Porträt

laut.de-Biographie

Pearl Jam

Am Anfang steht ein tragischer Todesfall: Andrew Wood, Sänger der Band Mother Love Bone, der auch Stone Gossard (geboren am 20. Juli 1965) und Jeff Ament (10. März 1963) angehören, stirbt 1990 an einer Überdosis Heroin. Der Tod des Sängers bedeutet das Ende der Band. Dabei war der Erfolg der Truppe gerade ein wenig ins Rollen gekommen: Man landet dank Gene Simmons von Kiss mit einem Video bei MTV und hat einen Deal mit einem Majorlabel in Aussicht.

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Woods Zimmergenosse, Soundgarden-Sänger Chris Cornell, nimmt daraufhin einige Songs über diesen Verlust als Tribut für Wood auf. Das Projekt mündet in einem Album: "Temple Of The Dog". Hier stößt Mike McCready (5. April 1966) zu Ament und Gossard. Ihre Musik gelangt wiederum über ein Demo in die Hände des kalifornischen Tankwarts Eddie Vedder (23. Dezember 1964). Dieser ersinnt einige Vocalspuren, mixt sie über die Musik und schickt das neue Tape an die Band zurück. Ament, Gossard und McCready zeigen sich beeindruckt und gründen mit dem zu diesem Zweck nach Seattle übersiedelnden Vedder nach zwei Namensänderungen die Band Pearl Jam.

Ihr auf Epic erscheinendes Debütalbum "Ten", das die halbe Welt als Rückkehr der Gitarre feiert, trifft im Jahr 1992 haargenau den Zeitgeist. Das Werk verkauft sich bis zum Jahr 2002 weltweit neun Millionen Mal. "Alive", "Even Flow" und "Once" hört man wochenlang auf jeder Radiostation. "Jeremy" gewinnt Preise bei den MTV Video Awards und die Band tritt im Hollywood-Blockbuster "Singles" als Band von Film-Grunger Matt Dillon auf. Bald gehören Pearl Jam mit ihren emotionsgeladenen Auftritten zu den erfolgreichsten Rockcombos der westlichen Welt, was ihnen ein Jahr später zum Verhängnis wird: Als sich Kurt Cobain erschießt, ist Vedder für die Weltpresse plötzlich der alleinige, noch lebende Heilige des zum Kult avancierten Seattle-Sounds.

Die Band reagiert mit medialer Abschottung. Ab dem zweiten Album "Vs." beschließt man, keine Videoclips mehr zu drehen. Interviews sind rar, und die einzigen Schlagzeilen verursachen von nun an ausgefallene Konzerte, weil Pearl Jam die Preispolitik der US-Monopolisten von Ticketmaster nicht akzeptieren. 1993 gehen sie mit Neil Young auf Tour, zwei Jahre später nehmen sie mit dem Altmeister das Album "Mirrorball" auf. 1994, nach dem kommerziell erfolgreichen "Vitalogy"-Album, verlässt Drummer Dave Abbruzzese die Band. Ihn ersetzt der ehemalige Chili Pepper Jack Irons.

Pearl Jam - Lightning Bolt
Pearl Jam Lightning Bolt
Still alive und unterwegs zu neuen Höhen.
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Nebenbei pflegen einige Bandmitglieder fleißig ihre Zweitprojekte (Brad, Three Fish, Mad Season), die wohl auch dafür sorgen, dass die Musik von Pearl Jam im Laufe der Zeit etwas ruhiger wird. Auf "No Code" treten die Amis 1996 erstmals auf die Bremse. Nur noch Punkfeger wie "Habit" oder "Lukin" erinnern an die früheren, harten PJ-Momente. Der wieder rockigere Nachfolger "Yield!" von 1998 gilt dagegen allgemein als Flop. Zwar schaffen es Pearl Jam in den USA damit auf Rang 2, weltweit gesehen bleibt das Werk aber hinter den Erwartungen zurück. An den Drums gibt es erneut einen Besetzungswechsel: Matt Cameron ersetzt den scheidenden Jack Irons, und kommt somit auf dem 98er Livealbum "Live On Two Legs" zu seinem ersten Pearl Jam-Tonträgereinsatz.

Ungewohnte Chartehren feiern die Jungs aus Seattle 1999 mit der Coverversion von Wayne Cochrans Song "Last Kiss", der zunächst nur für Fanclub-Mitglieder des Ten Clubs erhältlich ist, später aber als Single erscheint. Ein Jahr darauf veröffentlichen Vedder und Co. innerhalb weniger Monate uneigennützig Livemitschnitte der "Binaural"-Tour, insgesamt über 70 CDs mit ca. 142 Stunden Musik. Plötzlich steigen fünf PJ-Alben gleichzeitig in die amerikanischen Billboard-Charts ein: Das hat es vorher noch nie gegeben. Das einzige Konzert der Tour, dessen Mitschnitt nicht veröffentlicht wird, ist der Unglücks-Gig vom Roskilde Festival, bei dem Ende Juni 2000 neun Menschen zu Tode getrampelt werden.

Im Herbst 2001 macht Gitarrist Stone Gossard abseits seines Nebenprojekts Brad mit dem ersten Solowerk "Babyleaf" (Epic) von sich reden. Das hört sich dann - wen wunderts - ein bisschen nach der Hauptband an, lässt aber auch Gossards Vorlieben an Stoner Rock durchklingen. Das siebte Studioalbum "Riot Act" sowie die Single "I Am Mine" bringt das Quintett 2002 nach dem erneut nur mäßig erfolgreichen Vorgängeralbum zurück in die Schlagzeilen.

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Mike McCready über die Wirkung von deutschem Bier, Woodstock und Twitter.

Vedder betont zwar, dass das neue Album kein Statement zur 9/11-Tragödie darstellt, dennoch darf man es als musikalisch friedvollstes Werk ihrer Karriere ansehen. Dass die Plattenverkäufe nicht mehr alten Kategorien gerecht werden, kümmert die Band wenig und sie will dies auch nicht aus eigener Kraft ändern: "Wir könnten wohl schon wie U2 zwei Jahre lang auf Tour gehen, sämtliche Award-Shows mitnehmen und auch noch Super Bowl", sinniert Basser Ament 2002 in einem Interview mit USA Today, "aber das wäre es wahrscheinlich nicht wert. Wir mögen die Vorstellung, eine kleine Band zu haben und ein ausgeglichenes Leben zu führen".

Im Sommer 2004 erscheint mit "Benaroya Hall October 22nd 2003" erstmals in der Karriere Pearl Jams ein Akustik-Livealbum, aufgenommen in der Heimatstadt Seattle. Unter den 24 Songs befinden sich auch Coverversionen von Johnny Cash, den Ramones und Bob Dylan.

Das Jahr ist noch nicht zu Ende, da steht auf einmal die mit "Rearviewmirror (Greatest Hits 1991-2003)" betitelte erste Best Of von Pearl Jam in den Läden. Eigentlich sind Pearl Jam ja keine Single-Band, und gerade deshalb ist es etwas vermessen, von einer Sammlung von Hits zu sprechen. Die Einheit der Songs im Album-Kontext machte immer das Besondere der PJ-Alben aus. Abgesehen von der Anfangsphase mit Krachern wie "Alive", "Jeremy" oder "Even Flow" konnte sich kaum ein Track oben in den Charts platzieren. Angereichert mit B-Seiten und neuen Mixes alter Sachen bietet "Rearviewmirror" trotzdem einen guten Querschnitt der Pearl Jam-Karriere.

Ihr achtes, selbstbetiteltes Studioalbum nehmen Pearl Jam mit Soundgarden-Produzent Adam Kasper auf. Im Mai 2006 kommt die Scheibe, mit der die Band nach eigener Aussage mal wieder einen größeren kommerziellen Erfolg einfahren will, in die Läden. In Maßen gelingt das auch: "Pearl Jam" verkauft sich weltweit besser als der Vorgänger "Riot Act", bleibt aber hinter den Verkaufszahlen von "Binaural" (2000) zurück.

In den Folgejahren bleibt die Band ihrer Liebe zu Live-Alben treu und versammelt sich hin und wieder zur Freude ihrer treuen Fans für neues Material im heimischen Bandstudio. Auch Soloausflüge ihres Frontmanns Vedder ("Into The Wild") entzweien die Harmonie nicht. Als Belohnung erlebt die Grunge-Ikone im Jahr 2011 ihr 20. Bandjubiläum und feiert dies im großen Stile mit einem Geburtstagskonzert (u.a. mit The Strokes, Queens Of The Stone Age, Mudhoney), einem Livealbum ("Twenty - Original Soundtrack") und einer von Cameron Crowe festgehaltenen Film-Dokumentation ("Twenty").

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Pearl Jam - Twenty: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2011 Twenty

Kritik von Michael Schuh

Seattle, Grunge, Ticketmaster, Roskilde, George Bush: Eine Reise von "Ten" bis Twenty". (0 Kommentare)

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Headliner beim Southside 2007 Schnelle Songs und Massenandrang am Festival-Samstag auf der Schwäbischen Alb.

Schnelle Songs und Massenandrang am Festival-Samstag auf der Schwäbischen Alb., Headliner beim Southside 2007 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Schnelle Songs und Massenandrang am Festival-Samstag auf der Schwäbischen Alb., Headliner beim Southside 2007 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Schnelle Songs und Massenandrang am Festival-Samstag auf der Schwäbischen Alb., Headliner beim Southside 2007 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Schnelle Songs und Massenandrang am Festival-Samstag auf der Schwäbischen Alb., Headliner beim Southside 2007 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade)
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