Porträt

laut.de-Biographie

Gang Starr

Am 19. April 2010 nimmt das Kapitel Gang Starr ein endgültiges, unerwartetes und abruptes Ende. Keith Elam erliegt einem Krebsleiden, von dem die Öffentlichkeit bis zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. Er wird nur 43 Jahre alt.

Als Guru – Kurzform für Gifted Unlimited Rhymes Universal – schreibt er gute 20 Jahre zuvor Geschichte. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner DJ Premier revolutioniert Guru ab Ende der 1980er die Hip Hop-Welt. Unzählige Klassiker stehen auf dem Kerbholz der beiden US-Amerikaner. Kaum ein DJ der New School beeinflusste sein Fach in der Art und Weise, wie es DJ Premier tat.

Von Soul und Jazz getragene Beats mit punktgenauen Scratches, die den smoothen Flow und die anspruchsvollen Lyrics Gurus begleiten, sind das Erfolgsrezept des Duos. Die Alben "Step Into The Arena" und "Moment Of Truth" zählen zum Nonplusultra der Szene. Kaum ein Rapper, der in den 1990ern nicht nach Primo-Beats lechzt: ob Jay-Z, Notorious BIG, The Lox, Capone-n-Noreaga, Nas oder Jeru The Damaja. Alle wollen die pumpende Bassdrum und die groovenden Pianoloops.

Ein solcher Erfolg schafft Nachahmer. Als Premo auf "Moment Of Truth" seinen kreativen Zenit erreicht, produziert die halbe Hip Hop-Welt nach seinen Maßstäben. Doch im schnelllebigen Geschäft mit der Musik stellt sich Verdruss ein. Der Meister wiederhole sich zu oft, lautet der Vorwurf, den Premier bis zum Ende von Gang Starr nicht mehr wird abstreifen können.

An seinem Status und dem der Band ändert dies allerdings nichts. Die Erfolgsgeschichte beginnt Mitte der 1980er in Boston. Aus Zufall laufen sich Keith Elam und Chris Martin beim gemeinsamen Label Wildpitch Records über den Weg. Man lernt sich kennen und schätzen und beschließt, zusammen mit Big Shug gemeinsame Sache zu machen. Dass aus dem Trio letztlich ein Duo wird, hängt mit einer Haftstrafe Shugs zusammen. Er wird jedoch ein gern gesehener Gast auf den Platten Gang Starrs sein.

Während die Fangemeinde mit jedem Album stark anwächst und die Verkaufszahlen explodieren, orientiert sich neben Premo auch Guru anderweitig. Die Jazzmatazz-Reihe, die er 1993 ins Leben ruft, nimmt an Fahrt auf. Jazz-Größen wie Donald Byrd, Lonnie Liston Smith oder Roy Ayers mischen bei der Fusion aus Jazz und Hip Hop mit, mit der sich Guru sein eigenes Denkmal abseits der Kollaboration mit DJ Premier baut. Zudem kümmert er sich um die Gang Starr Foundation, ein loser Zusammenschluss New Yorker Künstler, zu denen unter anderem Afu-Ra, M.O.P., Freddie Foxx, Group Home und Bahamadia zählen.

Über den Solo-Arbeiten treten Gang Starr langsam aber sicher in den Hintergrund. Um die Jahrtausendwende erscheint mit "Full Clip" ein umfangreiches Best Of, danach herrscht Stille. "The Ownerz stellt 2003 den Schlusspunkt der Band dar, man trennt sich einvernehmlich und freundschaftlich, geben die beiden Protagonisten bekannt.

Der Abschiedsbrief, den Guru kurz vor seinem Tod aufgesetzt hatte, sorgt jedoch für Aufsehen. Er sei stolz auf Gang Starr und habe die beste Zeit seines Lebens als Teil der Band erlebt. Aber: "Ich hatte in meinem Leben in den letzten sieben Jahren nichts mit ihm zu tun und möchte auch im Tod nichts mit ihm zu tun haben", schickt er späte Giftpfeile Richtung DJ Premier. Angeblich, denn schnell erwachsen Vorwürfe, Produzent Solar, mit dem sich Guru in den letzten Jahren seines Schaffens umgab, habe den Schrieb manipuliert.

Premo ficht das nicht an, er verzichtet auf eine unwürdige Schlammschlacht nach dem Tod einer der wichtigsten Persönlichkeiten, die der Hip Hop jemals sah: "Ich werde Gurus Leben feiern. Ich werde sein Andenken in Ehren halten, ich werde mit der Elam-Familie seinen viel zu frühen Tod betrauern (...) Vor allem: Ich werde für alle Zeiten feiern, was wir als Gang Starr zusammen geschaffen haben." Möge er in Frieden ruhen.

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