Porträt

laut.de-Biographie

Machine Gun Kelly

Im Jahr 2012 fällt man im Rap-Geschäft als fast komplett tätowierter Frühzwanziger nicht mehr als Paradiesvogel auf. Dafür kleben schon zu viele Tränen, Gang-Zeichen oder Eistüten auf den Backen der Kollegen. Machine Gun Kelly hat es dennoch aus der Masse der Körperverzierten heraus geschafft.

Er hat sich noch ein wenig wilder benommen, hat sich einen Irokesenschnitt stehen lassen, schneller gerappt als die meisten anderen und ist bei jeder Show komplett ausgeflippt. Und er hat den Vertrag bei Diddy bekommen. Man mag es bereits ahnen - der Weg zum Major-Deal bei Bad Boy Records war kein leichter.

Einfach gesagt: Richard Colson Baker, Baujahr 1990, hat eine Scheiß-Kindheit und -Jugend. Die Eltern sind Missionare und ziehen durch den Mittleren Osten, durch Deutschland und weite Teile der USA, um Gutes zu tun. Dem Sohn allerdings tun sie damit keinen Gefallen. Es fehlt das Zuhause.

Das gibt es jedoch auch dann nicht, als sie sesshaft werden. Die Eltern trennen sich. Richard bleibt bei seinem Vater, der erst dem Alkohol verfällt und sich dann bei der Army verpflichten lässt.

In der Musik findet Richard Trost. Besonders ein Künstler hat es ihm angetan: DMX. In seiner Musik findet er sich wieder - die Aggressivität, die Power, die Verzweiflung. "The Great Depression" wird zum Lieblingsalbum.

Folgerichtig will auch Richard rappen. Er ist einsam, hat wenige Freunde und findet Gefallen an allerlei Drogen. Rap wird zum Ventil für diesen hageren weißen Jungen. Er legt sich den Namen Machine Gun Kelly zu.

In der Highschool-Zeit zieht er ein weiteres Mal um. Der Vater kommt aus Kuwait zurück und nimmt den Sohn mit nach Cleveland. Zum ersten Mal entwickelt Richard dort einen gewissen Lokalpatriotismus. Wahrscheinlich auch, weil es mit dem Rap-Ding immer besser läuft.

Das liegt in erster Linie an seiner unbändigen Motivation. Machine Gun Kelly rappt überall – auf dem Schulhof, nach der Schule, zu Hause und schließlich 2009 auch auf dem Weg nach New York, wo er an einem Talentwettbewerb teilnimmt, den er sogar gewinnt. Der Junge ist ein Kämpfer. Und er hat Talent.

Seine Musik strotzt vor Energie. Er nennt sich Machine Gun Kelly, weil er schneller, aber auch präziser rappt als die anderen. Seine Songs schulden dem neuen Trap-Sound der Lex Luger-Schule genau so viel wie den Drum-lastigen Synth-Hymnen der Dipset-Bagage.

Es folgen diverse Mixtapes ("100 Words And Running", "Lace Up", "Rage Pack"), umfassende Lobhudeleien sowie die Auszeichnung als MTVs "Hottest Breakthrough MC".

Machine Gun Kelly macht alles richtig. Er beweist sich als unschlagbarer Live-Act und legt wirklich jede Bühne, die man ihm unter die Füße setzt, in Schutt und Asche. Er kollaboriert mit den richtigen Kollegen, um sich ins kontemporäre Cool einzureihen: Waka Flocka Flame, Lex Luger, Juicy J, French Montana.

Dazu liefert er mit "Cleveland" eine Hymne für seine Heimatstadt, die das NBA-Team und sämtliche Einheimische gut heißen. Die Zahl der Fans wächst mindestens genauso schnell wie die der Tattoos am Körper. Er ist ein Star. Und jedes Majorlabel im Land will den Jungen signen.

Das Rennen macht schließlich Bad Boy-Boss Diddy. Vielleicht auch weil er extra nach Austin zum Musikindustrie-Happening SXSW fliegt, um sich persönlich von dessen Live-Qualitäten zu überzeugen. Diddy sieht MGK also auf der Bühne und signt ihn quasi auf dem Weg in den Backstage-Bereich.

Er kann nicht anders – Machine Gun Kelly hat gerade, einmal mehr, die Hütte komplett abgerissen. Dass gerade ein Song von Machine Gun Kelly zum offiziellen Titelsong der Wrestling-Veranstaltung Wrestlemania ausgesucht wurde, kommt ihm bei den Vertragsunterzeichnung gerade gelegen. Die Coverstory als Freshmen 2012 im XXL Magazin natürlich auch. Machine Gun Kelly ist zwar ein "Wild Boy", aber dabei richtig erfolgreich.

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