laut.de-Kritik

Auf zu neuen Sounds und Sphären.

Review von

Die Geschichte von der Schönen und dem Producer? Klingt zum Kotzen! 1994: Butch Vig hat mit "Nevermind" ein Album produziert, das sein Genre und seine Generation prägte wie kaum ein anderes. Shirley Manson hängt in Schottland fest und spielt in Bands, die keiner kennt, als Vig und Steve Marker sie für Garbage entdecken. Auf den ersten Blick: einfach ein schönes Mädchen, das diese aus Produzenten zusammengesetzte Band zum Strahlen bringen könnte.

Natürlich denkt ein Butch Vig nicht so eindimensional, und Manson steuert neben ihrer charismatischen Schönheit die vor Stimmungen strotzenden, am Hörer rüttelnden Lyrics zur neuen Formation bei. Und ihre unfassbare Stimme: tief, unnahbar, sexy. Sie verkörpert die Frau, bei der jeder von einem Date träumt und sich gleichzeitig unendlich ängstigt: Wird die kühle Schöne sich überhaupt jemals für ein irdisches Wesen wie mich interessieren?

Am besten trägt Manson diese Attitüde in der unfassbar gelangweilten Songzeile "du-dupa-dupa-dadu" ("Not My Idea") zur Schau. "You thought I was a little girl / ... Now I'm here burning down your house / This is not my idea of a good time": ein fieser Tritt in den Arsch der Menschen, die denken, andere seien weniger wert, als sie selbst. Shirley Mansons nachgezogene, schleppende Phrasierung, die in die Länge gezogene Betonung, gibt den Lyrics ein besonderes Gewicht.

Auch einer der ersten Superhits, die Garbage schreiben, "Queer", beginnt mit nebenbei gehauchten, belanglosen Silben. Doch sowohl musikalisch (die tropfende Gitarre, die schleppenden Drums, die zerrenden Samples) als auch lyrisch ist hier absolut gar nichts ohne Belang. Vielmehr zeigen sich in diesem Song eine die Band prägende Offenheit und Zugewandtheit zum Anderssein.

Der Sound von Garbage, eine Mischung aus Rock und Elektronik, stellt 1995 eine Sensation dar. Butch Vig ist es leid, Gesang, Gitarre, Bass und Drums zu produzieren. Gemeinsam mit Steve Marker entdeckt er Public Enemy als Vorbild für die Musik, die er mit seiner eigenen Band spielen möchte, erzählt Vig im Interview: "Damals nahmen wir analog auf Tape auf und versuchten das anschließend mit Samplern zu synchen. Ein technischer Alptraum."

Den schnellen Erfolg erklärt Shirley Manson mit der Andersartigkeit der Band: "Bevor wir auftauchten, war alles von langhaarigen Typen in Karohemden dominiert. Und als wir dann unser erstes Album vorlegten, das immer noch stark von Gitarren geprägt war, aber zugleich diesen Hybrid aus Rock und elektronischer Musik aufwies, war das einfach seltsam. Ich glaube nicht, dass es etwas Vergleichbares gab."

Das Album klingt vielschichtiger und auf eine andere Art und Weise laut, als der Anfang der Neunziger dominierende Grunge. "Garbage" endet mit einem Song, der über dem Hörer schwebt wie eine Wolke. Die Elektronik reibt sich an der Gitarre. Sehnend liegen die Lyrics darüber: "I'm waiting, I'm waiting for you." Ein Klang von ganz weit weg. Weg von der kalten Realität, hin zu neuen Sounds und Sphären.

In der Rubrik "Meilensteine" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.

Trackliste

  1. 1. Supervixen
  2. 2. Queer
  3. 3. Only Happy When It Rains
  4. 4. As Heaven Is Wide
  5. 5. Not My Idea
  6. 6. A Stroke Of Luck
  7. 7. Vow
  8. 8. Stupid Girl
  9. 9. Dog New Tricks
  10. 10. My Lover's Box
  11. 11. Fix Me Now
  12. 12. Milk

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5 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor einem Monat

    Habe ich damals sehr gerne gehört. Fette Produktion (wenn auch etwas unpräzise) und vor allem gute Songs. Egal ob Queer, Only Happy When It Rains, Vow, Stupid Girl oder das sanfte Milk -alles ging ins Ohr und blieb da hängen. Diese Qualität haben sie mit keinem der Nachfolger auch nur annähernd erreicht. 4,5/5.

  • Vor einem Monat

    für mich eine der liebsten und lebendigsten platten der gesamten 90er. leider mit großem abstand die einzige scheibe, auf der das songmaterial der bühnenpersönlichkeit shirley mansons gerecht wurde.

  • Vor einem Monat

    Wurde beim Kauf damals "erwischt" und musste mich (16) aufgrund des "femininen Covers" rechtfertigen. Gut der Wortlaut damals war ...ähm..rustikaler.
    Meine Entgegnung damals war aber angemessen...."du hesch koi Ahnung von Musik lass mich lieba mal ziehen"
    Bis heute ein Evergreen in meiner Sammlung konnte auch Version 2.0 noch etwas abgewinnen danach allerdings war der Zauber verflogen.
    Würdiger Meilenstein! Lief damals abwechselnd mit Siamese Dreams in Dauerrotation

  • Vor einem Monat

    Es war zugegeben ein bockstarkes Jahr, aber hier nur mal meine Top Ten (natürlich original aus meinem noch heimlich geführten Tagebuch) 1995, die ich aber auch über das Jahr hinaus deutlich häufiger gehört und intensiver erlebt habe als das Debüt von Garbage:

    Björk: "Post"
    PJ Harvey: "To bring you my love"
    Faith No More: "King for a day... fool for a lifetime"
    The Gathering: "Mandylion"
    Mr. Bungle: "Disco Volante"
    The Chemical Brothers: "Exit Planet Dust"
    Tricky: "Maxinquaye"
    Kyuss: "...and the circus leaves town"
    Monster Magnet: "Dopes to infinity"
    Meshuggah: "Destroy Erase Improve"

    In meine Top 15 wiederum hat es Garbage 1995 schon noch geschafft, ich erinnere mich auch gern an einen Festivalauftritt von ihnen als Co-Headliner auf der Loreleybühne im Juni 1998.
    Aus heutiger Sicht reihe ich da aber noch so einiges erst später entdecktes davor wie bspw. deftones, down, Radiohead, Quicksand, Moloko, Clutch, Colour Haze, die ich alle erst 1997/1998 im Austausch mit damaligen Bandkollegen kennenlernte, die aber alle ebenfalls extrem stark in 1995 geliefert haben...

  • Vor einem Monat

    Verdienter Meilenstein, wobei ich "Version 2.0" auch ziemlich mag, allein schon wegen "Push it".