- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
"Wie kannst du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?", fragen die Ärzte auf ihrem Hit "Unrockbar". Die hier geehrte Band besteht aus fünf jungen Männern, gerne ihrer Heimatstadt Berlin entsprechend auch Beatbuletten genannt, und gründet sich 1995 in der frisch aufgebackenen deutschen Hauptstadt. Arnim Teutoburg-Weiß (Gesang), Peter Baumann (Gitarre, Backing Vocals), Bernd Kurzke (Gitarre), Alexander "Ali" Rosswaag (Bass) und Stefan "Steffi" Hircher (Schlagzeug) backen da selbst noch sehr kleine Brötchen und besuchen eine der vielen Berliner Oberschulen.
Der Gründervater der Band ist Bernd. Er holt nacheinander Steffi, Ali und Peter an Bord. Der überredet dann Freund Arnim zum Schritt ans Mikro. Wie so viele andere Jungs versuchen sie sich an der klassischen Besetzung mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Heraus kommt Punkrock mit Hardcore-Elementen.
Wahrscheinlich bespielen auch die Beatsteaks die Jugendclubs der Stadt, bis ihnen schwant, was sie anders machen müssen. Statt an den blöden "Senatorin für Frauen und Jugend"-Bandwettbewerben oder wie sie alle heißen mögen, teilzunehmen, nehmen sie ihr Demo ("Beatsteaks - Die Erste") auf einer 4-Spur-Maschine auf. Das verkauft sich dann auch ordentliche 1.000 Mal.
Nach diesem Erfolg fühlen sie sich gerüstet für den Kampf gegen andere Berliner Bands und gewinnen prompt den Berliner "Battle Of The Bands". Teil des Siegerpreises ist eine Show im Vorprogramm der wiedervereinigten Sex Pistols in der Berliner Arena. Ja, der Sex Pistols. Eigentlich kann man seine Karriere hier beenden, was soll noch kommen? Viel, denken sich die fünf und machen dort weiter, wo sie vor dem Wettbewerb aufgehört haben.
1997 erreicht die Band einen weiteren Meilenstein: Das Label HNO nimmt sie unter Vertrag, veröffentlicht ihren ersten Longplayer "48/49", den sie schlicht nach der Hausnummer ihres Proberaums in der Alten Schönhauser benennen. Es geht steil bergauf mit den Beatsteaks. Auf Tour supporten sie Heroen wie Faith No More, Dog Eat Dog und Lagwagon. Doch solch eine steile Bergfahrt fordert ihre Opfer. Steffi bleibt als erstes Mitglied der Ur-Besetzung auf der Strecke: Sie holen sich Thomas Gotz als neuen Drummer an Bord.
In einem Berliner Studio arbeiten sie 1999 an dem neuem Material zu "Launched". Zu diesem Zeitpunkt ist ihnen noch nicht klar, dass als nächste Etappe ihrer Gipfelfahrt ein Deal mit dem legendären Label Epitaph wartet. Zu Beginn des neuen Millenniums folgt ein hammerhartes Tourjahr, das ebenfalls seinen Tribut fordert: Bassist Ali muss durch Torsten Scholz ersetzt werden.
Doch auch dies hält die Band unbeschadet aus. Sie tourt sich - unter anderem beim Europa-Ableger der legendären Warped Tour mit den Hosen und Pennywise sowie der Deconstruction Tour in Amerika - den Arsch ab und beginnt an "Living Targets" zu werkeln, das 2002 erscheint. Darauf sind die Hardcore-Tage endgültig gezählt, es regiert der gute alte Punkrock.
Am 21.Dezember 2002 haben die fünf Jungs mit Grund die Hosen voll: Sie spielen in der Columbiahalle in Berlin ihr "Wohnzimmerkonzert". Schnuckeliger Name für einen Gig vor über 3.000 Leuten. Ihren Fans bringen sie gar ein Weihnachtsgeschenk mit. Die "Wohnzimmer-EP" voll mit Coverversionen (und Farin Urlaub-Background-Gesang) bekommt jeder Besucher am Eingang geschenkt.
Nun ja, Berge sind hoch und das Besteigen ist gefährlich. So erklimmt die Band den nächsten Gipfel mit Verstärkung. Sie bekommt in den deutschsprachigen Ländern Unterstützung von Warner Music, die als Label neben Epitaph an Bord gehen. Die Amerikaner sind nun nur noch für das Ausland zuständig.
Und dann geht die Post ab. Das punkrock-poppige "Smack Smash" erklimmt im Frühjahr 2004 Platz zehn der deutschen Charts. Nicht verwunderlich, war das letzte Album doch schon nach einem Tag vergriffen (Epitaph hatte zu wenig Exemplare von "Living Targets" gepresst). Fast alle Konzerte sind ausverkauft oder werden in größere Hallen verlegt. Und als Sahnehäubchen gewinnen sie den MTV Europe Music Awards 2004 als Best German Act gegen solche 'Loser' wie Die Toten Hosen, die Ärzte oder Rammstein.
Mittlerweile haben sich die Beatsteaks also als einer der wichtigsten deutschen Alternative-Rock-Acts etabliert und einen weitreichenden Ruf als exzellente Liveband erspielt. Um dies zu dokumentieren und den Erfolg von "Smack Smash" noch ein wenig länger auszukosten, erscheint im November 2005 mit "B-Seite" eine richtig fette Doppel-DVD mit den besten Liveauftritten (u.a. vor 10.000 Leuten in der Berliner Deutschlandhalle), allen Videos sowie einer ausführlichen Bandhistory.
Für ungefähr ein Jahr wird es dann ruhiger um die Band, doch im November 2006 bestätigt ein Statement der Berliner, dass sie sich im Studio befinden, um den Nachfolger des großartigen "Smack Smash" einzuspielen. Tatort ist Hamburg, und laut Bulletin verlaufen die Aufnahmen äußerst harmonisch: "Die Arbeit schreitet in Riesenschritten voran und wir hecheln so gut es geht hinterher, damit auch alles so wird, wie wir es uns in unseren kühnsten Träumen ausgemalt haben", lassen die fünf über das Label verbreiten. Produziert wird abermals von Moses Schneider, und im Frühsommer 2007 geht es erst mal auf ausgedehnte Deutschlandtour.
"Jane Became Insane" baut Anfang 2007 stilistisch eine Brücke zum alten "Smack Smash"-Material. Da auf einer Maxi-CD ziemlich viel Platz ist, beschließt die Band, zwei Songs der befreundeten Band The Roys mit zu veröffentlichen. So finden Beatsteaks-Fans neben der neuen Single auch die Songs "Diana" und "Heart Of The City" vor. Eine schöne Geste, bevor Ende März 07 "Limbo Messiah" wieder alle zufrieden stellt.
Im Sommer tourt die Band ausgiebig und spielt unter anderem bei Rock Am Ring in prominenter Position. Eine für den Herbst angesetzte Europatour muss aus familiären Gründen um einige Wochen unterbrochen werden.
Anfang Oktober erscheint die EP "Demons Galore", die neben dem Albumtrack eine Version von Joy Divisions "She's Lost Control" und das live gespielte "Sabotage" der Beastie Boys enthält. Des weiteren vertritt Dendemann Arnim bei "Wer A Sagt Muss Auch B Zahlen", eine eingedeutschte Version eines Songs der walisischen Partisans, am Mikro. "Kaputt" ist ein stark beatlastiger Remix von "Sharp Cool And Collected". Mit "Pretty Fucked Up" (im Original von den Supersuckers) sind die Roys noch einmal vertreten. Und last not least singen die Buletten "Marmelade und Himbeereis" von Grauzone.
Im Mai 2008 veröffentlichen die Beatsteaks ein ganz besonderes Bonbon für alle Fans ihrer herausragenden Live-Performances: ein Doppel-Live-Album, das nach eigener Aussage "wahrscheinlich das einzige" ihrer Karriere bleiben wird. Neben zwei CDs, die Aufzeichnungen verschiedener Konzerte enthalten, beinhaltet das "Kanonen auf Spatzen"-Package auch eine Live-DVD. Darauf ist ein Mitschnitt des Heimspiels in der Berliner Wuhlheide 2007 zu sehen.
Nach dem vielen Touren gönnen sich die Jungs erstmal eine längere Pause, bis es Anfang 2011 endlich wieder neues Material gibt. "Boombox" wird nahezu im klassischen Do-It-Yourself-Style im Proberaum aufgenommen und sahnt Kritiker-Lobeshymnen ab. Erwachsener und vielschichtiger seien sie geworden. Sie lassen mehr Einflüsse zu und sind vielseitiger, bleiben aber im Grunde ihren Punkrock-Wurzeln treu.
Für die Single "Milk & Honey" lassen sich die Beatsteaks einen besonders schönen Promo-Gag einfallen: Sie veröffentlichen Text, Akkorde und Noten des Songs und fordern die Fangemeinde auf, ihnen Beiträge zuzuschicken. Zwei der "Milk & Honey"-Versionen landen auf der Single.
Die sympathischen Beatsteaks sind im Deutschen Rock-Olymp angekommen. Das beweisen volle Konzertsäle und überschwängliche Plattenkritiken. Wer waren noch gleich die Ärzte?
Bernd und Torsten über das neue Album, perfekte Pläne und Kanye West.
An einem klirrend kalten Dezembertag halten die Beatsteaks Hof in München. Im Hotel, in dessen Foyer vor einigen Jahren Liam Gallagher ordentlich eins auf die Mütze bekam, unterhalte ich mich mit den äußerst gesprächigen Beatschnitzeln Bernd und Torsten.
Zuvor gabs noch das neue Album betitelt "Boombox" aufs Ohr, das nach dem ersten Durchlauf ordentlich Lust auf mehr macht. Mindestens genauso gut gelaunt fand ich auch meine Gesprächspartner im Nebenzimmer vor. Nach ersten geographischen Einordnungen (ein Österreicher interviewt für eine Konstanzer Redaktion zwei Berliner in München) steht einem lockeren Gespräch nichts mehr im Weg.
"Boombox" erscheint am 28. Januar. Mal vorweg: Wie wurde der Titel eigentlich ausgeknobelt?
Bernd: Das ist eine ganz einfache Geschichte. Wir haben immer so riesige Zettel bei uns im Proberaum hängen, da schreibt dann jeder seine Wünsche drauf. Ich komm jedes Jahr mit demselben Vorschlag an, der wird aber nie genommen. Das ist dann ein Sammelsurium von Worten, Wortspielen, halben Sätzen, ganzen Sätzen, totaler Quatsch meistens.
Ich glaube, Peter hat dann irgendwann ganz klein "Boombox" drauf geschrieben, auch nicht in der Erwartung, dass sich irgendjemand dafür interessieren wird. Es entspricht auch genau dem, was wir gerade machen. fünf Leute in ner Box, und die macht boom, ne? Außerdem hören wir uns die Roughmixe, die ja täglich reinkommen, auf einer Boombox ab, also auf so einem kleinen Ghettoblaster. Das ist so eine Referenzabhöre für uns, wenn es da gut klingt, funktionierts auf jeder beschissenen Anlage der Welt.
Die Arbeiten am Album wurden ja gerade erst abgeschlossen, ihr seid sicher noch nah dran am Material?
Torsten: Ja, man will noch nicht so richtig loslassen (gähnt) Entschuldigung, ick musste um Sechs aufstehen.
Radiotermine?
Torsten: Gleich mehrmals. Rock-Antenne, Energy, alles mitgenommen. Die Promonutten sind am Start! (lacht und klatscht Bernd aufs Bein)
Bernd: Das war dir jetzt ein Bedürfnis, oder wat?
Torsten: Ja, wenn ich die anderen drei nicht habe (lacht)
Obwohl es vielleicht noch schwer ist, "Boombox" aus der Distanz zu betrachten: Wie wird sich dieses Album in den restlichen Beatsteaks-Katalog einfügen?
Torsten: Ich hoffe, dass es so ein bisschen das Kompott aus allen ist. Ich finde, dass wir auf der Platte sehr konsequent für den Song gegangen sind. Waren bei der letzten Platte vielleicht zwei, drei Songs in einem drin, haben wir es bei dieser Platte konsequenter durchgezogen. Die Sachen sind beim ersten Hören vielleicht ein bisschen poppiger und eingängiger, sind aber in sich relativ vielschichtig.
Wir haben uns um jeden Scheiß-Ton, um jeden Abschlag, um jeden Takt, Einzähler so einen Kopf gemacht, dass es eine relativ konsequente Platte geworden ist. Auch mit dem Sound, der da jetzt mit unserem Mixer Nick Launay gewählt wurde, ist es alles sehr konsequent, find ich.
Mir kam es auch so vor, als sei es kein Album, das man beim ersten Mal komplett entschlüsselt. Es ist eher eine Platte, der man auch nach einiger Zeit neue Facetten abgewinnen kann.
Bernd: Das ist super!
Torsten: Dankeschön, das kannste genau so abdrucken! (lacht)
Bernd: Das sag ich eigentlich bei jeder Platte, dass es hoffentlich so ein Album ist, denn das sind für mich die besten Platten, die gemacht wurden. Solche, die sich nicht beim ersten Zuhören von vorn bis hinten erschließen, sondern eine größere Halbwertszeit haben als ein paar Wochen. Sonst hörst du es drei Wochen und dir hängts zum Hals raus. Wenn du das so siehst, freuts uns ungemein!
Der Aufnahmeprozess war ja etwas anders. Ihr habt nicht in einem großen Studio mit vielen Technikern und großen Produzenten aufgenommen, sondern das Ding im Do It Yourself-Modus gemacht, oder?
Torsten: Letztendlich schon, ja.
Bernd: Die Idee war eigentlich eine ganz andere. Wir haben Anfang 2010 einen Song gehabt, der möglicherweise auf einem Soundtrack landen sollte, hat aber leider nicht funktioniert. Gott sei Dank - aus unserer Sicht jetzt. Aber zu dem Zweck waren wir im Studio und haben den Song und zwei Coverversionen aufgenommen. Und da hat schon niemand die Arme hochgerissen, nach dem Motto "Wie geil ist das denn?!". Der Funke, der sonst immer im Proberaum da ist, wenn wir zu fünft irgendwas losballern, wollte einfach nicht überspringen.
Für welchen Film wäre dieser Soundtrack-Beitrag denn gewesen?
Torsten: Ähm, nun ja, räusper. Das tut hier nichts zur Sache. (lacht) Es wäre ein Teenage-Blockbuster gewesen, zu dem uns die Plattenfirma fast gekriegt hätte. Aber weils nicht passiert, gibts dazu auch nicht mehr zu sagen.
Bernd: Jedenfalls kamen wir aus dieser Session wieder raus, und Arnim sollte bei unserem Haus- und Hofproduzenten (Moses Schneider Anm. d. Red.) im Studio singen, hatte aber überhaupt keinen Bock mehr auf die Gesangskabine und das alles. So ein kleiner Raum mit Lampe, Tür zu und dann biste ganze allein drin. Also kam der Vorschlag, im Proberaum zu singen. Das war der Einstieg in die Geschichte.
Dann sagten wir zur Plattenfirma: Ihr wollt die Platte bezahlen, gebt uns die ganze Kohle, wir stellen uns das Zeug hier rein, und dann haben wir einfach im Proberaum aufgenommen. Und das hat sich einfach viel, viel besser angefühlt als alles, was wir vorher gemacht haben.
Die normale Studioarbeit ist schon ein komischer Prozess. Sobald du da stehst und die rote Lampe angeht, ist Aufnehmen zu einem Kopfding geworden. Du hast nicht mehr aus dem Bauch heraus spielen können. Und im Proberaum ist das Band einfach mitgelaufen, ob es später verwertet wurde oder nicht. Weil Zeit keine Rolle mehr spielt, hast du unermesslich viel machen können, warst nicht mehr gebunden, das hat den Kopf freigemacht. Und du hast mit dem Bauch arbeiten können, das hört man den Sachen einfach an. Daher kam wahrscheinlich auch die Konsequenz, sich auch wirklich auf den Song selbst zu konzentrieren.
War jetzt das große Studio schuld am schlechten Vibe ...
Bernd: Es war eher die allgemeine Situation im Studio.
... oder auch das Zusammenfinden nach einjähriger Pause?
Torsten: Mag schon sein.
Bernd: Das hat natürlich eine Rolle gespielt. Für den Coversong haben wir zuerst drei Tage lang den Drumsound gecheckt, in welcher Ecke des Studios der Trümmerhaufen am besten klingt. Die anderen saßen halt rum und haben drei Tage gewartet, bevor sie den ersten Ton spielen konnten. Und selbst dann war es noch immer eine Frage des richtigen Sounds.
Ein ständiges Hin und Her, bei dem man sich nicht auf das konzentrieren konnte, was man eigentlich machen wollte. Und das hat dem ganzen Konzept, warum wir wieder miteinander Musik machen, widersprochen. Deshalb haben wir gesagt, wir machens im Proberaum.
Wurden so also die Sounds und das Klangbild am Anfang eher in den Hintergrund gestellt, um sich aufs Songwriting zu konzentrieren?
Bernd: Nicht wirklich, weil wir uns immer sicher waren, dass es knallt wenn wir fünf im Proberaum zusammen loslegen. Dann machts Boom - und es ist ein echtes Gewitter.
Torsten: Wir hatten ja sogar ein Problem damit im Studio, ähm ...
Den Sound zu reproduzieren?
Torsten: Ja genau.
Bernd: Wir habens einfach nicht hinbekommen!
Torsten: Man hat ja die Vorstellung, wie es zu klingen hat. Und dann steht man da, und die Snare klingt so, dann muss der Bass so klingen, dann braucht die Gitarre aber noch nen Effekt, und irgendwann hast du ein Konstrukt, das irgendwie klang, aber niemandem gefiel. Dann stellte jeder seinen Sound so ein, wie er es für richtig hielt. Denn soviel Selbstbewusstsein hat man schon nach 13, 14, 15 Jahren Bandgeschichte. Und dann klangs auch wieder gut.
Wir versuchten immer mit der Vorproduktion das Demo zu toppen und dann im Studio die Vorproduktion nachzuspielen. Und warum macht man das eigentlich? Wenn man ein Demo hat, das einen flasht, sind zwar vielleicht Verspieler drin. Aber der Sound und die Herangehensweise an den Song hat ja schon Hand und Fuß. Und warum soll ich ihn dann im Studio ganz anders hindrehen, bloß um das nachzubauen?
Bernd: Und wir wussten, dass wir zum Spielen einfach dieses Spielgefühl brauchen. Um was wirklich vernünftiges abzuliefern, brauchen wir dieses Gefühl: Wir stehen da in unserem Proberaum und spielen diesen Song.
Bernd: Das ergibt sich. Wir hatten ja ne Tonne, wir hatten über 40 Ideen für Songs, konnten uns dann schlussendlich auf elf einigen. Wir hätten sicherlich auch mehr machen können, dann wären wir noch lange nicht fertig. Wir wollten es dann auch auf den Punkt bringen. Das ist eine Momentaufnahme. Wir suchen uns die besten Sachen raus und machen die fertig. Ob das Album dann zwei Stunden oder zwanzig Minuten dauert, darf dabei keine Rolle spielen. Mehr muss man in den 30 Minuten auch nicht wirklich sagen.
Torsten: 20 Minuten wäre ein bisschen kurz, find ich.
Bernd: Ja, schon klar.
Torsten: Es wär natürlich toll gewesen mit zwei, drei Songs mehr. Aber irgendwann lässt auch die Aufmerksamkeit nach. Zwölf Songs wären vielleicht ganz cool gewesen. Aber "Back In Black" und "Reign In Blood" sind auch nur knappe 30 Minuten lang und haben noch weniger Songs drauf. Und irgendwie kriegen wirs auch nicht anders hin. Die Platte ist zumindest länger als "Smack Smash".
Also keine Pläne für ein Beatsteaks-Doppelalbum, so Rockoper-mäßig?
Torsten: Also erst dachte ich am Anfang bei den ganzen Demos: Krass, da könnte mehr drin sein. Aber da es immer sooooo lange dauert, bis dann jeder seinen Senf dazugegeben hat und alle anderen das alles nachvollziehen können und abnicken, da bleibt dann einfach nicht mehr Zeit. Doppelalbum ist bei uns komplette Utopie. Ich hab ja nicht soviele Doppelalben, die ich total geil finde. Ich kann mich nur noch an dieses Chili Peppers-Album erinnern, das ich total Käse finde. Livealben, gut Kiss mit "Alive" ...
Bernd: Unser Doppelalbum ist ja schon längst fertig. Na, unser Livealbum!
Torsten: Stimmt, "Kanonen Auf Spatzen" ist ein Doppelalbum. Und dafür haben wir halt fünf Alben gebraucht. Warum soll mans dann mit jedem Album machen?
Bernd: Und dann freust du dich über die beiden Seiten, die großen Hallen und die Clubgeschichten. Und du freust dich soundmäßig schon auf die Unterschiede. Bei einem normalen Album, z.B. wenn du hier die aggresive Seite und dann die ruhigere Seite hast und so, das ist nichts. 30 Minuten ist die korrekte Länge, um mich voll und ganz konzentriert auf ein Album einzuschießen. Wenns länger wird, lässt die Konzentration nach, und dann schenkt man den hinteren Songs eben nicht mehr die Bedeutung, die sie verdienen. Und das ist ja albern. Deswegen, so gehts.
Vor allem weil "Boombox" ja doch recht abwechslungsreich geworden ist. Gleich zweimal gibts sogar klassische Reggae-Rhythmen. Wie kams?
Torsten: Ja, das ist dann doch zweimal passiert. Sonst haben wir immer mal versucht, es bei einem Mal zu belassen. Aber "Let's See" war wirklich ein Reggae-Song so richtig mit Ansage. Da haben wir total viel Trojan-Reggae gehört und am Wochenende Boots & Braces-mäßig Skinhead-Outfits angezogen und so weiter, fürs Feeling.
Und "Automatic" hat sich so ergeben, der war am Anfang in Thomas' Idee gar nicht vorhanden, auch in den ersten Jams gabs den noch nicht. Wies so ist, kam halt auf einmal dieser Offbeat-Rhythmus rein und wir blieben dabei.
"Automatic" folgt ja auf den kompletten musikalischen Gegensatz "Behaviour", dieses von Bernd gesungen Punk-Intermezzo.
Bernd: Intermezzel! Genau, das ist aber nur eine von vielen Farben auf der Platte, die total wichtig sind. Peter singt ja auch einen Track, Thomas sang auf der letzten Platte einen Refrain. Das bei "Behaviour" hätte nicht mal ich singen müssen, das hätte auch er (Torsten) brüllen können. Aber wenn ich jetzt der Konsument der Platte bin, je mehr Farben mir die Platte bietet, auch stimmlich, desto spannender und interessanter wird für mich die Sache.
Läuft es dann so ab: Es ist dein Song, und den singst auch du?
Bernd: Hier war es zufällig so, ja. Aber das ist ja auch kein Gesetz. Kann auch sein, dass Thomas mal mit 'nem Demo ankommt und mich bittet, da drüber zu brüllen. Ja, gerne!
Torsten: Bernd hat halt das große Glück oder Pech, je nachdem, dass er die Stimme für diese schnellen Punkrock-Sachen hat. Wenn ich das machen würde, wär man immer schnell bei so einem stumpfen Rumgebrülle, und Bernd hat einfach die geile Stimme dafür. Das klingt dann halt nie stumpf oder blöd, dat klingt jut!
Bernd: Dankeschön!
Torsten: Jaja, du. Wir sollten mal 'n Konzert machen, nur mit Liedern, die du singst.
Bernd: Hat ich schon mal ne Idee dafür. Lass uns mal so ne Hardcore-Runde machen. Alle vier Teile gespielt, zack, und wieder weg.
Torsten: Ist doch total geil, wenn man alle vier Bretter am Start hat. Wenn wir dann vollends im Pop-Mainstream angekommen sind, dann ballern wir bei Top of the Pops mal diese Dinger raus. (lacht)
Fünf Minuten, vier Songs! Punk! Mal was anderes: Die Single und zuerst nur die Veröffentlichung der Noten samt Aussicht, mit einer eigenen Version auf der offiziellen Single zu landen. Von wem ging die Sache aus?
Torsten: Ich habs jetzt so oft gesagt, dass das leider nicht unsere Idee war. Aber jetzt, laut.de sind die ersten, die die Wahrheit erfanden: Das war ganz allein unsere Idee. (grinst) Sorry, eine SMS.
Bernd: Nee, das war der Fabian von der Plattenfirma.
Torsten: Genau, Fabian, unser Plattenfirmen-Fuzzie ...
Bernd: Product Manager!
Torsten: Produktmanager, genau. Frag mich nicht, was der zu tun hat. Der denkt sich halt immer tolle Sachen aus, und da hat er echt ins Schwarze getroffen. Beim Duschen hatte er offenbar diese Idee, der hat bestimmt ... naja. Er hatte die Idee ausgearbeitet, war haben dem Ganzen dann so gut es geht unseren Stempel aufgedrückt, aber es war natürlich seine Idee.
Die Reaktion darauf war ja ...
Torsten: Totale Bombe! Wir ärgern uns fast, dass wir mit der Aktion, zeitlich bedingt natürlich, nicht früher rausgegangen sind. Mit einer Woche mehr wäre sicher noch mehr schneeballmäßig abgegangen. Am Ende waren über 200 Versionen am Start, unser Gästebuch ging über mit Einsendungen und Youtube-Links.
Bernd: Klasse war auch, als nach dem Ende der Aktion bestimmt 50, 60 Einträge im Gästebuch waren, die es nicht mehr geschafft haben. Also da wär noch Einiges drin gewesen.
Torsten: Glaub ich auch. Also ich fand die Idee super, auch das Notenblatt. Das sollte so aussehen wie diese Beatles-Notenbücher. Alles in allem wars eine krasse, geile Aktion. Ich glaube nur, dass irgendwann eine Band wie U2 oder so daherkommt und das nochmal macht. Aber so fett, dass es in der Tagesschau landet. Dann sind nämlich die diejenigen, die es erfunden haben. Und wir nur die kleinen Nappel aus Berlin.
Bernd: Deswegen sollte man all diese Sachen auch irgendwie speichern und dann ...
Torsten: Verklagen! (lacht)
Bernd: ... denen damit eine vorn Latz knallen!
Und ihr habt euch wirklich jeden einzelnen Beitrag angehört?
Torsten: Ja, also ich hab fast alle gesehen. Thomas und Arnim waren zu der Zeit ja in L.A. beim Mischen, und Nick Launay wollte jeden Morgen die neueste Coverversion hören. Das war für ihn der Startschuss zum Tag. Und Abends beim Skypen haben wir uns dann über diese Sachen ausgetauscht. Und irgendwann haben sich dann zwei herauskristallisiert, die jetzt auf die Single kommen.
Sind recht witzige Beiträge dabei, besonders der im indisch-englischen Akzent.
Torsten: Ja, das ist cool, oder?
Lustig! Klingt nach Apu von den Simpsons!
Torsten! Genau, wie heißt der? A-P-U? Das hab ich mir grad letztens überlegt.
Torsten: Also die Musik sollte schon für sich stehen. Und sobald wir unseren normalen Job machen, nämlich live spielen, ist für mich erst mal nichts anderes nötig. Da erreichen wir eine Menge Leute. Nur die, die jetzt Konzertkarten haben, sind ja schon so halbwegs überzeugt von der Band. Und irgendwie sind wir halt noch ne Nischenband. Klar kennen uns viele Leute, aber es ist halt noch ein Unterschied zu den großen Bands in Deutschland, Ärzte, Hosen, Rammstein.
Keiner von uns will zwanghaft dahinkommen. Und wenn die Plattenfirma mit lahmen Promo-Moves daher kommen, sind es auch wir, vor allem Bernd oder Thomas, die sagen: "Wir haben keinen Bock drauf". Wenn die Ideen aber cool sind, man die Sicht nicht verliert und dabei noch was für den Song tun kann, dann kann man das ruhig machen.
Und natürlich hat sich diese Situation komplett verändert. Die Leute warten nicht mehr händeringend vorm Plattenladen, um in der Früh reinzurennen. Die kucken im Netz, und sobalds den Song irgendwo gibt, wird der runtergezogen und dann hastn halt. Wenn du aber die Möglichkeit hast, einen Song zu promoten, den es eigentlich noch nicht gibt, ist das schon saucool. Du musst nicht befürchten, dass sich alle den Song schon aus dem Netz saugen, ohne dass vielleicht ein paar dafür bezahlen, weil das ist leider nun mal so und dann verdienst du leider gar kein Geld.
Somit sind dann auch mittlerweile 250 Covers von "Milk & Honey" im Netz zu finden. Ihr selber seit ja auch fleißig am Covern, auf B-Seiten und auf der Bühne. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Vorlagen aus?
Bernd: Es ist zunächst mal ein Tribute an diejenige Band, die wir meistens auch alle gut finden. Also alle fünf müssen sich irgendwie drauf einigen können, und es muss einfach auch ein guter Song sein. Und eigentlich soll das Ergebnis möglichst weit weg vom Original sein, dann machts erst richtig Spass. Da kann jeder mit irgendwas daher kommen. Thomas kam auch schon mit ganz kruden Dingern an, die dann einfach Spass machten.
Torsten: Man lernt auch ne ganze Menge bei Coversongs, wie die funktionieren. Ein Sonics-Stück ist jetzt nicht besonders kompliziert, oder Undertones - "Teenage Kicks", aber der ist halt laut - wie heißt er?
Bernd: John Peel.
Torsten: Genau, der sagte ja, das sei der beste Song der Welt. Da muss ja was dran sein. Und das ist dann interessant. Manchmal ist es auch schwer, bei uns die Songs einigermaßen funktionierend zu machen. Aber wenn wir Sonics covern, Nirvana, Oasis, Beastie Boys, das finden wir alle gut. Wenn wir jetzt Slade covern, dann tue ich mich am Anfang schwer, weil die Band auch nicht auf meiner Agenda steht. Ich glaube aber, es sind immer Songs, die so gut sind, dass es sich lohnt.
Stichwort Slade, das ist der Weihnachtssong. Nachdem jede zweite Band zurzeit eine Weihnachtssingle rausgehauen hat, hätte ich heute auch eine Frage zur möglichen Beatsteaks-Weihnachtssong gestellt. Und dann auf dem Weg zu diesem Interview läuft tatsächlich ein Beatsteaks-Weihnachtslied im Radio.
Torsten: Was soll die Scheiße, fragst du dich dann, oder? (lacht)
Bernd: Wir hatten ja für die kommende Single auch schon nach Coverversionen gesucht. Eine wird drauf sein, das ist "Head On" von Jesus And The Mary Chain und dann suchten wir krampfhaft noch einem zweiten Song. Dann kam auch die Anfrage für irgendeine Weihnachtsgeschichte für iTunes und dann schlug Arnim Slade vor. Und das hatte einfach Hand und Fuß, das konnte man machen.
Die Dame von der Plattenfirma kommt rein und weist auf die fortgeschrittene Zeit hin. Deine-Mutter-Witze werden ausgetauscht, die Band zieht den Kürzeren, verhält sich ruhig, das Interview geht weiter.
Im Juni habt ihr ja eine kurze, harte Tour gespielt..
Torsten: Mhm.
Bernd: Ach, so hart war die gar nicht, die war super! Nach der Wiederfindungsphase im Probraum mit Demoshören, Songbasteleien usw. war das eine willkommene Abwechslung, um zu merken, um was es eigentlich geht. Das Aufgenommene musst du ja irgendwann live auf einer Bühne spielen. Worum gehts denn beim Livespielen? Dass du die Leute einfach umhaust! Daher war es die absolut richtige Entscheidung, damals raus und kurz auf Tour zu gehen. Und mit dem Livevibe an den ganzen Sachen dann wieder weiterarbeiten. Perfekter Plan!
Torsten: Und wir hätten auch wieder arbeiten gehen müssen, im Übrigen. Irgendwo muss man natürlich auch sein Geld verdienen, wenn du zwei Jahre lang nichts machst und davor in Argentinien bist, wo du nur tausende von Euros hinschleppst und nichts wiederbekommst. Wir sind halt weit davon entfernt, irgendwelche Platten- oder Auftrittsmillionäre zu sein.
Das ist eine hart arbeitende Band, die sich trotzdem irgendwie bezahlen sollte. Wir haben alle Familie und müssen auch irgendwo wohnen. Und deswegen war es auch wichtig, zu sagen: "Wir brauchen diese Freiheit, lass uns Konzerte spielen." Das darf man nicht vergessen. Alle denken natürlich, uns gehts ja wahnsinnig toll, nur Hotels und so.
Bernd: Und die Tour ist ja super gelaufen. Das war eine Bestätigung für uns, dass die Leute es immer total toll fanden, obwohl wir weg waren.
Torsten: Wir waren einmal in Dresden, da gings total ab. Dann waren wir auch in Polen und so, querbeet, ganz Europa. Und alles war ausverkauft, bis auf das Konzert in Polen. Jedes Konzert hatte was und alles war total fett, auf jeden Fall.
Also war die Tour sehr wichtig für die Band und auch für das Zustandekommen des Albums. War die vorangehende Pause auch so wichtig?
Torsten: Ohja.
Bernd: Die war extrem notwendig, weil wir die Zeit davor nur damit beschäftigt waren, Platten zu machen und auf Tour zu gehen.
Torsten: Zehn Jahre lang. Wir haben nie wirklich eine richtige Pause gemacht. Urlaub gabs, wenn überhaupt, mal.
Bernd: Ja, aber nie bewusst. Du warst mit dem Kopf noch bei der Arbeit und hast auch nicht abschalten können. Dann konntest du dich um die Belange abseits der Band, die jeder noch hat, kaum noch kümmern - Familie und so. Wir haben jetzt drei Familienväter in der Band. Da willst und musst du ja auch mal nach Hause. Geht ja auch nicht anders. Wenn dein Kind zu dir Onkel sagt, dann wirds schwierig.
Außerdem waren wir nach "Limbo" und "Kanonen Auf Spatzen" irgendwie durch. Das war alles so groß, da haben wir die Wuhlheide gespielt, waren dann in Argentinien. Dann kamen wir zurück und meinten so, jetzt hätten wir erst mal alles getan und gesagt.
Torsten: Das war dann wie ein Strich darunter, irgendwie.
Bernd: Und wenn wir an dem Punkt im selben Tempo weitermachen, was wird dann passieren? Wie wird es sich entwickeln? Werden wir alle Fachidioten, die nicht mehr wissen, wie Einkaufen oder Schuheputzen geht? Deshalb war die Pause auch ganz wichtig, um mal wieder wegzukommen von dem, was man die ganze Zeit macht. Um zu merken, was man daran eigentlich liebt.
Stand es mal zur Debatte, die Band aufzulösen?
Bernd: Nee.
Torsten: Nee, so direkt nicht. Man hatte schon ein bisschen Bammel. Da war ich wahrscheinlich der Einzige in der Band, ich dachte mir schon ab und zu so: Echt krass, hoffentlich kriegen wir wieder alle Fünf zum gleichen Zeitpunkt ins Boot. Und das hat dann auch nicht lang gedauert. Denn was soll ich denn sonst machen? Was sollen denn die anderen machen? Das ist doch Quatsch. Bandauflösen ist totaler Quatsch.
Bernd: Stimmt schon. Wir waren nicht alle sofort zur selben Zeit dabei, aber irgendwann waren wir wieder im selben Boot. Der eine hat etwas länger gebraucht, der eine war etwas schneller wieder dabei. Letztendlich war es eine Sache von zwei, drei Monaten, dann waren wir alle wieder an Bord.
Torsten: Man muss halt dann wieder schnell anfangen, zu funktionieren. Weil sonst kann es passieren, dass man den Grip verliert oder den Bezug zu den anderen. Ich glaube, Pausen sind echt wichtig. Von den ganzen Bands, die schon lange in gleicher Besetzung existieren, hörst du mal ein, zwei Jahre gar nix mehr. Ärzte, bestes Beispiel. Der eine heißt sogar nach Pause, also der macht immer seine Urlaubsjahre.
Rolling Stones ... ich will mich jetzt nicht mit den Bands vergleichen von der Größe her. Aber Bands, die seit zehn, 20 Jahren Musik machen, funktionieren deshalb, weil da auch eine gewisse Distanz da ist. Man hat sich nicht gehasst, aber wir haben uns privat wieder auf Kindergeburtstagen gesehen, und das war cooler, als auf einem Konzert auf ein Bier zu gehen.
Labeldame kommt wieder rein, gewährt noch eine allerletzte Frage.
Okay: In der Single heißt es "the cool cats i adore". Auf welche Bands fährt ihr zur Zeit ab?
Torsten an Bernd: Schnell jetzt!
Bernd: Zu viele um sie alle aufzuzählen.
Torsten: Jetzt momentan, oh Gott... Turbostaat haben eine super Platte gemacht letztes Jahr, ich find die "Blakroc"-Platte super von den Black Keys. Johnossi ist eine super Band.
Bernd: Ich find die letzte Interpol ganz geil.
Torsten: Bass Sultan Hengzt hat ne super EP gemacht, das ist totale Bombe!
Bernd: Underworld - super Album. Trentemöller hat ne super Scheibe gerade gemacht.
Torsten: Bratze find ich super, BoysNoize find ich voll gut, Crookers, Major Lazer, Jamie T. hat ne super Platte gemacht.
Bernd: Ich freue mich auf die neue Killing Joke, die bald kommen soll.
Torsten: Natürlich die Klassiker: Beastie Boys, AC/DC blablabla. Und die neue Kanye West ist der Hammer. Saugroßartig, die Platte!
Bernd: Totaler Mist! (lacht)
Torsten: Wir mussten sie für ein Magazin besprechen - ich Daumen hoch, er Daumen runter. Aber ich bin echt glücklich, dass der eine ernstzunehmende Platte abgeliefert hat!
Seh ich auch so. Bevor ich hier an den Haaren rausgezogen werde, vielen Dank fürs Gespräch!
Torsten und Peter über Schweizer Zöllner, Nebenjobs und Gebietsschutz bei Festivals.
Zürich, es regnet. "Die Straße gibt es nicht", sagt der Taxifahrer. Vermuten wir zumindest, da er ziemlich unverständlich vor sich hin brabbelt.
Diese Orientierungslosigkeit hindert den Taxifahrer aber nicht, einfach mal drauf los zu preschen. Wundersamerweise fährt er uns doch auf direktem Weg zum Hotel und zu den Beatsteaks. Nach ein paar Minuten erscheinen dann auch gut gelaunt Bassist Torsten Scholz und Gitarrist Peter Baumann. Torsten kann es nicht lassen, mit Kollege Möller erst einmal ausführlich über sein Sparta-Shirt zu quatschen. Aber nachdem er bemerkt, dass er den Kürzeren ziehen wird was das Fachwissen angeht, lässt er sich auch gerne zu anderen Themen befragen.
Wir hatten bei der Vorbereitung das Problem, dass wir gar nicht so richtig wussten, ob es überhaupt noch Sinn hat, über das Album zu sprechen. Das Ding ist draußen und ihr macht immer noch regulär Promo?
Peter: Ja, ein bisschen. An der richtigen Promo-Stelle ist es zu kurz gekommen, deswegen machen wir das jetzt, aber wir von uns aus müssen nicht über das Album reden.
Worüber wollt ihr denn reden?
P: Über die Schweiz an sich, den Schweizer an sich.
Torsten: Aber ihr macht das Interview nicht für die Schweizer?!
Nee, für laut.de.
T: Na deswegen ...
P: ... ist es Quatsch.
T : Nee, ich glaube, egal wo wir sind, machen wir immer noch Interviews. Jetzt nicht falsch verstehen, aber die großen Sachen hat man ja abgefrühstückt, und jetzt kommen nach und nach die Kleineren. Wir haben uns gesagt, wenn uns jemand an die Karre pissen will, weil wir ein Interview mit der Bravo machen, dann können wir sagen, wir machen auch mit jeder Schülerzeitung, mit jedem Fanzine eines und deswegen kommen im Laufe der Tour etwas kleinere Anfragen, die man deswegen nicht weniger beachtet. Deswegen kann man über das Album ruhig noch mal reden.
Ist das so, dass ihr wirklich mit jedem ein Interview führt?
T: Ja. Ich hab mal mit der Bundeswehrzeitung aus Versehen ein Interview gemacht. Das wusste ich als Einziger nicht. Der Rest der Band wusste das. Seitdem hab ich gesagt, ich möchte genau wissen, wer bitte das Interview machen will.
Mit der Bundeswehr, das ist ja seltsam. Wie kam das denn?
T: Weiß ich nicht. Im Nachhinein kann ichs sehr gut reproduzieren. Wir saßen alle im Proberaum, ich saß am Fenster und es hieß: "Ja, da ist ein Interview morgen mit der und der Zeitung." Thomas so: "Ich kann nicht, ich hab Umzug", Arnim musste auch ganz wichtig zu seiner Familie, Peter hatte irgendwas mit dem Auto und Bernd wegen Kind und Frau und ich so: "Na ja, dann mach ichs halt." Dann hab ich mich mit dem Typen unterhalten und das war total interessant und der war auch total nett und irgendwann hat er von einer Auflage von 170.000 gesprochen. Ich so: "Boah, das ist aber viel." - "Na ja, die Bundeswehr hat ja auch so und so viel tausend Soldaten!" und ich dann: "Halt mal!" Ich hab dann gleich darum gebeten, dass wir das Interview noch mal von vorne machen. Ich habe dann lang und breit erzählt, dass ich Zivildienstleistender war. Das war mir dann schon wichtig. Da dachte ich: "Die blöden Arschgeigen!" Weil die sich innerhalb von drei Sekunden eine wunderbare Ausrede haben einfallen lassen.
Das ist wahrscheinlich so wie das Deutsche Bahn Magazin oder so.
T: So ein bisschen. Ist wahrscheinlich viel liberaler als man denkt. Natürlich regen sich Leute auf, weil sie sagen: "Ihr seid jetzt in der Yam oder in der Bild am Sonntag!" Das passiert halt, aber ist doch egal. Wenn alle möglichen Hardcore- und Punkrock-Fanzine kommen – so sie denn noch kommen wollen. Viele wollen ja nicht, weil wir ja nicht mehr cool sind.
Ist das so?
T: Ja, das gibt's schon, ich hab mit Arnim mal ein Interview mit einem Hardcore-Fanzine gemacht und die haben dann auch nur Hardcore-Fragen gestellt, da konnten wir dann nur antworten mit Themen von 90 bis 93. Sick Of It All und so, was jetzt schon gar keine Sau mehr hört.
Och, ich schon
T: Na gut, ich auch. Ich hör immer noch Sick Of It All oder geh zum Konzert zumindest. Aber die Kids, die jetzt Hardcore hören, die kennen das wahrscheinlich gar nicht mehr.
T: Uns bis jetzt noch nicht, weil unser Busfahrer immer die Schweizer Zollbeamten mit T-Shirts und Autogrammkarten bestochen hat. Glücklicherweise war es die letzten zwei Jahre so, dass die Zöllner die Beatsteaks kannten und dann so: "Ja kannsch mal Autogrammkarten geben, dann kannsch durch" und so ... (Er versucht sich in Schweizerdeutsch) Das hat dieses Mal nicht geklappt.
Ist das echt so?
T: Eigentlich nicht. Also dieses Mal wars wirklich so, weil wir mit einer großen Produktion unterwegs waren, zwei Trucks und drei Bussen. Da wird so ein Carnet gemacht, wo du jeden Schraubenzieher aufschreiben musst und wenn du Glück hast, bitten sie dich, alles raus zu packen und kontrollieren, und das ist uns halt glücklicherweise noch nicht passiert. Musst halt immer so ein paar – wie nennt man das denn – nicht Bestechungsgeschenke, aber so Mitbringsel ...
P: Aufmerksamkeiten!
T: Aufmerksamkeiten muss man halt dabei haben. Der Busfahrer hat immer Aufmerksamkeiten dabei.
P: Also einmal ist es uns bisher schon passiert, daran kann ich mich erinnern.
T: Ja, mal raus, aber da haben sie nicht alles komplett auseinander genommen.
P: Nee, da war nur mal kurz Verwirrung. So für eine Stunde oder so standen wir da im Nachthemd auf der Grenzstation und dann durften wir wieder rein.
T: Aber so Bus auseinandernehmen ist uns noch nicht passiert. Das ist ja hart!
Nagel beschreibt das ganz cool. Der sagt, dass die Band in ihre Taschen dann immer noch Merchandise T-Shirts mit rein nehmen muss. Das müsst ihr nicht?
T: Das haben wir auch gemacht eine Zeit lang. Also ganz lange, bloß jetzt, wenn man in 3.000er Hallen spielt, hat man halt auch dementsprechend Merch mit. So große Taschen – das ist ja quatsch. Früher, so bis vor drei Jahren, haben wir das schon gemacht.
P: Daran kann ich mich auch erinnern, dass Robin [Der Merchmann der Beatsteaks, d.Red.] rein kam und meinte: "Hier! Musste mal bei dir unterbringen!"
T: Werden wir auch Ende des Jahres bestimmt wieder machen, wenn wir dann in Europa spielen, von Finnland bis Portugal, Zagreb und so. Da gibt's ja wieder einige Strecken, wo wir nicht so viele eigene Sachen mitnehmen und dafür mehr Beatsteaks-Merch. Aber hier brauchen wir das glücklicherweise nicht. Ist das Buch von dem Nagel gut?
Ich frage mich, ob das für eine Band interessant ist, die das alles kennt. Für einen Außenstehenden, der Bands immer nur auf der Bühne sieht oder in Interviews, ist das natürlich interessanter, so was zu lesen. Aber es ist gut geschrieben.
T: Vielleicht kann man den entlarven, indem jemand irgendwann mal offiziell erklärt, der erzählt nur Quatsch?
Ja, oder vielleicht für den Zweck. Ist gut zu lesen. Aber nichts so gut wie das neue Rocko Schamoni. Das finde ich ja super.
T: Besser als "Dorfpunks"?
Nee, aber auch nicht schlechter. Ist halt ein bisschen anders. Der Verlierertyp ist noch sympathischer. Das ist cool. – Wie ist es in der Schweiz zu spielen? Sind die Zuschauer anders drauf als in Deutschland?
P: Die Leute eigentlich gar nicht so sehr. Bloß in der Lautstärkebegrenzung, das ist das Einzige, was immer ein bisschen anders ist.
T: Das ist hart!
P: Wenn da immer eine Lampe steht, die leuchtet, wenn's zu laut ist. Das ist doof.
T: Lautstärke ist schon ein Problem. Unser Soundmann sagt auch immer, es sei doll leise. Ich glaube, die Lautstärke macht schon was aus, die Leute sind ein bisschen ... also ich weiß noch, als wir mal gespielt haben in, ach Gott, gute Frage, Basel oder Bern, da standen vor mir zwei Mädchen. Die haben sich die ganze Zeit rumgeknutscht und haben sich halt einen Scheiß um das Konzert gekümmert. Und alles nur, um unseren Sänger anzumachen, wie ich im Endeffekt mitbekommen habe. Da fand ich schon echt blöd. Ich so: "Man ey, dann geht doch woanders hin!"
P: Ein bisschen Lautstärke gehört zum Gesamteindruck des Konzertes.
T: Aber die Tage sind schon toll. Tagsüber im Club ist halt ganz cool, ein bisschen anders, ein bisschen schicker. Die haben so leckere Käseplatten. Das Essen ist immer saulecker, also das kalte Buffet und Käseplatten und Walnüsse und Weintrauben und so.
P: Hmmmm ...
(Sie kommen ins Schwärmen und verlieren sich in Aufzählungen kulinarischer Allerleis.)
Aber es ist nicht so, dass ihr in Deutschland Heimspiel habt und sobald ihr über die Grenze geht, müsst ihr anders spielen?
T: Ja doch, das muss man sich schon sagen, alles andere wäre arrogant. Gut, das ist auch deutschsprachig hier, Schweiz, Österreich, aber trotzdem ist das Ausland für mich und heute ist die Halle auch relativ groß, 2.000?
P: 2.000 ja, 2.500 glaub ich.
T: Und auch ausverkauft wohl, aber es ist trotzdem für mich Ausland und dann muss mans auch ein bisschen so sehen.
Aber die Columbiahalle ist dann wahrscheinlich schon eine andere Stufe.
T: Natürlich ist das noch mal was anderes, wenn man in Berlin spielt. Aber es gibt auch einen Unterschied zwischen Köln, München und der Schweiz. (Es entsteht eine kurze Stille) Du musst dir jetzt aber nicht krampfhaft Fragen über die Schweiz aus dem Kreuz leiern. Frag einfach!
P. Ja, das hab ich bloß gesagt.
T: Jetzt seit ihr langfristig vorbereitet und so. Macht doch einfach.
P: Mega hervorragend.
T: (Aus heiterem Himmel) Milka heißt übrigens Milch und Kakao, daher kommt der Name.
P: Nee!
T: (brummt zustimmend)
P: Wusst ick nich.
T: Aber icke!
P: Jetzt wo du es sagst, trifft sich das ganz gut, weil genau so schmeckt es ja auch. (lacht)
T: Und die anderen Buchstaben, M-I-L...
P: CH weggelassen.
T: K-A, und K-A-O weggelassen.
P: Da kann man ja aus den Weggelassenen ein neues Wort machen: Lchka.
T: Nee, Chkao.
P: Kaoch! Ccchhhhh... egal!
In der Schweiz heißt das dann aber "krch".
T: Krch! Stimmt!
P: Genau, krch!
Ihr habt den Ruf, eine außerordentlich gute Live-Band zu sein und jetzt steht die Festivalsaison ins Haus. Ihr spielt nicht wahnsinnig viele, aber doch eine ganze Reihe Festivals.
T: Ja doch, wir spielen relativ viel.
P: Sind noch nicht alle bekannt.
T: Die wirst du erst nach Rock im Park erfahren, wo wir noch spielen, weil es gibt ja so was wie Gebietsschutz. Wir dürfen mit ganz vielen Sachen noch nicht rausgehen. Also alle Festivals, die momentan angekündigt werden mit "Headliner wird demnächst bekannt gegeben," das sind dann wir. (lacht)
P: (lacht mit) Alle!
T: Es kommen halt nach Rock am Ring und Rock im Park noch ein paar Festivals dazu, die wir noch nicht verraten dürfen.
Wegen Marek Lieberberg. Aber was ich wissen wollte: Wie empfindet ihr das denn, dieses angekarrt werden zu einem Festival, einen Tag da zu spielen und dann vielleicht noch zum Zwillingsfestival zu müssen?
P: Also ich finde das gut. Mir macht das persönlich total Spaß, wenn man so einreitet auf eine schon laufende Veranstaltung, kurz brrrrrrrupp, alles aufrührt, und dann wieder abhaut. Ick find det jut.
T: Man darfs halt nicht so sehen. Es ist natürlich einfach zu sagen, du wirst da so rumgekarrt. Für die Band ist das auch eine Möglichkeit. Wir können jetzt an dem Wochenende innerhalb von 24 Stunden vor mehr als 130.000 Leuten zu spielen. Und sind da hoffentlich so gut, dass ein paar sagen: "Wer war denn das? Ich kenn die gar nicht, cool." Man kann das halt so sehen, dass man da hingekarrt wird, sich kurz hinzeigt. Aber das ist ja unser Job, wir karren uns ja selber überall hin. Auf einer Scheiß Europalette machen wir uns zwei Stunden zum Kasper, hauen dann wieder ab und lassen uns zum nächsten Venue karren. Deswegen ist das ja auch unser Leben und es macht uns ja auch viel Spaß. Und wenn man da Vorbehalte hat, kann ich das total verstehen, aber keiner von uns würde das machen, wenn er was dagegen hätte.
P: Hab ich auch noch nie so gesehen, das es so ist. Ist mehr so: "Hoho, geil, wann spielen wir denn?", kurz die Bombe platzen lassen und wieder nach Hause gehen. Find ick jut.
Du hast ja gesagt, dass ihr vor Tausenden von Leuten spielt jetzt am Wochenende bei Rock am Ring. Das wird von MTV auch live übertragen. Setzt das zusätzlich unter Druck?
T: Nein, überhaupt nicht! (lacht)
P: Keinesfalls!
T: Der Druck ist gleich null, weil es sind ja auch nicht viele Leute. Mir ist das total egal, ich scheiß mir in die Hosen, ob das jetzt live übertragen wird oder nicht. Natürlich versuchen wir, uns bestmöglich vorzubereiten ... (Peter möchte an dieser Stelle etwas sagen, Thorsten wendet sich an ihn) ... oder möchtest du Antwort geben? Ich antworte schon die ganze Zeit.
P: Nee!
T: Ich antworte immer viel mehr als Peter.
P: Du machst das schon ganz gut
T: Wir versuchen uns da schon immer so optimal wie möglich vorzubereiten. Wir haben versucht, die Tour so zu legen, dass wir bis dahin so 15, 16 Konzerte spielen, auch in großen Hallen, damit man in dieses ganze Brimborium rein kommt. Wir haben unseren Soundmann dabei, haben auch jemanden im Übertragungswagen sitzen. Eine gewisse Anspannung ist das glaube ich schon, aber unser Soundmann Tom sitzt halt schon seit Tagen mit uns nach den Konzerten zusammen und sagt immer: "Das ist alles scheißegal, ob ihr jetzt in Augsburg in der Kantine spielt vor 500 Leuten, oder in der Zelle in Reutlingen vor 300 oder vor 7.000 in der Hamburger Sporthalle oder vor 80.000, das sind alles Konzerte. Ihr fünf müsst auf der Bühne stehen und Spaß haben!" Und das sagen wir uns dann auch. Wir glauben ja auch irgendwann, was Tom zu uns sagt. Und wenn wir fünf Spaß haben und ich mich mit Thomas anrotze und wenn man einfach so Konzerte spielt, als wenn keiner da ist oder so, dann störts dich auch nicht, wenn da Aufnahmen sind. Wenn man darüber nachdenkt, dann verdudelt man sich und verkrampft ein bisschen, dann denkt man natürlich gleich: "Oh Gott, jetzt sehens vielleicht nicht nur die 80.000 hier, sondern auch die 10.000 MTV-Gucker." (lacht) Das sind ja eh viel weniger, als die bei Rock am Ring, von daher ist es mir sowieso Latte. Man muss halt einfach Spaß haben, wenn wir fünf gute Laune haben und die anderen auf der Bühne mit anstecken, dann kann nichts passieren. Da können uns Leute immer noch scheiße finden, aber das ist mir dann egal. Weil dann hab ich ja gute Laune, dann weiß ich, dass Peter mir danach einen Kuss gibt und sagt: "Hey, das war total geil! Komm jetzt lass uns Bier trinken und Slayer gucken." Dann ist alles okay. Wenn das nicht passiert, dann macht man sich auch Sorgen wegen dieser Liveübertragung. (zu Peter) War das jetzt okay?
P: Besser gehts ja gar nicht, jeht ja jar nich bessa!
P: Oh ja!
Sind die Beatsteaks mittlerweile ein Selbstläufer geworden?
P: Nee, das glaube ich nicht. Das ist immer nur für eine bestimmte Zeit, glaube ich. Wer weiß. Also wir sagen uns das nicht, dass wir irgendwie ein Selbstläufer sind. Wir stehen unter dem permanenten Druck, uns selber beweisen zu wollen, dass wir es drauf haben. Und deswegen ruhen wir uns auch nicht aus. Dieses MySpace-Dings, da hatten wir ja auch ewig nicht gespielt davor, erstes Konzert nach der Platte sozusagen und da war es ja ganz klar, dass in Berlin voll wird. Nee, wir machen uns da schon noch n Kopp und es ist nicht egal. Wir sehen uns auch nicht als Selbstläufer.
T: Vor allem, das geht dann auch ganz schnell. In einem halben Jahr, da kommen dann nicht 17.000 in die Wuhlheide, sondern vielleicht 4.000, weil man sich halt irgendwo dachte: "Ach hier, komm!" (pfeift) Die Plattenverkäufe gehen ja auch super, für uns ist alles perfekt. Aber die Plattenfirma ist ja immer so hinterher, also wenn man da so richtig die Hände in den Schoß legt, dann passiert halt auch nichts.
Ist das arg anders, nach dem Wechsel von Epitaph zu Warner?
T: Ja schon. Also nicht nur, weil ich, wenn ich nachts vom Auflegen komme, vor so einer riesengroßen Litfasssäule stehe, wo unsere Fressen druff sind oder S-Bahn fahre und denke "Oh Alter. Krass!" Man kann halt jederzeit, wenn wir mit unserem Booker zusammensitzen oder wir haben ne Bangbesprechung ...
P: Haha, ne Bangbesprechung ... das wird ja immer schöner. (lacht)
T: (lacht auch) ... ne Bandbesprechung, dann kann ich danach halt schnell in Hamburg anrufen beim Produktmanager. Der ist mittlerweile auch ein Kumpel. Man kann halt einfach mal telefonieren und dann ist der auch am übernächsten Tag da.
P: Der Kontakt ist auf jeden Fall besser. Es ist generell besser, find ick.
T: Auf jeden Fall.
P: Natürlich gibt es immer irgendwo irgendwelche negativen Sachen, aber die guten wiegen das wieder auf.
T: Die gibt's überall, auch wenn du jetzt bei einem ganz kleinen Indie-Label bist, das dein Kumpel macht, der dann einfach mal keine Zeit hat, weil er nebenbei noch arbeiten muss, weil sonst geht's vielleicht nicht. Und jetzt ist halt so, wir planen unsere Europatournee im September und wir spielen nur da, wo auch die Platte rauskommt. Und das ist halt ganz geil. Du kannst unseren Typen bei der Warner in Hamburg anrufen und der sagt: "Pass uff, wir haben jetzt die Anfragen, Spanien, England dauert noch, da kommt noch was raus," und dann spielt man halt drei, vier Konzerte, wenn die Platte rauskommt. Bei Epitaph ... Klar, war die Platte weltweit draußen, aber wenn sie mal in England im Laden stand, haste dich gefreut und hast gefragt: "Na wie sieht's aus in Holland?" - "Ja ja, wir kümmern uns drum," und es hat sich keiner wirklich drum gekümmert. Es war einfach, mit der "Smack Smash" Geld im Schlaf zu verdienen, ohne was dafür zu tun. Und das ist jetzt, glaub ich, nicht so. Man sieht die Arbeit, die geleistet wird. Schon alleine, dass immer ein Vertreter von der Plattenfirma da ist. Wo ich manchmal denke ...
P: "Warum eigentlich?" (lacht)
T: Aber das ist okay, das gehört halt dazu, dass die Frau einen immer überall hinführt und so weiter. Man fühlt sich schon betreut.
Lasst uns noch mal kurz auf die Fanzine-Geschichte zurückkommen, die ihr vorhin erwähnt habt. Du, Peter, beantwortest die Fanmails angeblich alle selber?
T: Alle sagen immer angeblich!
P: Soweit et geht ja.
Das ist doch bestimmt eine Mordsarbeit. Da kommen doch sicherlich auch Anfragen hundertmal.
P: Also wenn da so Anfragen kommen: "Wollt ihr nicht bei uns so ...," das schieb ich dann immer ans Management ab, weil da gingen mir irgendwann auch die Ausreden aus, weswegen wir jetzt auf deinem Geburtstag nicht spielen können und so. Das überlasse ich härteren Kalibern. Aber alle anderen Fragen versuche ich zu beantworten. Bis jetzt gehts noch. Alle anderen haben auch so einen kleinen Nebenjob bei uns, außer Musik machen, und das ist halt meiner.
(Zu Torsten) Was machst du?
T: Icke? Ich hab mich bis vor kurzem noch relativ intensiv um den Internetshop gekümmert, Beatstuff. Als das dann mit dem Ticketverkauf anfing, hab ich immer noch so Tickets mit eingetütet und pack manchmal auch so Sachen. Aber das wird auch immer weniger, weil es halt immer mehr wird und wir jetzt unterwegs sind. Bei mir isses halt so der Shop, bei Thomas isses die Homepage. Arnim ist derjenige, der sich immer mit dem Typen zusammen setzt, wenns um T-Shirts geht und die Verbindung von Band und Management. Bernd kümmert sich um den ganzen Proberaumscheiß, wenn mal irgendwas kaputt ist oder so. Peter ist halt der mit den Emails, und da ist man dann auch schon mehr oder weniger ausgelastet. Wenn ich mal so zwei, drei Nächte mit Robin, unserem Mercher im Büro zusammensitze, dann hat er mal frei, dafür muss Peter auf Tour halt jeden Tag Emails machen, wo ick nüscht zu tun habe. Aber man kann halt irgendwann nicht mehr alles machen, auch wenn ich das blöd fand, dass ich keine Pakete mehr verschicken kann.
Ist es schwierig, so was aus der Hand zu geben?
T: Für mich war das voll blöd, ja. Aber jetzt arbeitet meine Schwester da oben. Das freut mich sehr, aber eigentlich wollte ich selber die ganze Zeit da oben sein, aber das geht halt irgendwann nicht mehr.
Was hat es mit den Roys auf sich, die auf der B-Seite zu "Jane Became Insane" zu hören sind?
P: Ach, wat is damit?
T: Wat is mit Roy los?
P: Nee, das ist bloß so ein Spaß-Dingens nebenbei. Da sind keine Ambitionen mit verknüpft. Ich fand das ja lustig, dass dann gleich ne MySpace-Seite und so was passiert ist.
Von Anfang an klar, dass das ...
P: Nee, das war nur so ein nettes Nebenbei. Projekt würde ichs ja noch nicht mal nennen.
Das hat also auch keine Zukunft?
P: Natürlich haben die Roys Zukunft, die haben wahrscheinlich eine längere Zukunft als alle anderen, aber die Roys sind auch auswechselbar.
T: Sich immer schön die Singles kaufen!
(Alle lachen)
T: Ja, die Roys sind ein Verkaufsargument.
Wenn ihr jetzt so viel auf Tour seid, wie lässt sich das vereinen mit den Kindern?
P: Äh, schlecht, schlecht, schlecht. Aber es geht, also man kann ja nicht rumheulen, weil es gibt ja auch noch andere, die auch Kinder haben, denen geht's ja genauso, deswegen kann ich nicht sagen: "Oh mir gehts aber besonders schlecht!" Erstens bin ich noch nicht so lange Vater, und zweitens muss ich mich ja dran gewöhnen, weil das ist ja mein Beruf. Ich glaube nicht, dass man Nachteile hat anderen Lebensformen gegenüber. Wenn jetzt jemand von früh bis abends ganz normal zur Arbeit geht, zur Schicht, und abends erst nach Hause kommt, sieht er sein Kind vielleicht auch nicht mehr als icke. Und von daher ... das muss ich mir halt immer wieder sagen und dann geht das.
Irgendwann kommen sie dann mit.
P: Ja. Wenn sie groß sind.
T: Ja wie? Mitkommen?
P: Ja klar. Wir versuchen da eine zweite Generation ranzuzüchten, dass dann auch fürs Alter was da ist ...
T: Dass die anderen von außen nicht merken, dass die Beatsteaks auf einmal stumpf 30 Jahre jünger sind!
Am Abend beweisen die Beatsteaks im Volkshaus in Zürich, dass sie diese jüngere Generation noch nicht brauchen. Wenn jemand so über die Bühne rockt wie die fünf Jungs aus Berlin, halten die mindestens so lange durch wie die Rolling Stones.
Das Interview führten Mathias Möller und Sara Käfer.
Kommerz! Ausverkauf! Hippies! ... Man kann den Beatsteaks vieles vorwerfen. Warum das grober Unsinn ist, erklärt Schlagzeuger Thomas.
Es ist Anfang Dezember und bitterkalt im Palladium, in dem die Beatsteaks am Abend vor 4.000 Leuten auftreten. Im Soundcheck spielen sie The Cure, es folgt eine Fotosession auf der Bühne. Komischer Typ, dieser Schlagzeuger, denke ich beim Zuschauen: Wieso hat der sich so ein dünnes, hässlich-türkisfarbenes Hippie-Tuch um die Schultern gelegt? Genau dieser merkwürdige Vogel sagt etwas später zur Promoterin: "Ok, ich nehme das Interview mit Laut". Thomas Gotz, der einzige Schwabe in der Berliner Band, soll also mein Gesprächspartner werden.
Vor nicht einmal einem Monat setzten sich die Beatsteaks bei den MTV Europe Awards gegen Konkurrenz wie Die Ärzte und Rammstein durch: Sie nahmen den Preis für den besten deutschen Act aus Rom mit nach Hause. Die Party muss ja der Wahnsinn gewesen sein! "Ich war leider nicht dabei. Zu der Zeit lag ich krank im Bett. Die anderen haben da so ziemlich jeden wichtigen Star getroffen und ordentlich einen drauf gemacht." Wirklich traurig darüber, dass er nicht dabei war, hören sich Thomas' Worte allerdings nicht an.
Was er sicher nicht verpasste, waren die Aufnahmen zum Hit-Album "Smack Smash". Die Beatsteaks spielten die Platte live ein - lastete da nicht ein extrem hoher Druck auf der Band? "Nein, das war eher das Gegenteil." Die Jungs hätten vorher sehr viel geprobt. Als sie die Songs anschließend aufnahmen, schien es ihnen, als habe sich die Situation kaum verändert. "Deshalb ist es viel entspannter, so aufzunehmen, als wenn man jede Spur einzeln einspielt." Die Entscheidung, dieses Album mit einer anderen Technik aufzunehmen, ist jedoch nicht aus dem Drang zur Weiterentwicklung entstanden. Die Beatsteaks nähmen sich eine Veränderung nicht gezielt vor.
Man habe sich vielmehr "vor allem zwischenmenschlich entwickelt", meint Thomas. Einigen mag es komisch erscheinen, dass eine Band gerade mit dem Erfolg zusammen wächst. Sich noch näher kommt, als sie es ohnehin schon war. Doch schaut man sich eine Live-Show der Beatsteaks an, so kann man nicht anders, als ihnen glauben. Man merkt, wie nah sich die Personen, die da auf der Bühne feiern, sind.
Auf ihrer letzten Single "Hello Joe" huldigen die Beatsteaks dem The Clash-Sänger Joe Strummer. Doch warum gerade Strummer? Bei den Ramones, ebenfalls Heroen des Punk-Rock, gab es ja in letzter Zeit auch einige Tote zu beklagen! "Ich konnte immer mehr mit The Clash anfangen." Die Briten waren Thomas' Helden. Er brachte sie einst den anderen Bandmitgliedern nahe. Aber gerade wegen dieser Verehrung für The Clash und die Person Strummer hätte er sich "wohl nie getraut, vorzuschlagen einen Song für Joe Strummer zu schreiben". Das sei einer Idee von Sänger Arnim entsprungen.
Auf der B-Seite der "Hello Joe"-Single finden sich deutsche Lyrics, wie es sie in der Anfangszeit der Band vereinzelt gab. Allerdings stammen die deutschen Vocals zu "Frieda Und Die Bomben" nicht von Arnim, sondern kommen aus dem Mund des Turbostaat-Sängers Jan. Könnte die Band es sich vorstellen, selber wieder auf deutsch zu singen? "Vielleicht wäre das auf dem nächsten Album mal wieder eine Option."
Doch zurück in die Vergangenheit: Nach dem letzten Album "Living Targets" trennten sich die Beatsteaks von ihrem langjährigen und sehr namhaften Indie-Label "Epitaph". Ausgerechnet beim Major-Riesen Warner fanden sie Unterschlupf. Hat dieser Wechsel was mit Problemen bei Epitaph zu tun? Nun, Epitaph Europe sitzt in Holland, da kam es schnell zu Sprachbarrieren: "Es war schwierig, sich mit Holländern auf Englisch zu streiten." Und das tut man ab und an, weil eine Band sich die Arbeit manchmal anders vorstellt, als das Label. Außerdem konnte Epitaph den Stand der Beatsteaks auf dem deutschen Musikmarkt am Schluss nicht mehr korrekt einschätzen. So wurden beim letzten Album nicht genug CDs gepresst, "weil die einfach nicht abschätzen konnten, wie viel sich in Deutschland verkaufen würde".
Mit Warner gibt es nun vor allem eins: "Viel mehr Promo ... wir haben nicht gedacht, dass wir zum Album drei Videos machen, die dann auch noch alle im Fernsehen laufen." Während Thomas das erzählt, wirkt er einerseits immer noch erstaunt darüber, seine eigenen Songs auf MTV zu entdecken. Auf der anderen Seite scheint er in dieser Hinsicht ziemlich abgeklärt oder einfach nur auf dem Boden der Tatsachen geblieben.
Doch dieser Label-Wechsel und der damit verbundene Erfolg zieht auch Skeptiker und Neider an. Die werfen den Bands dann gerne den Ausverkauf vor. Können die Beatsteaks das noch hören? Nehmen sie es überhaupt ernst? Anscheinend nicht. "Das bringt den Fans doch Vorteile", so einfach ist Thomas' Meinung dazu. Sie bekommen Videos der Beatsteaks zu sehen, der Vertrieb liefert genug CDs aus ... Nein, (aus)verkauft hätte sich die Band nicht im geringsten.
Dies könnten ihnen allzu fanatische Unabhängigkeits-Verfechter auch aus einem anderen Grund vorwerfen: Mit ihrem Background im Punkrock bekommen die Beatsteaks unzählige Anfragen, ob sie auf diversen Soli-Konzerten auftreten. Doch die Jungs haben sich dagegen entschieden, jeden umsonst mit ihrem Auftritt zu unterstützen. Oben erwähnte Kritiker heulen nun: Für Geld machen die alles, aber was Gutes tun ... Nun, die Beatsteaks hatten ihre Gründe, nicht mehr auf jedem Konzert für einen guten Zweck aufzutauchen. Es wäre schlicht zu viel geworden. So setzten sie sich zusammen, um ihre Prioritäten zu finden. Heraus kam dabei, dass sie sich vorrangig auf Soli-Konzerten gegen sexuellen Missbrauch aussprechen wollen. Doch wie kommt gerade eine reine Männer-Band auf dieses Thema? "Das ist vielleicht nicht das Thema, das man bei einer Jungs-Band erwarten würde", überlegt Thomas, "aber vielleicht haben wir es gerade deswegen gemacht!?"
Nach diesem schweren Thema kommen wir ein wenig ins Plaudern. Gemeinsam überlegen wir, was ein wirklich erstrebenswerter Job wäre (wenn wir nicht schon so einen tollen hätten ...). Bei Rough Trade (dem legendären Plattenlabel von Smiths- und Strokes-Entdecker Geoff Travis) in England zu arbeiten, gehört für uns beide definitiv dazu. "Und wenn man dann mal Tee mit Morrissey getrunken hat, könnte man ohnehin aufhören", schwärmt Thomas. Oder man würde es schaffen, die Libertines wieder zusammen zu bringen. Aber wir sollten nicht zu viel träumen. Statt dessen streiten wir uns zum Abschied noch ein wenig darüber, welcher der beiden Libertines-Frontmänner denn nun besser aussieht (er ist für Peter, ich für Carl). Komisch? Nein! Thomas ist wirklich ein sehr Sympathischer!
Kanonen auf Spatzen (2008)
48/49 (1997)
| Sa | 21.07.2012 | Beatsteaks Deichbrand Festival (Cuxhaven) | |
| Fr | 10.08.2012 | Beatsteaks Open Flair Festival (Eschwege) | |
| Sa | 11.08.2012 | Beatsteaks Rocco Del Schlacko (Püttlingen) | |
| So | 12.08.2012 | Beatsteaks Taubertal Festival (Rothenburg) | |
| Fr | 17.08.2012 | Beatsteaks A-FM4 Frequency Festival 2012 (St. Pölten) | |
| Sa | 18.08.2012 | Beatsteaks Highfield Festival (Großpösna) | |
| So | 19.08.2012 | Beatsteaks Area 4 Festival (Lüdinghausen) | |
| Mi | 22.08.2012 | Beatsteaks Chiemsee Rocks (Übersee/Chiemsee) | |
| Sa | 01.09.2012 | Beatsteaks Rock Am See Konstanz (Konstanz) |
Mehr als nur ein Forum. Mit Konzertberichten, Bildergalerien und News und ...
http://www.beatsteaks-forum.de/
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
Neue Single und Wettbewerb! Walterich |
2 |
12.11.10, 13:46 Walterich |
|
|
Wuhlheide - Grande Finale 08 Happy4849 |
3 |
09.05.08, 22:33 Happy4849 |
|
|
LIVE CD/DVD Happy4849 |
18 |
05.05.08, 12:27 phagenkind |
|
|
BEATSTEAKS Live in Erfurt Binchen |
3 |
19.04.08, 17:29 Binchen |
|
|
>>b-Seite<< HAMMA GEIL!!! RoCkBaR |
3 |
09.04.08, 21:15 phagenkind |
Format
Homepage: