Porträt

laut.de-Biographie

Roy Ayers

Wenn man vorhat, eine neue Musikrichtung zu prägen, sollte man sich vielleicht ein populäreres Instrument aussuchen, als ausgerechnet das Vibraphon, das ist meist so unsexy schneideresk, so fahrstuhlmäßig. Roy Ayers sah das anders - und gibt man sich seinen Künsten auf dem komischen Klöngelteil hin, hört man auch direkt wieder auf, sich zu wundern. Erst sog er Jazz auf und dann packte der Junge das Ding an, um seinen Vorstellungen von superschickem, ausgeklügeltem Funk mit einem guten Schuss Improvisation Luft zu machen.

Roy Ayers - Virgin Ubiquity Remixed Aktuelles Album
Roy Ayers Virgin Ubiquity Remixed
Namhafte Produzenten remixen den Altmeister.

Als Sohn zweier musikalischer Eltern wird Roy Edward Ayers Junior 1940 in Los Angeles mit den besten Voraussetzungen auf die Welt geschmissen. Er wandert in seiner Kindheit zwischen den unterschiedlichsten Instrumenten daher - neben Klavier eben auch Gitarre, Querflöte, ein bisschen Trompete - und beendet seine Suche beim Vibraphon, dessen großer Meister Lionel Hampton Ayers ihn schon begeistert hat, als seine Eltern ihn als kleines Würstchen auf eines seiner Konzert mitnahmen.

Erst mit erstaunlich alten 17 Jahren bekommt er sein eigenes Instrument, übt wie besessen, nimmt Unterricht und studiert schließlich Musiktheorie am Los Angeles City College. Mit 21 kann er sich bereits Profi nennen und kommt gediegen in der florierenden Westcoast-Jazzszene rum. Dann trifft er auf Leonard Feather - den berühmten Jazzproduzenten und Autoren, der ihm sein erstes Album "West Coast Vibes" ermöglicht, welches wird von Jazzkritikern mit viel Lob bedacht. Eine weitere lukrative musikalische Freundschaft geht er mit dem Jazzflötisten Herbie Man ein. Unter Atlantic Records produziert dieser seine folgenden drei Alben, nimmt ihn in den nächsten vier Jahren mit auf Tour und gibt sich mit Ayers im Lighthouse berüchtigten Sessions hin.

Doch 1970 lechzt Ayers im wahrsten Sinne des Wortes nach anderen Ufern. Er trennt sich von Herbie Man und zieht ans andere Ufer nach New York. Dort macht er sich auf die Suche nach neuen klanglichen Möglichkeiten, sowohl stilistisch als auch auf dem Vibraphon selbst. Mittlerweile schon populär, beginnt er auch sein Können als Sänger, Komponist, Arrangeur und Studiofrickler voll zu entfalten, um musikalisch immer weiter in die psychedelische 70er-Jahre Partyexzess-Schiene zu driften. Er gründet die Band Ubiquity, und veröffentlicht mit ihr unter Polydor knapp 20 Platten, auf denen die Songs sind, die noch heute auf jedem halbwegs vernünftigen Funksampler kommen - und zwar zu Recht. Ayers vielleicht berühmtestes, gleißendes "Everybody loves the sunshine", das luxusdiscofunkige "Runnin away", das leise tuckernde "Love will bring us back together" und sein Soundtrack zu dem Blaxploitationfilm "Coffy" mit Pam Grier sind über die Jahre Klassiker geblieben.

Die perfekt in den Song gepaceten Vocalsätze werden zu einem neuen Element in Ayers Musik, die oft genug durch ein brilliantes Gespür für Grooves und extraterrestrische Soundauswahl besticht. Dazu kommt Ayers Faible für ausgeprägte Improvisationen, die die Songs nur noch ausgefallener machen, und die exzellenten Gastmusiker wie Billy Cobham und Omar Hakim, die bei Ubiquity für einen hohen Standart sorgen.

Anfang der Achtziger Jahre gründet Ayers gemeinsam mit dem nigerianischen Musiker Fela Anikulapo Kuti seine eigene Plattenfirma Uno Melodic Records. Er nimmt mit ihm zwei Alben auf, die sein neues Interesse an afrikanischen Klängen bekunden, und beschäftigt sich zunehmend damit, auch für andere zu komponieren und produzieren. Auch seine Liveperformance-Lust lebt er bis tief in die Neunziger weiterhin aus, beispielsweise im ständig berstenden Londoner "Ronnie Scotts".

Alles was funkig und gut ist wird vom Hip Hop aufgesogen, wodurch Roy Ayers-Schnipsel auch über das gesamte Ghetto verstreut sind. Viele Künstler verbraten nicht nur Samples von ihm, sondern featuren ihn gleich ganz. Man findet ihn auf den Ausnahme-Hip Hop-Jazzknoten-Alben "Jazzmatazz" mit Guru, einer CD der berühmten "Red hot"-Reihe - auch Erykah Badu, Eric Benet und George Benson bedienen sich der Mithilfe seiner Künste. Die Zusammenarbeit mit Erykah Badu baut Ayers später noch weiter aus; im Sommer 2004 erscheint mit "Mahagony Vibe" ein neues Album, das die Dame gleich in mehreren Songs featuret und Neo-Soul erster Güte bietet. Mittlerweile, Ayers ist wahrscheinlich inzwischen Großpapa, ist es um ihn ein wenig stiller geworden. Aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass er sich langweilt.

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