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In der Schundpresse gelten sie als skandalträchtigste Band aller Zeiten, für viele Metal-Fans sind sie dagegen nur Poser, die kaum ihre Instrumente in den Händen halten können. So oder so gehören Mötley Crüe zu den schillerndsten musikalischen Vertretern der 80er Jahre.
Als Sänger Vince Neil, Drummer Tommy Lee, Gitarrist Mick Mars und Basser Nikki Sixx 1981 in Los Angeles zusammen kommen, haben sie nur eines in Kopf: Sich mit Sex, Drugs und Rock'n'Roll durchzuschlagen. Nikki, der mit bürgelichem Namen Frank Ferrano heißt, trifft in L.A. auf Tommy Lee Bass, der zu der Zeit den Spitznamen T-Bone trägt, weil er kaum Fleisch auf den Knochen hat. Als nächstes stoßen sie auf den Gitarristen Robert Alan Deal, der seinen Namen bald in Mick Mars ändert. Auf der Suche nach einem Rhythmusgitarristen stoplern sie schließlich über Vince Neil Wharton, der als Sänger perfekt zu dem Trio passt und schon wenig später spielen sie ihren ersten Gig im Vorprogramm von Y&T.
Bereits in den ersten Monaten nach der Gründung machen sie mit extremer Partyleidenschaft und bunten Kostümierungen auf sich aufmerksam. Ihrem Bandnamen, einer Abweichung von 'Motley Crew', zu deutsch 'bunter Haufen"' fügen sie noch Umlaute hinzu, weil sie Löwenbräu als ihr Lieblingsbier betrachten. Für 6000 Dollar nehmen sie ihr Debüt "Too Fast For Love" (1981) auf. Zunächst nur bei ihren Auftritten erhältlich, unterschreiben sie 1982 einen offiziellen Plattenvertrag bei Elektra. Schon zu der Zeit fahren sie ihre erste Headlinertour durch Kanada, spielen dort aber hauptsächlich in kleineren Clubs und Schwulenbars. Doch schon mit ihrem Zweitling "Shout At The Devil" gelingt ihnen 1983 der Durchbruch, der ihnen große Konzerte in Kalifornien, eine Australien-Tour als Vorband von Kiss und eine US-Tour mit Ozzy Osbourne einbringt.
Auch Europa kommt langsam in den Genuss der Band; im Vorprogramm von Iron Maiden verbraucht das Quartett so manche Dose Haarspray. Doch kein Erfolg ohne Skandal, lautet ihre Devise. Erst kritisiert ein 'Committee On Pornography In Rock Music' des US-Senats die Band wegen gewaltverherrlichender und frauenfeindlicher Texte. Dann knallt ein verkokster, nackter Sixx mit seinen Porsche gegen einen Masten. Schließlich baut Neil einen wüsten Unfall, als er besoffen in ein anderes Auto fährt. Sein Beifahrer Razzle - Schlagzeuger von Hanoi Rocks - stirbt, die Insassen des beteiligten Fahrzeugs kommen mit lebensgefährlichen Verletzungen davon.
Anstatt für Ewigkeiten in den Bau zu fahren, muss Neil gerade einmal 30 Tage absitzen, 200 Stunden Sozialdienst leisten und 2,6 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Nachdem sich Neil einer Therapie unterzieht, geht das kollektive Saufen aber fröhlich weiter. Zwar ist "Theater Of Pain" (1985) dem verstorbenen Freund gewidmet, am Lebensstil der Party Animals ändert sich aber nichts. Auf den anschließenden Touren (u.a. mit Cheap Trick) kommt zum ersten Mal der seitdem bekannte Drumriser der Band zum Einsatz, der Tommy Lee während seines Drumsolos einmal quer durch die Luft schwenkt und dabei sogar kopfüber spielen kann.
Nachdem Lee im Mai '86 Heather Locklear heiratet, findet Neil auch endlich die Zeit seine 30 Tage Knast abzusitzen, von denen er aber nur 18 tatsächlich hinter Schwedischen Gardinen verbringt. Auf "Girls, Girls, Girls" (1987) findet die Crüe wieder zu ihrer alten Thematik zurück, zeigen sich aber deutlich härter. Das Album erreicht Nummer zwei in den US-Charts und muss sich nur Whitney Houston geschlagen geben.
Für die Tour verpflichtet das Quartett zunächst Whitesnake und etwas später Guns N'Roses als Opener. Bei einem drogenreichen Abend in Slashs Hotelzimmer erliegt Sixx während der Japan-Tour beinahe einer Überdosis Heroin - wie in "Pulp Fiction" rettet ihn eine Adrenalinspritze ins Herz. Der Bassist war aber laut eigenen Aussagen schon zwei Minuten in Valhalla und legte dort wohl ein paar Walküren flach. Elektra stellt die Band daraufhin vor die Wahl, zu entziehen oder ohne Vertrag da zu stehen. Sie entscheidet sich für die erste Option.
Im Sommer 1989 spielen sie mit Bon Jovi, Ozzy Osbourne, Skid Row und den Scorpions vor 100.000 Zuschauern in Moskau. Der Liveübertragung im Fernsehen sollen sogar eine Milliarde Menschen beiwohnen. Die globale Aufmerksamkeit trägt Früchte: Das wenig später veröffentlichte Album "Dr. Feelgood" erreicht die Nr.1 in den US-Charts und verkauft sich im Heimatland über drei Millionen Mal.
Auf dem Album sind neben Bryan Adams, Steven Tyler und Skid Row noch einige andere Gäste vertreten. Die sich anschließende Mammut-Tour rund um die Welt ist beinahe komplett ausverkauft. Sowohl Mick, als auch Nikki heiraten 1990 und nachdem die Best-Of "A Decade Of Decadence" erscheint, geht es an neues Material. Allerdings nicht ohne Probleme, denn Neil verfällt erneut dem Alkohol und interessiert sich eher für Autorennen als für Musik. Die Band feuert ihn und holt John Corabi als Ersatzmann. Das Ergebnis "Mötley Crüe" (1994) ist zwar ihre bsi dato teuerste Produktion, verkauft sich aber spärlich, wie auch die Eintrittskarten zur Tour.
Neil macht derweil solo weiter und holt sich für seine Band den ehemaligen Billy Idol-Klampfer Steve Stevens, sowie den Ex-Ozzy Osbourne-Basser Phil Soussan. Das Debüt der Vince Neil Band verkauft sich noch ganz anständig, jedoch sieht es mit den darauf folgenden Veröffentlichungen nicht ganz so rosig aus. Nachdem Corabi bei Mötley Crüe wieder seinen Hut nehmen muss, startet er zusammen mit dem ehemaligen Kiss-Gitarristen Bruce Kulick die Band Union. Da all das nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist, holen sich Mötley Crüe Vince wieder zurück in die Band.
Zwischenzeitlich gelingt es einzig Schlagzeuger Lee weiterhin für Schlagzeilen zu sorgen. Seine Eskapaden sind so berühmt wie die Mick Jaggers, seine Hochzeit und Streitereien mit Bay Watch-Silikonbusen Pamela Anderson beherrschen jahrelang die Gazetten aller Welt. Ein Video, das die beiden beim Sex am Pool zeigt sorgt für Überlastung so manch einer Internet-Leitung. Dagegen macht eine Kinderfeier in Lees Villa 2001 traurige Schlagzeilen, als der Sohn der deutschen Schauspielerin Ursula Karven im Pool ertrinkt. Ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung endet mit einem Freispruch.
Weit weniger glamourös gestalten sich dagegen die Aktivitäten um Mötley Crües. Zwar kehrt Neil 1997 zurück; nach dem Album "Generation Swine" und einer Tour (teilweise als Opener für Type O Negative), die von Randalen und Streitereien bestimmt ist, schmeißt Lee aber das Handtuch. Während er die Metal Rap-Band Methods Of Mayhem gründet und mit dem gleichnamigen Album 2000 einen großen Erfolg landet, verpflichtet seine Ex-Band den ehemaligen Ozzy Osbourne-Schlagzeuger Randy Castillo. Mit ihrem gemeinsamen Studiowerk "New Tattoo" (2000) landen sie aber einen Flop und auch die Tour mit Megadeth und Anthrax ist nicht der erwartete Erfolg. Nach der Veröffentlichung der lesenswerten Autobiografie "The Dirt" (2001) und dem Krebstod Castillos 2002 lösen sich Mötley Crüe faktisch auf.
Danech beschäftigt sich der tätowierte Schlagzeuger Lee wieder hauptsächlich mit dem anderen Geschlecht, Pamela Anderson schickt ihn aber derweil wieder in die Wüste. Ende 2003 ist es Pink, die an seiner Angel anbeißt, sich aber bald schon wieder verabschiedet. Nikki Six startet in der Zwischenzeit mit Tracii Guns (Ex-L.A. Guns) die Brides Of Destruction. Auch als Songwriter ist er umtriegibf und schreibt für Saliva, Drowning Pool und Tantric. Derweil sich die mediale Aufmerksamkeit auf Tommy konzentriert, ziehen im Hintergrund unmerklich andere Leute die Mötley Crüe-Strippen.
Ein gewisser Mags Revell, britischer Promoter der Metropolis Music Group, bringt den Stein wieder ins Rollen, indem er eine Initiative startet, deren Ziel es ist, die Originalmitglieder der Crüe zu einer Reunion zu überreden. Dank des Internets erhält er bald enormen Zuspruch seitens gefrusteter Mötley-Fans. In Eigenregie reserviert er Venues in Großbritannien und zwingt die Band quasi dazu, dort auch aufzutreten, denn andernfalls hätte der gute Mags finanziellen Schiffbruch erlitten.
Offensichtlich haben Vince, Nikki, Mick und Tommy diesen Arschtritt gebraucht, denn nachdem sie spitz kriegen, dass alleine im Vereinigten Königreich mehrere zehntausend Fans nach einer Reunion geifern, kommt es schließlich am 6. Dezember 2004 zum offiziellen Vollzug. Bei einer Pressekonferenz erklärt das Quartett, wieder gemeinsam auf Tour gehen und auch neues Material aufnehmen zu wollen.
Der Presse-Tamtam um Mötley Crüe führt sogar dazu, dass der Server der offiziellen Seite ob dieser Nachricht in die Knie geht; das Interesse der Fans scheint wirklich vorhanden zu sein. Nicht kleckern, sondern klotzen lautet das Motto der Tournee, die unter dem Banner "Red, White And Crüe Tour ... Better Live Than Dead" nur in den ganz großen Hallen Station macht. Vor der Tour erscheint wieder einmal ein Best Of-Album ("Red White And Crüe"), gefolgt von einer weiteren Live-Scheibe im Mai 2006 ("Carnival Of Sins").
Neben der Mötley-Reunion versucht Tommy Lee sich auch wieder als Solo-Künstler. Er nimmt Platten mit Mitgliedern von Incubus und den Deftones auf, außerdem bringt er zwei Solo-Alben "Never A Dull Moment" (2002) und "Tommyland - The Ride" (2005) heraus.
Dass man aber wohl tatsächlich mit einem neuen Studioalbum rechnen darf, steckt Nikki dem laut.de-Redakteur im Interview in Köln. Danach satteln die Amis allerdings ihre Hühner und gehen mit Motörhead zusammen auf Australien-Tour. Bevor aber tatsächlich neues Material der Band auf den Markt kommt, erscheint über Nuclear Blast Records zunächst die Biographie "The Dirt" als Hörbuch, gelesen von Schauspieler und Knastbruder Ralf Richter.
Im Sommer 2006 sind sie mit Aerosmith auf US-Tour unterwegs, gleichzeitig aber dabei, an einem neuen Album zu basteln. Nikki ist unterdessen als Sixx A.M. aktiv, Mick hilft bei den Finnen von Crashdiet mit Ideen aus und bringt seine Songwriter-Qualitäten auch anderweitig gern ein.
Tatsächlich melden sie sich 2008 mit dem starken "Saints Of Los Angeles" zurück. Während vor allem Nikki neben der Musik auch als Autor und Fotograf einige Meriten einsammelt, versucht sich auch Sänger Vince Neil 2010 auf dem Gebiet und veröffentlicht "Tattoos & Tequila", sowohl als Buchtitel, als auch als CD.
2011 kommt es schließlich sogar zu einer Tour mit den eher weniger geschätzten Poison, ohne dass auf oder hinter der Bühne groß die Fetzen fliegen. Passend zum Weihnachtsverkauf erscheint Ende November noch die Best-Of "Greatest Hits!".
Vince Neil über alte Zeiten, Tommy Lee und die Tour mit Kiss.
Die Glamrocker von Mötley Crüe sind derzeit so weit von der Rockerrente entfernt wie der Grund des Mariannengrabens vom Gipfel des Mount Everest. Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt im Hard Rock Cafe von Las Vegas geht es derzeit zusammen mit Slash in Europa zur Sache. Danach steht eine Mammut-Tour mit Kiss auf dem Programm, gefolgt von Film-Arbeiten ("The Dirt") und Album-Tüfteleien.
Es gibt nicht mehr viele Metal-Combos aus den Achtzigern, die auch anno 2012 noch hiesige Mehrzweckarenen wie beispielsweise die Berliner Max- Schmeling-Halle füllen. Dort sorgen sonst nur noch Seeed, Die Toten Hosen oder der Bundesvision Songcontest für vollbesetzte Ränge. Auch Mötley Crüe tun sich hierzulande schwer, die Massen zu ziehen. So bedarf es schon eines illustren Vorprogramms, um den Hauptstädtern ihr Stelldichein schmackhaft zu machen.
Mit den Black Veil Brides und Slash - inklusive Alter Bridge-Shouter Miles Kennedy im Schlepptau machen die Altherren-Glamrocker aber alles richtig und freuen sich letztlich über eine gut gefüllte Halle. Bereits Stunden zuvor sammeln sich paarungswillige Strapsen-Trägerinnen und gut beleibte Altrocker vor der Location. Vor dem Presseeingang der Arena fahren im Minutentakt abgedunkelte Limos vor, vollgepackt mit zwielichtigen Gestalten.
Wir haben uns mit Sänger Vince Neil in den Katakomben verabredet. Ein Rock'n'Roll-Alphamännchen seiner Größenordnung wird natürlich gerne jedem Klischee gerecht. So lässt uns der Gute fast eine halbe Stunde auf dem Trockenen sitzen, ehe er sich mit einer hochhackigen Blondine im Gepäck den Weg in seinen Dressing-Room bahnt, um uns weitere zehn Minuten später endlich Einlass zu gewähren. Schnell wird noch die Escort-Barbie verabschiedet, bevor uns der Maestro mit festem Handschlag begrüßt und unser 15-minütiges Gespräch wie folgt eröffnet:
Vince: Hi, wie gehts dir? Alles klar? Warte mal kurz.
(Vince versteckt ein nicht identifizierbares Etwas in seiner Hosentasche.)
Hi Vince, danke der Nachfrage. Mir gehts gut. Wesentlich interessanter wäre es zu erfahren, wie es dir geht?
Oh, es geht mir prächtig. Wir verbringen gerade eine tolle Zeit zusammen. Alles läuft super.
Ihr seid jetzt seit knapp sieben Jahren wieder in der Urbesetzung unterwegs. Wenn du die diese Zeit mit der vor dreißig Jahren vergleichst: Was hat sich verändert?
Ich würde sagen, dass sich eine ganze Menge verändert hat. Wir schlafen mittlerweile in feinen Hotels, teilen uns die schönsten Mädels und verdienen einen Haufen Kohle. Das war vor dreißig Jahren noch nicht so (lacht).
Erinnerst du dich noch an die alten Zeiten?
Ja, sogar sehr gerne. Wir waren verdammt jung. Ich glaube, Tommy war erst 17, als wir unser Debüt aufnahmen. Wir wohnten damals alle im selben Appartement und haben täglich versucht, die Leute von unserer Musik zu überzeugen. Abends sind wir durch die Straßen Hollywoods getingelt und haben Flyer für unsere Shows verteilt und wildfremde Menschen angequatscht.
Wir sind wirklich einen steinigen Weg gegangen. Uns wurde nichts geschenkt. Wir mussten alles selbst in die Hand nehmen. Heutzutage gibt es eine derartige Entwicklung bei Bands kaum noch. Viele werden bereits mit dem ersten gespielten Akkord in den Himmel gelobt, nur um dann wenige Monate später wieder in der Versenkung zu verschwinden.
Glaubst du, dass der von dir beschriebene "steinige Weg" ein Hauptgrund dafür ist, dass ihr auch heute noch am Start seid?
Ja, absolut. Diese Zeit hat uns geprägt und uns ein dickes Fell verschafft.
Nun, ich denke, wir werden alle nicht jünger. Aber wir haben noch massenhaft Visionen und Vorstellungen, wie wir diese Band noch größer machen können, als sie eh schon ist. Wären wir alle nochmal 20, würden wir vielleicht etwas entspannter an die Sachen rangehen. Aber ich bin im Februar 51 geworden. Da rennt einem schon ein bisschen die Zeit davon (lacht). Vor allem, wenn die Ideen nur so sprudeln.
Lass' uns die jüngere Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft ein bisschen intensiver unter die Lupe nehmen. Wie war Las Vegas für euch?
Es war eine fantastische Erfahrung. Wir haben drei Wochen lang vier Tage am Stück performt und den Laden von Grund auf umgekrempelt (lacht). Normalerweise machen so etwas nur Leute wie Celine Dion, Santana oder Elton John. Aber uns war von Anfang an klar, dass wir da auch sehr gut reinpassen würden.
Momentan seid ihr mit den Black Veil Brides und Slash in Europa unterwegs. Auch eine dicke Nummer, oder?
Alles ist wichtig. Jedes Konzert hat seine Berechtigung. Es spielt keine Rolle, ob Las Vegas oder Mönchengladbach. Die Shows gerade laufen super. Außerdem haben wir das erste Mal Tommys Rollercoaster mit an Bord. Die Leute hier fahren da voll drauf ab.
Ihr seid die einzige Band, die ihren Drummer und sein Arbeitsgerät als Hauptattraktion während einer Show auserkoren hat. Wieso eigentlich?
Nun, zunächst einmal denke ich, dass wir auch noch eine ganz Menge anderer Dinge auf der Bühne zu bieten haben. Wir haben neben einem reichhaltigen Fundus an Rock'n'Roll-Hits auch massenhaft Pyros und nette Girls mit dabei (lacht). Aber du hast natürlich Recht. Tommys Schlagzeug-Part ist nun mal der ultimative Kick während einer Crüe-Show. Das hat sich einfach so entwickelt.
Tommy ist von Natur aus jemand, der gerne Grenzen auslotet. Einfach nur auf seine Kessel einzuprügeln, reicht ihm halt nicht. Wenn man letztlich sieht, was für ein Spektakel über die Jahre daraus geworden ist, kann man das, glaube ich, auch gut verstehen.
Nach dieser Tour geht es wieder zurück nach Hause, wo Ende Juli die Herren von Kiss auf euch warten, um gemeinsam mit euch die Stadien zu rocken. Zu dieser Konstellation kam es schon einmal vor dreißig Jahren, richtig?
Ja, wobei die Ausgangslage diesmal eine etwas andere ist. Damals war die Tour mit Kiss unsere erste große Reise überhaupt. In großen Hallen vor Tausenden Leuten zu spielen, das kannten wir noch nicht. Wir schliefen in schicken Bussen und es gab ordentliches Catering. Das war nochmal ein besondere Antrieb für uns, den Karren weiter anzuschieben, verstehst du?
Wir waren Paul und Gene sehr dankbar für die Möglichkeit, vor ihnen spielen zu dürfen. Bei der kommenden Tour wird allerdings alles ein bisschen gerechter verteilt (lacht). Beide Bands werden ein komplettes Set spielen. Wir werden zwar eröffnen, aber es läuft dennoch unter dem Banner: Co-Headlining-Tour. Wir freuen uns auf jeden Fall schon tierisch darauf, denn Kiss und Mötley Crüe zusammen auf einer Bühne verspricht Entertainment pur.
Ich glaube, dass beide Bands gerade in der jüngeren Vergangenheit bewiesen haben, dass sie auch ohne einen gleichberechtigten Live-Partner in der Lage sind die großen Arenen füllen. Ich meine, guck' dir doch einfach die nackten Zahlen an! Also, ich konnte auf unserer letzten Tour und auch in Vegas kaum mehr freie Plätze ausmachen. Und die Zahlen der letzten beiden Kiss-Tourneen sprechen ebenfalls Bände.
Natürlich spielt auch irgendwo Geld eine Rolle. Das will ich gar nicht verleugnen. Aber in diesem Fall steht das Happening absolut im Vordergrund. In punkto Spektakel wird es diesen Sommer nichts Vergleichbares auf amerikanischen Bühnen zu sehen geben. Das kann ich dir versprechen.
Da haben die meisten Fans hierzulande aber recht wenig von. Gibt es Pläne, beide Bands im nächsten Jahr vielleicht auch nach Europa zu bringen?
Nun, es gibt Gerüchte, dass dahingehend wohl schon einige Gespräche stattgefunden haben sollen. Aber Genaueres kann ich dir dazu leider nicht sagen. Es wäre natürlich toll, wenn das klappen würde. Wir werden sehen.
Es ist kein Geheimnis, dass beide Bands über ausgeprägte Charaktere verfügen. Leute wie Gene Simmons oder Tommy Lee stehen gerne uneingeschränkt im Vordergrund. Birgt da eine Co-Headliner-Tour nicht auch Gefahren?
Natürlich weiß man nie was passieren wird. Aber wir reden hier von zwei Bands, die gut miteinander auskommen. Ich würde Gene und Paul sogar als Freunde bezeichnen. In erster Linie geht es aber um Respekt. Beide Bands wissen genau, was die andere Seite bisher geleistet hat. Kiss waren damals einer der Gründe, warum wir überhaupt angefangen haben, Musik zu machen.
Andersrum ist Tommy Thayer ein großer Fan von uns. Das passt menschlich, denke ich, schon ziemlich gut. Und über die musikalische Verbindung müssen wir nicht diskutieren. Es geht beiden Bands um puren Rock'n'Roll mit reichlich Attitüde und entsprechendem Rahmenprogramm. Wir werden uns schon nicht die Köpfe einrennen (lacht). Ich glaube wirklich, dass wir alle eine Menge Spaß zusammen haben werden.
Kiss werden auf der Tour aller Wahrscheinlichkeit nach den einen oder anderen Song ihres kommenden neuen Albums "Monster" live antesten. Wie sieht es da bei euch aus? Wann gehts wieder ins Studio?
Wir haben bereits einen Song aufgenommen. Im Moment fehlt uns aber einfach die nötige Zeit, um komplette Recordings in Angriff zu nehmen. Mal schauen, wie es nach der Kiss-Tour aussieht. Ich denke aber, dass wir spätestens im nächsten Jahr in die Gänge kommen werden.
Dann holt ihr 2013 also zum Doppelschlag aus? Neues Album und der "The Dirt"-Film?
Ja, so sieht zumindest die grobe Planung aus.
Nikki Sixx geht davon aus, dass der Film euch einen Oscar bescheren wird. Was glaubst du?
Oh, so weit denke ich noch nicht. Aber Nikki hat eigentlich immer ein gutes Gespür dafür, ob etwas klappt oder nicht (lacht).
Tommy buhlt seit einigen Wochen um die Dienste von Johnny Depp. Wie sieht es da bei dir aus? Wen würdest du im Film gerne in deiner Rolle sehen?
Oh, keine Ahnung. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Wir werden demnächst in die Pre-Production gehen und dann werden wir Nägel mit Köpfen machen. Es gibt jedenfalls schon eine Menge aussichtsreicher Kandidaten in Bezug auf die Rollenverteilung vor und hinter der Kamera. Aber, wie gesagt: Unterschrieben und eingetütet ist noch nichts. Wir werden auf jeden Fall eine wichtige Rolle bei der Produktion übernehmen, so dass gewährleistet wird, dass unsere Vorstellungen auch so exakt wie möglich umgesetzt werden. Das ist uns sehr wichtig.
An diesem Wochenende spielen sie bei Rock am Ring/im Park, wissen aber noch nicht, wann und mit wem. Kein Wunder: Europa war immer das "hässliche Stiefkind" und auch ein bisschen verwirrend ...
Kurz vor ihrem Auftritt bei Rock am Ring/im Park trafen wir Mötley Crüe-Bassist Nikki Sixx in Köln. Dieser wahrlich erfahrene Rocker erklärte uns, warum eine Band-Reunion sich anfühlt wie Sex in der Hochzeitsnacht, warum es keine echten Rockstars mehr gibt, was an Europa so verwirrend ist und warum sie "Pyros, Beleuchtung und den ganzen Background-Kram" zuhause gelassen haben.
Hi Nikki, wie geht’s dir?
Wenn man davon absieht, dass es für mich jetzt gerade zwei oder drei Uhr morgens ist, ganz gut, danke. Wir sind gestern Abend erst hier angekommen und ich hab noch ganz schön Jetlag. Aber den hab ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang, hahaha. Ich kann’s kaum erwarten, bis das alles vorbei ist, dann kann ich endlich schlafen.
Na das wird wohl hoffentlich noch eine Zeit lang dauern. Ich seid ja jetzt endlich im einzig wahren Mötley Crüe Line-Up zurück, aber so ganz einfach dürfte das ja nicht gewesen sein. Immerhin habt ihr alle ja noch genügend eigene Projekt am Laufen.
Oh Mann, das war alles ganz schön schräg, um es mal gelinde auszudrücken. Wir haben uns schon vor Jahren über eine Reunion unterhalten und wann es denn wohl der richtige Zeitpunkt wäre, um so ein Projekt anzuschieben und auch richtig durchzuziehen. Ich denke, man kann das ganz gut mit einer Hochzeitsnacht vergleichen. Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die sich ihre Jungfräulichkeit bis zur Hochzeitsnacht bewahren. Wenn es dann endlich so weit ist und du die Braut im Bett hast, fängt sie plötzlich an zu sagen: "Oh, ich weiß nicht so recht, ob ich wirklich bereit bin, es jetzt zu tun. Was wenn es weh tut?" Und du denkst nur: "Scheiße, was geht denn ab? Es ist unsere Hochzeitsnacht. Es wird langsam mal Zeit zu vögeln!" Bei uns war es so ähnlich, wie haben immer wieder gezögert, weil wir nicht genau wussten, was dabei auf uns zukommt. Was, wenn wir den ganzen Kram nicht mehr mögen oder wenn es nicht funktioniert oder uns zu viel wird? Als wir aber erst mal angefangen haben zu vögeln, war es echt toll, hahaha.
Sehr bewegend. Ihr habt die ersten US-Shows ja schon hinter euch und die waren enorm erfolgreich.
Hölle, ja. Die waren alle ausverkauft. Damit hatten wir echt nicht gerechnet. Ich erinnere mich noch an einen Abends, als wir gerade eine Woche auf Tour waren und ich auf dem Drumriser saß. Tommy redete gerade mit dem Publikum und ich sagte nur zu Vince: "Warum sind die eigentlich alle hier? Haben wir nicht schon genug Schaden angerichtet? Wie oft können die sich von uns noch missbrauchen lassen?" Das ist doch schon beinahe krank, hahaha.
Wir bekommen einfach nie genug, wie du siehst. Aber denkst du, dass es auch am Zeitpunkt liegt, dass ihr so abräumt? Hättet ihr früher oder später den selben Erfolg gehabt?
Das kann ich dir nicht genau sagen. Aber schau dich doch um, es gibt keine echten Rockstars mehr. Es geschieht musikalisch nichts wirklich Aufregendes mehr, und ich glaube, die Leute hatten einfach Sehnsucht nach etwas derartigem. Aerosmith machen sich verdammt rar, mit KISS ist auch nichts mehr los, da ist einfach großer Bedarf nach so was. Mötley Crüe kamen besonders durch das Buch ("The Dirt: Confessions of the World's Most Notorious Rock Band") wieder in den öffentlichen Fokus, und Menschen, die bis dato gar nichts mit der Band zu tun hatten, dachten sich auf einmal: "Hey, das muss ich auch mal sehen. Das erinnert mich daran, was mir mein Bruder damals von Led Zeppelin erzählt hat." Ich werde Zeppelin nie sehen und das ist verdammt traurig. Ich will hier Mötley Crüe nicht mit Zeppelin vergleichen, sondern es geht einfach um das Vermächtnis, das du zurücklässt.
Als ihr euch mit euren anderen Projekten beschäftigt habt, du z.B. mit den Brides Of Destruction, da habt ihr diesen ganzen Zirkus ja nicht um euch gehabt. Hast du das damals vermisst?
No way, man, das war richtig entspannend, hahaha. Es ist aber auch immer so, dass du es gar nicht so richtig wahrnimmst, solange du ein Teil des Zirkus' bist. Das ist schließlich dein alltägliches Leben, bis dahin. Erst wenn du IN den Zirkus gehst, fällt dir auf, was da überhaupt alles abgeht. Dir fehlt der Abstand. Unsere Touren unterscheiden sich aber auch von Kontinent zu Kontinent. Hier in Europa fahren wie lange nicht die Show wie in Amerika. Wir spielen hier, glaube ich, mit Iron Maiden oder was in der Art?
Ja, bei Rock am Ring und Rock im Park.
Genau, da sind wir einfach nur eine Band unter vielen, weswegen wir auch nicht unser ganzen Equipment auffahren. Wir spielen in England, Spanien, Schweden ... sind wir da eigentlich Headliner? Ach ich weiß es auch nicht, hahaha. Europa ist immer ein wenig verwirrend für mich und wir waren auch nur sehr selten hier. Wir haben uns nie sehr um Europa gekümmert, aber das war alles andere als böswillig gemeint. Es ist nur so, dass wir auf unseren US-Touren immer genau wissen, woran wir sind und dass wir unsere Show so aufbauen und durchziehen können, wie wir das wollen. Es ist alles irgendwie planbarer und vorhersehbarer. In Europa machst du eine Show in Finnland, zu der 5.000 Leute kommen, dann eine in Schweden, zu der kommen 25.000 und dann eine hier in Deutschland, da bist du nicht der Headliner, das ist ein wenig verwirrend für mich. (Klingt da ein kleiner Ozzy durch?, d.Verf.) Andererseits habe ich schon früher zu den anderen Jungs gesagt: "Warum scheißen wir für Europa nicht einfach auf die ganzen Pyros? Scheiß auf die Beleuchtung, scheiß auf den ganzen Backgroundkram. Lass uns einfach rüber fliegen und die Bude rocken." Das Problem dabei ist nur, alle fragen immer, ob wir auch ja die Show mit rüber bringen, die wir in den Staaten fahren, und wenn wir das nicht machen, heißt es immer: "Wieso nicht?" Ganz einfach, weil wir jedes Mal, wenn wir hier rüber kommen und eine halbwegs große Show fahren, jede Menge Kohle verlieren. Meine Frau meinte kürzlich: "So, ihr fahrt jetzt also nach Europa, um das ganze Geld wieder zu verlieren, das ihr in Amerika verdient habt? Ja, das ist eine echt coole Idee." Und ich dachte nur: "He, Moment mal. Was zur Hölle machen wir da drüben eigentlich?" Hahaha, aber wir haben einfach auch ne ganze Menge Fans hier und denen wollen wir eben auch was bieten. Wir mussten in der Vergangenheit schon einige Shows hier canceln, weil irgendwer gerade mal wieder drogenabhängig war, weil irgendeiner im Knast saß, oder wir uns aufgelöst hatten. Europa war irgendwie immer das hässliche Stiefkind, hahaha. Dieses Mal haben wir es uns aber einfach in den Kopf gesetzt und wir reißen uns auch den Arsch dafür auf. Danach geht es wieder zurück für ein paar Abstecher, dann ist Japan, Australien und Süd-Amerika dran, aber danach will ich noch mal nach Europa.
Du bleibst aber hier, bis ihr am Wochenende auf Rock am Ring spielt?
Ja, aber wir sind vorerst in England unterwegs, um da auch noch Promotion zu machen. Da bleibt leider kaum Zeit für Sightseeing. Das einzige, was ich gemacht habe, und was auch echt der Hammer war, das war der Dom da drüben. Das Ding ist echt beeindruckend und du fühlst dich wie in einem Horrorstreifen.
Ja, das ist aber eine permanente Baustelle.
Stimmt, das hab ich auch gesehen. Die renovieren den jetzt seit knapp 2000 Jahren, oder? Hahaha, und was auch deprimierend ist: Du kommst aus dieser prachtvollen, gotischen Kirche raus und schaust genau auf einen beschissenen Donut-Shop. Ich dachte nur: "Come on, guys. Was soll der Scheiß denn?" Das ist doch erbärmlich.
Da gebe ich dir recht. Ich habe gehört, dass du während der US-Tour gern deine halbe Familie mit im Tourbus hattest.
Ja, manchmal. Ich fand das sehr angenehm, da ja jeder von uns seinen eigenen Tourbus hatte. Hier in Europa geht das natürlich nicht, aber vielleicht kommt mein 14-jähriger Sohn für ein paar Shows rüber. Natürlich nicht, um uns zu sehen, sondern einfach um die Gegend zu besuchen, hahaha. Dem geht es wie mir. Du kannst mir nicht genug Kohle geben, damit ich mir irgend eines unserer Alben anhöre. Du könntest sagen: "Nikki, ich geb dir 50 Dollar, damit du dir euer erstes Album anhörst." "No fuckin’ way!" "Ich geb dir 100 Dollar." "Da knall ich mich lieber ab!" "Ich geb dir 1000 Dollar." "Ich schneid mir lieber die Pulsadern auf!" Ich kann einfach nicht meine eigenen Songs anhören, das geht nicht. Wenn ich mir einen Kerl wie Yngwie Malmsteen anschaue, der vor dem Spiegel sitzt und sich selbst lobt: "Ach, hör dir nur mal an wie schnell ich bin. Ist das kein fantastisches Solo?" Holy shit!
Das wäre doch bestimmt auch für den Rest der Familie eine interessante Erfahrung, mal Europa zu sehen, oder?
Ja, da hast du recht, aber es ist nicht so einfach, eine so große Familie (Nikki hat fünf Kinder, d.Verf.) quer durch Europa hinter dir her reisen zu lassen. Die gehen eh lieber nach Disneyland, hahaha. Das ist auch ein wenig billiger. Obwohl, wie ich die kenne, auch nicht.
Auf VH-1 haben sie die Dokumentation "(inside) OUT: Resurrection Mötley Crüe" über die ganzen Probleme vor und während der Reunion gedreht. Hast du die gesehen?
Ja, klar.
Und, was denkst du darüber?
Das waren ganz schön verrückte Kerle, hahaha. Im Grunde genommen war die Analogie mit der bis zur Hochzeitsnacht bewahrten Jungfräulichkeit perfekt. Wir waren uns alle darüber einig, dass wir was in der Art machen wollten, aber als es dann so weit war, hieß es wieder: "Ach, ich weiß nicht. Meinst du das ist das Richtige?" Es war ganz schön viel Coaching von unserem Umfeld notwendig, dass wir uns überwunden haben, da mitzumachen. Außerdem waren wir ja alle mit anderen Sachen beschäftigt. Ich war z.B. gerade in Japan auf Tour, und dann kam der Vorschlag, mit Mötley Crüe wieder anzufangen und ich meinte nur: "Ja, schon, aber ich wollte eigentlich noch nach Disney Land," und so ging es eben seit zehn Jahren. Wir hatten immer wieder ne andere Ausrede. Ich hab da ein Buch in Vorbereitung, außerdem muss ich mir noch die Nasenhaare zupfen, hahaha. Es bedufte etwas einer führenden Hand und ein paar Tritte in den Arsch. Weißt du, das ist wie bei einem Autorennen. Du weißt, dass es jederzeit zu einem Crash kommen kann, und das ist für die Zuschauer, wie dich, sehr aufregend. Dummerweise bin ich einer der Fahrer und das Problem ist, dass dabei einer draufgehen kann, hahaha.
Stimmt, hahaha, ihr habt das ganze Risiko.
Your damn fuckin' right, man. Jeder andere hat seinen Spaß und kann sagen: "Toll, ich kaufe mir unbedingt ein Ticket dafür, das muss ich sehen." Ihr holt euch ein Ticket, ein anderer darf sich vielleicht einen Sarg kaufen. Irgendwie zahlt sich das für mich nicht so ganz aus, oder?
Darüber solltest du dir nicht allzu viele Gedanken machen, das belastet nur unnötig, hahaha.
Das sagst du so leicht. Ich hab da leider schon zu viele einschlägige Erfahrungen gemacht. Andererseits kann ich bisher wirklich nur gutes über die Tour sagen, es läuft echt fantastisch.
Das Kapitel Brides Of Destruction hat sich für dich ja erledigt?
Korrekt, damit hab ich nichts mehr zu tun. Ich hatte von Anfang an gesagt, dass ich irgendwann wieder mit Mötley Crüe weitermachen werde und als das aktuell wurde, hat es für gewisse Spannungen innerhalb der Band gesorgt. Irgendwann war es dann soweit, dass ich nicht mehr das Gefühl hatte, den notwendigen Support von den anderen Jungs zu erhalten und habe meine Konsequenzen gezogen. Zu dieser Zeit hat Tracii (Guns, Gitarrist, d. Verf.) eine Menge Unwahrheiten in der Presse abgegeben, und ich stellte ihn daraufhin zur Rede. Er hat zwar zugegeben, dass er Scheiße gebaut hat, aber ich bin bei so etwas ziemlich nachtragend und daraufhin ausgestiegen. Die Brides machen natürlich weiter, und ich wünsche ihnen alles Gute. Das Positive an meinem Ausstieg für sie war aber, dass sie gemerkt haben, dass sie einen weiteren, guten Songwriter brauchen. Tracii ist ein wirklich guter Gitarrist und hat auch ein großes Talent, Musik zu schreiben aber ihm fehlt die Fähigkeit, aus einem guten Song einen Hit zu machen. Tracii und ich waren eine verdammt coole Kombination, aber es hat auf Dauer nicht funktioniert, mit Ginger von den Wildhearts leider auch nicht. Mal sehen, was das neue Album bringt.
Ich mag die Energie der Scheibe und diese Fuck You-Einstellung dabei, aber kommen wir endlich zur großen, entscheidenden Frage: Wird es ein neues Mötley Crüe Album geben und wenn ja, wann?
Ja, es wird auf jeden Fall eins geben, da kannst du sicher sein. Ich weiß nur noch nicht, wann. Hoffentlich noch zu unseren Lebzeiten, hahaha. Wir haben alle kleinere Aufnahmestudios dabei und ich nehme mit meinem I-Pod auch jede Menge auf. Ich schreib mir auch viel auf alle möglichen Zettel und pack das ganze Zeug in meine Laptop. Bei Tommy hat sich auch schon einiges angesammelt, und Mick hat tonnenweise Riffs. Irgendwann setzen wir uns dann zusammen und versuchen, aus den einzelnen Mosaikstücken ein Ganzes zu schaffen. Das braucht zwar noch einige Zeit, aber es wird kommen, believe me!
Das Interview führte Michael Edele
Greatest Hits! (2011)
The Dirt (2006), Carnival Of Sins (2006), Carnival Of Sins (2006)
Red White And Crüe (2005), Lewd, Crüed And Tattooed (2003), Never A Dull Moment (2002)
New Tattoo (2000), Live: Entertainment Or Death (1999), Generation Swine (1997), Mötley Crüe (1994), Dr. Feelgood (1989), Girls, Girls, Girls (1987), Theatre Of Pain (1984), Shout at the Devil (1982), Too Fast For Love (1981)
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Offizielle Seite. Etwas unübersichtlich, dafür bunt und umfangreich.
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