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Kaum aufgetaucht, handelt man die Killerpilze bereits als die Erben von Tokio Hotel. Dabei stützt sich der Vergleich weniger auf die musikalische Ausrichtung, eher schon auf die Jugend der Protagonisten.
Die Killerpilze machen Deutsch-Punk. Bei der Veröffentlichung der ersten Single "Richtig Scheiße (Auf 'Ne Schöne Art Und Weise)" zählt keins der Bandmitglieder mehr als siebzehn Lenze. Optisch machen sie allerdings mehr her als die übliche Boygroup. Möglich, dass auch das dabei hilft, 2006 mit ihrer "Scheiße"-Single erstmals die Charts zu erobern.
Mäx (Gitarre/Gesang), Schlagi (Bass), Jo (Gitarre/Gesang) und Nesthäkchen Fabi (Schlagzeug) kommen aus Bayern. In Dillingen an der Donau finden die Jung-Rocker zusammen. Jo (geboren am 30. Juli 1989) und Band-Küken Fabi (23. Dezember 1992) sind Brüder. Mäx Schlichter (3. Juli 1988) und "Schlagi" (eigentlich Andreas) Schlagenhaft, der am 9. September 1988 in Istanbul zur Welt kommt, lernen sie in Schule kennen. Wie könnte es anders sein, beginnen sie als rockig-punkige Schülercombo.
Doch die Killerpilze möchten weit cooler und vor allem kredibiler sein als ihre Magdeburger Kollegen, wenngleich sie deren Erfolg gerne ebenfalls hinnehmen würden. Auf ihrer MySpace-Seite stehen zum Beispiel NoFX, die Beatsteaks und Thrice ganz oben auf der Freundeskreisliste.
Drei Jahre müssen sie live spielen, bis eine Plattenfirma anbeißt. Die Songs schreibt die Band selbst, Mäx und Jo texten die Lyrics. Sie sammeln Erfahrungen auf Nachwuchs-Wettbewerben und fahren Lob von anderen Musikern ein - so wächst das Selbstbewusstsein.
Im April 2006 erscheint die erste Single "Richtig Scheiße (Auf 'Ne Schöne Art Und Weise)" bei Universal Music. Reiner Zufall, dass dies auch die Heimat der Tokios ist? Das Album "Invasion Der Killerpilze" folgt im Mai.
Mitte Februar 2007 geben die Killerpilze den Ausstieg ihres Bassisten Schlagi bekannt. Für ihn heißt es: Schulbank statt Pop-Punk. Er will die Mittlere Reife erreichen. Auf der bandeigenen Homepage liest man hierzu:
"Es gab keinerlei Streit oder dergleichen zwischen uns - weder in persönlicher noch musikalischer Hinsicht. Wir verstehen uns alle nach wie vor wunderbar!" Der große Rummel des Musikbusiness störe ihm beim Schulabschluss, weshalb sich der 18-Jährige aus dem Popgeschäft zurückzieht. Ob der Ausstieg endgültig ist, steht nicht fest.
Derweil arbeiten Jo, Fabi und Mäx an neuen Songs für die zweite LP. Den Bass im Studio übernimmt dabei vorerst Mäx. Auf der Bühne greift Benni in die Saiten. Er gilt jedoch nicht als offizielles neues Bandmitglied.
Schon früh begreifen die Killerpilze, was ihr Ruhm ihnen ermöglicht, und auch, wie sie ihn noch vergrößern können. So engagiert sich die Jungsband bereits kurz nach ihrem ersten kommerziellen Erfolg für gute Zwecke. Sie beteiligen sich etwa an der Anti-Rechts-Aktion "Kein Bock auf Nazis" und anderseits bei "Ich will Gerechtigkeit".
Im Winter 2006 reisen sie, ganz in Karlheinz Böhm-Manier, nach Äthiopien und engagieren sich dort für den Bau einer Schule. Hier treffen sie auf afrikanische Kinder, die kaum jünger sind als sie selbst, aber ein komplett anderes Leben führen als das der jugendlichen Popstars.
Nach Supports bei Avril Lavigne und einer Open-Air-Tour veröffentlichen die Killerpilze im Sommer 2007 nur ein Jahr nach ihrem ersten bereits ihr zweites Album "Mit Pauken Und Raketen" - pünktlich zu Beginn der Sommerferien in ihrem Heimatbundesland Bayern. So haben sie genügend Zeit, in einer größeren Tournee Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien zu bespielen. Eine Live-Fassung der Platte lässt nicht lange auf sich warten.
Trotz des Erfolgs kommt es in der Folge zu Unstimmigkeiten zwischen Band und Label. Die Wege trennen sich, die Killerpilze heben ihr eigenes Label killerpilzerecords aus der Taufe. Hier erscheint 2010 ihr Album "Lautonom", das sie geradezu als "Befreiungsschlag" empfinden. Ab sofort arbeiten die Jungs auf eigene Rechnung, genießen dafür aber auch alle Freiheiten.
Weitere Touren und "Ein Bisschen Zeitgeist" schließen sich an. Eine Zäsur markiert erst 2013 das Album "Grell": Die Killerpilze kündigen eine "Abschiedsformel an die Jugend" und einen "Hechtsprung ins Ungewisse" an - allerdings nicht ganz ohne Hilfestellung: Beim Songwriting steht ihnen Rapper Curse zur Seite.
Über den Gehalt der Texte und die gesanglichen Fähigkeiten der Combo lässt sich trefflich streiten. Das Bild eines Pop-Punk-Abklatsches von Tokio Hotel passt allerdings längst nicht mehr.
Sänger und Gitarrist Jo über Metal und Punk, die ewigen Vergleiche mit Tokio Hotel und Deutschlands Chancen bei der WM.
Hype Hype Hooray! Für viele ist klar: Dies sind die Nachfolger von Tokio Hotel. Doch so langsam sind die Killerpilze mehr als genervt, im Schatten der Magdeburger zu stehen. Wir sprachen mit Sänger und Gitarrist Jo über das kommende Album, Punkrock und die WM.
Die Killerpilze sind derzeit in aller Munde. Vor allem Deutschlands bekannteste Jugendpostille 'Bravo' hat das Thema für sich entdeckt und versucht, die Süddeutschen als die große Herausforderung für Tokio Hotel hinzustellen. Die Killerpilze sind davon wenig begeistert ...
Ihr habt ja in der Bravo erklärt, was für euch Punk bedeutet. ("Punk ist eine kritische Einstellung. Ein Punker macht sich über alles mögliche Gedanken und lässt sich nicht zu stark beeinflussen"). In erster Linie ist Punk eine Lebenseinstellung, ein Lebensgefühl. Findest du, dass ihr danach lebt?
Das ist wieder so eine Geschichte. Wir bezeichnen uns nicht als Punks. Das machen die Medien aus uns. Wir machen unsere Musik, das kann jeder definieren wie er will. Wir empfinden es auf jeden Fall als Punkrock, wobei "Rock" größer geschrieben wird. Was die Punk-Lebenseinstellung betrifft: Auf jeden Fall geben wir nichts auf die Meinung von Anderen. Es ist uns scheißegal, was die sagen. Andererseits sind wir natürlich auch nicht die harten Punks aus Berlin-Kreuzberg. Wir sind halt einfach vier normale Jungs und machen Musik, die uns gefällt. Die Bravo versucht jetzt irgendwie, das Gegenbild zu Tokio Hotel aufzubauen. Und das wären natürlich die harten Punks - die sind wir aber nicht.
Ihr werdet ja viel mit Tokio Hotel verglichen. Nervt dich das?
Ja, das nervt. Wenn es dann in den Medien heißt: Tokio Hotel ist Vergangenheit, jetzt kommen die Killerpilze. Man wird in jedem Interview darauf angesprochen, klar ist das mit der Zeit nervig. Aber wir werden uns einfach mit unseren Live-Shows aus diesem Schatten raus spielen. Weil das einfach eine komplett andere Welt ist. Natürlich kann man uns wegen des Alters vergleichen, aber wir sind sowohl von den Persönlichkeiten, als auch von der Musik her ganz verschieden. Das wird sich mit der Zeit aber geben. Es kommt ja häufig vor, dass eine Band irgendeine andere nach macht oder kopiert, wenn sie neu raus kommt. Aber da muss man einfach drüber stehen und sein eigenes Ding durchziehen.
Wir haben viel an Anti-Rassismus-Tagen gespielt und wir versuchen, uns im Kampf gegen Nazis einzusetzen. Wir haben auch jedes Jahr bei uns zu Hause einen Anti-Rassismus-Tag, den wir gegründet haben und den wir jedes Jahr größer aufziehen. Mal schauen, wie es diesmal wird.
Schreibt ihr eigentlich die Texte selber?
Wir schreiben alles selber. Wir sind seit vier Jahren eine Band und haben immer zusammen Lieder geschrieben. Das hat sich auch nicht geändert, seitdem wir einen Plattenvertrag haben. Das entwickelt sich natürlich auch weiter. Das nächste Album wird anders als dieses. Wir sind jetzt schon wieder am Schreiben.
Inwiefern soll das nächste Album anders werden?
Es wird sehr viel härter. Wir hören zur Zeit sehr viel Metal. Durch die Tour werden wir auch besser an unseren Instrumenten und können auch mehr ausprobieren. Wir versuchen da wirklich, mehr härteres Zeug einfließen zu lassen, und auch textlich wird da Einiges gehen.
Was inspiriert euch dieses Mal beim Textschreiben?
Das sind ganz einfach Erlebnisse, die wir als Jugendliche wahrnehmen. Was halt in unserem Umfeld, beispielsweise in der Schule, passiert. Einfach ganz normale Erfahrungen, wie Stress mit der Freundin oder Selbstmordgedanken und natürlich auch politische Sachen. Wenn das dann ein Einfall ist, den wir als wichtig erachten, dann schreiben wir darüber einen Text, und schlussendlich entsteht daraus ein Song.
Ich höre in letzter Zeit viel Metallica. Ich habe die für mich neu entdeckt. Ansonsten viel neues Metal-Core-Zeug wie Bullets For My Valentine oder auch altes Zeug wie Dimmu Borgir oder Hammerfall.
Dann geht es also weg vom Punk und hin zum Metal?
Keine Ahnung, wie sich das entwickelt. Wir werden aber nicht vergessen, zwischendurch wieder einen lustigen Fun Punk-Song dazwischen zu schieben. Aber generell macht es uns im Moment mehr Spaß, beim Rumjammen Metal zu spielen.
Denkt ihr, dass ihr gut mit dem ganzen Rummel umgehen könnt? Keine Angst den Boden unter den Füßen zu verlieren?
Nein, das denke ich nicht. Denn wir haben einen großen Freundeskreis, die holen uns auch immer wieder zurück. Wir sind auch nicht die Typen dafür, abzuheben. Außerdem haben wir eine Crew dabei, die viel Spaß mit uns hat. Es ist auf jeden Fall in Ordnung so. Natürlich lernt man mit der Zeit auch, damit umzugehen, wenn dauernd Rummel um deine Person ist und jeder sich für dich interessiert. Du wägst halt ab, wie weit man da gehen kann.
Wem drückst denn du bei der WM die Daumen?
Ich drücke natürlich Deutschland die Daumen. Wäre schön, wenn sie in diesem Jahr mal Weltmeister werden. Ich denke auch, dass wir gute Chancen haben, da wir einfach eine Turniermannschaft sind und es dieses Jahr einfach schaukeln werden.
Wer wird denn im Finale gegen Deutschland spielen?
Ich tippe auf Tschechien oder Brasilien.
Invasion der Killerpilze (2006)
| Sa | 29.06.2013 | Killerpilze Burgbergfestival (Homberg/Efze) | |
| Fr | 19.07.2013 | Killerpilze Zeltfestival (Pfullendorf) | |
| Sa | 31.08.2013 | Killerpilze Rock am Schloss (Fürstenau) | |
| Fr | 27.09.2013 | Killerpilze Bremen (Tower) |
Das Fratzenbuch hält auf dem Laufenden.
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