Porträt

laut.de-Biographie

French Montana

"They thought the game was over / When B.I.G. died, then the homie Hov took it over / (In a New York minute) / They shot Pac five times / Years later, them boys took Shyne / (In a New York minute) / That ain't even the least / Akon signed the hottest nigga in the streets / We gave swagger to the game / Still and all, everything can change" - "New York Minute", 2009.

Ende des 2000er Jahrzehnts liegt New York nach den Twin Towers ein zweites Mal am Boden. Die Knicks sind ein schlechter Witz und der Süden dominiert das Rap-Game nach Belieben. 50 Cent stopft sich nur mit Vitaminen und Säften die Taschen voll, Jay-Z schwingt sich zum Def Jam-Boss auf, die Diplomats zerfleischen sich selbst und Prodigy sitzt im Knast. Die Gentrifizierung im Großen Apfel drängt die sozial Schwachen und damit die hungrigen, potentiellen Superstars aus den ehemaligen Hip Hop-Hochburgen ins Niemandsland. Währenddessen stoßen Miami, New Orleans und Atlanta mit Trap Rap, Gangsta-Geschichten und Stars wie Young Jeezy, T.I., Gucci Mane, Rick Ross oder Lil Wayne in die Grill-Lücke.

Doch halt, ist New York wirklich nur Niemandsland? Nein, eine kleine Crew um French Montana und dessen Mentor Max B trägt das NY-Cap mit DVDs, Mixtapes und eigenen Sound weiterhin stolz und schräg auf dem Kopf. Vor allem seit dem 2009er "Mac With Da Cheese"-Mixtape - wieder mit Max 'Ich bin der coolste Crooner und echte Gangsta im Rap-Game' B - nimmt French Montanas croonend-arroganter Style samt Sarkasmus, Drogen-Geschichten und passend pathetischen Synthie-Beats die Straße und Nerds im Sturm.

Der in Marokko geborene und 1996 mit 13 Jahren nach Amerika immigrierte Karim Kharbouch aka Young French aka French Montana beginnt 2003, mit den "Cocaine City"-DVDs - einer harten, aber eher hobbyhaften Interview-Reihe mit gestandenen Straßenrappern - eben jene aufzumischen. "Ich warf die DVDs 2002/2003 auf den Markt, doch es war für mich nichts Ernstes. Erst als ich Max B 2008 kennen lernte, legte ich einen Zahn zu, denn Max puscht unentwegt", erzählt Montana später dem Parlé Magazin.

Max B, das Byrd-Gang-Mastermind mit Dipset-Connections, entwickelt nach längerem Knastaufenthalt einen unstillbaren Hunger und haut unzählige Tapes und Tracks auf den Markt. Diese Strategie und der rap-singende Wavy-Style inspirieren Montana so stark, dass er nach Max Bs Verurteilung zu 75 Jahren Knast 2009 neben dem "König mit dem Käse"-Mixtape über 15 weitere freie Werke auf den Markt wirft.

Neben Max ist es vor allem der Momtent, als sein Vater auf Rolling Stone macht und verschwindet, der seine Motivation nachhaltig prägt: "Mein Dad verließ uns als ich siebzehn war. Mein Mutter arbeitete nicht und meine beiden Brüder und ich gingen noch zur Schule. Wir brauchten Geld und seitdem hustle ich", so French zum Complex Magazin. Gerüchte, dass er die Mittel für all die Free-Mixtapes, Marketing-Maßnahmen und sein Cocaine City Label aus seiner Zivilrechtsklage nach einem Kopfschuss 2003 holte, bleiben luftleer.

Auf den mittlerweile legendären Mixtapes bis zum Debütalbum 2013 sticht vor allem eine Kombination hervor: French Montana und Harry Fraud. Wenn French mit seinem nasalen, lässigen Rap-Geheule über Frauds melancholisch-pathetische 80er-Rock-Synthie-Pop-Kopfnicker-Ungetüme croont, entsteht aus den Trümmern New Yorks wieder einmal ein neuer Sound. "NY Minute", "Lie To Me", "Ya Mean", "Shot Caller", "Goin In For Da Kill", die Liste ist lang und ballert aus den Autos wie Kugeln bei Dive Bys. Schade, dass der XXL Freshmen 2012 gerade für sein Debüt im Sommer 2013 keinen einzigen Harry Fraud-Beat einkaufen kann.

Mittlerweile bei P. Diddy und dessen Bad Boy Records unter Vertrag geht er mit "Excuse My French" auf Nummer Sicher und holt sich mit 49.775 verkauften Einheiten in der ersten Woche die erste künstlerische Enttäuschung seiner Karriere ab. Vielleicht ist es neben dem kleinen Beef mit New Yorks own bad guy 50 Cent auch der enorme Druck, der als Go-To-Guy, als Heilsbringer des Hip Hop-Mekkas auf ihm lastet und ihn zu besagtem Mittelmaß-Standard-Album zwingen. Vor allem, wenn man selbst nur ein charismatischer, cooler Koksnasen-Rapper mit ein wenig Tiefgang und einem guten Ohr für den richtigen Beat ist.

Im Interview mit Parlé äußert er sich dazu hellseherisch: "Es ist vor allem in New York verdammt harte Arbeit, überhaupt irgendjemand zu sein. Geschweige denn, die gesamte Eastcoast zurück zu bringen. Ein Teil der Geschichte zu sein, ist cool, aber es ist hart."

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