Porträt

laut.de-Biographie

Morbid Angel

Florida war in den 80ern und 90ern so etwas wie eine Brutstätte für exzellente Death Metal-Bands. Neben Death, Obituary oder Atheist ruft ein Kerl, der sich Trey Azagthoth nennt (wohl ein beinharter H.P. Lovecraft-Fan) 1984 die Band Morbid Angel ins Leben.

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Anfangs stehen dem Mann, der mit bürgerlichen Namen George Emmanuel III heißt, noch Basser Dallas War und Drummer Mike Brownin zur Seite. Schon in dieser Besetzung nehmen sie ein erstes Demo auf, doch erst mit dem Einstieg von Gitarrist Richard Brunelle nimmt ihr Sound echte Formen an. Zunächst teilen sich Richard, Mike und Dalles noch die Vocals, doch so ganz werden sie sich dabei nicht einig.

Bereits 1986 entsteht das erste Album "Abominations Of Desolation", das allerdings in der Form nie erscheinen soll. Dallas fliegt irgendwann raus, mit Basser/Shouter David Vincent und Drummer Pete Sandoval steigen die beiden Musiker ein, die mit Gitarrist Jesse Pintado (Napalm Death) das legendäre "World Downfall"-Album eingeprügelt haben.

Mit diesem Line-Up machen Morbid Angel den Death Metal sozusagen salonfähig, indem sie 1989 ihr Debüt "Altars Of Madness" und zwei Jahre später "Blessed Are The Sick" veröffentlichen. Zwar haben Death und Obituary beide schon Scheiben auf dem Markt, jedoch sind die Morbid Angel Releases einen ganzen Tacken brutaler, ohne dabei stumpf oder uninspiriert zu klingen. Bis Chuck Schuldiner mit Death technische Meisterwerke fabriziert, vergeht noch einige Zeit, in der Morbid Angel unangefochten an der Spitze stehen.

Nach "Blessed Are The Sick" steigt Brunelle aus. Ob es daran liegt, dass nicht nur Vincent mit seinen markigen und auch rechtsradikalen Sprüchen beweist, dass er einen an der Waffel hat, sondern auch Trey, der sich gern mal vor den Konzerten in den eigenen Arm schnitzt, ist nicht bekannt, aber eigentlich hat bei denen ja jeder einen am Rennen. Sein Ersatz ist Erik Rutan.

Der ist aber weder auf dem endlich doch freigegebenem "Abominations..."-Album zu hören, noch auf der "Covenant"-Scheibe. Erstere wurde schließlich von Trey und Richard an den Gitarren, John Ortega am Bass und Mike Browning (später Nocturnus) an den Drums und am Mikro eingespielt. "Covenant" nehmen Morbid Angel als Trio auf und bewegen sich wieder ein Stück back to the roots. Was heißt, dass sie wieder um Einiges ungestümer zur Sache gehen.

Rutan gibt seinen Einstand also auf dem '95er-Werk "Domination", trägt aber zur Musik und zum Sound noch recht wenig bei. Ein Jahr später schneidet die Band auf ihrer Europatour eine Liveaufnahme mit, die sie unter dem Titel "Entangled" in die Plattenläden schmeißen. Es ist zugleich die letzte Veröffentlichung für das Wichtelhirn David Vincent, da sein geistiger Durchfall inzwischen auch den anderen Bandmitgliedern auf den Sack geht und einfach nicht mehr tragbar ist.

Steve Tucker greift fortan in die vier Saiten und macht den Elch hinterm Mikro. Dies tut er zum ersten Mal auf "Formulas Fatal To The Flesh", jedoch ohne Erik Rutan. Der steigt aus, um sich um seine eigene Band Hate Eternal zu kümmern, die technisch noch ein Stück komplexer zur Sache geht als Morbid Angel.

Mit guten, aber nicht wirklich herausragenden Songs schließt die Scheibe in etwa an die alten Tage an. Doch erst "Gateways To Annihilation" zeigt wieder, welches Potenzial in der Band steckt. Glücklicherweise ist Erik wieder mit dabei und darf sogar, wie Steve auch, den einen oder anderen Song zum Album beisteuern.

2001 geht es dann zum ersten Mal auf eine Stadion Tour mit Pantera, Soulfly und Nothingface. Im November 2001 steigt Steve bei Morbid Angel aus, es gibt aber kein böses Blut untereinander. Erik holt kurzerhand Basser und Shouter Jared Anderson von Hate Eternal als Ersatz, und die Tour geht nach kurzer Unterbrechung weiter.

Scheinbar ist so etwas nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten machbar, aber im Februar 2002 gehen Morbid Angel tatsächlich mit Motörhead auf Tour. Dieses ungleiche Package kommt so gut an, dass es verlängert wird. Ende Mai ist die Tour um, und Jared widmet sich wieder vollständig Hate Eternal. Selbiges macht auch Erik im August des selben Jahres - Morbid Angel stehen nur noch als Duo da. Dieser Zustand hält Gott sei Dank nicht lange an: Steve kehrt zur Band zurück, und Trey macht sich schnell daran, neue Songs zu schreiben. "Heretic" erscheint Ende September, zusammen mit Danzig und Superjoint Ritual gehen sie danach auf die 'Blackest Of The Black'-Tour durch Nordamerika.

Als es auch durch Südamerika gehen soll, muss Steve wegen einer Lungenentzündung passen. So kommt David Vincent wieder ins Spiel, der sich die letzten Jahre die Zeit bei Genitorturers, der Band seiner Frau, vertrieben hat. Scheinbar ist der Mann mittlerweile ein wenig vernunftbegabter und seiht seine früheren Äußerungen inzwischen differenzierter. Aus der Ersatz-Situation wird wieder deutlich mehr, und David ist bald schon wieder festes Mitglied bei Morbid Angel. Dennoch kommt es immer wieder zu Tourabsagen, da der Posten an der zweiten Gitarre ständig wackelt.

Im Mai 2008 präsentieren Morbid Angel Thor Anders Myhren aka Destructhor an der Gitarre, mit dem sie endlich auch wieder an neuem Material arbeiten. Allerdings müssen sie Anfang 2010 zunächst auf die Dienste von Drummer Trey verzichten, da der sich von einer schweren Rücken-OP erholt. Somit spielt Tim Yeung (Divine Heresy, Ex-Hate Eternal) das neue Album "Illud Divinum Insanus" ein und ist auch mit auf Tour.

Mit der experimentellen Ausrichtung der neuen Platte und den enthaltenen elektronischen Elementen können sich Fans nur schwer anfreunden. Einige sehen in "Illud Divinum Insanus" das "LULU" Morbid Angels.

Holprig geht es auch im Besetzungsreigen weiter: Erst scheidet Pete Sandoval aus, nach Angaben David Vincents, weil er seinen christlichen Glauben nicht mehr mit der Band vereinbaren könne. Wenig später ist Vincent selbst raus, Tim Yeung und Destructhor gehen mit ihm.

Als Ersatz kehrt Steve Tucker zurück und betreibt die Band eine Weile mit Trey allein. 2017, zum Release des neunten Studioalbums, bestätigen sie Scott Fuller (Schlagzeug) und Dan Vadim Von als neue Mitglieder. Mit "Kingdoms Disdained" kehren Morbid Angel zum reinrassigen Death Metal zurück.

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Alben

Morbid Angel - Heretic: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2003 Heretic

Kritik von Michael Edele

Vernichtet alles Leben in der Umgebung ... (0 Kommentare)

Fotogalerien

Morbid Angel auf dem Summer Breeze 2006 Morbid Angel wären der bessere Headliner gewesen für den Freitag.

Morbid Angel wären der bessere Headliner gewesen für den Freitag., Morbid Angel auf dem Summer Breeze 2006 | © laut.de (Fotograf: Thomas Kohl) Morbid Angel wären der bessere Headliner gewesen für den Freitag., Morbid Angel auf dem Summer Breeze 2006 | © laut.de (Fotograf: Thomas Kohl) Morbid Angel wären der bessere Headliner gewesen für den Freitag., Morbid Angel auf dem Summer Breeze 2006 | © laut.de (Fotograf: Thomas Kohl) Morbid Angel wären der bessere Headliner gewesen für den Freitag., Morbid Angel auf dem Summer Breeze 2006 | © laut.de (Fotograf: Michael Edele)

Surftipps

  • Morbid Angel

    Etwas arg zweckmäßig, aber nicht unbedingt schlecht.

    http://www.morbidangel.com
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    Peel my angel, in your face.

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