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Kaum eine Band in der Metal-Szene ist so bekannt wie Napalm Death, und das ist auch gut so. Diese Truppe beeinflusste in musikalischer Hinsicht beinahe jegliche neuere, extreme Stilrichtung, sei es nun im Gitarren- oder im elektronischen Bereich.
Auf die einzelnen Mitglieder von ND im Laufe der Jahre einzugehen, würde diesen Rahmen sprengen - hier mag die offizielle Homepage helfen. Festhalten sollte man aber, dass bei hier Musiker mitspiel(t)en, die früher oder später bei Acts wie Terrorizer, Godflesh, Carcass, Righteous Pigs, Benediction und anderen herausragenden Bands aktiv waren/sind.
Ebenfalls bezeichnend für die Band waren von jeher ihre Lyrics. Die Herkunft aus der Punk-Szene ließ sich nie verleugnen. Das wollte auch niemand. Am deutlichsten dürfte wohl die Single "Nazi Punks Fuck Off" die Einflüsse offenlegen, eine Cover-Version der Dead Kennedys. Die Engländer lassen es sich über Jahrzehnte hinweg nicht nehmen, in ihren Texten eine deutliche Sprache zu sprechen.
Napalm Death haben ihren Ursprung in Civil Defence, einer Punkrock-Band, die 1982 Shouter Nick Bullen und Drummer Miles Ratledge in Birmingham gründen. Die Band, die hauptsächlich von den englischen Anarchopunks Crass beeinflusst ist, nimmt für den "Bullshit Detector Pt.3" einen Song auf. Damit ist der Grundstein für alles weitere gelegt.
Für die Aufnahmen zur "Scum"-Scheibe stehen für die A-Seite die Herren Nick Bullen (neben den Shouts noch Bass), Justin Broadrick (Gitarre) und Mick Harris (Drums) zur Verfügung. Mick ist es auch, der den Begriff Grindcore einführt und als Definition für die Napalm Death-Sounds etabliert. Die B-Seite trümmern der jetzige Cathedral Fronter Lee Dorian (Vocals), Bill Steer (Gitarre), Jim Whitley (Bass) und Mick Harris ein. So viel zu Besetzungen.
Den größten Bekanntheitsgrad erreicht die Band mit der Besetzung aus Shouter Mark 'Barney' Greenway, den beiden Gitarristen Mitch Harris (nicht verwandt mit Mick) und Jesse Pintado, Basser Shane Embury und Drummer Danny Herrera. Embury lärmt seit 1987 unter dem Napalm Death-Banner, Greenway, Pintado und Harris seit '89, und Herrea sitzt seit '91 hinter den Kesseln.
Das Line-Up steht seitdem weitgehend, auch wenn Barney kurzzeitig gefeuert und durch Phil Vane von Extrem Noise Terror ersetzt wurde. Barney nimmt dessen vakanten Posten bei Extreme Noise Teror ein, singt auch auf deren Album, wird aber von den Napalms rechtzeitig zu "Inside ..." zurückgeholt.
Dass die Engländer den Grindcore erfunden und salonfähig gemacht haben, muss man wohl niemandem mehr erzählen. Bis zur "Peel Sessions Pt.II" bleibt sich die Band soundtechnisch treu, auf "Harmony Corruption" versuchen sie sich mit Producer Scott Burns an einer eher Death-Metal-lastigen Scheibe, die von den Fans und auch der Band selbst nicht zu den Highlights gezählt wird.
Nach der Scheibe trennt sich auch Mick Harris vom Rest von Napalm Death, da seine musikalischen Ambitionen in Richtung Samplers und Loops gehen. "Utopia Banished" macht von Geschwindigkeit und Kompromisslosigkeit her keine Gefangenen. Dennoch beweist der Fünfer auf den kommenden Alben auch, dass es für ihn kein Problem darstellt, Grooves und Blastspeed unter einen Hut zu bringen. Napalm Death sprengen immer wieder die scheinbar so engen Grenzen im Grindcore und geben der Musik neue Aspekte.
Nachdem die ehemaligen Wegbegleiter in Sachen Grindcore inzwischen beinahe alle dahin geschieden sind, bleibt es an Napalm Death, die Fahne oben zu halten und für den Wind zu sorgen, der sie am Wehen hält. Dass sie damit überhaupt kein Problem haben und auch ihre Wurzeln nicht verleugnen, zeigen sie auf der "Leaders Not Followers"-EP, auf der sie 1999 einige ihrer alten Helden covern. Im Gegensatz zu den meisten anderen, die ein Coveralbum aufnehmen, haben wir es hier aber mit echten Undergroundbands zu tun.
Danach steht das nächste Studioalbum an, das auf den Titel "Order Of The Leech" hört und einmal mehr einem trockenen, harten Schlag in die Fresse gleich kommt. Zusammen mit The Great Deceiver setzen sie sich in einem Tourbus und beackern zunächst das europäische Festland und anschließend mit Nile die Staaten. Wieder zurück daheim wagen sich die Birminghamer ein weiteres Mal an ein Coveralbum.
"Leaders Not Followers: Part 2" bildet das Debütalbum für das neue Label Century Media. Diesmal geben Napalm Death wieder einigen Underground-Acts auf einem kompletten Longplayer die Ehre, aber auch etablierten Künstlern wie Kreator, Sepultura oder Agnostic Front.
Parallel dazu arbeiten die Briten jedoch auch an neuem eigenen Material und stellen Ende April "The Code Is Red ... Long Live The Code" in die Regale. Dort wagen sie endlich mal wieder ein paar Experimente und drücken das Tempo stellenweise auf ein Minimum herunter. Auch bei den Gastsängern greifen sie tief in die Trickkiste und ziehen daraus nicht nur Jello Biafra und Jamey Jasta (Hatebreed) hervor, sondern auch Ex-Carcass-Fronter Jeff Walker.
Wie üblich, so kommen bei Napalm Death auch die Touren nicht zu kurz. Im Sommer 2005 teilen sie die europäischen Bühnen mit Most Precious Blood und Diecast. Basser Shane scheint trotzdem nicht genügend ausgelastet. Er findet noch Zeit, sich in Nebenprojekten zu beteiligen. Etwa bei der Band Insidious Disease, ins Leben gerufen von Old Man's Child-Klampfer Jardar. Mit von der Partie sind auch Gitarrist Silenoz und Drummer Tony Laureano von Dimmu Borgir.
Traurige Nachrichten ereilen die Band, als Ende August der ehemalige Gitarrist Jesse Pintado stirbt. Der hat erst kurz zuvor seine alte Gruppe Terrorizer wiederbelebt und das Album "Darker Days Ahead" aufgenommen. Frontmann Barney zeigt sich geschockt über den Tod seines Freundes.
Das neue Album "Smear Campaign" steht im typischen Napalm Death-Veröffentlichungs-Tempo im September 2006 in den Startlöchern. Diesmal gibt es eine weibliche Gaststimme. Anneke von Giersbergen von The Gathering singt auf dem Intro und dem Song "In Deference". Danach geht es noch im Semptember mit der 'Monsters Of Mayhem'-Tour durch die USA, gemeinsam mit Hatebreed, The Black Dahlia Murder und Exodus.
Live ist die Band durch nichts aufzuhalten. Als sich Barney die Achilles-Sehne verletzt, absolviert er die folgenden Gigs an Krücken. 2008 tauchen Napalm Death auf diversen Samplern auf. So huldigen sie zum einen Sick Of It All, zum anderen knöpfen sie sich mit Despair die frühere Band des Century Media-Chefs Robert Kampf vor. Auch der Celtic Frost-Vorgänger Hellhammer bekommt sein Fett weg, bevor sich die Briten an das nächste Album machen.
"Time Waits For No Slave" muss Ende Januar 2009 zwar ohne Gäste auskommen, dafür bietet die Scheibe sämtliche Trademarks der Band. Und ob nun bereits veröffentlicht oder nicht: im Grunde egal. Napalm Death sind schon wieder auf der Straße und beackern Europa.
Da die Wirtschaftskrise immer mehr in der Vordergrund tritt und Napalm Death von jeher eine sehr politische Band waren, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Band als Supporter der Occupy-Bewegungen outet. Keine Frage, dass auch "Utilatarian" 2012 von diesem Thema und ähnlich gelagerten Dingen geprägt ist. Stehen die Briten textlich nach wie vor deutlich zu ihren Richtlinien, sind sie musikalisch defür breiter aufgestellt denn je.
Mark 'Barney' Greenway über Moral, die Evolutionstheorie und Jesse Pintado.
Morgen erscheint das neue Napalm Death-Album "Smear Campaign". Im Interview mit laut.de erweist sich Mastermind Mark 'Barney' Greenway als Idealist, der keinerlei Angst davor hat, anzuecken.
Der Napalm Death-Frontmann ruft mich gut gelaunt an, entschuldigt sich einige Male für die Verspätung und zeigt sich äußerst gesprächsbereit. Bald philosophiert der Mann am anderen Ende der Telefonleitung über dies und jenes - von gängigen Moralvorstellungen über Gott bis hin zu freiem Denken und Tierschutz. Auch über Jesse Pintado, den ehemaligen Napalm Death- und Terrorizer-Gitarristen, unterhalten wir uns. Der ist drei Tage nach unserem Gespräch plötzlich gestorben.
Hallo Barney, wie geht es dir?
Mir geht es gut. Und dir?
Danke, mir auch. Lass uns über euer neues Album "Smear Camapign" reden. Worum geht es darin?
Das muss man ein wenig erklären. Größtenteils geht es darin um Religion. Es gibt natürlich viele Alben und viele Bands, die versuchen, sich mit diesem Thema zu befassen. Was ich jedoch versucht habe, ist, nicht auf gewöhnliche Weise damit umzugehen. Ich wollte etwas betrachten, worin die Religion einwirkt: Das ganze Konzept der Moral. Man muss bedenken, dass unser Moralsystem in der Religion begründet liegt. Das ist schon Tausende Jahre her. Damals wurde so das Zusammenleben geregelt. Wenn man etwas Ketzerisches tat, etwas, das dem Wort Gottes widersprach, führte das zu Exkommunikation, Folter, Tod. Diese Moralvorstellung lebt teilweise noch immer in uns weiter. Und sogar Menschen, die sehr offene Denker sind, versuchen, nach ihnen zu leben. Für mich ist das ziemlich unheimlich. Das alles klingt zwar sehr unschuldig, aber schau, was ist Moral? Sie ist eine Art Mantel.
Moral als Konstrukt?
Ja. Durch sie bekommt man eine Vorstellung von Unmoral. Und ab hier gibt es Leute, die nicht konform gehen. Das Problem daran ist, wenn du nicht nach der Moral gehst, bist du weniger wichtig, weniger zugehörig als Person. Du bist weniger ein menschliches Wesen, weil du für unmoralisch gehalten wirst. Sieh dir die Probleme an, die wir im Moment in der Welt haben. Das geht schon in Richtung moralische Verurteilung. Wir sagen, diese Menschen sind anders als wir, deshalb sind sie unmoralisch. Wir behaupten, wir sind im Recht, nicht sie.
Wenn man darüber nachdenkt, ist das die Basis vieler Probleme. Und wenn du jetzt diese Moralvorstellungen zurück verfolgst zu den Anfängen der Religion ... Was ist Religion? Sie ist Mythologie. Keine ihrer Grundsätze konnte je überprüft werden. Es gibt keinen Beweis, der irgend eine Religion auf der Welt belegen würde. Religion ist fest verankert und ein funktioneller Teil unserer Welt. Und das, obwohl sie ein Mythos ist (lacht). Die Bibel ist eine großartige Geschichte. Und das ist alles, was sie ist. Sie ist wahrscheinlich eines der besten Bücher, aber sie ist eine Geschichte.
Durch die Bibel wurde ja einfach auch das damalige Zusammenleben geregelt, wie es heutzutage Gesetze tun.
Ja, genau. Ich meine, lass uns ein wenig darüber hinaus gehen und uns eine Alternative überlegen. Ich persönlich, ich glaube an die Evolutionstheorie. Wir menschliche Wesen – ich, du, jeder andere – wir sind sehr komplexe Maschinen. Wir sind lebende, arbeitende Maschinen. Obwohl wir aus Knochen, Muskeln und so fort bestehen. Wir sind menschlich, trotzdem sind wir Maschinen. Der Punkt ist, wenn wir so komplex sind, haben wir absolut die Möglichkeit, für uns selbst zu denken. Dafür gibt es keine Frage. Wenn wir also diese moralischen Barrieren aus unseren Leben entfernen, wenn wir uns selbst verstehen und für uns selbst denken, verstehen wir auch andere Menschen besser. Und ohne diese Barrieren würde es mehr Frieden, mehr Harmonie geben und wir hätten mehr Selbstvertrauen. Dann erkennen wir, dass wir unsere Existenz vor niemandem rechtfertigen müssen, der gar nicht existiert.
Da fällt mir die USA ein, wo viele die Evolutionstheorie negieren.
Das ist etwas, das wir auch auf dem Album behandeln. Sie versuchen, Wissenschaft und geprüfte Theorien vom Programm zu stoßen und zu widerlegen. Das ist lächerlich. Ich finde das unglaublich. Und viele Leute akzeptieren das einfach.
Ihr habt euch also wieder sehr schwieriger Themen angenommen.
Ja, das stimmt. Aber ich hatte nie Angst vor so etwas. Und das werde ich auch nie haben (lacht).
Ja, Anneke [Van Giersbergen, The Gathering-Sängerin, Anm.d. Red.].
Warum habt ihr sie ausgewählt?
Ich denke, Gastsänger einzubringen hängt immer von den Tracks ab. Als ich die Songs schrieb, auf denen Anneke nun zu hören ist, hatte ich diese speziellen Parts schon beabsichtigt. Was ich jedoch zuerst probierte, war, diese Stellen selbst zu singen und eine Frauenstimme nachzuahmen. Denn das ist etwas ganz anderes. Who's the man? (lacht). Und weißt du was? Beängstigenderweise hat es funktioniert!
Tatsächlich?
Ja, es funktionierte! Als wir uns das noch mal angehört haben, haben wir jedoch gefühlt, dass es noch mehr Dynamik benötigte. Und etwas mehr Soul, wenn du das so nennen möchtest. Und wir überlegten, was wir tun könnten, wen wir uns da holen könnten. Und dann sagte ich: Anneke von The Gathering! Und es schien perfekt. Wir sandten ihr den Track zu und das wars.
Sie hat sofort zugestimmt?
Ja. Und das wirklich Gute daran ist, sie ist jetzt eine weitere Freundin. Wir haben sehr viel miteinander geredet. Und sie wird kommen, wenn wir in Holland spielen. Ich freue mich schon darauf.
Glaubst du, mit deiner Musik etwas verändern zu können? Kennst du Leute, die aufgrund eurer Musik ihren Lebensstil geändert haben?
Ich glaube nicht, dass ich mit meiner Musik die Welt verändern kann. Aber: Wir sind eine kleine Stimme in einer Schar kleiner Stimmen. Und je mehr kleine Stimmen es gibt, desto größer wird die Stimme. So einfach ist das. Die Selbstgefälligkeit hindert die Menschen daran, etwas zu tun. Sie denken 'Ach ja, das ist ein Problem, aber ich habe Besseres zu tun' und blablabla. Das ist die Gefahr. Deshalb: Eine kleine Stimme ist eine kleine Stimme.
Es kommen Kids zu uns und sagen, sie haben durch unsere Alben so viele neue Fakten bekommen. Es gibt so viele Verse, mit denen sie sich identifizieren können. Sie checken es dann für sich selbst ab. Und lass uns die andere Seite ansehen, also Leute, die nicht damit einverstanden sind, was ich sage. Egal, ob sie einverstanden sind oder nicht: Sie denken! Sie hören etwas, dass mal nicht von den großen Jungs dieser Welt kommt und das sie als erwiesen annehmen.
Du warst mit Napalm Death am Poster einer PETA-Kampagne gegen Vivisektion. War das deine Idee?
Es war die Organisation PETA, die uns angesprochen hat. Und wir haben es dann einfach gemacht. Ich meine, es gibt immer mehrere Möglichkeiten und Perspektiven, etwas zu betrachten. Aber bei Vivisektion ist das etwas anderes. Ich meine, man macht Experimente mit Affen weil sie nahe Verwandte des Menschen sind. Jedoch sind sie nur nahe Verwandte. Aber nicht nah genug. Es gibt einen Grund dafür, dass ein Affe so lebt, wie er lebt. Und es gibt einen Grund dafür, dass der Mensch so lebt, wie er lebt. Wir sind nicht gleich und wir funktionieren auch nicht gleich. Wir haben uns einfach anders entwickelt. Es gibt sehr unterschiedliche Ergebnisse, wenn man entscheidende Arzneien testet. Solche Tests können keine beweiskräftigen Ergebnisse liefern. Es starb beispielsweise ein Typ in den USA an einer Arznei, die an Tieren getestet wurde. Es trat ein Nebeneffekt auf, den man so nicht voraussehen konnte. What the fuck!
In unserem letzten Interview hast du erzählt, du dächtest darüber nach, ein Buch über Menschenrechte zu schreiben. Was wurde aus dieser Idee?
Ja ja, da waren eine Vielzahl an Dingen, die ich tun wollte und aus denen noch nichts wurde (lacht). So viele Dinge schwirren mir im Kopf herum, aber ich bin eben so beschäftigt. Doch ich habe immer die besten Absichten, nur später denke ich dann 'Oh Gott'. Aber ich werde das noch machen. Ich bin sehr entschieden in den Dingen, die ich tue. Ich stoße immer vorwärts und bin ein sehr positiver Mensch. Es gab Zeiten in meinem Leben, wo ich nicht so positiv war. Aber manchmal muss man durch negative Zeiten gehen, um das Positive zu erreichen.
Hmm. Es gibt eine große Anzahl an 'Friends' da draußen. Das ist das Gute dran. Aber eigentlich ist mir das Ganze auch etwas suspekt. Ich bin allerdings nicht wirklich involviert in das MySpace-Ding. Irgendwie finde ich es etwas geschmacklos.
Viele junge Bands nutzen MySpace auch, um bekannt zu werden.
Ja, es ist etwas schwierig für Fans. Es gibt so viele Bands da draußen. Ich möchte niemanden kritisieren. Manche Bands, auf die ich gestoßen bin, waren so ... na ja (lacht). Aber eigentlich möchte ich nichts darüber sagen. Denn ich glaube daran, dass sie überzeugt davon sind, was sie machen.
Heute gibt es so viele Bands, die extreme Musik machen. Ihr seid jedoch noch immer eine Kultband. Wie erklärst du dir das?
Einfach dadurch, dass wir die ganzen Jahre überdauert haben. Es gab oft Zeiten, in denen wir einfach hätten aufhören können. Wir sagten uns aber immer, wir wissen, dass es schwierig ist und wir kennen diese Schwierigkeiten auch. Wir haben entschieden, dass Napalm Death nur dann enden würde, wenn wir uns dazu entschließen sollten. Nicht wegen äußerer Einwirkungen.
Was denkst du über die jüngsten Entwicklungen in der Metalszene? Gibt es Bands, die dich beeinflussen könnten und gibt es Entwicklungen, die du nicht begrüßenswert findest?
Also, mein Einfluss ist noch der gleiche wie vor fünfzehn, sechszehn, siebzehn Jahren. Wir haben das traditionelle Zeug, aber wir bringen auch Neues ein. Obwohl mein Einfluss schon so alt ist, denke ich doch, dass das neue Album frisch klingt. Aber wenn du auf die Riffs hörst, hörst du zum Beispiel Celtic Frost und andere heraus. Ich könnte dir eine lange Liste geben. Ich habe sie schon vielen Leuten gegeben (lacht). Mein Einfluss ist ein traditioneller. Ich würde aber nie etwas gegen neuere Entwicklungen sagen. Denn ich hoffe für diese Musiker, dass sie am Ende des Tages sagen können, dass sie Musik machen, weil sie die Musik lieben. Dass sie nicht nur von Geld getrieben sind. Musik zu machen ist etwas Gutes, ich versuche, die Leute nicht zu kritisieren. Sie machen ihr Ding, und ich glaube wirklich, dass es gut für sie ist.
Was hältst du vom neuen Terrorizer-Album?
Ich habe es einmal gehört, aber es ist mir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich reingelaufen. Dennoch sage ich: Gut für Jesse. Ich wünsche ihm das Beste. Denn wir bleiben noch immer Freunde. Von meiner Seite aus auf jeden Fall und ich denke, auch von seiner. Ich wünsche ihm das Beste. Ich hoffe für ihn, dass alles klappt, was er tut. Er hat ja viel zu tun mit Terrorizer und so.
Euer Basser Shane ist ebenfalls in einige Nebenprojekte involviert [u.a. Brujeria, Venomous Concept, Anm.d.Red.].
Ja, er ist ein sehr produktiver Kerl. Es ist großartig, denn er ist generell ein sehr enthusiastischer Musiker. Er hat mir seine Songs für "Smear Campaign" gegeben, sechs Monate bevor wir das Album gemacht haben. Es hat mich richtig weggeblasen.
Hast du eigentlich ein Nebenprojekt?
Nein. Es gibt immer wieder Möglichkeiten, als Sessionmusiker zu arbeiten. Ich bin zum Beispiel am neuen Album von Born From Pain beteiligt. Wenn mich irgendjemand fragt, mache ich das einfach. Die fliegen mich ein, geben mir was zu essen und zum Übernachten. Das ist cool.
Wie ist es, nach so langer Zeit noch zu sehen, wie die Leute auf euren Konzerten abgehen?
Oh, das ist großartig. Wir versuchen immer, jeden Gig so zu spielen, als wäre es unser letzter. Ich genieße es wirklich. Wir reden auf der Bühne auch immer über alles Mögliche mit dem Publikum. Und die Leute hören zu. Sie sind nicht immer mit allem einverstanden was wir sagen. Aber wenigstens denken sie darüber nach.
Stell dir bitte einmal vor, du wärst nie Musiker geworden. Was oder wer wärst du heute?
Ich würde wahrscheinlich in irgendeiner Form der Gemeinschaft dienen. Großes Geld zu verdienen würde mir nicht liegen. Ich denke, ich wäre Sozialarbeiter oder so.
Nachdem Napalm Death sich mit "The Code Is Red ... Long Live The Code" mit aller Macht zurückgemeldet haben, ist es an der Zeit, ein wenig mit Sänger Barney Greenway zu plaudern. Vor allem natürlich über die letzten beiden Scheiben und zukünftige Ambitionen.
Zwar kann man von den britischen Grindcorelern keine massive Kurskorrektur erwarten (die will mit Sicherheit auch niemand haben) aber für die eine oder andere Überraschung sind sie immer wieder gut. Zuletzt griffen sie bei den Gastsängern tief in die Trickkiste und zogen daraus nicht nur Jello Biafra und Jamey Jasta (Hatebreed) hervor, sondern auch Ex-Carcass Fronter Jeff Walker ...
Hey Barney, das aktuelle Album ist eigentlich "The Code Is Red", aber mich würde erst mal interessieren, warum ihr nach der "Leaders Not Followers"-EP eine weitere CD in dem Stil nachgeschoben habt?
Die EP hat einfach dermaßen viel Spaß gemacht und kam bei den Leuten so gut an, dass es bei uns als Band einen ganz neues Feeling ausgelöst hat. So als ob wir noch mal ganz neu anfangen würden. Irgendwie war jedem von uns klar, dass wir das wiederholen wollten, dieses Mal auf Albumlänge. Glaub mir, es gibt noch einen dermaßen großen Fundus an Klassikern von früher, und wir haben auch schon so noch einige Sachen übrig für ein "Leaders Not Followers Pt. III", wenn wir uns denn entscheiden es aufzunehmen.
Wie haben sich die Aufnahmen zu den beiden Alben denn unterschieden?
"Leaders" ging wesentlich lockerer von der Hand, weil eigentlich kein Druck auf uns lastete. Du nimmst einfach die Klassiker von jemand anderem und versuchst, sie deinem eigenen Stil etwas anzugleichen, ohne dabei ihren Charakter zu versauen. Wenn du eigene, neue Sachen schreibst, setzt du dich selbst dem Druck aus, immer wieder was Neues, Besseres zu machen. Du willst dich ja nicht ständig kopieren, und knallen sollen die Sachen ja auch. Wir versuchen aber prinzipiell bei all unsere Alben, so spontan wie möglich ranzugehen. Dadurch klingen sie einfach runder. Man muss im Studio schon konzentriert bei der Sache sein und wissen, woran man arbeitet und worum es geht. Wenn dir dabei aber der Spaß verloren geht und alles nur noch Business wird, ist es Zeit aufzuhören.
Napalm Death kann man wohl mit Fug und Recht als Institution im Bereich der extremen Musik betrachten. Fühlst du dich da manchmal limitiert oder unter Druck gesetzt von den Erwartungen der Fans?
Eigentlich nicht. Manchmal bin ich vielleicht etwas nervös, wie die Fans neue Sachen von uns aufnehmen oder interpretieren, aber momentan gehe ich nur nach dem, was sich in meinem Herzen und meinem Kopf richtig anfühlt. Ich denke mal, die Fans können sich darauf verlassen, dass wir jedes Mal wieder das Beste geben, wenn wir neue Musik schreiben. Falls dann tatsächlich mal was kritisiert wird, nehme ich mir das nicht so zu Herzen. Jeder hat seine eigene Meinung, und ich mache mir deswegen keine schlaflosen Nächte. Doch ich höre mir diese Kritik auf jeden Fall an und mache mir meine Gedanken darüber. Napalm Death-Fans kommen aus so vielen unterschiedlichen Lagern und Gegenden, dass es da eh eine unglaubliche Fülle an unterschiedlichen Meinungen und Blickwinkeln gibt. Aber das macht das Leben und die ganze Sache doch erst interessant, oder nicht?
Auf jeden Fall, aber spielt ihr mit Songs wie "Striding Puroposefully Backwards" oder "Morale" nicht sogar ein wenig mit diesen Erwartungen?
Naja, nicht unbedingt. Am ehesten vielleicht noch, was die Texte angeht. Manchmal ist es wirklich hart, in einer Band zu sein, weil praktisch täglich irgendwelche wichtigen Sachen und Entscheidungen auftauchen, über die man sich Gedanken machen muss. Als Fan weiß man davon oft gar nichts und hat keine Ahnung, was da so alles vorgeht. Manchmal fühlt man sich richtig machtlos, um sich gegen den ganzen Scheiß, der im Musicbiz abgeht, zu wehren. Das versuche ich mit diesen beiden Texten auszudrücken. Wir sind als politische Band gebrandmarkt und werden manchmal ganz schön hart verurteilt, nur weil wir versuchen, so integer wie möglich zu handeln und gleichzeitig unser Bestes zu geben. Wenn jemand, der noch nie in einer Band war, auf einmal in solch eine Situation kommt, tendiert er dazu, die Sache auf einmal ganz anders zu beurteilen, wenn er sich mit dem ganzen Bullshit mal befassen muss.
Ihr habt auf der neuen Scheibe drei Gastsänger. Während es wohl nicht so das Problem war, Jamey Jasta zu einer Kooperation mit seinen Idolen zu bewegen, muss es deutlich schwieriger gewesen sein, Jello Biafra und vor allem Jeff Walker ins Studio zu bekommen. Warum ausgerechnet die drei, und wer davon liegt mit eurer Einstellung am ehesten auf einer Wellenlänge?
Um die letzte Frage zuerst zu beantworten: Alle drei haben meiner Meinung nach die ganzen Jahre über versucht, auf ihre Art das Richtige zu machen. Es ist für mich vollkommen irrelevant zu beurteilen, wer davon unserer Einstellung am ehesten entspricht, weil das so wäre, als ob ich eine Mikro-Analyse von jemandem machen wollte. Jeff Walker war aber sogar der einfachste Teil, da er seit Ewigkeiten ein sehr guter Freund von uns ist und eh ständig bei uns im Studio rumhing. Jamey war durch Zufall gerade in der Stadt, da sie mit Slayer und Slipknot auf Tour waren. Das war also auch kein großes Problem. Jello war also der Einzige, bei dem wir ein wenig planen mussten. Als wir letztens durch die USA getourt sind, hat Billy Gould (Ex- Faith No More) uns ein Studio gebucht, und Jello kam vorbei und sang etwa 50 Takes der allergeilsten Vocals ein. Echt der Hammer. Jeder der drei hat, im Rahmen der Songs, die ich ihnen gegeben habe, einen fantastischen Job geleistet, besonders da ihre Stimmen so verschieden sind. Das war aber auch exakt das, was ich mir vorgestellt hatte - schön wenn alles so klappt, wie man das haben will, hahaha.
Vor ein paar Jahren hast du mal eine Kolumne fürs Rock Hard geschrieben. Machst du das noch für irgendein anderes Magazin?
Ja, das kommt hin und wieder schon vor, dass ich die eine oder andere Sache schreibe. Seit wir mit Napalm Death aber so beschäftigt sind, habe ich das etwas zurückschrauben müssen. Ich habe sogar ernsthaft darüber nachgedacht, ein Buch über das Thema Menschenrechte zu schreiben. Vor allem die Situation in Tschetschenien und der Einfluss der russischen Behörden ist in dieser Beziehung sehr interessant. Jedoch sind über ein solch massives Projekt nachdenken und es tatsächlich ausführen, immer noch zwei paar Schuhe, haha.
Hast du jemals darüber nachgedacht, eine Spoken Word-Sache wie Henry Rollins oder Danko Jones zu machen?
Ein paar Leute haben diese Idee auch schon an mich heran getragen, aber ich weiß nicht so recht. Ich gehe solche Sachen eigentlich lieber spontan an, als mich damit dann auf eine strategisch geplante Tour oder etwas derartiges zu begeben. Außerdem hätte ich wohl ständig Schiss, mich in irgendwelchen Formulierungen zu verknoten. Ich neige dazu, mich in gewisse Themen hineinzusteigern und drehe dann irgendwann am Rad, weil ich mich in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verstricke, anstatt einfach klare Aussagen zu machen und zum Punkt zu kommen. Das liegt wohl daran, dass ich immer versuche, zu viel auf einmal zu sagen, haha.
In England waren ja gerade Wahlen. Warst du überrascht, dass Tony Blair wieder gewählt wurde?
Nicht wirklich, aber er ist auch nur das kleinere Übel und sicher keine gute Alternative. Es ist einfach so, dass die meisten Leute die Konservativen aus der Regierung raus halten wollen. Wenn man etwas so Destruktives wie die Regierung unter Margaret Thather durchlebt hat, ist das aber auch kein Wunder. Andererseits kann man Blair wohl auch als Kriegsverbrecher bezeichnen, der die Labor Partei mehr oder minder ruiniert hat. Ich war sogar eine ganze Zeit lang Mitglied der Labors. Ich hätte in meiner Gegend gern die Grünen gewählt, aber die hatten keinen Kandidaten, und ich denke ernsthaft darüber nach, mich um ein Amt zu bewerben.
Na dann bin ich ja mal gespannt, was sich in der englischen Politik demnächst tut.
Das Interview führte Michael Edele
Utilatarian (2012)
Order Of The Leech (2002)
Words From The Exit Wound (1998), Bootlegged In Japan (1998), Inside The Torn Apart. (1997), Diatribes (1996), Fear, Emptiness, Despair (1994), Peel Sessions Pt.III (1993), Utopia Banished (1992), Death By Manipulation (1992), Harmony Corrution (1990), Peel Sessions Pt.II (1989), From Enslavement To Oliteration (1988), Peel Sessions Pt.I (1987), Scum (1987)
| So | 30.06.2013 | Napalm Death With Full Force Festival (Leipzig) | |
| Do | 04.07.2013 | Napalm Death Wiesbaden (Schlachthof) | |
| Sa | 03.08.2013 | Napalm Death New Noise Festival 8 (Karlsruhe) | |
| Do | 08.08.2013 | Napalm Death Osnabrück (Bastard Club) | |
| Fr | 23.08.2013 | Napalm Death A-Salzburg (Rockhouse) | |
| Sa | 24.08.2013 | Napalm Death Bad Wünnenberg (Festival) | |
| Sa | 31.08.2013 | Napalm Death Beachrock Helenesee (Frankfurt/Oder) |
28,99 €
16,99 €
12,99 EUR
17,99 €
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Napalm Death Tour 2005 mit Diecast und Most Precious Blood masterpiece |
1 |
22.03.05, 17:48 masterpiece |
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Bestes Napalm Death-Album HumanityExiled |
4 |
08.12.04, 22:21 masterpiece |
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wasn das? SuicideKing |
5 |
25.09.03, 18:39 FastDeath |
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Napalm Death - "Order of the Leech" CoReYnR.8 |
13 |
03.05.03, 20:58 FastDeath |
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Old School Grindcore Anonymous |
13 |
05.12.02, 14:53 CoReYnR.8 |
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