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Noch unter dem Namen Sleep Of Right kommt der Stein 1994 in Mailand ins Rollen. Nach einer zeitweiligen Umbenennung in Ehtereal steht 1996 schließlich der Name Lacuna Coil. Zu dieser Zeit besteht die Band aus Sängerin Cristina Adriana Chiara Scabbia, ihrem männlichen Pendant Andrea Ferro, den beiden Gitarristen Raffaele Zagaria und Claudio Leo sowie Basser Marco Coti Zelati und Drummer Leonardo Forti.
Schon mit einem Zwei-Songs-Demo flattert ein Angebot von Century Media auf den Tisch, das weder Band noch Label je bereuen werden. Kurz darauf sitzen sie schon in den Hagener Woodhouse Studios, wo sich der Ex-Despair/Grip Inc.-Gitarrist Waldemar Sorychta (Samael, Tiamat, uva.) sich ihrer als Produzent annimmt.
Ende 1997 sammeln Lacuna Coil ihre ersten Live-Erfahrungen im Vorprogramm von Moonspell. Die mangelnde Erfahrung macht sich schnell bemerkbar und endet schließlich darin, dass sich beide Gitarristen und auch der Drummer noch während der Tour vom Acker machen. Lacuna Coil fahren die Tournee dennoch bis zum Ende mit, da freundlicherweise Markus Jüllich von Kreator an den Drums und Anders Iwers von Tiamat/Cemetary an der Gitarre in die Bresche springen. Zurück in Mailand steigen im Januar des folgenden Jahres Cristiano Migliore (Gitarre) und Ex-Time Machine-Drummer Cristiano Mozzati ein und vervollständigen das Line-Up wieder.
Als die EP schließlich auf den Markt kommt, touren sie mit The Gathering und Siegmen und spielen dabei des Öfteren vor vollen Häusern. Cristiano Migliore ersetzen sie dabei aus Verletzungsgründen für die Tour durch Steve Minelli von Node. Alice Chiarelli kommt an den Keys mit auf Tour. Im Oktober kehrt die Band ins Studio zurück und nimmt ihren ersten Longplayer "In A Reverie" auf. Cristiano ist inzwischen wieder mit dabei. Wenig später stößt mit Marco Emanuele Biazzi ein zweiter Gitarrist zur Band.
Nach Dates mit Skyclad, Samael, Grip Inc. und My Insanity auf der 'Into The Darkness'-Tour treten sie auf dem größten italienischen Metal-Festival mit Metallica und Monster Magnet vor über 25.000 Leuten auf. Auf der folgenden Tour mit Lacrimosa bricht sich Marco bei einem Unfall dummerweise eine Rippe.
Zu Beginn des Jahres 2000 nehmen Lacuna Coil die "Halflife"-EP auf und gehen, unter anderem in England und Irland, auf Headliner-Tour, bei der sich Andrea in Belfast auf der Bühne auf die Schnauze legt, so dass seine Schulter erst wieder eingerenkt werden muss. Nach einer kurzen Pause krallen sie sich im Oktober wieder Meister Sorychta und verbarrikadieren sich im Studio, um "Unleashed Memories" einzuspielen.
Nach Abschluss der Aufnahmen reist die Band für zwei Gigs nach Mexiko um nach der Rückkehr festzustellen, dass der Veröffentlichungstermin für "Unleashed Memories" vorverlegt wurde, damit es rechtzeitig zur Tour mit Theatre Of Tragedy auf dem Markt ist. Während dieser finden Lacuna Coil in Frankfurt kurz Zeit, um laut.de in einem Interview Rede und Antwort zu stehen. Im Anschluss daran steht die Metal Odyssey Festival-Tour mit Nevermore, Dimmu Borgir, In Flames und Susperia an, auf der die Italiner zeigen, dass sie auch neben wesentlich härteren Acts bestehen.
Im Laufe des Jahres taucht der Name Lacuna Coil auf jedem größeren Festival in Deutschland auf. Während des M'Era Luna-Festivals singt Cristina mit Johan Edlunds Nebenprojekt Lucyfire auch noch einen Song, bevor sich Lacuna Coil an die Arbeiten zum neuen Album machen. Diese werden aber unterbrochen, da der Rocksender Rock TV (wo Marco und Criz Mozzati sogar in der Show in einem Teil namens "Database" unterkommen) auf Sendung geht und die Verantwortlichen Lacuna Coil bitten, doch einen Eröffnungsgig zu spielen.
Derweil schreiten die Arbeiten an "Comalies" weiter fort und auch die Zusammenarbeit mit Rock TV bauen sie weiter aus. So macht die Band unter anderem Interviews mit Slipknot, Nickelback, P.O.D. oder Blind Guardian. Irgendwie schütteln sie aber nebenbei die besten Melodien und Riffs aus dem Ärmel, die sie bisher fabriziert haben. Cristina und vor allem Andrea haben sich gesanglich noch gesteigert. Unter der Regie von Stammproduzent Waldemar entsteht wieder ein Meisterwerk.
Kaum ist das Album auf dem Markt, geht es mit Sentenced durch Europa, bevor Lacuna Coil eigentlich Opeth, Paradise Lost und Tapping The Vain durch die Staaten begleiten wollen. Das muss aber ausfallen, da sie Probleme mit den Visa bekommen.
"Comalies" zieht immer mehr an. Im Dezember sind Lacuna Coil als Headliner mit Moonspell, Passenger und Poisonblack unterwegs. Im Mai 2004 stehen die US Of A wieder auf dem Plan. Mit Blindside und Hazen Street supporten sie P.O.D., ehe sie im Juli auf den Ozzfest-Trek aufspringen. Da das Album inzwischen durch die Decke geht, gibt es eine Neuauflage mit einigem Bonus-Material.
Ende des Jahres machen sie sich so langsam an die Vorproduktion des neuen Albums. "Comalies" hat sich inzwischen zum meistverkauften Album von Century Media gemausert und läuft immer noch gut. Im Oktober headlinen Lacuna Coil das belgische 'Femal Metal Voices III'-Festival, auf dem neben ihnen Leaves' Eyes, Epica, Autumn, After Forever und einige andere spielen. Ende März 2006 steht das neue Album "Karmacode" in den Regalen.
Fast gleichzeitig sind Lacuna Coil schon wieder in Amerika unterwegs, um dort ein paar Akustik-Shows zu spielen. Direkt im Anschluss begleiten sie Rob Zombie auf dessen Tour, und ihr Ticket für die Ozzfests haben sie auch gelöst.
Den Erfolg der Scheibe hätten sich wohl weder Label noch Band träumen lassen, doch gerade in den USA gehen sämtliche Fans steil. Entsprechend lange dauert es, ehe sich die Italiener an neue Songs machen. Zur Überbrückung veröffentlichen sie Ende Oktober 2008 die Doppel-DVD "Visual Karma" mit zwei leidlich gut abgefilmten Gigs von 2007 und einer recht unterhaltsamen Bandhistory.
Zumindest mit ihrer Musik machen sie nach wie vor Nägel mit Köpfen. Entsprechend wenig gibt es an dem Mitte April 2009 erscheinendem "Shallow Life" auszusetzen. Derweil läuft bereits die nächste Tour in den USA, wo die Italiener angesagt sind wie nie zuvor. Kein Wunder, dass sie dort die nächsten Jahre intensiv touren und das nächste Album "Dark Adrenaline" mit Starproduzent Don Gilmore (Duran Duran, Linkin Park, Avril Lavigne) aufnehmen.
Nach Abschluss der Aufnahmen zum neuen Album reiste Lacuna Coil für zwei Gigs nach Mexiko, um nach der Rückkehr festzustellen, dass der Veröffentlichungstermin für "Unleashed Memories" vorverlegt wurde, um rechtzeitig zur Tour mit Theatre Of Tragedy auf dem Markt zu sein.
Mit ihrem vor kurzem veröffentlichten Zweitling "Unleashed Memories" haben sich Lacuna Coil einen Namen in der europäischen Metal-Szene gemacht und sind sogar in die Charts eingestiegen. Nun ernten sie die Früchte des Fleißes. Kurz vor ihrem Auftritt in der Frankfurter Batschkapp saß mir die komplette Band gegenüber und zeigte sich sehr mitteilsam.
Wie war die Tour denn bisher?
Cristina: Klasse, das Publikum war einfach super, wir haben jede Menge Shirts verkauft, geben andauernd Interviews, und auch mit den anderen Bands verstehen wir uns super.
Hein: (Drummer von TOT) Tun wir nicht, wir hassen Lacuna Coil.
Cristina: Obwohl, eigentlich sind es ziemliche Arschlöcher, vor allem der Drummer.
Cristiano: (Drummer von LC) Was ist mit Drummern?
Cristina: Nee, im Ernst, das Verhältnis unter den Bands ist klasse.
Wie waren die Reaktionen auf euer Album seitens der Presse und der Fans?
Cristina: Wir haben in beinahe allen Magazinen gute Kritiken bekommen, im Hammer sind wir Album des Monats geworden, sind auf einigen Fanzine-Covers aufgetaucht. Es ist wirklich toll, eigentlich haben wir gar nicht mit so viel Erfolg gerechnet. Wir sind ja sogar in den deutschen Albumcharts auf Platz 72. Irgendwie ziemlich schräg so was. Es ist ja nicht so, dass du im Studio stehst und denkst "Hey, lass uns sehen, dass wir auch bestimmt in die Albumcharts einsteigen." Wir haben uns voll auf unsere Songs konzentriert und hofften, dass sie gut sind. Dass sie so gut sind, war nicht vorhersehbar.
Seid ihr aus besonderem Grund wieder zu Waldemar Sorychta in die Woodhouse Studios gegangen?
Cristina: Wir haben mit Waldemar einfach gute Erfahrungen gemacht. Für die EP waren wir in Ventimiglia in Italien, im selben Studio, in dem Anathema "Judgement" aufgenommen haben, aber das war eine finanzielle Entscheidung. Wenn man mit der selben Kohle eine Woche länger im Studio bleiben kann, macht man das natürlich. An den Feinheiten lässt sich ja immer noch was verbessern.
Andrea: Außerdem ist es ja so, dass man beim Producerwechsel immer ein gewisses Risiko eingeht. Wir können von Waldemar immer noch was lernen und er stellt sich sehr gut auf uns ein. Er kennt die Band sehr gut und war definitiv der Richtige.
Cristina: Er ist auch nicht jemand, der dir einen bestimmten Sound oder was auch immer auf's Auge drücken will, er macht Vorschläge und gibt konstruktive Kommentare ab. Wie das Resultat dann aber klingt, liegt einzig und allein bei uns.
Seid ihr mit fertigen Songs ins Studio gegangen oder wurden die teilweise erst da geschrieben?
Cristina: Die Songs waren alle fertig.
Andrea: Wir hatten eine Woche für die Pre-Production, in der sich Waldemar die Demos angehört und sich Gedanken gemacht hat, wie man sie am besten umsetzen könnte. Im Endeffekt wurde für jeden einzelnen Song ein anderer Gitarrensound verwendet, je nach Stimmung des Songs.
Wie läuft bei euch eigentlich der Songwriting-Prozess ab, erst die Musik und dann der Gesang oder umgekehrt?
Cristina: Zuerst ensteht die Musik. Marco, unser Bassist, hat die meisten Songs geschrieben und hat für dieses Album erstmal mit dem Computer gearbeitet. Nachdem die Musik steht, setzen wir uns zusammen und diskutieren über die Arrangements. Das Letzte, was dazu kommt sind die Lyrics. Somit können wir den Gesang auch als Instrument arbeiten lassen. Wir singen zuerst nur Ghost-Lines und achten darauf, wie die Wörter im Zusammenhang mit der Musik klingen.
Mir lag leider kein Textblatt vor, aber ich denke dass es textlich nicht um irgendwelches plattes Liebesgegnüdel ging ...
Andrea: Nein, das Album heißt ja auch "Unleashed Memories" weil es eben die Erfahrungen der letzten Zeit beinhaltet, die auf der Scheibe losgelassen werden. Es sind natürlich sehr persönliche Erfahrungen und die Art wie wir sie verarbeiten. Die Sonne auf dem Cover verdeutlicht das noch mal. Man hat dieses Zentrum von dem alles ausgeht, alle Erfahrungen die du machst.
Andrea, fühlst du dich etwas vernachlässigt, da Cristina doch für einen Großteil der Vocals auf dem neuen Album zuständig ist?
Andrea: Quatsch, warum auch. Wir arbeiten schließlich song-dienlich nicht ego-dienlich. Wenn Cristinas Stimme gerade passt, singt sie, wenn meine Stimme dienlicher ist, singe ich.
Cristina: So ist es, wir sitzen ja nicht im Proberaum und passen auf, dass auch ja keiner zu kurz kommt. In einer Band muss jeder mal Abstriche machen.
Hast du mal daran gedacht, vielleicht die Keys zu übernehmen, wenn du nicht singst?
Andrea: Nö, nicht wirklich. Die Keys kommen bei uns vom Band und Marco ist dafür zuständig. Ein fester Keyboarder rentiert sich auch nicht, wir werden mal sehen.
Cristina: Live wollen wir sowieso eher die harte Schiene fahren. Deswegen haben wir ja auch zwei Gitarren, ein Keyboard sehen wir eher zur Untermalung der Musik an. Wenn es richtig kracht, ist das schon ok, schließlich sind wir 'ne Metal-Band.
Wie bekannt seid ihr eigentlich in Italien?
Cristina: Wir sind ganz gut bekannt, was erstaunlich ist. Eigentlich sind es eher die ganzen klassischen Metal-Bands wie Rhapsody und Labyrinth. Dass man uns trotzdem wahr nimmt, ist etwas, worauf wir sehr stolz sind, da wir uns von dieser Art Musik doch sehr unterscheiden.
Andrea: Natürlich ist unser Bekanntheitsgrad in der Underground Szene am größten. Im italienischen Mainstream gibt es eigentlich keine Rockmusik.
Gibt es eine echte, wachsende Szene im italienischen Underground?
Andrea: Ja, schon. Es tut sich immer was und ein paar Bands sind auch ganz gut, aber es muss sich noch einiges ändern. Im Vergleich zu Deutschland ist sie wesentlich kleiner. Es ist auch viel schwerer, als langhaariger Lederjackenträger von der Öffentlichkeit akzeptiert zu werden. Du wirst immer noch überall schief angeschaut. In Deutschland ist das ganz anders. Du kannst überall hingehen ohne die Blicke auf dich zu ziehen und man kann auch überall Metal hören.
Könnt ihr von eurer Musik eigentlich leben?
Andrea: Nein, leider nicht. Die Musik genießt zwar absolute Priorität, aber wenn wir daheim sind, müssen wir uns trotz allem immer noch Jobs suchen. Es wird zwar besser, aber leben können wir davon nicht. Ist zwar ein bißchen doof, da man ja keinen regulären Job annehmen kann, wegen den Touren und so, aber es klappt doch irgendwie.
Ihr spielt ja demnächst auf dem Metal Odyssey Festival mit Bands wie Dimmu Borgir, In Flames und Nevermore. Was denkt ihr, wie die Reaktionen der Fans auf euch ausfallen werden?
Cristina: Wer weiß, man sollte die Fans nie unterschätzen. Wir selber stehen ja auch auf Bands wie Machine Head oder Strapping Young Lad (yeahhh!!! d. Verf.).
Andrea: Wir werden natürlich auch darauf achten, die härteren Songs zu spielen, aber ich sehe da eigentlich kein Problem. Abwechslung ist doch auch ganz nett.
Wir sind ja von 'nem Online-Magazin. Wie weit seid ihr denn im Internet repräsentiert?
Cristina: Speziell unser Drummer und Marco (git) sind dafür zuständig, es ist aber eher so, dass wir die Sache kontrollieren aber nicht direkt kreieren. Wir sammeln und sichten das Material, was letztendlich im Netz stehen wird, aber für die technischen Prozesse sind andere zuständig.
Wie steht ihr denn zu den Napster-Prozessen, sollen die Leute jetzt für Downloads zahlen?
Andrea: Das ist recht kompliziert. Meine Meinung ist, wenn sich die Leute den Song anhören können, ist das o.k., wenn sie anfangen ihn herunter zu laden, hört für mich der Spaß auf. Das ist der Band gegenüber nicht sonderlich fair.
Ich denke aber, dass sich die wenigsten komplette Alben aus dem Netz ziehen, sondern eher einzelne Songs.
Andrea: Wie gesagt, bei einzelnen Songs bin ich ja einverstanden, und ich glaube so in der Art ist es ja auch ab jetzt geplant.
Dann lasst uns doch mal wissen, was für CDs ihr euch zuletzt geholt habt.
Cristina: Ich kauf mir eigentlich kaum CDs, da ich viele Sachen umsonst bekomme. Die letzte, die mir aber wirklich gut gefallen hat, war die Pain Of Salvation. Die ist echt klasse. Auf die neue Amorphis freu ich mich auch schon sehr.
Andrea: Ich werd mir die neue Rammstein kaufen, sobald die rauskommt. (Herr, schmeiß Hirn!!, d.Verf.)
Marco: Ich hab mir als letztes die "Physicist" von Devin Townsend gekauft.
Cristiono Mo.: Mudvayne und Ultimo
Cristiano Mi.: Project Pitchfork
Marco Bi.: Argora
Cristina: Die neue Blümchen muss ich auch unbedingt haben.
(Alle lachen und der Verfasser verlässt fluchtartig den Raum!)
In A Reverie (1999)
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