Porträt

laut.de-Biographie

Fat Joe

Schmalspur-Rapper gibt es wie Sand am Meer. Vom New Yorker Emcee Fat Joe bekommt man jedoch das ganze Paket. Die Underground-Headz preisen seine enge Bindung zur Hip Hop-Kultur bzw. sein soziales Engagement, die Clubgänger hotten zu den aktuellen Hits "We Thuggin'" und "What's Luv" ab. Die Original Gangstas respektieren ihn dagegen aufgrund seiner Stellung als Pate der Bronx, die "sauberen" Geschäftsleute kennen Joe als ausgefuchsten Vertragspartner. Unnötig zu erwähnen, dass zudem seine lateinamerikanische Gemeinde wie eine Wand hinter ihm steht. Immerhin ist er der erste ernsthafte Latino-Rapper und mit Homie Big Pun hat er auch den Erfolgreichsten dieser Kunst entdeckt.

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Das Fundament aller Fat Joe-Businesserfolge basiert aber auf seinen eigenen musikalischen Ergüssen. Vier Soloalben sowie jeweils eine Posse-Platte mit seiner Terror Squad und der D.I.T.C.-Crew sind das Resultat seiner mehr als zehnjährigen Tätigkeit im Rapgame. Selbst wenn er jetzt mit den oben erwähnten Songs jüngeren Datums ein wenig dem Jiggy-Style frönt, so hat er doch nichts von seiner Hardcore-Einstellung verloren. Die bekannten Zutaten Street Life, Eastcoast-Beats und Mafia-Anspielungen prägen auch das Werk " Jealous Ones Still Envy". Alternativen gibt es für ihn nicht.

Straighte Ehrlichkeit ist Trumpf. Kollegen wie Mos Def oder Talib Kweli findet er zwar cool und respektiert ihren dopen Flow, aber deren Mucke hält er insgesamt für "Bubblegum"-Hip Hop, wie er im Juice-Interview deutlich macht. Auch die Geschichte mit Nas und Jay-Z sieht er kritisch, denn Rapper sollen Vorbilder sein und der Kultur dienen. "Ein Beef kann durchaus eskalieren" so Joe, der zu beiden Künstlern eine Beziehung hat. "Nas ist verrückt. Keine Frage, dass wir down mit Nas sind. Wir lieben ihn. Ich habe sogar beinahe meinen Sohn nach Nas benannt. Aber obwohl ich Nasir für den Gewinner in dem Battle On Wax halte, ist die ganze Geschichte ihre Angelegenheit. Ich habe keine Probleme mit Jay-Z und seiner Rocafella-Clique."

Da ist er wieder, der schlichtende Pate des Raps. Wie einst Marlon Brando, sorgt Fat Joe vorerst für verbale Gerechtigkeit. Mit knapp 32 Jahren, 250 Kilo Lebendgewicht, Familienvater und Besitzer einer Villa in Miami kriegt man von Joseph Cartagena heute nur klare Worte zu hören. So ist er auch einer der auf dem Boden gebliebenen Rapstars, die ab und an zu ihren Wurzeln zurück kehren. Im Falle Fat Joe heißt das konkret: Der mehrfache Millionär trägt seine South Bronx noch immer im Herzen. Er besucht seine Läden, kümmert sich um die einfachen Leute und holt sich so die nötige Power für ein neues Album.

Flashback:
Fat Joe aka Joseph Catenga wächst in der South Bronx auf. Sein Vater ist streng, und die Mutter liebevoll aber kraftlos. So fällt es Fat Joe leicht, in die Fußstapfen seines Bruders Angel zu treten. Von diesem lernt er das Straßenleben und das Rappen. "Mein Bruder kam immer mit Tapes von den Partys der Zulu Nation zurück. So konnte ich mir einfach alles anhören, Theodore, Funky 4 + 1, And the Furious Five."

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Nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch ein Befreiungsschlag.
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Doch bevor Joseph als Emcee von sich reden macht, erlangt er unter dem Synonym Joey Crack erste Meriten als Graffiti-Künstler der TATS Crew. Reimtechnische Schritte wagt Fat Joe dann später im Umfeld der Bronx-Gruppe Diggin In The Crates, kurz D.I.T.C. genannt. Im Zuge der Soloalben von Mitgliedern wie Diamond D, Showbiz And AG oder Big L veröffentlicht auch Joe 1993 sein von Diamond D produziertes Debut "Represent". "Sawed off shotgun, hand on the pump/It's a another wild nigga from the Bronx", schallt es da einem mit Cypress Hill-Samples entgegen. Die Single "Flow Joe" springt sofort an die Spitze der "Hot Rap Singles".

Zwei Jahre später, auf dem Höhepunkt des New York-Sounds, erscheint "Jealous One's Envy", das noch heute als Klassiker und Fat Joes bestes Werk gilt. An den Reglern legen Produzenten wie DJ Premier, LES und Domingo Hand an. KRS One ist genauso am Start wie Wu Tangs Raekwon und Armageddon aus der noch jungen Terror Squad-Fam. Zudem droppt der Big Punisher seine ersten Zeilen überhaupt auf Vinyl. "Ich traf Pun an einer Straßenecke der Bronx. Er battelte einige Jungs, und ich dachte: Oh mein Gott, dieser Typ ist einfach unglaublich."

Unglaublich und zwar unglaublich erfolgreich ist auch Fat Joes Gastauftritt bei LL Cool Js Megahit, "I Shot Ya" zusammen mit Foxy Brown und Keith Murray. Selbst Notorious BIG, damals der ungekrönte King Of New York, zollt ihm Respekt. "Ich erinnere mich, dass Biggie eine Woche nach meinem zweiten Album zu mir kam und sagte: Yo Joe, I don't know what you did, but your shit is crazy." Doch Verrücktheiten überlässt Joe den anderen. Er will mehr als nur ein Rapper sein, er will Unabhängigkeit und den Menschen seines Viertel etwas von der ihm zugetragene Liebe zurückgeben. Während ein Mann wie Biggie Smalls dafür seinen Puff Daddy hat, möchte Joe auch die Qualitäten eines Geschäftsmannes in sich vereinen.

Schon früh erlernt er die Kunst des Handelns von seinen Vater, der ihn zum Verkauf von gebackenen Törtchen am Orchard Beach mit nimmt. Schon kurz nach seiner ersten Platte eröffnet er in der South Bronx ein Modegeschäft (Fat Joe's Halftime) sowie einen Friseursalon, um eine "positive Präsens in der Community" zu schaffen. Und wie es sich für einen richtigen Rapper gehört, launcht er auch seine eigene Klamottenreihe FJ560.

Doch erst nachdem er sich von seiner früheren Plattenfirma Relativity trennt, können Fat Joe und sein Partner Big Greg aus dem vollen Schöpfen. Sie schließen einen Vertriebsdeal mit Atlantic Records über 10 Millionen Dollar ab, der es ihnen erlaubt, ihr eigenes Mystic Entertainment Unterlabel zu gründen. Zudem können die Beiden so die Terror Squad Productions sowie ihr Pay Up Management ins Leben rufen. In "My Lifestyle" bringt es Fat Joe auf den Punkt. "Don't blame me, blame them, the white folk, for giving me ten mil, for possessin' the tight flow."

Das Resultat dieser fruchtbar-finanziellen Verbindung ist 1998 das dritte Album "Don Cartagena", welches sich locker die Goldplakette einheimst. Die Scheibe bietet einen repräsentativen Querschnitt durch die Bandbreite des Rap. Underground und Mainstream, Old School und new Cats geben sich die Klinke in die Hand. Namentlich sind Puff Daddy, Nas, Raekwon, Big Pun, Jadakiss, Marley Marl, Noreaga, Charli Baltimore, Bone Thugs And Harmony, Younglord, die Trackmasters und die Terror Suad (Cuban Link, Sunkiss, Armageddon, Triple Seis, Prospect) dabei.

Mit dieser Truppe schiebt Fat Joe 1999 das Werk "Terror Squad - The Album" nach, das sich ebenfalls 500.000 mal verkauft. Die Zeiten scheinen rosig für Joe. Big Punisher steigt zum King Of New York auf und arbeitet hart an seinem zweiten Album. Auch Squad-Soldat Cuban Link steht vor der Veröffentlichung seines Debuts. Doch erstens kommt es anders und zweites als man denkt. Für Joseph Cartagena beginnt pünktlich zur Jahrtausendwende das große Drama.

Zuerst stirbt sein Freund Big Pun kurz vor Fertigstellung seiner "Yeah Baby"-Platte an Überfettung bzw. Herzversagen. Ein Schicksalsschlag, der auch die festen Bande der Terror Squad und überraschenderweise auch der D.I.T.C.-Crew (Pun ist zum Todeszeitpunkt nur loses Mitglied der Gruppe) zerreißt. Cuban Link, Triple Seis und Sunkiss trennen sich im Streit von Joe. Zum allem Überfluss wird Cuban Link nach der Angie Martinez Release Party im Jimmy's auch noch das Gesicht mit einer Glasscherbe zerschnitten. Fat Joe dazu: "Cuban Link and Triple Seis believed it was over, that Joe can't hold it down. Pun was a genius. He was incredible, but people weren't giving me credit for tweaking behind the scenes, for making him look sexy, for making him look like a fat role model or doing clever things in his videos that brought out that character in him."

Als dann auch seine Schwester ins Koma fällt und er von seinem Haus in New Jersey aus das World Trade Center einstürzen sieht, steht Joe vor seiner härtesten Prüfung. Wie so viele Künstler sucht er in dunklen Zeiten sein Heil in der Musik. Er lädt Freunde wie R. Kelly, Ludacris, Busta Rhymes, M.O.P. oder Remy Martin ins Studio ein und nimmt mit ihnen das erwähnte "Jealous Ones Still Envy" auf. Die Scheibe hält sich wie die Vorgänger ebenfalls lange in den Billboard Charts. Bereits im Dezember folgt Joes fünftes Werk "Loyalty", das zwar ohne Stargäste auskommt, jedoch wieder die bekannte Mischung aus R'n'B-Tracks und Hardcore-Tunes bietet.

Im November 2006 erscheint "Me, Myself & I" auf Mr. Don Cartagenas eigenem Label Terror Squad Entertainment mit Vertriebs-Unterstützung von Imperial / EMI (Virgin Records). Features gibt es von The Game, Lil Wayne und Newcomer Murder Capital. Produziert wurde der Longplayer unter anderem von DJ Khaled, LV, Streetrunner, The Runners und Scott Storch, der übrigens auch die erste Single "Make It Rain" zu verantworten hat.

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Alben

Fat Joe - Me, Myself & I: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2006 Me, Myself & I

Kritik von Valerie Timm

Nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch ein Befreiungsschlag. (0 Kommentare)

Fat Joe - Loyalty: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2002 Loyalty

Kritik von Stefan Johannesberg

Entkleidet bis auf die nackte Musik wirkt der fette Joe ziemlich mager. (0 Kommentare)

Videos

Get It Poppin'
I Won't Tell
Get It Poppin (Featuring Nelly)MTV
Get It Poppin (Featuring Nelly)

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Pressefotos Pressefotos des schwergewichtigen Rap-Paten.

Pressefotos des schwergewichtigen Rap-Paten., Pressefotos | © Eastwest (Fotograf: ) Pressefotos des schwergewichtigen Rap-Paten., Pressefotos | © Eastwest (Fotograf: ) Pressefotos des schwergewichtigen Rap-Paten., Pressefotos | © Eastwest (Fotograf: ) Pressefotos des schwergewichtigen Rap-Paten., Pressefotos | © Eastwest (Fotograf: )

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