"Wie kannst du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?", fragen die Ärzte auf ihrem Hit "Unrockbar". Die hier geehrte Band besteht aus fünf jungen Männern, gerne ihrer Heimatstadt Berlin entsprechend auch Beatbuletten genannt, und gründet sich 1995 in der frisch aufgebackenen deutschen Hauptstadt. Arnim Teutoburg-Weiß (Gesang), Peter Baumann (Gitarre, Backing Vocals), Bernd Kurzke (Gitarre), Alexander "Ali" Rosswaag (Bass) und Stefan "Steffi" Hircher (Schlagzeug) backen da selbst noch sehr kleine Brötchen und besuchen eine der vielen Berliner Oberschulen.
Der Gründervater der Band ist Bernd. Er holt nacheinander Steffi, Ali und Peter an Bord. Der überredet dann Freund Arnim zum Schritt ans Mikro. Wie so viele andere Jungs versuchen sie sich an der klassischen Besetzung mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Heraus kommt Punkrock mit Hardcore-Elementen.
Wahrscheinlich bespielen auch die Beatsteaks die Jugendclubs der Stadt, bis ihnen schwant, was sie anders machen müssen. Statt an den blöden "Senatorin für Frauen und Jugend"-Bandwettbewerben oder wie sie alle heißen mögen, teilzunehmen, nehmen sie ihr Demo ("Beatsteaks - Die Erste") auf einer 4-Spur-Maschine auf. Das verkauft sich dann auch ordentliche 1.000 Mal.
Nach diesem Erfolg fühlen sie sich gerüstet für den Kampf gegen andere Berliner Bands und gewinnen prompt den Berliner "Battle Of The Bands". Teil des Siegerpreises ist eine Show im Vorprogramm der wiedervereinigten Sex Pistols in der Berliner Arena. Ja, der Sex Pistols. Eigentlich kann man seine Karriere hier beenden, was soll noch kommen? Viel, denken sich die fünf und machen dort weiter, wo sie vor dem Wettbewerb aufgehört haben.
1997 erreicht die Band einen weiteren Meilenstein: Das Label HNO nimmt sie unter Vertrag, veröffentlicht ihren ersten Longplayer "48/49", den sie schlicht nach der Hausnummer ihres Proberaums in der Alten Schönhauser benennen. Es geht steil bergauf mit den Beatsteaks. Auf Tour supporten sie Heroen wie Faith No More, Dog Eat Dog und Lagwagon. Doch solch eine steile Bergfahrt fordert ihre Opfer. Steffi bleibt als erstes Mitglied der Ur-Besetzung auf der Strecke: Sie holen sich Thomas Gotz als neuen Drummer an Bord.
In einem Berliner Studio arbeiten sie 1999 an dem neuem Material zu "Launched". Zu diesem Zeitpunkt ist ihnen noch nicht klar, dass als nächste Etappe ihrer Gipfelfahrt ein Deal mit dem legendären Label Epitaph wartet. Zu Beginn des neuen Millenniums folgt ein hammerhartes Tourjahr, das ebenfalls seinen Tribut fordert: Bassist Ali muss durch Torsten Scholz ersetzt werden.
Doch auch dies hält die Band unbeschadet aus. Sie tourt sich - unter anderem beim Europa-Ableger der legendären Warped Tour mit den Hosen und Pennywise sowie der Deconstruction Tour in Amerika - den Arsch ab und beginnt an "Living Targets" zu werkeln, das 2002 erscheint. Darauf sind die Hardcore-Tage endgültig gezählt, es regiert der gute alte Punkrock.
Am 21.Dezember 2002 haben die fünf Jungs mit Grund die Hosen voll: Sie spielen in der Columbiahalle in Berlin ihr "Wohnzimmerkonzert". Schnuckeliger Name für einen Gig vor über 3.000 Leuten. Ihren Fans bringen sie gar ein Weihnachtsgeschenk mit. Die "Wohnzimmer-EP" voll mit Coverversionen (und Farin Urlaub-Background-Gesang) bekommt jeder Besucher am Eingang geschenkt.
Nun ja, Berge sind hoch und das Besteigen ist gefährlich. So erklimmt die Band den nächsten Gipfel mit Verstärkung. Sie bekommt in den deutschsprachigen Ländern Unterstützung von Warner Music, die als Label neben Epitaph an Bord gehen. Die Amerikaner sind nun nur noch für das Ausland zuständig.
Und dann geht die Post ab. Das punkrock-poppige "Smack Smash" erklimmt im Frühjahr 2004 Platz zehn der deutschen Charts. Nicht verwunderlich, war das letzte Album doch schon nach einem Tag vergriffen (Epitaph hatte zu wenig Exemplare von "Living Targets" gepresst). Fast alle Konzerte sind ausverkauft oder werden in größere Hallen verlegt. Und als Sahnehäubchen gewinnen sie den MTV Europe Music Awards 2004 als Best German Act gegen solche 'Loser' wie Die Toten Hosen, die Ärzte oder Rammstein.
Mittlerweile haben sich die Beatsteaks also als einer der wichtigsten deutschen Alternative-Rock-Acts etabliert und einen weitreichenden Ruf als exzellente Liveband erspielt. Um dies zu dokumentieren und den Erfolg von "Smack Smash" noch ein wenig länger auszukosten, erscheint im November 2005 mit "B-Seite" eine richtig fette Doppel-DVD mit den besten Liveauftritten (u.a. vor 10.000 Leuten in der Berliner Deutschlandhalle), allen Videos sowie einer ausführlichen Bandhistory.
Für ungefähr ein Jahr wird es dann ruhiger um die Band, doch im November 2006 bestätigt ein Statement der Berliner, dass sie sich im Studio befinden, um den Nachfolger des großartigen "Smack Smash" einzuspielen. Tatort ist Hamburg, und laut Bulletin verlaufen die Aufnahmen äußerst harmonisch: "Die Arbeit schreitet in Riesenschritten voran und wir hecheln so gut es geht hinterher, damit auch alles so wird, wie wir es uns in unseren kühnsten Träumen ausgemalt haben", lassen die fünf über das Label verbreiten. Produziert wird abermals von Moses Schneider, und im Frühsommer 2007 geht es erst mal auf ausgedehnte Deutschlandtour.
"Jane Became Insane" baut Anfang 2007 stilistisch eine Brücke zum alten "Smack Smash"-Material. Da auf einer Maxi-CD ziemlich viel Platz ist, beschließt die Band, zwei Songs der befreundeten Band The Roys mit zu veröffentlichen. So finden Beatsteaks-Fans neben der neuen Single auch die Songs "Diana" und "Heart Of The City" vor. Eine schöne Geste, bevor Ende März 07 "Limbo Messiah" wieder alle zufrieden stellt.
Im Sommer tourt die Band ausgiebig und spielt unter anderem bei Rock Am Ring in prominenter Position. Eine für den Herbst angesetzte Europatour muss aus familiären Gründen um einige Wochen unterbrochen werden.
Anfang Oktober erscheint die EP "Demons Galore", die neben dem Albumtrack eine Version von Joy Divisions "She's Lost Control" und das live gespielte "Sabotage" der Beastie Boys enthält. Des weiteren vertritt Dendemann Arnim bei "Wer A Sagt Muss Auch B Zahlen", eine eingedeutschte Version eines Songs der walisischen Partisans, am Mikro. "Kaputt" ist ein stark beatlastiger Remix von "Sharp Cool And Collected". Mit "Pretty Fucked Up" (im Original von den Supersuckers) sind die Roys noch einmal vertreten. Und last not least singen die Buletten "Marmelade und Himbeereis" von Grauzone.
Im Mai 2008 veröffentlichen die Beatsteaks ein ganz besonderes Bonbon für alle Fans ihrer herausragenden Live-Performances: ein Doppel-Live-Album, das nach eigener Aussage "wahrscheinlich das einzige" ihrer Karriere bleiben wird. Neben zwei CDs, die Aufzeichnungen verschiedener Konzerte enthalten, beinhaltet das "Kanonen auf Spatzen"-Package auch eine Live-DVD. Darauf ist ein Mitschnitt des Heimspiels am 7.Juli 2007 in der Berliner Wuhlheide zu sehen.
Torsten und Peter über Schweizer Zöllner, Nebenjobs und Gebietsschutz bei Festivals.
Zürich, es regnet. "Die Straße gibt es nicht", sagt der Taxifahrer. Vermuten wir zumindest, da er ziemlich unverständlich vor sich hin brabbelt.
Diese Orientierungslosigkeit hindert den Taxifahrer aber nicht, einfach mal drauf los zu preschen. Wundersamerweise fährt er uns doch auf direktem Weg zum Hotel und zu den Beatsteaks. Nach ein paar Minuten erscheinen dann auch gut gelaunt Bassist Torsten Scholz und Gitarrist Peter Baumann. Torsten kann es nicht lassen, mit Kollege Möller erst einmal ausführlich über sein Sparta-Shirt zu quatschen. Aber nachdem er bemerkt, dass er den Kürzeren ziehen wird was das Fachwissen angeht, lässt er sich auch gerne zu anderen Themen befragen.
Wir hatten bei der Vorbereitung das Problem, dass wir gar nicht so richtig wussten, ob es überhaupt noch Sinn hat, über das Album zu sprechen. Das Ding ist draußen und ihr macht immer noch regulär Promo?
Peter: Ja, ein bisschen. An der richtigen Promo-Stelle ist es zu kurz gekommen, deswegen machen wir das jetzt, aber wir von uns aus müssen nicht über das Album reden.
Worüber wollt ihr denn reden?
P: Über die Schweiz an sich, den Schweizer an sich.
Torsten: Aber ihr macht das Interview nicht für die Schweizer?!
Nee, für laut.de.
T: Na deswegen ...
P: ... ist es Quatsch.
T : Nee, ich glaube, egal wo wir sind, machen wir immer noch Interviews. Jetzt nicht falsch verstehen, aber die großen Sachen hat man ja abgefrühstückt, und jetzt kommen nach und nach die Kleineren. Wir haben uns gesagt, wenn uns jemand an die Karre pissen will, weil wir ein Interview mit der Bravo machen, dann können wir sagen, wir machen auch mit jeder Schülerzeitung, mit jedem Fanzine eines und deswegen kommen im Laufe der Tour etwas kleinere Anfragen, die man deswegen nicht weniger beachtet. Deswegen kann man über das Album ruhig noch mal reden.
Ist das so, dass ihr wirklich mit jedem ein Interview führt?
T: Ja. Ich hab mal mit der Bundeswehrzeitung aus Versehen ein Interview gemacht. Das wusste ich als Einziger nicht. Der Rest der Band wusste das. Seitdem hab ich gesagt, ich möchte genau wissen, wer bitte das Interview machen will.
Mit der Bundeswehr, das ist ja seltsam. Wie kam das denn?
T: Weiß ich nicht. Im Nachhinein kann ichs sehr gut reproduzieren. Wir saßen alle im Proberaum, ich saß am Fenster und es hieß: "Ja, da ist ein Interview morgen mit der und der Zeitung." Thomas so: "Ich kann nicht, ich hab Umzug", Arnim musste auch ganz wichtig zu seiner Familie, Peter hatte irgendwas mit dem Auto und Bernd wegen Kind und Frau und ich so: "Na ja, dann mach ichs halt." Dann hab ich mich mit dem Typen unterhalten und das war total interessant und der war auch total nett und irgendwann hat er von einer Auflage von 170.000 gesprochen. Ich so: "Boah, das ist aber viel." - "Na ja, die Bundeswehr hat ja auch so und so viel tausend Soldaten!" und ich dann: "Halt mal!" Ich hab dann gleich darum gebeten, dass wir das Interview noch mal von vorne machen. Ich habe dann lang und breit erzählt, dass ich Zivildienstleistender war. Das war mir dann schon wichtig. Da dachte ich: "Die blöden Arschgeigen!" Weil die sich innerhalb von drei Sekunden eine wunderbare Ausrede haben einfallen lassen.
Das ist wahrscheinlich so wie das Deutsche Bahn Magazin oder so.
T: So ein bisschen. Ist wahrscheinlich viel liberaler als man denkt. Natürlich regen sich Leute auf, weil sie sagen: "Ihr seid jetzt in der Yam oder in der Bild am Sonntag!" Das passiert halt, aber ist doch egal. Wenn alle möglichen Hardcore- und Punkrock-Fanzine kommen – so sie denn noch kommen wollen. Viele wollen ja nicht, weil wir ja nicht mehr cool sind.
Ist das so?
T: Ja, das gibt's schon, ich hab mit Arnim mal ein Interview mit einem Hardcore-Fanzine gemacht und die haben dann auch nur Hardcore-Fragen gestellt, da konnten wir dann nur antworten mit Themen von 90 bis 93. Sick Of It All und so, was jetzt schon gar keine Sau mehr hört.
Och, ich schon
T: Na gut, ich auch. Ich hör immer noch Sick Of It All oder geh zum Konzert zumindest. Aber die Kids, die jetzt Hardcore hören, die kennen das wahrscheinlich gar nicht mehr.
T: Uns bis jetzt noch nicht, weil unser Busfahrer immer die Schweizer Zollbeamten mit T-Shirts und Autogrammkarten bestochen hat. Glücklicherweise war es die letzten zwei Jahre so, dass die Zöllner die Beatsteaks kannten und dann so: "Ja kannsch mal Autogrammkarten geben, dann kannsch durch" und so ... (Er versucht sich in Schweizerdeutsch) Das hat dieses Mal nicht geklappt.
Ist das echt so?
T: Eigentlich nicht. Also dieses Mal wars wirklich so, weil wir mit einer großen Produktion unterwegs waren, zwei Trucks und drei Bussen. Da wird so ein Carnet gemacht, wo du jeden Schraubenzieher aufschreiben musst und wenn du Glück hast, bitten sie dich, alles raus zu packen und kontrollieren, und das ist uns halt glücklicherweise noch nicht passiert. Musst halt immer so ein paar – wie nennt man das denn – nicht Bestechungsgeschenke, aber so Mitbringsel ...
P: Aufmerksamkeiten!
T: Aufmerksamkeiten muss man halt dabei haben. Der Busfahrer hat immer Aufmerksamkeiten dabei.
P: Also einmal ist es uns bisher schon passiert, daran kann ich mich erinnern.
T: Ja, mal raus, aber da haben sie nicht alles komplett auseinander genommen.
P: Nee, da war nur mal kurz Verwirrung. So für eine Stunde oder so standen wir da im Nachthemd auf der Grenzstation und dann durften wir wieder rein.
T: Aber so Bus auseinandernehmen ist uns noch nicht passiert. Das ist ja hart!
Nagel beschreibt das ganz cool. Der sagt, dass die Band in ihre Taschen dann immer noch Merchandise T-Shirts mit rein nehmen muss. Das müsst ihr nicht?
T: Das haben wir auch gemacht eine Zeit lang. Also ganz lange, bloß jetzt, wenn man in 3.000er Hallen spielt, hat man halt auch dementsprechend Merch mit. So große Taschen – das ist ja quatsch. Früher, so bis vor drei Jahren, haben wir das schon gemacht.
P: Daran kann ich mich auch erinnern, dass Robin [Der Merchmann der Beatsteaks, d.Red.] rein kam und meinte: "Hier! Musste mal bei dir unterbringen!"
T: Werden wir auch Ende des Jahres bestimmt wieder machen, wenn wir dann in Europa spielen, von Finnland bis Portugal, Zagreb und so. Da gibt's ja wieder einige Strecken, wo wir nicht so viele eigene Sachen mitnehmen und dafür mehr Beatsteaks-Merch. Aber hier brauchen wir das glücklicherweise nicht. Ist das Buch von dem Nagel gut?
Ich frage mich, ob das für eine Band interessant ist, die das alles kennt. Für einen Außenstehenden, der Bands immer nur auf der Bühne sieht oder in Interviews, ist das natürlich interessanter, so was zu lesen. Aber es ist gut geschrieben.
T: Vielleicht kann man den entlarven, indem jemand irgendwann mal offiziell erklärt, der erzählt nur Quatsch?
Ja, oder vielleicht für den Zweck. Ist gut zu lesen. Aber nichts so gut wie das neue Rocko Schamoni. Das finde ich ja super.
T: Besser als "Dorfpunks"?
Nee, aber auch nicht schlechter. Ist halt ein bisschen anders. Der Verlierertyp ist noch sympathischer. Das ist cool. – Wie ist es in der Schweiz zu spielen? Sind die Zuschauer anders drauf als in Deutschland?
P: Die Leute eigentlich gar nicht so sehr. Bloß in der Lautstärkebegrenzung, das ist das Einzige, was immer ein bisschen anders ist.
T: Das ist hart!
P: Wenn da immer eine Lampe steht, die leuchtet, wenn's zu laut ist. Das ist doof.
T: Lautstärke ist schon ein Problem. Unser Soundmann sagt auch immer, es sei doll leise. Ich glaube, die Lautstärke macht schon was aus, die Leute sind ein bisschen ... also ich weiß noch, als wir mal gespielt haben in, ach Gott, gute Frage, Basel oder Bern, da standen vor mir zwei Mädchen. Die haben sich die ganze Zeit rumgeknutscht und haben sich halt einen Scheiß um das Konzert gekümmert. Und alles nur, um unseren Sänger anzumachen, wie ich im Endeffekt mitbekommen habe. Da fand ich schon echt blöd. Ich so: "Man ey, dann geht doch woanders hin!"
P: Ein bisschen Lautstärke gehört zum Gesamteindruck des Konzertes.
T: Aber die Tage sind schon toll. Tagsüber im Club ist halt ganz cool, ein bisschen anders, ein bisschen schicker. Die haben so leckere Käseplatten. Das Essen ist immer saulecker, also das kalte Buffet und Käseplatten und Walnüsse und Weintrauben und so.
P: Hmmmm ...
(Sie kommen ins Schwärmen und verlieren sich in Aufzählungen kulinarischer Allerleis.)
Aber es ist nicht so, dass ihr in Deutschland Heimspiel habt und sobald ihr über die Grenze geht, müsst ihr anders spielen?
T: Ja doch, das muss man sich schon sagen, alles andere wäre arrogant. Gut, das ist auch deutschsprachig hier, Schweiz, Österreich, aber trotzdem ist das Ausland für mich und heute ist die Halle auch relativ groß, 2.000?
P: 2.000 ja, 2.500 glaub ich.
T: Und auch ausverkauft wohl, aber es ist trotzdem für mich Ausland und dann muss mans auch ein bisschen so sehen.
Aber die Columbiahalle ist dann wahrscheinlich schon eine andere Stufe.
T: Natürlich ist das noch mal was anderes, wenn man in Berlin spielt. Aber es gibt auch einen Unterschied zwischen Köln, München und der Schweiz. (Es entsteht eine kurze Stille) Du musst dir jetzt aber nicht krampfhaft Fragen über die Schweiz aus dem Kreuz leiern. Frag einfach!
P. Ja, das hab ich bloß gesagt.
T: Jetzt seit ihr langfristig vorbereitet und so. Macht doch einfach.
P: Mega hervorragend.
T: (Aus heiterem Himmel) Milka heißt übrigens Milch und Kakao, daher kommt der Name.
P: Nee!
T: (brummt zustimmend)
P: Wusst ick nich.
T: Aber icke!
P: Jetzt wo du es sagst, trifft sich das ganz gut, weil genau so schmeckt es ja auch. (lacht)
T: Und die anderen Buchstaben, M-I-L...
P: CH weggelassen.
T: K-A, und K-A-O weggelassen.
P: Da kann man ja aus den Weggelassenen ein neues Wort machen: Lchka.
T: Nee, Chkao.
P: Kaoch! Ccchhhhh... egal!
In der Schweiz heißt das dann aber "krch".
T: Krch! Stimmt!
P: Genau, krch!
Ihr habt den Ruf, eine außerordentlich gute Live-Band zu sein und jetzt steht die Festivalsaison ins Haus. Ihr spielt nicht wahnsinnig viele, aber doch eine ganze Reihe Festivals.
T: Ja doch, wir spielen relativ viel.
P: Sind noch nicht alle bekannt.
T: Die wirst du erst nach Rock im Park erfahren, wo wir noch spielen, weil es gibt ja so was wie Gebietsschutz. Wir dürfen mit ganz vielen Sachen noch nicht rausgehen. Also alle Festivals, die momentan angekündigt werden mit "Headliner wird demnächst bekannt gegeben," das sind dann wir. (lacht)
P: (lacht mit) Alle!
T: Es kommen halt nach Rock am Ring und Rock im Park noch ein paar Festivals dazu, die wir noch nicht verraten dürfen.
Wegen Marek Lieberberg. Aber was ich wissen wollte: Wie empfindet ihr das denn, dieses angekarrt werden zu einem Festival, einen Tag da zu spielen und dann vielleicht noch zum Zwillingsfestival zu müssen?
P: Also ich finde das gut. Mir macht das persönlich total Spaß, wenn man so einreitet auf eine schon laufende Veranstaltung, kurz brrrrrrrupp, alles aufrührt, und dann wieder abhaut. Ick find det jut.
T: Man darfs halt nicht so sehen. Es ist natürlich einfach zu sagen, du wirst da so rumgekarrt. Für die Band ist das auch eine Möglichkeit. Wir können jetzt an dem Wochenende innerhalb von 24 Stunden vor mehr als 130.000 Leuten zu spielen. Und sind da hoffentlich so gut, dass ein paar sagen: "Wer war denn das? Ich kenn die gar nicht, cool." Man kann das halt so sehen, dass man da hingekarrt wird, sich kurz hinzeigt. Aber das ist ja unser Job, wir karren uns ja selber überall hin. Auf einer Scheiß Europalette machen wir uns zwei Stunden zum Kasper, hauen dann wieder ab und lassen uns zum nächsten Venue karren. Deswegen ist das ja auch unser Leben und es macht uns ja auch viel Spaß. Und wenn man da Vorbehalte hat, kann ich das total verstehen, aber keiner von uns würde das machen, wenn er was dagegen hätte.
P: Hab ich auch noch nie so gesehen, das es so ist. Ist mehr so: "Hoho, geil, wann spielen wir denn?", kurz die Bombe platzen lassen und wieder nach Hause gehen. Find ick jut.
Du hast ja gesagt, dass ihr vor Tausenden von Leuten spielt jetzt am Wochenende bei Rock am Ring. Das wird von MTV auch live übertragen. Setzt das zusätzlich unter Druck?
T: Nein, überhaupt nicht! (lacht)
P: Keinesfalls!
T: Der Druck ist gleich null, weil es sind ja auch nicht viele Leute. Mir ist das total egal, ich scheiß mir in die Hosen, ob das jetzt live übertragen wird oder nicht. Natürlich versuchen wir, uns bestmöglich vorzubereiten ... (Peter möchte an dieser Stelle etwas sagen, Thorsten wendet sich an ihn) ... oder möchtest du Antwort geben? Ich antworte schon die ganze Zeit.
P: Nee!
T: Ich antworte immer viel mehr als Peter.
P: Du machst das schon ganz gut
T: Wir versuchen uns da schon immer so optimal wie möglich vorzubereiten. Wir haben versucht, die Tour so zu legen, dass wir bis dahin so 15, 16 Konzerte spielen, auch in großen Hallen, damit man in dieses ganze Brimborium rein kommt. Wir haben unseren Soundmann dabei, haben auch jemanden im Übertragungswagen sitzen. Eine gewisse Anspannung ist das glaube ich schon, aber unser Soundmann Tom sitzt halt schon seit Tagen mit uns nach den Konzerten zusammen und sagt immer: "Das ist alles scheißegal, ob ihr jetzt in Augsburg in der Kantine spielt vor 500 Leuten, oder in der Zelle in Reutlingen vor 300 oder vor 7.000 in der Hamburger Sporthalle oder vor 80.000, das sind alles Konzerte. Ihr fünf müsst auf der Bühne stehen und Spaß haben!" Und das sagen wir uns dann auch. Wir glauben ja auch irgendwann, was Tom zu uns sagt. Und wenn wir fünf Spaß haben und ich mich mit Thomas anrotze und wenn man einfach so Konzerte spielt, als wenn keiner da ist oder so, dann störts dich auch nicht, wenn da Aufnahmen sind. Wenn man darüber nachdenkt, dann verdudelt man sich und verkrampft ein bisschen, dann denkt man natürlich gleich: "Oh Gott, jetzt sehens vielleicht nicht nur die 80.000 hier, sondern auch die 10.000 MTV-Gucker." (lacht) Das sind ja eh viel weniger, als die bei Rock am Ring, von daher ist es mir sowieso Latte. Man muss halt einfach Spaß haben, wenn wir fünf gute Laune haben und die anderen auf der Bühne mit anstecken, dann kann nichts passieren. Da können uns Leute immer noch scheiße finden, aber das ist mir dann egal. Weil dann hab ich ja gute Laune, dann weiß ich, dass Peter mir danach einen Kuss gibt und sagt: "Hey, das war total geil! Komm jetzt lass uns Bier trinken und Slayer gucken." Dann ist alles okay. Wenn das nicht passiert, dann macht man sich auch Sorgen wegen dieser Liveübertragung. (zu Peter) War das jetzt okay?
P: Besser gehts ja gar nicht, jeht ja jar nich bessa!
P: Oh ja!
Sind die Beatsteaks mittlerweile ein Selbstläufer geworden?
P: Nee, das glaube ich nicht. Das ist immer nur für eine bestimmte Zeit, glaube ich. Wer weiß. Also wir sagen uns das nicht, dass wir irgendwie ein Selbstläufer sind. Wir stehen unter dem permanenten Druck, uns selber beweisen zu wollen, dass wir es drauf haben. Und deswegen ruhen wir uns auch nicht aus. Dieses MySpace-Dings, da hatten wir ja auch ewig nicht gespielt davor, erstes Konzert nach der Platte sozusagen und da war es ja ganz klar, dass in Berlin voll wird. Nee, wir machen uns da schon noch n Kopp und es ist nicht egal. Wir sehen uns auch nicht als Selbstläufer.
T: Vor allem, das geht dann auch ganz schnell. In einem halben Jahr, da kommen dann nicht 17.000 in die Wuhlheide, sondern vielleicht 4.000, weil man sich halt irgendwo dachte: "Ach hier, komm!" (pfeift) Die Plattenverkäufe gehen ja auch super, für uns ist alles perfekt. Aber die Plattenfirma ist ja immer so hinterher, also wenn man da so richtig die Hände in den Schoß legt, dann passiert halt auch nichts.
Ist das arg anders, nach dem Wechsel von Epitaph zu Warner?
T: Ja schon. Also nicht nur, weil ich, wenn ich nachts vom Auflegen komme, vor so einer riesengroßen Litfasssäule stehe, wo unsere Fressen druff sind oder S-Bahn fahre und denke "Oh Alter. Krass!" Man kann halt jederzeit, wenn wir mit unserem Booker zusammensitzen oder wir haben ne Bangbesprechung ...
P: Haha, ne Bangbesprechung ... das wird ja immer schöner. (lacht)
T: (lacht auch) ... ne Bandbesprechung, dann kann ich danach halt schnell in Hamburg anrufen beim Produktmanager. Der ist mittlerweile auch ein Kumpel. Man kann halt einfach mal telefonieren und dann ist der auch am übernächsten Tag da.
P: Der Kontakt ist auf jeden Fall besser. Es ist generell besser, find ick.
T: Auf jeden Fall.
P: Natürlich gibt es immer irgendwo irgendwelche negativen Sachen, aber die guten wiegen das wieder auf.
T: Die gibt's überall, auch wenn du jetzt bei einem ganz kleinen Indie-Label bist, das dein Kumpel macht, der dann einfach mal keine Zeit hat, weil er nebenbei noch arbeiten muss, weil sonst geht's vielleicht nicht. Und jetzt ist halt so, wir planen unsere Europatournee im September und wir spielen nur da, wo auch die Platte rauskommt. Und das ist halt ganz geil. Du kannst unseren Typen bei der Warner in Hamburg anrufen und der sagt: "Pass uff, wir haben jetzt die Anfragen, Spanien, England dauert noch, da kommt noch was raus," und dann spielt man halt drei, vier Konzerte, wenn die Platte rauskommt. Bei Epitaph ... Klar, war die Platte weltweit draußen, aber wenn sie mal in England im Laden stand, haste dich gefreut und hast gefragt: "Na wie sieht's aus in Holland?" - "Ja ja, wir kümmern uns drum," und es hat sich keiner wirklich drum gekümmert. Es war einfach, mit der "Smack Smash" Geld im Schlaf zu verdienen, ohne was dafür zu tun. Und das ist jetzt, glaub ich, nicht so. Man sieht die Arbeit, die geleistet wird. Schon alleine, dass immer ein Vertreter von der Plattenfirma da ist. Wo ich manchmal denke ...
P: "Warum eigentlich?" (lacht)
T: Aber das ist okay, das gehört halt dazu, dass die Frau einen immer überall hinführt und so weiter. Man fühlt sich schon betreut.
Lasst uns noch mal kurz auf die Fanzine-Geschichte zurückkommen, die ihr vorhin erwähnt habt. Du, Peter, beantwortest die Fanmails angeblich alle selber?
T: Alle sagen immer angeblich!
P: Soweit et geht ja.
Das ist doch bestimmt eine Mordsarbeit. Da kommen doch sicherlich auch Anfragen hundertmal.
P: Also wenn da so Anfragen kommen: "Wollt ihr nicht bei uns so ...," das schieb ich dann immer ans Management ab, weil da gingen mir irgendwann auch die Ausreden aus, weswegen wir jetzt auf deinem Geburtstag nicht spielen können und so. Das überlasse ich härteren Kalibern. Aber alle anderen Fragen versuche ich zu beantworten. Bis jetzt gehts noch. Alle anderen haben auch so einen kleinen Nebenjob bei uns, außer Musik machen, und das ist halt meiner.
(Zu Torsten) Was machst du?
T: Icke? Ich hab mich bis vor kurzem noch relativ intensiv um den Internetshop gekümmert, Beatstuff. Als das dann mit dem Ticketverkauf anfing, hab ich immer noch so Tickets mit eingetütet und pack manchmal auch so Sachen. Aber das wird auch immer weniger, weil es halt immer mehr wird und wir jetzt unterwegs sind. Bei mir isses halt so der Shop, bei Thomas isses die Homepage. Arnim ist derjenige, der sich immer mit dem Typen zusammen setzt, wenns um T-Shirts geht und die Verbindung von Band und Management. Bernd kümmert sich um den ganzen Proberaumscheiß, wenn mal irgendwas kaputt ist oder so. Peter ist halt der mit den Emails, und da ist man dann auch schon mehr oder weniger ausgelastet. Wenn ich mal so zwei, drei Nächte mit Robin, unserem Mercher im Büro zusammensitze, dann hat er mal frei, dafür muss Peter auf Tour halt jeden Tag Emails machen, wo ick nüscht zu tun habe. Aber man kann halt irgendwann nicht mehr alles machen, auch wenn ich das blöd fand, dass ich keine Pakete mehr verschicken kann.
Ist es schwierig, so was aus der Hand zu geben?
T: Für mich war das voll blöd, ja. Aber jetzt arbeitet meine Schwester da oben. Das freut mich sehr, aber eigentlich wollte ich selber die ganze Zeit da oben sein, aber das geht halt irgendwann nicht mehr.
Was hat es mit den Roys auf sich, die auf der B-Seite zu "Jane Became Insane" zu hören sind?
P: Ach, wat is damit?
T: Wat is mit Roy los?
P: Nee, das ist bloß so ein Spaß-Dingens nebenbei. Da sind keine Ambitionen mit verknüpft. Ich fand das ja lustig, dass dann gleich ne MySpace-Seite und so was passiert ist.
Von Anfang an klar, dass das ...
P: Nee, das war nur so ein nettes Nebenbei. Projekt würde ichs ja noch nicht mal nennen.
Das hat also auch keine Zukunft?
P: Natürlich haben die Roys Zukunft, die haben wahrscheinlich eine längere Zukunft als alle anderen, aber die Roys sind auch auswechselbar.
T: Sich immer schön die Singles kaufen!
(Alle lachen)
T: Ja, die Roys sind ein Verkaufsargument.
Wenn ihr jetzt so viel auf Tour seid, wie lässt sich das vereinen mit den Kindern?
P: Äh, schlecht, schlecht, schlecht. Aber es geht, also man kann ja nicht rumheulen, weil es gibt ja auch noch andere, die auch Kinder haben, denen geht's ja genauso, deswegen kann ich nicht sagen: "Oh mir gehts aber besonders schlecht!" Erstens bin ich noch nicht so lange Vater, und zweitens muss ich mich ja dran gewöhnen, weil das ist ja mein Beruf. Ich glaube nicht, dass man Nachteile hat anderen Lebensformen gegenüber. Wenn jetzt jemand von früh bis abends ganz normal zur Arbeit geht, zur Schicht, und abends erst nach Hause kommt, sieht er sein Kind vielleicht auch nicht mehr als icke. Und von daher ... das muss ich mir halt immer wieder sagen und dann geht das.
Irgendwann kommen sie dann mit.
P: Ja. Wenn sie groß sind.
T: Ja wie? Mitkommen?
P: Ja klar. Wir versuchen da eine zweite Generation ranzuzüchten, dass dann auch fürs Alter was da ist ...
T: Dass die anderen von außen nicht merken, dass die Beatsteaks auf einmal stumpf 30 Jahre jünger sind!
Am Abend beweisen die Beatsteaks im Volkshaus in Zürich, dass sie diese jüngere Generation noch nicht brauchen. Wenn jemand so über die Bühne rockt wie die fünf Jungs aus Berlin, halten die mindestens so lange durch wie die Rolling Stones.
Das Interview führten Mathias Möller und Sara Käfer.
Kommerz! Ausverkauf! Hippies! ... Man kann den Beatsteaks vieles vorwerfen. Warum das grober Unsinn ist, erklärt Schlagzeuger Thomas.
Es ist Anfang Dezember und bitterkalt im Palladium, in dem die Beatsteaks am Abend vor 4.000 Leuten auftreten. Im Soundcheck spielen sie The Cure, es folgt eine Fotosession auf der Bühne. Komischer Typ, dieser Schlagzeuger, denke ich beim Zuschauen: Wieso hat der sich so ein dünnes, hässlich-türkisfarbenes Hippie-Tuch um die Schultern gelegt? Genau dieser merkwürdige Vogel sagt etwas später zur Promoterin: "Ok, ich nehme das Interview mit Laut". Thomas Gotz, der einzige Schwabe in der Berliner Band, soll also mein Gesprächspartner werden.
Vor nicht einmal einem Monat setzten sich die Beatsteaks bei den MTV Europe Awards gegen Konkurrenz wie Die Ärzte und Rammstein durch: Sie nahmen den Preis für den besten deutschen Act aus Rom mit nach Hause. Die Party muss ja der Wahnsinn gewesen sein! "Ich war leider nicht dabei. Zu der Zeit lag ich krank im Bett. Die anderen haben da so ziemlich jeden wichtigen Star getroffen und ordentlich einen drauf gemacht." Wirklich traurig darüber, dass er nicht dabei war, hören sich Thomas' Worte allerdings nicht an.
Was er sicher nicht verpasste, waren die Aufnahmen zum Hit-Album "Smack Smash". Die Beatsteaks spielten die Platte live ein - lastete da nicht ein extrem hoher Druck auf der Band? "Nein, das war eher das Gegenteil." Die Jungs hätten vorher sehr viel geprobt. Als sie die Songs anschließend aufnahmen, schien es ihnen, als habe sich die Situation kaum verändert. "Deshalb ist es viel entspannter, so aufzunehmen, als wenn man jede Spur einzeln einspielt." Die Entscheidung, dieses Album mit einer anderen Technik aufzunehmen, ist jedoch nicht aus dem Drang zur Weiterentwicklung entstanden. Die Beatsteaks nähmen sich eine Veränderung nicht gezielt vor.
Man habe sich vielmehr "vor allem zwischenmenschlich entwickelt", meint Thomas. Einigen mag es komisch erscheinen, dass eine Band gerade mit dem Erfolg zusammen wächst. Sich noch näher kommt, als sie es ohnehin schon war. Doch schaut man sich eine Live-Show der Beatsteaks an, so kann man nicht anders, als ihnen glauben. Man merkt, wie nah sich die Personen, die da auf der Bühne feiern, sind.
Auf ihrer letzten Single "Hello Joe" huldigen die Beatsteaks dem The Clash-Sänger Joe Strummer. Doch warum gerade Strummer? Bei den Ramones, ebenfalls Heroen des Punk-Rock, gab es ja in letzter Zeit auch einige Tote zu beklagen! "Ich konnte immer mehr mit The Clash anfangen." Die Briten waren Thomas' Helden. Er brachte sie einst den anderen Bandmitgliedern nahe. Aber gerade wegen dieser Verehrung für The Clash und die Person Strummer hätte er sich "wohl nie getraut, vorzuschlagen einen Song für Joe Strummer zu schreiben". Das sei einer Idee von Sänger Arnim entsprungen.
Auf der B-Seite der "Hello Joe"-Single finden sich deutsche Lyrics, wie es sie in der Anfangszeit der Band vereinzelt gab. Allerdings stammen die deutschen Vocals zu "Frieda Und Die Bomben" nicht von Arnim, sondern kommen aus dem Mund des Turbostaat-Sängers Jan. Könnte die Band es sich vorstellen, selber wieder auf deutsch zu singen? "Vielleicht wäre das auf dem nächsten Album mal wieder eine Option."
Doch zurück in die Vergangenheit: Nach dem letzten Album "Living Targets" trennten sich die Beatsteaks von ihrem langjährigen und sehr namhaften Indie-Label "Epitaph". Ausgerechnet beim Major-Riesen Warner fanden sie Unterschlupf. Hat dieser Wechsel was mit Problemen bei Epitaph zu tun? Nun, Epitaph Europe sitzt in Holland, da kam es schnell zu Sprachbarrieren: "Es war schwierig, sich mit Holländern auf Englisch zu streiten." Und das tut man ab und an, weil eine Band sich die Arbeit manchmal anders vorstellt, als das Label. Außerdem konnte Epitaph den Stand der Beatsteaks auf dem deutschen Musikmarkt am Schluss nicht mehr korrekt einschätzen. So wurden beim letzten Album nicht genug CDs gepresst, "weil die einfach nicht abschätzen konnten, wie viel sich in Deutschland verkaufen würde".
Mit Warner gibt es nun vor allem eins: "Viel mehr Promo ... wir haben nicht gedacht, dass wir zum Album drei Videos machen, die dann auch noch alle im Fernsehen laufen." Während Thomas das erzählt, wirkt er einerseits immer noch erstaunt darüber, seine eigenen Songs auf MTV zu entdecken. Auf der anderen Seite scheint er in dieser Hinsicht ziemlich abgeklärt oder einfach nur auf dem Boden der Tatsachen geblieben.
Doch dieser Label-Wechsel und der damit verbundene Erfolg zieht auch Skeptiker und Neider an. Die werfen den Bands dann gerne den Ausverkauf vor. Können die Beatsteaks das noch hören? Nehmen sie es überhaupt ernst? Anscheinend nicht. "Das bringt den Fans doch Vorteile", so einfach ist Thomas' Meinung dazu. Sie bekommen Videos der Beatsteaks zu sehen, der Vertrieb liefert genug CDs aus ... Nein, (aus)verkauft hätte sich die Band nicht im geringsten.
Dies könnten ihnen allzu fanatische Unabhängigkeits-Verfechter auch aus einem anderen Grund vorwerfen: Mit ihrem Background im Punkrock bekommen die Beatsteaks unzählige Anfragen, ob sie auf diversen Soli-Konzerten auftreten. Doch die Jungs haben sich dagegen entschieden, jeden umsonst mit ihrem Auftritt zu unterstützen. Oben erwähnte Kritiker heulen nun: Für Geld machen die alles, aber was Gutes tun ... Nun, die Beatsteaks hatten ihre Gründe, nicht mehr auf jedem Konzert für einen guten Zweck aufzutauchen. Es wäre schlicht zu viel geworden. So setzten sie sich zusammen, um ihre Prioritäten zu finden. Heraus kam dabei, dass sie sich vorrangig auf Soli-Konzerten gegen sexuellen Missbrauch aussprechen wollen. Doch wie kommt gerade eine reine Männer-Band auf dieses Thema? "Das ist vielleicht nicht das Thema, das man bei einer Jungs-Band erwarten würde", überlegt Thomas, "aber vielleicht haben wir es gerade deswegen gemacht!?"
Nach diesem schweren Thema kommen wir ein wenig ins Plaudern. Gemeinsam überlegen wir, was ein wirklich erstrebenswerter Job wäre (wenn wir nicht schon so einen tollen hätten ...). Bei Rough Trade (dem legendären Plattenlabel von Smiths- und Strokes-Entdecker Geoff Travis) in England zu arbeiten, gehört für uns beide definitiv dazu. "Und wenn man dann mal Tee mit Morrissey getrunken hat, könnte man ohnehin aufhören", schwärmt Thomas. Oder man würde es schaffen, die Libertines wieder zusammen zu bringen. Aber wir sollten nicht zu viel träumen. Statt dessen streiten wir uns zum Abschied noch ein wenig darüber, welcher der beiden Libertines-Frontmänner denn nun besser aussieht (er ist für Peter, ich für Carl). Komisch? Nein! Thomas ist wirklich ein sehr Sympathischer!
Kanonen auf Spatzen (2008)
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