Porträt

laut.de-Biographie

The Gathering

Die Brüder Hans (Drums) und René Rutten (Gitarre) beginnen 1989, zusammen mit Shouter Bart Smits Musik zu machen. Zu den Dreien gesellen sich über kurz oder lang Basser Hugo Prinsen Geerligs, Gitarrist Jelmer Wiersma und Keyboarder Frank Boeijen. Musikalisch tief im Death Metal verwurzelt, ist ihr Gebrauch eines Keyboards zu dieser Zeit noch eher ungewöhnlich.

The Gathering - Disclosure
The Gathering Disclosure
Bittersüße Melancholie umweht ein gelungenes Album.
Alle Alben anzeigen

Deshalb begutachtet man sie zunächst mit einem gewissen Argwohn. Auch, wenn sie stilistisch mit ihrem Doom/Death Metal nicht unbedingt ins Programm passen, treten sie unter anderem mit Morbid Angel, Death, Samael oder Invocator auf und können auch vor deren Publikum bestehen.

Nach einem Demo kommt die Band bei dem kleinen Label Foundation 2000 unter und veröffentlichen 1992 ihr Debüt "Always ...", auf dem Marike de Groot im Duett mit Bart singt. Sie unterstützt The Gathering ohnehin bei beinahe allen Konzerten live und gehört somit quasi zur Besetzung.

Im Zuge der Veröffentlichung treten The Gathering nicht nur im benachbarten Belgien auf, sondern reisen sogar für ein paar Konzerte nach Israel. Aufgrund eines eher undurchsichtigen Vertrages erfahren sie aber nie, wie viele Platten sie von "Always ..." überhaupt absetzen. Auch die Zusammenarbeit mit Bart und Marike gestaltet sich auf Dauer nicht sehr angenehm, weshalb beide aus der Band fliegen.

Ersatz findet sich in Niels Duffhues und Martine van Loon, die aber beide nicht wirklich zur Band passen. Den musikalischen Wechsel auf "Almost A Dance" nehmen viele Fans The Gathering recht übel. Beide bleiben also nicht lange dabei, und die Suche nach einer neuen Besetzung des Gesangsposten zieht sich bis in die Mitte von 1994 hin.

Erst mit Anneke van Giersbergen ist die Durststrecke überwunden, denn die kleine Holländerin überzeugt nicht nur menschlich durch ihre Ausstrahlung und ihr Aussehen, sondern vor allem durch ihre unglaubliche Stimme. Diese stellt sie dann zum ersten Mal auf dem über Century Media veröffentlichten "Mandylion" unter Beweis und führt das Album, samt ausgekoppelten Singles, in die holländischen Charts.

Musikalisch sind die ehemaligen Wurzeln nur noch marginal zu erkennen. Man orientiert sich viel eher an Sounds der Marke Pink Floyd bzw. Tiamat. Annekes Gesang bildet dabei die Sahne auf der Eiscreme.

Nachdem sie mit Sentenced, Lacrimosa, Dreams Of Sanity und Depressive Age kreuz und quer durch Holland getourt sind und auch in Belgien und Deutschland auf den Bühnen standen, erscheint zunächst eine Single des kommenden "Nightime Birds" Albums. Das steht 1997 in den Läden. Obwohl sich die Aufnahmen aufgrund diverser Studientätigkeiten mehrerer Bandmitglieder in die Länge ziehen, erfüllt es die Erwartungen der Fans und gilt auch heute noch als Klassiker.

Die erste ausgedehnte Europa-Tour mit Lacuna Coil steht an, The Gathering spielen überall vor vollen Häusern. Als kleines Dankeschön an die Fans erscheint im selben Jahr die EP "Kevin's Telescope", die neben der Album-Single eine Version des Songs "Confusion" sowie die beiden Coverversionen "In Power We Entrust The Love Advocated" von Dead Can Dance und "When The Sun Hits" von Halstead enthält.

Für Jelmer ist dies das letzte Album, da ihm der Tourstress zu viel wird. Man trennt sich in aller Freundschaft. Für die verbliebenen Mitglieder bricht eine Zeit des Experimentierens an. Das hört man auch am Doppel-Album "How To Measure A Planet". Bands wie Portishead oder Massive Attack scheinen großen Einfluss auf The Gathering zu haben, die Band selbst wählt den Begriff Triprock, um ihre Musik zu beschreiben.

Endlich erschließt sich auch der amerikanische Markt, und Anneke und Co. gehen im Sommer 1999 in den USA auf Tour. Sie entschließen nehmen die Businessbelange in die eigene Hände und gründen das kleine Psychonaut-Label, über das sie ihre ersten beiden Alben mit neuem Artwork und besserem Sound wiederveröffentlichen.

Bei Century Media nutzt man die Zeit, um das Live Album "Superheat" rauszubringen, das bei zwei Auftritten in Amsterdam und Tilburg mitgeschnitten wurde. Doch The Gathering liegen derweil nicht auf der faulen Haut, sondern haben mit "If_Then_Else" eine weitere sehr experimentelle Scheibe im Ärmel, bei der auch Vergleiche mit Tori Amos nicht ausbleiben.

Es folgt eine 15-monatige Tour, die die Band quer durch Europa und sogar nach Mexiko führt, ehe sie sich nach einer kleineren holländischen Clubtour eine Pause gönnen. Der Vertrag mit Century Media läuft aus, alle weiteren Veröffentlichungen erscheinen über das eigene Label Psychonaut.

Angefangen mit der EP "Black Light District", wobei sich schon allein der 16-minütige Titeltrack jeder Kategorisierung entzieht. Aus etwa derselben Zeit stammen die Songs für das im März 2003 erscheinende "Souvenirs"-Album. Die Trance-Elemente nehmen immer mehr zu und drängen die härteren Gitarren weiter in den Hintergrund.

Den Vertrieb der CD sichert sich Century Media und sorgt damit für eine weltweite Veröffentlichung. Auf ausgedehnten Touren spielen The Gathering immer wieder semi-akustische Konzerte, wobei sie mehr und mehr auf den Geschmack kommen, und in Nimwegen im August 2003 schließlich ein solches mitschneiden. "Sleepy Buildings - A Semi Acoustic Evening" erscheint Ende Januar 2004. Kurz nach den Aufnahmen verlässt Hugo die Band, um sich mehr um sein Privatleben kümmern zu können. Sein Ersatz ist weiblich und hört auf den Namen Marjolein Kooijmans.

Ihr Ruf hat The Gathering inzwischen so weit gebracht, dass verschiedene internationale Filmemacher an sie herantreten, die ihre Songs für Soundtracks verwenden wollen. Außerdem ist die Band damit beschäftigt, Musik für eine neuartig gestaltete audiovisuelle Geschichtslektüre für europäische Lehrerbildung auf CD-ROM zu schreiben.

2006 erscheint das nächste Studioalbum "Home". Die zugehörige Tour startet in Südamerika und führt sie nach den USA auch wieder quer durch Europa. Im folgenden Jahr erscheint die zweite DVD "A Noise Severe", die die Band von ihrer etwas rockigeren Seite zeigt.

Im Juni 2007 kehrt Anneke The Gathering den Rücken, um sich mehr auf ihre Familie zu konzentrieren. Sie meldet sich aber bereits im Oktober mit ihrem Projekt Agua De Annique zurück. Dafür legen Century Media unter dem Titel "Sand And Mercury" eine 10-CD-Box auf, die alle Alben enthält, die die Band auf dem Label veröffentlicht hat. Auch "Nighttime Birds" erscheint in einer schicken Neuauflage.

Damit nicht genug: Auch Vic Records kramen im Archiv und veröffentlichen im September 2008 "Downfall". Dabei handelt es sich um Aufnahmen, die The Gathering noch vor ihrem Debüt "Always ..." gemacht haben. Für Fans der ersten Stunde eine durchaus interessante Sache.

Anfang März 2009 wird das Geheimnis um die neue Sängerin endlich gelüftet: Silje Wergeland von der norwegischen Band Octivia Sperati darf sich neue Frontlady bei The Gathering nennen. Ihren Einstand liefert sie auf dem Album "The West Pole" ab, das Anfang Mai erscheint.

Seltsamerweise ziehen die, mittlerweile doch etwas nerdig aussehenden, Musiker wenig später zunächst einmal ohne Silje durch die Gegend und spielen Songs aus ihrer Death Metal-Vergangenheit, was für einige Verwirrung unter den Fans sorgt. Doch kein Grund zur Panik, denn im September 2012 steht das nächste Album "Disclosure" an, das die Holländer endlich wieder in bestechender Form zeigt.

Alben

The Gathering - Disclosure: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2012 Disclosure

Kritik von Michael Edele

Bittersüße Melancholie umweht ein gelungenes Album. (0 Kommentare)

Noch keine Kommentare