion gerechnet, vielleicht sogar einer eher negativen, weil mir das früher auch schon passiert ist. Und ich war überrascht zu sehen, dass die Reaktion überwältigend positiv war. Die Platte, die Richtung, das Feeling scheint den Leuten zu gefallen. Für mich war das ein großer Schock.
Hoffentlich im positiven Sinne.
Jaja, sicher, im positiven!
Als ich es mir nämlich das erste Mal angehört habe, dachte ich, ich weiß nicht ... Aber ich muss sagen, dass es mit jedem Anhören wächst. Und jetzt gefallen mir die meisten Songs.
Danke schön.
Du hast einen Song von den Bee Gees gecovert, und ihn mit Robert Smith aufgenommen. Warum ausgerechnet Robert Smith für ein Bee Gees-Cover?
Naja, das war nicht ganz so! Ich habe Robert vorgeschlagen, diesen Song zusammen mit mir aufzunehmen. Ich habe diesen Bee Gees-Song für das Album aufgenommen, weil ich ihn so toll fand. Und als ich mir die ganzen Songs noch mal angeschaut habe, überlegte ich, welcher davon für Robert am besten geeignet wäre. Und meiner Meinung nach war das der Song von den Bee Gees, also habe ich ihn angerufen und gemeint, ich möchte, dass du an diesem Song arbeitest. Und er: "Bist du sicher, die Bee Gees?" Ich meinte, hör ihn dir einfach nur an und sag, wie du ihn findest. Er hat mich dann zurückgerufen und gesagt, dass er ihn wirklich toll findet und ihn machen wird. So der ungefähre Ablauf.
Ist er zu dir rübergeflogen, oder hat er ihn in London aufgenommen?
Er hat ihn einfach in London aufgenommen, ja.
Okay. Dann hast du mit Bon Harris, Brian Liesegang, Matt Walker und anderen gearbeitet. Sind diese ganzen Leute dann auch bei deiner Band dabei, wenn du jetzt live spielst?
Ich weiß noch nicht, wer bei der Live-Band dabei sein wird. Ich denke noch darüber nach. Ich habe diese Konzerte angesetzt, aber ich weiß nicht, wer auftauchen wird, um mit mir zusammen zu spielen. Aber: Es wird großartig werden. Das kann ich versprechen.
In Deutschland wird Bon Harris immer noch mit seiner früheren Band Nitzer Ebb in Verbindung gebracht und weniger als Rock-/Musikproduzent gesehen. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm für dich?
Naja, ich habe mit Bon zum ersten Mal 1997-1998 zusammen gearbeitet, damals an "Adore", dem vierten Album der Pumpkins. Und dann habe ich mit ihm noch am Soundrack für den Film "Stigmata" zusammen gearbeitet. Also war das jetzt schon das dritte Mal. Er ist ein sehr guter Freund von mir und ich vertraue ihm blind. Er arbeitet genau so hart wie ich. Er geht einfach hin und macht. Er kann das wirklich gut. Ich kann ihm einfach sagen, ich brauche das und das, und er macht dann genau das.
Ich habe eine andere Frage zu der Entwicklung der Songs, die du schreibst. Du hast mit Rock angefangen, und jetzt geht das Ganze in eine deutlich elektronischere Richtung. Ist das für dich eine normale Weiterentwicklung? Ich habe den Eindruck, viele Leute, die ursprünglich Rock gemacht haben, gehen in eine mehr elektronische Richtung. Ich denke z.B. an John Frusciante, der diesen Weg geht.
Ich kann nicht wirklich für die Entwicklung anderer Leute sprechen. Meine Entwicklung und mein Interesse an elektronischer Musik hat eher damit zu tun, einen anderen Zugang zur Gitarre zu bekommen. Der normale Ansatz wird irgendwann langweilig. Laute Rockgitarren sind heutzutage kein Mittel zur Zerstörung mehr. Es ist mehr ein Marketing-Tool. Deshalb suche ich nach neuen Wegen, Emotionen zu erzeugen. Das ist genau das, was ich tue. Und was das Seltsame daran ist - die Leute scheinen mehr darauf zu achten, woher der Sound kommt, als darauf, ob sie ihn mögen oder nicht. Es ist, als würdest du zu einem Maler sagen, "Warum benutzt du blaue Farbe statt roter?" Das Wichtige ist einfach, dass es eine emotionale Reaktion hervorruft.
Auf eine Art und Weise ist es sehr einfach, auf eine andere wieder sehr schwierig. Wenn du als Hörer sagst "Das ist wirklich cool", dann funktioniert es. Wenn du aber sagst, "Ich mag das nicht, ich vermisse wirklich die Energie der Band" - und das tun einige Leute - dann funktioniert es nicht. Es liegt wirklich im Auge des Betrachters. Ich mache das wirklich, um in meiner Entwicklung weiterzukommen. Ich mache es nicht, weil ich elektronische Musik machen will oder weil ich ein Statement über elektronische Musik machen will oder ein Statement gegen Gitarrenrock, absolut nicht.
Kannst du dir vorstellen, irgendwann wieder eine Rock-Platte aufzunehmen?
Ja.
Ich dachte, du würdest eher noch experimenteller werden? Oh nein. Das was ich jetzt mache, mache ich, weil ich lernen will, wie ich ein besserer Rockmusiker werden kann. Ich bin noch immer eine der Personen, die Rock spielen. Nur weil ich mich für ein Jahr von Rockmusik abwende, bedeutet das nicht, dass ich ein Verräter bin, oder dass es mir egal ist. Ich liebe Rockmusik mehr als irgendjemand anderen. Aber ich bin auch der erste, der sagt, "okay, langsam wird es langweilig."
Was hältst du eigentlich von den neuen Rock-Bands wie den Strokes, den White Stripes und den ganzen anderen?
Ich denke, da ist eine Menge positive Energie drin. Ich denke, die normalen Leute auf der Straße warten noch immer auf die nächste große Band. Warum hat gerade diese Generation keine Band wie Led Zeppelin oder Nirvana? Das ist irgendwie rätselhaft.
Das stimmt. Was für Musik hörst du eigentlich im Moment? Und beeinflusst sie dich?
Ich höre in der letzten Zeit viel Glenn Gould. Kennst du den? Dieser Pianist ...
Und sonst?
AC/DC.
AC/DC? Okay. Also keine neuen Künstler, die dich vom Hocker hauen würden?
Nein, aber das heißt nicht, dass es keine geben würde. Ich kenne sie nur nicht.
Wie steht es mit elektronischer Musik? Hörst du dir so was auch an?
Nein.
Überhaupt nicht? Okay. Kann ich dich auch was über die Pumpkins oder Zwan fragen?
Ja, sicher.
Bei den Pumpkins war der Sound der meisten Songs trist oder deprimiert oder wütend. Bei Zwan schob sich das dann in eine wesentlich fröhlichere Richtung. War das um mit deiner Vergangenheit zu brechen oder ist es einfach passiert?
Hmm, ich stimme wiederum der Grundaussage nicht zu. Ich glaube Zwan war dunkler, als die meisten Leute gedacht haben, und die Pumpkins waren viel sonniger, als die meisten glauben. Aber okay, sagen wir ich stimme der Voraussetzung zu, dass die Pumpkins die Dunkelheit waren und Zwan das Licht. Ich denke man tut in jedem Moment genau das, woran man glaubt. Und du nimmst die Energie der Leute um dich herum. Und daraus machst du Musik. Die Pumpkins waren eine "very heavy karma band". Die Pumpkins hatten sehr große und sehr dunkle Wolken über sich. Und wir haben aus diesen Wolken etwas Wunderschönes, Gigantisches und Zwingendes gemacht. Offensichtlich haben das sehr sehr viele Leute gemocht. Zwan war eher etwas Unbeschwertes. Mehr wie eine Band, die zusammen rumhängt und zusammen was trinken geht. Es war nicht das ernste "Wir wollen die Welt verändern"-Ding und ich denke, die Musik spiegelte das wieder. Das verbindende Element zwischen den Pumpkins, Zwan und Billy Corgan solo ist vielleicht das, dass mir jedesmal eine Rolle angedichtet wird, die ich nicht bin. Vielleicht jetzt, wo ich 38 bin, hören die Leute auf mir zu erzählen, wer ich bin und akzeptieren einfach, dass ich ein normaler Mensch mit verschiedenen Stimmungen und Zielen bin.
Ja, klar.
Du sagst "klar", aber ich hab jetzt ca. vierzig Interviews gegeben, wo mich alle gefragt haben: "Wer bist du? Warum machst du das?" I'm just joking.
Du hast mit Jimmy Chamberlin zusammen gearbeitet und bist auch bei seinem Album dabei. Hast du zu den anderen noch Kontakt?
Ohja, Jimmy ist eigentlich mein bester Freund.
Und was ist mit den anderen früheren Bandkollegen?
Nö.
Überhaupt nicht?
Nö.
Na gut, dann eine andere Frage, und zwar zum letzten Konzert der Pumpkins im Metro in Chicago. Es gab da Gerüchte, dass es veröffentlicht werden soll? Gibt es ein konkretes Datum?
Ja, es gibt viele Gerüchte.
Oder wird es überhaupt nicht veröffentlicht?
Doch. Irgendwann zwischen jetzt und dem nächsten Jahrtausend.
Ähm, okay, ich freu mich drauf ... Ich hab gesehen, dass du deine eigene Webseite hast, ein Weblog bei myspace ... Du scheinst recht angetan von den Möglichkeiten zu sein, die dir das Internet bietet.
Das wird sich zeigen. Ich meine, das ist ein Experiment. Ob sich die Mühen lohnen wird sich zeigen, im Laufe der Zeit.
Okay, aber hättest du dir diese Möglichkeit nicht schon früher gewünscht, so direkt mit den Fans kommunizieren zu können?
Oh nein! Ich denke nicht, dass ich damit hätte umgehen können. Ich denke, heutzutage bin ich weit genug, um unterscheiden zu können, was daran gut ist und schlecht. Aber damals - nein. Du hast einen Gedichtband herausgebracht und er wurde von den Leuten positiv aufgenommen. Wirst du mehr schreiben?
Oh ja! Ich bin wirklich glücklich, denn ich bin beim angesehendsten Lyrikverlagshaus in den Staaten untergekommen. Wir kommen sehr gut miteinander aus, und sie wollen, dass ich mehr Bücher schreibe, was großartig ist.
Meine letzte Frage: Die Chicago Tribune hat eine Umfrage gestartet "Wer ist der ultimative Chicagoer?" Und du bist nur auf dem zweiten Platz gelandet!
Yeah, ich habe gegen einen Sheriff verloren! Ich kenne diesen Sheriff nicht mal, ich habe keine Ahnung, wer er ist! Ich habe nie von ihm gehört!
Das Interview führte Stefan Friedrich
Teargarden By Kaleidyscope (2009)
Vieuphoria (2002)
Greatest Hits (2001)
Mellon Collie And The Infinite Sadness (1995), Pisces Iscariot (1994), Siamese Dream (1993), Gish (1991)
| Do | 20.06.2013 | Smashing Pumpkins Köln (Live Music Hall) | |
| Fr | 21.06.2013 | Smashing Pumpkins Hurricane Festival (Scheeßel) | |
| Sa | 22.06.2013 | Smashing Pumpkins Southside Festival (Neuhausen ob Eck) | |
| Do | 18.07.2013 | Smashing Pumpkins CH-Gurten Festival (Bern) | |
| So | 21.07.2013 | Smashing Pumpkins B-Dour Festival (Dour) |
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24.07.07, 01:42 fatalyti |
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