Porträt

laut.de-Biographie

Big Punisher

Rap-Schwergewichte gibt es viele im großen Hip Hop-Game. Sie tummeln sich vornehmlich an der doch oft dünnen Spitze, denn die meisten münzen ihre Big/Fat-Synonyme nicht nur auf die Körpermasse, sondern auch auf ihr "fettes" Raptalent. Als da wären Fat Joe vom Terror Squad, Big Shug aus der Gang Starr-Foundation, Big L von der D.I.T.C.-Clique, Big Noyd aus dem Mobb Depp-Umfeld, Old Schooler Fatman Scoop und die grottenschlechten Fat Boys. Der Bekannteste ist bis zu seinem Ableben sicher Notorious B.I.G, der auch heute noch zu den größten Rappern aller Zeiten zählt. Doch der mit Abstand schwerste MC ist unbestritten der Big Punisher gewesen. Am Tag seines Todes, dem 7. Februar 2000, wiegt Big Pun 670! Pfund. Beide, Biggie und Pun, fallen in den Neunzigern jedoch nicht nur durch ihre Fettleibigkeit auf, sondern auch ihre Skills und ihr Charisma bleiben unerreicht.

Der Big Punisher wird als Christopher Rios in der Bronx/NY geboren. Mit 15 verlässt er Haus und Hof und widmet sich der Hip Hop-Kultur, Graffiti, Breakdance, Djing und natürlich Rappen. Christopher lässt keine Säule aus. Er wiegt damals auch nur knappe 200 Pfund. Kein Wunder also, dass er auch als guter Basketballer und Boxer (Punisher) unterwegs ist. Mit 18 gibt er sich den Namen Black Moon Dog. Diese Zeit ist hart für ihn, denn seine Frau Lisa erwartet ihr erstes von drei Kindern (Armanda, Vanessa, Christopher), und das einzige Geld verdient er durch Crack dealen. In jenen spärlichen Tagen soll er sich sein enormes Gewicht aus seelischen Gründen angefressen haben. Im zweiten Teil der 90er jedoch wendet sich das Blatt zum Guten. Es beginnt mit folgenden Zeilen:

"Hey yo It's all love, but love's got a thin line and Pun's got a big nine, respect crime but not when it reflect mine. The Shit I'm on is wrong but it lasts Long Pull a fast one, then Pun'll wake up, with the stash gone I'm mad strong, and my cream is fast, Smoke the greenest grass, my bitch got the meanest ass and a taste legit, I don't have to waste a whole case of Crist' All it takes is my pretty face and my gangsta wit Lace the click, cause we all share. It's all fair like love and war, thug galore with the long hair Big Pun, Pun the name that makes the kids run. Like spelling murder reverse it deliver redrum, Come on, come all, if you wanna brawl I'm the mighty Thor clotheslining motherfuckers like Steven Segall. Cause all you gonna get, is your ass kicked or up in a casket, That's it." (Big Punisher in "Off the Books" The The Beatnuts feat.Cuban Link, Big Punisher)

Mit diesen Lyriks, seinem heiseren, atemlosen Flow und der riesigen Erscheinung überfährt der Big Punisher im Jahre '97 die gesamte New Yorker Hip Hop-Szene. Zwar hat er schon '95 bei seinem Homie Fat Joe den ersten Auftritt ("Firewater" feat. Raekwon, auch auf "Endangered Species"), doch mit dem Underground-Hit gelingt ihm zusammen mit den Beatnuts der Durchbruch. Um das Interesse am Kochen zu halten, schieben er und sein erstes und letztes Label Loud schnell seine erste Single "I'm not a player (I just crush a lot) feat. The O'Jays" nach. Der Track zieht seine Faszination aus dem Zusammenspiel von Puns Flow und dem alten Soulrefrains der O'Jays. Später wird er immer wieder nach dieser Formel vorgehen. 1998 folgt das lang erwartete Debut "Capital Punishment" und wird dank Streetpromotion zum Megaseller. Es scheint fast so, als hätten die Headz nach dem Ableben von Notorious BIG und 2Pac nur auf den nächsten Superstar gewartet.

Das Album holt Platin, und Big Pun wird der erste Latinorapper, der sich diese Auszeichnung holt. Weder die früheren Rapper Kid Frost und Mellow Man Ace, noch die Beatnuts verkaufen so viele Platten. "Capital Punishment" wird sogar für den Grammy für die beste Rapscheibe nominiert. Big Pun stehen nun Tür und Tor im Musikbiz offen. Zu diesem Zeitpunkt wiegt Big Pun schon über 500 Pfund, hat Herz-und Kreislaufbeschwerden, so dass ihn Loud Records CEO Steve Rifkind zu einer Kur überredet. Doch anfängliche Erfolge verpuffen leider, da der Big Punisher zusehends an Depressionen leidet. Sein Gewichts-und Seelenprobleme halten ihn aber nicht von massiver Feature-Präsenz bei den Raphomies ab. Als Paradebeispiele seien hier nur die Kollabos mit Onyx ("Shut Em Down Remix"), Noreaga ("Oh No") oder DJ Clue ("Fantastic Four") genannt. Selbst bei den Latin-Superstars Ricky Martin ("Livin La Vida Loca Remix") und Jennifer Lopez ist sein tonnenschweres Talent beliebt. Doch Pun baut auch in bürgerliche Leben weiter an seiner Zukunft. So eröffnet er '99 ein Barber-Poolbillard-Streetwearshop in der South Bronx.

Neben den Gastauftritten veröffentlicht er mit seiner Terror Squad-Crew (Fat Joe, Triple Seis, Cuban Link) ebenfalls '99 das gleichnamige Album, welches Gold holt. Als das zweite Album bereits in den Startlöchern steht, passiert das Unglück. Am 7. Februar 2000 erliegt der 28-jährige Christopher Rios im New Yorker White Plains Hospital einem Herzinfarkt. Seine Herzgefäße sollen dreimal so groß wie ein normales Herz gewesen sein. Die ganze Hip Hop-Szene zeigt sich erschüttert und zollt ihm in seinem Video "It's so hard" vom zweiten Werk den gebotenen Respekt. Fans errichten in der Nähe seiner Wohnung Gedenksteine, u.a. geschmückt mit seinen Lieblingsgetränken. Zudem malten Sprüher ein riesiges Wandgemälde zu seinen Ehren. Als würdiger Abschluss steht nun eine Art Best Of-Album mit teils unveröffentlichtem Material in den Läden. Man kann nur hoffen, dass es im Falle Big Pun nicht zu einer geldgeilen Grabschändungsserie à la 2Pac kommt.

R.I.P.

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