Porträt

laut.de-Biographie

Fantômas

Bummdehuähäh bummdehuähäh bummdehuähäh. Dwwwwwwwwwwwww. Schepper schepper schepper schepper. Dädädädädädädä bum bum bum. Bummdehuähäh bummdehuähäh. Dwwdwwdwwdwwdww uhohialiälahuohohohoh dwwdwwdwwdwwdwwdwwdwwdww bummm teckteckteckteckteck bamm! uaruuuuuhhhhhhh!
Nein, der Schreiberling ist nicht über seiner Tastatur eingeschlafen und hat das Ergebnis seiner Arbeit online gestellt; so oder so ähnlich muss man sich Lieder von Fantômas im geschriebenen Wort vorstellen.

Nachdem Faith No More sich 1998 aufgelöst haben, leidet Workaholic Mike Patton unter chronischer Unterbeschäftigung. Seine bereits bestehende Band Mr. Bungle (nebenbei gesagt existierte besagte Band schon vor Faith No More) füllt ihn nicht vollständig aus. Er bekommt eine Vision: Einen Comic in eine Mischung aus Noise und Metal zu vertonen und auf CD zu pressen. Zu diesem Zweck fragt er bei diversen befreundeten Musikern nach, ob sie Interesse an dem Projekt hätten. Mit Erfolg: Seine Mitstreiter im Kampf gegen die Harmonie in der Musikwelt sind keine geringeren als Gitarrero Buzz Osbourne von den Melvins, Dave Lombardo, der sich unter anderem bei Slayer seine Brötchen als Schlagzeuger verdiente und Trevor Dunn, der sein Können bei Mr. Bungle und diversen Jazz-Projekten unter Beweis stellen durfte.

In den sehr frühen Anfängen noch unter dem Namen Diabolik durch die Musikwelt laufend, hatte das Vierer-Gespann einige Hoffnungen unter alten Faith No More-Fans geweckt – und bestimmt genauso viele auch bitter enttäuscht, denn nicht jeder wusste von den Plänen des Wirrkopfs Patton. Und so konnte man sich auf ersten US-Tourneen Mitte 1998 davon überzeugen, dass keineswegs die zweiten Faith No More auf die Menschheit losgelassen wird, sondern eine Bestie in Bandgestalt ...

Anfang 1999 gründet Mike Patton sein Label Ipecac und um allen zu zeigen, welche Musik dieses Label veröffentlichen soll, ist das Debüt von Fantômas gleichzeitig das Debüt von Ipecac. Die Marschroute: Krach. Insgesamt 29 Lieder finden sich auf der knapp 40 Minuten langen CD, die nur die hartgesottensten Noise-Fans oder fanatische Baustellenliebhaber bei vollem Bewusstsein am Stück durch hören können. Mike Pattons Stimme, die keinerlei Text sondern nur Geschrei ohne jeden Sinn von sich gibt, Lieder frei von jeder Struktur oder irgendetwas, woran man sich beim Hören klammern kann: Es mag ein vertonter Comic sein, aber ob man beim Genuss ihres selbstbetitelten Debüts (bisweilen auch "Amenaza El Mundo" genannt) ein Zeichentrickheftchen an sich vorbei rauschen sieht oder lieber die Anlage zertrümmert, sollte jeder für sich selbst entdecken...

Nach der Albumtournee 1999 wird Fantômas erst mal wieder auf Eis gelegt und die Mitglieder wenden sich anderen Bands zu: Buzz Osbourne veröffentlicht zusammen mit den Melvins eine Albumtrilogie (übrigens ebenfalls auf Ipecac erschienen), Dave Lombardo beschäftigt sich wieder mehr mit Grip Inc. und Trevor Dunn zupft seinen Bass für einige Jazz-Künstler. Die Pause ist aber nicht von langer Dauer, denn 2000 kehren Fantômas wieder an die Oberfläche zurück und ziehen munter durch die Konzertsäle der Welt. Und obwohl ihr erstes Album für den Großteil der Menschheit unhörbar sein dürfte, sind nicht wenige Hallen ausverkauft. Die Live-Qualität der Retter des schlechten Geschmacks spricht sich herum, so dass sie 2001 sogar auf großen Festivals wie dem Hurricane-Festival spielen.

Im selben Jahr erscheint ihr zweites Album "The Director's Cut", auf dem sich 15 Neuinterpretationen von mehr oder weniger bekannten Filmmelodien wie der von "Rosemarie's Baby" oder "Experiment in Terror" wieder finden. Diesmal gibt es sogar eine Weltpremiere: Mike Patton singt richtige Texte auf einem Fantômas-Album! Großmamas Lieblinge werden sie damit aber wohl immer noch nicht, da vertonte Terrorattacken wie "Omen (Ave Satani)" das Trommelfell kräftig beanspruchen und die Verrücktheit eines "The Godfather" sicherlich nicht jedem Hörnerv gut bekommt ...

2004 erscheint mit "Delìrium Còrdia" ein weiteres Album, das Pattons musikalische Unberechenbarkeit einmal mehr untermauert. Angekündigt als "bessere Hälfte zweier neuer Platten" schlägt das Werk bewusst eine ruhige Seite an. Der Performance-Charakter steht im Vordergrund, Patton nennt es "meine Ambient-Platte" und folgerichtig besteht diese aus nur einem einzigen, rund 70-minütigen Song. Laut Patton soll sie als Hommage an englische Industrialbands gelten, zu denen Nurse With Wound und Current 93 zu zählen sind.

Im April des folgenden Jahres erscheint dann der brachialere Bruder "Delìrium Còrdias". "Suspended Animation" wartet mit 30 Songs zwischen einer halben und knapp über drei Minuten auf, die jeweils einem Tag des Monats entsprechen. Die Erstauflage erscheint mit einem aufwendig gestalteten, spiralgebundnen Kalender für den Monat April, den der Japaner Yoshitomo Nara illustriert hat. Das kalkulierte Sound-Chaos von "Suspended Animation", das sich wieder den beiden ersten Alben annähert, lässt wie immer erstaunte Gesichter zurück. Patton lässt dazu Bugs Bunny am Ende der Platte die einzig logische Frage stellen: "Well, what did you expect in an opera? A happy ending?"

Ab Mai kündigen Fantômas Auftritte in Europa, bevorzugt auf Festivals, an. Da sich die Daten mit den Touraktivitäten von Lombardos Hauptband Slayer überschneiden, springt Drum-Urgestein Terry Bozzio (u.a. Frank Zappa und Steve Vai) ein. Beim Vibration Walls-Festival, einem U-/E-Musik-Avantgarde-Festival in Stuttgart im Oktober, lässt aber wieder Lombardo die Fantômas-Sticks wirbeln.

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