Porträt

laut.de-Biographie

Faith No More

"Faith No More stachen schon immer als einzigartiges Biest aus der breiten Masse hervor. Halb Hund, halb Katze war die Musik fast so schizophren wie die Persönlichkeiten der einzelnen Bandmitglieder", versucht sich Bassist Billy Gould 2009 an einer pointierten Charakterisierung seiner stilistisch eigentlich unfassbaren Band.

Metalsplitter: Das Metalfest der Volksmusik
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Wäre das Schwimmbecken das bevorzugte Terrain des kalifornischen Fünfers, der Freistil wäre ohne Zweifel seine Paradedisziplin. Ob Hardcore, Funk, Metal, Hip Hop, Hardrock, Easy Listening, Soul, (Synthie)Pop oder Jazz – den furchtlosen Herren aus der Bay Area war noch kein Eisen zu heiß und keine Koalition von Stilen zu absurd. Sie gelten heute aber vor allem als Wegbereiter des Crossover und des modernen New Metal.

Das erste Leben von Faith No More endet am 19. April 1998. Zwölf Tage nachdem sie ihr vorerst letztes Konzert im portugiesischen Lissabon spielen, gibt Billy Gould per Fax bekannt, dass sie "nach 17 langen und fruchtbaren Jahren [...] beschlossen haben, den Spekulationen über ihre bevorstehende Auflösung ein Ende zu setzen ... indem sie sich auflösen. Wir trennen uns in gegenseitigem Einvernehmen, wir werden keinem die Schuld geben und keine Namen nennen. Fürs Protokoll sei lediglich bemerkt, dass Puffy angefangen hat'."

Mit Drummer Mike 'Puffy' Bordin und "Pressesprecher" Billy Gould nimmt 1981 die ereignisreiche Geschichte der Band ihren Lauf. Bis zum Debüt "We Care A Lot" (1985) komplettieren Keyboarder Roddy Bottum und Gitarrist Jim Martin das latent unbeständige Line-Up. Am Mikro setzt sich zunächst Chuck Mosley gegen Nirvana-Kurts spätere Ehefrau Courtney Love durch, erweist sich aber während der begleitenden Tour zum zweiten Album "Introduce Yourself" aufgrund eines ausgewachsenen Alkoholproblems und zunehmend dürftigen Gesangsleistungen als personeller Fehlgriff, weshalb er umgehend an die frische Luft gesetzt wird.

Faith No More - Angel Dust
Faith No More Angel Dust
Kontrastreich, verwirrend und dennoch wegweisend.
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Der oft bemühte Himmel schickt den Jungs einen gewissen Mike Patton, seines Zeichens Gesangsakrobat bei den kalifornischen Noise-Weirdos Mr. Bungle. Der 21-jährige Jungspund, dessen bisheriger Lebenslauf im Kaff Eureka mit "Kühe anzünden und in einer Death Metal-Band spielen" hinreichend erzählt ist, wird im Januar 1989 der neue Frontmann.

Hoch motiviert zaubert er innerhalb von zwei Wochen die kompletten Texte für "The Real Thing" hervor – jenes, dass Faith No More auf internationalen Level hebt, stehende Ovationen von Musikkritikern und eine Platinveredelung beschert. Die Videos zu "Epic" und "Falling To Pieces" laufen sich bei MTV einen Wolf und katapultieren die Überflieger ins Vorprogramm von Metallica. Dank originellem Sound und Pattons Kamikaze-Performance errocken sich Faith No More den Ruf einer Livesensation. Patton ist die personifizierte Rampensau und legt ein Gebaren an den Tag, dass entfernt an Frank Sinatra auf Speed erinnert.

Mit dem Viertling "Angel Dust" zementieren Patton, Bordin, Gould, Bottum und Martin 1992 ihren Status als Ausnahmeband, indem sie kompromissloser zu Werke gehen als jemals zuvor. Sie nutzen alle künstlerischen Freiheiten, die sie sich mit "The Real Thing" verdient haben, schamlos aus, während Patton seine kompositorischen Skills erstmals zum aberwitzigen Gesamtsound beisteuert. Mit seinen Stimmbändern hat er zudem ein Ass im Ärmel, für das so mancher Wiener Sängerknabe töten würde. Der Lionel Richie-Coverhit "Easy" spricht - eben - Bände.

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Abermals gehts mit den ganz Großen auf Stadiontour: Erst Metallica, dann Guns N' Roses. Und wieder muss ein Bandmitglied nach einer Tour seine Sachen packen. Diesmal erwischt es Gitarrist Jim Martin, der angeblich wegen mangelndem Enthusiasmus und nervtötender Machoattitüde untragbar geworden ist.

1995 hämmern Faith No More mit "King For A Day, Fool For A Lifetime" eines der unterbewertetsten Alben der Rockgeschichte ein, dessen flächendeckende Diskreditierung im Rückblick grob fahrlässig erscheint. Das schlechte Feedback leitet den Anfang vom Ende ein und zwingt die Band sogar, den zweiten Teil ihrer geplanten Europatour abzublasen.

Nachdem Trey Spruance von Mr. Bungle den befristeten 'King For A Day' an der Gitarre gegeben hat, kehren Patton & Co. 1997 mit "Album Of The Year" triumphal zurück, an der Gitarre steht nun Jon Hudson. Dieser bleibt, bis die Band schließlich 1998 an zu großen Egos zerbricht. So tanzt Aushängeschild Patton schon von Beginn an stets auch auf anderen Hochzeiten.

Dank ihm werden die folgenden elf Faith No More-losen Jahre weniger als solche wahrgenommen, begräbt Mike den Fan via dem eigenen Label Ipecac Recordings doch unter einer wahren Veröffentlichungsflut. Abseits zahlloser Spielwiesen (z.B. Peeping Tom) und auch fester Bandprojekte wie Fantômas und Tomahawk, kollaboriert er u.a. mit Dillinger Escape Plan oder Björk. Während Puffy derweil für den Dunkelfürsten Ozzy Osbourne die Felle verdrischt, macht Mr. Gould hierzulande auch mal gemeinsame Sache mit Harmful.

Das zweite Leben von Faith No More beginnt am 26. Februar 2009. Wieder ist es Billy Gould, der die Funkstille mit der frohen Botschaft einer Livereunion an die Presse tritt. Gemeinsam mit Patton, Bordin, Bottum und Hudson wagt sich der Bassist zurück ins Affengehege. "Uns wurde bewusst, dass die Musik dank all der harten Arbeit immer noch gut klingt. Wir beginnen langsam zu würdigen, dass wir in all den Jahren wohl doch irgendetwas richtig gemacht haben müssen." Man fühle sich immer noch jung und knackig genug, um ein "kickass set" abzuliefern, und sie "können nur hoffen, dass die Erfahrung, wieder gemeinsam aufzutreten, zu solch unberechenbaren und unvorhersehbaren Ergebnissen führt, dass sie dem Erbe von Faith No More gerecht werden."

Eine Rückkehr ins Studio wird im Zuge der Reunionshows, die sie um den halben Erdball führen, dann zwar erst mal ausgeschlossen. Als FNM Anfang Juli 2014 in London als Support von Black Sabbath aber zwei neue Tracks spielen, steigt der Blutdruck bei den alten Hardcore-Fans - im September ist es natürlich Billy Gould, der die Katze aus dem Sack lässt: neues Studioalbum 2015!

Interviews

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We Care A Lot
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Faith No More Headliner beim Southside 2009 "Reunited and it feels so good reunited 'cause we understood there's one perfect fit And, sugar, this one is it. We both are so excited 'Cause we're reunited, hey, hey ..."

"Reunited and it feels so good reunited 'cause we understood there's one perfect fit And, sugar, this one is it. We both are so excited 'Cause we're reunited, hey, hey ...", Faith No More Headliner beim Southside 2009 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) "Reunited and it feels so good reunited 'cause we understood there's one perfect fit And, sugar, this one is it. We both are so excited 'Cause we're reunited, hey, hey ...", Faith No More Headliner beim Southside 2009 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) "Reunited and it feels so good reunited 'cause we understood there's one perfect fit And, sugar, this one is it. We both are so excited 'Cause we're reunited, hey, hey ...", Faith No More Headliner beim Southside 2009 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) "Reunited and it feels so good reunited 'cause we understood there's one perfect fit And, sugar, this one is it. We both are so excited 'Cause we're reunited, hey, hey ...", Faith No More Headliner beim Southside 2009 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade)
  • Offizielle Seite

    Unglaublich aber wahr: Sie sind zurück!

    http://www.fnm.com
  • Billy Goulds bei Twitter

    Hier plaudert der Bassist aus dem Nähkästchen.

    http://www.twitter.com/mrgould
  • MySpace

    Ohne gehts halt nicht.

    http://www.myspace.com/faithnomoreofficial

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