Porträt

laut.de-Biographie

Rick Ross

Man kennt das ja: Aus Glaubwürdigkeitsgründen (oder warum auch immer) leihen sich Rapper Namen von bekannten Kriminellen: Capone-N-Noreaga, 50 Cent oder Irv Gotti. Die Liste ist beachtlich. Seit dem Sommer 2006 reiht sich ein weiterer Möchtegern ein: Rick Ross. Benannt nach Ricky 'Freeway' Ross, dem Mann, der für die Kokain-Epidemie in den Achtzigern verantwortlich sein soll.

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Wobei 'Möchtegern' in diesem Fall wohl etwas unangebracht erscheint. Vor seiner Karriere als Rapper hat sich William Roberts, so Ross' richtiger Name, nämlich tatsächlich eine ordentliche Reputation als Delinquent zugelegt. Er soll ein ganz Großer gewesen sein im Kokain-Business in seiner Heimatstadt Miami. Und bevor er nur eine Platte verkaufte, bereits im Maybach durch Florida gereist sein.

Wie dem auch sei: Auf das weiße Pulver ist der 150-Kilo-Koloss im Jahr 2006 nicht mehr angewiesen. Seit seinem Superhit "Hustlin'" verkauft sich seine musikalische Ware wie frisch gekochtes Crack.

Im Jahr des Millenniums taucht die rauchige Stimme Ross' das erste Mal im Rap-Kosmos auf. Mit seiner Crew Carol City Cartel mischt er die Rentnermetropole Miami auf. Das Label Suave House Records - Heimat von Eightball & MJG - bietet ihm dafür eine passende Plattform, zumindest auf lokaler Ebene. Bis Ross schließlich die Aufmerksamkeit von Slip-N-Slide Records auf sich zieht.

Der Schulterschluss mit dem Aushängeschild des Miami-Hip Hops, das mit Trina und Trick Daddy die bekanntesten Namen der Stadt stellt, erweist sich als Glücksgriff. Eine ausgiebige Tour mit letzterem und etlichen Auftritte auf diversen Slip-N-Slide-Veröffentlichungen sorgen für einen kleinen Hype.

Doch es dauert bis zum Jahr 2006, bis Rick Ross tatsächlich mit einem eigenen Release in den Startlöchern steht. Die Single "Hustlin'" - rohestes Material aus Bass, Orgeltönen und Ross' heiser gerappten Streettales - trifft die Industriegrößen wie ein Schlag. Rick Ross ist der neue heiße Scheiß und jeder, der Rang und Namen hat, will den Hünen für sich verpflichten: Diddys Bad Boy Records, Irv Gottis Murder Inc.-Posse und Def Jam-Boss Jay-Z buhlen um den neuen Star am Himmel.

Jigga schreibt schließlich den dicksten Scheck und nimmt Rick Ross mit einem Millionen-Vertrag im Hause Def Jam auf. Hatte die ursprüngliche Version von "Hustlin'" schon die Straße erschüttert, kommt der Remix mit Boss Jigga und Def Jam-Zögling Young Jeezy einer Atombombe gleich. Hova spittet einen seiner besten 16er nach seinem Rücktritt, Jeezy liefert seine patentierte Gangsta-Attitüde und die Single avanciert zum Hit des Sommers. Über eine Millionen verkaufte Klingeltöne liefern dafür den besten Beweis.

Nach dem Riesenerfolg Jeezys und seiner Single "Go Crazy" im Jigga-Remix im Sommer 2005, feiert die Hip Hop-Community zwölf Monate später erneut einen (Ex-)Kriminellen aus den Def Jam-Reihen. "It Ain't Save No More" - Busta lässt grüßen. Dem nicht genug. Die Single "Holla At Me", auf der Miami-Homie DJ Khaled ein Afrika Bambaataa-Sample flippt, reißt in Kollaboration mit Paul Wall, Fat Joe, Lil' Weezy und Pitbull endgültig die Hütte ab.

Im September 2006 steht das Solodebüt "Port Of Miami" in den Regalen. Jedoch nicht lange. Das gute Stück findet reißenden Absatz und steigt von Null auf Eins in die amerikanischen Billboard-Charts ein. Unterstützung bekommt Herr Ross bei diesem Erfolg unter anderem von Akon, Jay-Z, Jeezy, Lil' Wayne, Mario Winans und Lyfe Jennings. Insgesamt imponiert "Port Of Miami" mit druckvollen Synthie-Beats und saloppen, aber fesselnd vorgetragenen Geschichten aus den dunklen Ecken Miamis. Die Metamorphose vom umtriebigen Drogendealer zum Star-Rapper mit Welterfolg wäre somit geschafft.

An dieser Entwicklung lässt Rick Ross' zweiter Ausbruch keinen Zweifel. "Trilla" setzt den auf "Port Of Miami" eingeschlagenen Weg konsequent fort. Bereits mit der Vorab-Single macht Rick Ross Seite an Seite mit T-Pain klar, wer "The Boss" ist. Daneben gehen auf dem Longplayer Young Jeezy, Lil Wayne, Trick Daddy, Mannie Fresh und Jay-Z an den Start. DJ Khaled steuert in einem Zwischenspiel eine wahre Lobeshymne auf Rick Ross bei. Die Beats entstammen unter anderem den Reglern von J. R. Rotem, The Runners und der J.U.S.T.I.C.E. League.

Acht Jahre nach seinem Erscheinen in der Rap-Manege enthüllen findige Beobachter dann ein unschönes Detail in der sonst so makellosen Gangster-Vita: Während Rick Ross den aufkommenden Gerüchten anfangs noch widerspricht, lenkt er wenige Monate später ein und gibt zu, in seinem früheren Leben tatsächlich 18 Monate als Wärter in einem Gefängnis in Florida gearbeitet zu haben.

Wer "Deeper Than Rap" ist, an dem bleibt eben nichts haften. Rick Ross entpuppt sich als echter "Teflon Don". Noch nicht einmal die Meldung, er habe bei einem Covershooting 2009 keine Markensonnenbrille, sondern eine billige Imitation getragen, schadet seiner Reputation nachhaltig.

Anfang 2012 gilt er noch immer als "hottest MC in the game". Kaum hat er "God Forgives, I Don't" veröffentlicht, arbeitet er bereits am nächsten Longplayer "Mastermind". Zwischendurch steuert er einen Song für den Soundtrack zu Quentin Tarantinos Western "Django Unchained" bei.

Rick Ross stoppen weder Herzattacken, Urheberrechtsstreitigkeiten noch sonstige Händel mit dem Gesetz. Zahlreiche Fehden hält er munter am Kochen. Gut möglich, dass eine davon die Ursache dafür liefert, dass im Januar 2013 ein Kugelhagel über seinen Wagen niedergeht. Rick Ross und seine Begleiterin bleiben unverletzt, nicht so jedoch der Rolls Royce, der an einer Hauswand ein unschönes Ende findet.

"Ich hatte meine Hochs und Tiefs. Ich nahm Verluste in Kauf. Das macht mich zu dem, der ich heute bin." Und wer er ist, präsentiert Rick Ross kinoreif auf Tonträgern. Vergangenheit hin oder her, das Wort des Bosses bleibt Gesetz: "Bounce!"

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