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Ursprünglich waren Sentenced nur eine Death Metal-Band unter vielen. 1989 in der Umgebung von Oulu, Finnland gegründet, kommt im folgenden Jahr auch schon das erste Demo heraus. Kurze Zeit später bewirbt sich ein Herr, namens Taneli Jarva bei den Gründungsmitgliedern Miika Tenkula (Gitarre), Sami Lopakka (Gitarre) und Vesa Ranta (Drums), der fortan für Bass und Gesang verantwortlich zeichnet.
Als Quartett nehmen sie schließlich "North From Here" auf, was musikalisch nach wie vor Hausmannskost in Sachen Death Metal bietet, jedoch schon in den Grundzügen andeutet, was da kommen mag. Nachdem Sentenced für die Scheibe zum renommierteren "Spinefarm Records"-Label gewechselt sind, zeigen sich die vier auch von einer deutlich technischeren Seite. Im selben Jahr kommt auch die "Trooper"-MCD auf den Markt mit einer Coverversion des Iron Maiden-Klassikers.
Das Label Century Media nimmt die Finnen ab 1994 unter Vertrag und wiederveröffentlicht die beiden ersten Scheiben sowie mit der neuen Scheibe "Amok" ein deutliches Zeichen für die Abkehr vom traditionellen Death Metal, hin zu melodischeren Gefilden. Sowohl im musikalischen, als auch im gesangstechnischen Bereich. Die bisherigen Death Grunts ersetzt Tarneli durch einen tiefen, melancholischen Gesang, der Sentenced eine zusätzliche eigene Note gibt.
Im darauf folgenden Frühjahr beweist die EP "Love & Death", dass sie den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen. Mit Billy Idols "White Wedding" ist auf dieser MCD ein Coversong vertreten, der durch Jarvas charismatische Stimme absolut besticht. Umso trauriger schlägt 1996 die Nachricht ein, dass der Sänger die Band verlassen will, sobald man gemeinsam einen würdigen Nachfolger gefunden habe. Jarva gründet, nachdem er sein Leben wieder auf der Reihe hat, eine neue Band namens The Black League, ist aber auch in diversen anderen Projekten aktiv..
Ville Laihiala heißt der Auserwählte, den die Band, wie es bei Finnen so üblich ist, beim Saufen in der Kneipe entdeckt. Ob die gesanglichen Fähigkeiten beim Bestellen zum Vorschein kommen, entzieht sich unserer Kenntnis, zur Audition taucht der Hüne jedenfalls in einer Latzhose und mit dem Fahrrad auf, bekommt den Job aber trotzdem. Im Herbst '96 erscheint schließlich "Down", das die inzwischen fünf Finnen (mit Sami Kukkohovi ist auch ein neuer Basser mit von der Partie) von ihrer bisher stärksten Seite zeigt.
Laihialas ausdrucksstarke Vocals lassen keine Zweifel aufkommen, dass man hier einen ganz großen Fang gemacht hat. Das Album geht in vielen Musikmagazinen auf die ersten Plätze. Das folgende Jahr verbringen die Finnen größtenteils mit Tourneen durch Europa, Nordamerika und Japan. Die Mischung aus Melancholie, Melodie und Härte ist fortan - neben den Suizidtexten - das wichtigste Markenzeichen der Band.
"Frozen" bietet dem neuen Frontmann Mitte '98 schließlich gar die Möglichkeit, sich am Songwriting zu beteiligen und zu beweisen, dass die fünf Charaktere hervorragend musikalisch harmonieren. Trotz allem fällt die zweite Scheibe mit neuem Sänger etwas schwächer als der Vorgänger "Down" aus. Textlich scheinen die Nordlichter voll auf einer Wellenlänge zu liegen, was sich in diversen Selbstmordtheorien niederschlägt, die es bis heute immer wieder erstaunlich machen, dass sich damals keiner von ihnen die Lichter ausgeblasen hat. Scheint also so etwas wie eine Eigentherapie zu sein.
Das Ende des Milleniums sieht sich schließlich mit "Crimson", der bis dato besten Sentenced-Scheibe konfrontiert, die alle Stärken der Band verdeutlicht: eingängiger, harter Metal/Gothic mit rauhem, melodischem Gesang, der in Verbindung mit den genialen Melodien sofort ins Ohr geht und sich festbeißt.
Dass die Zeit die beste Lehrerin ist (leider bringt sie alle ihre Schüler um), zeigt sich ebenfalls am Beispiel von Sentenced. Nach einigen schlechten Erfahrungen kommen die fünf zu einer entscheidenden Erkenntnis über ihre enge Freundschaft zu Herren wie Johnny Walker, Jack Daniels oder Hein Ecken: "Wir haben gemerkt, dass wir uns auf lange Sicht selber ins Bein schießen, wenn wir dauernd besoffen von der Bühne fallen." Weise, weise.
Doch Weisheit hin oder her, im Mai 2002 erscheint mit "The Cold White Light" das nächste Hammeralbum der Finnen und zeigt erstens, dass sie wieder zu ihrem alten, makabren Humor zurück gefunden haben, und zweitens, dass sie die Kombination von eingängigen, genialen Melodien, mit sägenden Riffs weiter perfektionieren. Trotzdem tauchen auch einige Kritiken auf, dass sie sich zu sehr anbiedern, da das Album vom HIM-Prouzenten gemischt wurde und stellenweise ein wenig soft klingt. Laut.de fragt im Interview nach.
Anfang Februar 2005 kommt der Schock: Sentenced kündigen offiziell den Split nach dem nächsten Album an. Keine Reunion, keine lange Abschiedstour, nur ein paar Festivals sollen es sein. So verabschieden sie sich z.B. auf dem Rock Hard Festval 2005 von ihren Fans, noch bevor Ende Mai "The Funeral Album" erscheint, dem 2006 Jahr noch eine DVD folgen soll. Danach ist die Metal-Szene jeoch eindgültig um eine außergewöhnliche Band ärmer.
Das wissen die finnischen Medien allerdings zu würdigen und verleihen Sentenced quasi posthum bei den Metal Awards gleich dreimal den ersten Platz. 'Album Of The Year', 'Cover Art Of The Year' und natürlich 'Band Of The Year'. "Buried Alive" erscheint Ende November 2006 und setzt einen würdigen Schlusspunkt unter das letzte Kapitel einer Band, der es wie keiner zweiten gelingt (Apocalyptica mal ausgenommen), finnische Melancholie zu vertonen. Sänger Ville ist derweil schon wieder mit Poisonblack aktiv. Ob man von den anderen Jungs musikalisch noch einmal was hört, muss sich erst noch zeigen.
Century Media legen nach und nach von den bei ihnen veröffentlichten Scheiben eine Special Edition mit einigen Extras und neuem Look auf.
Der ehemalige Sentenced-Fronter über den Neustart und intime Vorlieben.
Nachdem die Gitarre lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle für Ville Laihiala spielte, hat der Riese aus Finnland auf "Escapexstacy" fast alle Songs alleine geschrieben und auch alle Gitarren eingespielt ...
Als Sänger von Sentenced hat sich Ville Laihiala einen ausgesprochen guten Namen gemacht und fünf erstklassige Alben veröffentlicht. Sentenced wurden 2005 leider zu Grabe getragen, doch Fans des schwarzhaarigen Hünens müssen nicht traurig sein. So hat der Finne doch schon seit 2003 mit Poisonblack ein zweites Eisen im Feuer. Davon erscheint dieser Tage das zweite Album "Lust Stained Despair", zu dem Ville dem laut.de-Redakteur Rede und Antwort steht. Dass dabei auch das Thema Sentenced zur Sprache kommt, ist kaum zu vermeiden.
Mahlzeit! Ich hoffe mal, dass du ein Zimmer mit Klimaanlage bekommen hast. Bei mir ist es gerade gefühlt 75 Grad heiß und ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schwitzen soll.
Klingt nicht gut. Ich habe Glück, denn hier ist es dank der Klimaanlage angenehm kühl. Ich habe aber jetzt schon keinen Bock, nachher überhaupt wieder vor die Tür zu gehen.
Kann ich mir vorstellen. Als wir uns vor 14 Monaten über das letzte Sentenced-Album "The Funeral" unterhalten haben, und ich dich fragte, wie du dich fühlst, sagtest du mir ich solle dich in ein paar Monaten noch mal drauf ansprechen, wenn sich das in deinem Bewusstsein einigermaßen gesetzt hat. Also – wie fühlst du dich?
Hm, immer noch schwer zu sagen. Wie du schon sagst, die Sache mit Sentenced hat sich etwas gesetzt, die Tatsache, dass es tatsächlich vorbei ist, ist inzwischen jedem von uns klar geworden, und auch wenn wir immer noch eine gewisse Trauer darüber verspüren, sind wir doch auch nach wie vor glücklich damit. Es ist nun einfach wesentlich einfacher, in die Zukunft zu sehen, wenn du eine Sache erst mal endgültig abgeschlossen hast.
Also fühlt ihr nach wie vor kein Bedauern darüber, die Band zu Grabe getragen zu haben?
Bedauern ist das falsche Wort, aber wie ich schon sagte, eine gewisse Trauer ist natürlich nach wie vor vorhanden. Wir haben aber alle die Zeit genutzt, um in uns zu gehen und uns mit dem Beschluss und der Tatsache auseinander zu setzen. Wir können alle damit umgehen und sind sehr stolz auf das, was wir mit Sentenced erreicht haben. Wenn ich zurückblicke, kann ich das mit einem Lächeln im Gesicht machen. Da ist keine Bedauern und keine Zweifel an dem, was wir getan haben. Klar vermissen wir bestimmte Dinge, die mit der Band zu tun hatten, aber es ist nun mal aus und vorbei, und genau so wollten wir es haben.
Bist du mit den anderen noch in Kontakt?
Klar, was denkst du denn? Wir telefonieren regelmäßig miteinander. Zwar nicht so oft, wie das früher der Fall war, aber das ist schon ok so.
Im letzten Interview sagtest du auch, dass du nach der Veröffentlichung der nächsten Poisonblack-Scheibe erst mal eine längere Pause vom Musicbiz brauchst. Verfolgst du diesen Plan immer noch?
Naja, irgendwie schon, aber dann wieder doch nicht, hahaha. In meinem Privatleben haben sich die Dinge auch ein wenig gesetzt, so dass sich mein Job als Musiker bei Poisonblack lange nicht mehr so negativ auf mein Familienleben auswirkt, wie das früher noch der Fall war. Es fällt mir inzwischen wesentlich leichter, die Dinge einfach so zu organisieren, dass beide Welten ihren Platz haben und keine davon zu kurz kommt. Sollte ich aber irgendwann das Gefühl haben, dass meine Familie unter der Bandsituation leidet, werde ich meinen Job als Musiker recht schnell aufgeben. Meine Prioritäten sind also definitiv gesetzt.
Eigentlich sollte J.P. sogar nur auf den Demos singen, die wir damals aufgenommen hatten. Als wir dann den Deal mit Century Media bekamen, fragte ich ihn, ob er nicht auch auf dem Album singen und vielleicht auch eine Tour mitfahren wolle. Er war damit einverstanden, hat aber eigentlich von Anfang an klar gemacht, dass das für ihn nur eine Nebenbeschäftigung ist. So waren wir nicht sonderlich überrascht, als er seinen Ausstieg bekannt gab. Es war nie wirklich geplant, dass er der Band als vollwertiges Mitglied beitritt. Das wäre zwar schön gewesen, kam für ihn aber nie in Frage. Letztendlich hatten Charon immer Priorität, und das haben wir akzeptiert. Immerhin war das bei mir und Sentenced ja auch nicht anders.
So weit ich mich erinnern kann, hast du die Band doch mit Janne Kukkonen gegründet. Warum ist der denn ausgestiegen?
Janne wollte sich einfach auf andere Dinge in seinem Leben konzentrieren. Da steht überhaupt keine große Geschichte dahinter. Das Leben als aktiver Musiker ist für ihn eben nicht mehr so wichtig oder hat zumindest anderen Prioritäten Platz gemacht, und das respektiere ich vollkommen.
Somit bist du also das einzige Urmitglied von Poisonblack?
Nö, wir haben immer noch den selben Drummer und den selben Keyboarder. Im Prinzip sind nur zwei Neue in der Band, ein neuer Basser und ein zweiter Gitarrist.
Ach so, naja, auf dem Debüt wurden nur du, Janne und J.P. namentlich erwähnt, von daher hatte ich keine Ahnung, wer da sonst noch gespielt hat ...
Ja, das lag einfach daran, dass Tarmo (Kanerva, Drums) und Marco (Sneck, Keys) damals nur als Session-Musiker geplant waren. Die Situation hat sich aber recht schnell nach den Aufnahmen geändert, die beiden sind fest eingestiegen. Schon kurz nach den Aufnahmen war uns klar, dass wir das nun weniger als Projekt, sondern viel mehr als Band ansehen wollen.
Haben sie dann auch Einfluss auf's Songwriting?
Nicht direkt. Wir proben die Songs ja zusammen, und bei den Arrangements haben sie natürlich Mitspracherecht, aber momentan bin ich noch der Hauptsongwriter. Allerdings hat unser neuer Gitarrist Janne Markus den Song "The Darkest Lie" geschrieben. Wenn es tatsächlich noch ein drittes Album von Poisonblack gibt, wird er sich deutlich mehr am Songwriting beteiligen.
Klingt ja nicht schlecht, aber das wenn das so lange dauert, wie mit "Lust Stained Despair", dann gut Nacht. Immerhin habt ihr auf euerer Homepage die Scheibe mal für Oktober 2004 angekündigt.
Öhöm, ja, das war schon ein wenig ungeschickt. Das Album wurde zum größten Teil schon im Frühling 2004 aufgenommen, dann kamen aber ein paar Sachen dazwischen. Ich hatte ziemliche Alkoholprobleme, mit Sentenced waren wir dabei, unsere Karriere zu beenden. Da kam einfach einiges dazwischen, und somit hat sich das immer weiter nach hinten verschoben. Aber nun ist es ja fertig, und ich denke, die Zeit hat der Scheibe definitiv gut getan. 2004 hätte sie sich wohl noch deutlich anders angehört.
Ich habe gelesen, dass ihr in diesem Frühjahr noch ein paar Songs zusätzlich aufgenommen habt?
Stimmt, wie haben noch mal drei neue Songs aufgenommen und auch bei den anderen Sachen ein paar Keyboards verändert oder neu eingespielt.
Die Texte scheinen ja mal wieder recht persönlich zu sein, soweit ich das beurteilen kann.
Ja, auf jeden Fall. Ich hatte zu der Zeit mal wieder jede Menge aufzuarbeiten. Sowohl schlechte als auch gute Erlebnisse, und da bieten sich Texte nun mal an. Das war eine Zeit, in der ich mich ziemlich viel mit mir selbst beschäftigt habe, und das war nicht immer schön, hahaha. Wenn ich mir die Sachen jetzt durchlese, erinnere ich mich daran, warum ich sie aufgeschrieben habe und wie ich mich dabei fühlte. Ich versuche dabei dann auch immer, aus meinen eigenen Erfahrungen zu lernen. Leider klappt das viel zu selten, hahaha.
Ich höre von vielen Musikern immer, dass sie Probleme damit haben, sich in ihren Texten quasi zu entblößen. Sie fühlen sich dadurch sehr angreifbar. Geht dir das auch so?
Pffff, nö, eigentlich nicht. Was ich da aufschreibe, will irgendwie aus mir raus, und es ist für mich der einfachste Weg, einige Sachen loszuwerden und somit aufzuarbeiten. Wenn ich dann noch Musik drumherum packen kann, na prima. Ich habe eigentlich weniger das Gefühl, dass die Leute bis unter meine Haut dringen können, nur dadurch, dass sie meine Texte lesen. Das sind ja nur Momentaufnahmen in bestimmten Situationen. Das sagt denen ja noch nicht, was für ein Arschloch ich tatsächlich bin, hahaha.
Ah ja, und warum denkst du, dass du ein Arschloch bist?
Ich weiß, dass ich eins bin.
Wieso, erzählen dir das deine Freunde?
Jahaha, zum Teil schon.
Das kenn ich nur zu gut. Ich hab schon mal überlegt, mir das als Zusatz auf meine Visitenkarten drucken zu lassen.
Klingt nach einem vernünftigen Plan, hahaha.
Uns war recht schnell klar, dass es auf dem Album kein richtige Hitsingle geben würde. Also wollten wir einen Song, der den besten Überblick darüber gibt, was es auf der Scheibe alles zu entdecken gibt. Meiner Meinung nach repräsentiert "Rush" die unterschiedlichen Songs und Stimmungen von "Lust Stained Despair" am besten. Das Video haben wir schon abgedreht, es wird sich visuell am Artwork des Album orientieren. Wir haben eine kleine Story mit eingebaut, das macht es ganz interessant. Allerdings bin ich kein großer Videofan, denn es ist für mich so ziemlich die langweiligste Beschäftigung, ein Video zu drehen. Du hängst den ganze Tag nur rum und tust so, als ob du einen Song spielst. Das geht dir doch irgendwann auf die Eier, hahaha.
Kann ich verstehen. Ihr habt mit dem Opener "Nothing Else Remains" oder mit "Nail" auch die eine oder andere recht ungewöhnliche Nummer auf der Platte. Gerade der Opener klingt für mich ein wenig nach Soilwork.
Hm, wenn du das sagst. Das mag schon sein, denn das sind nun mal Sachen, die ich mir auch gern anhöre. Da kann es schon mal passieren, dass auch ein paar Einflüsse davon auf mich übergehen. Das lässt sich fast nicht vermeiden, und ich finde das auch nicht weiter schlimm. Natürlich versuchen wir, unser eigenes Ding zu finden und durchzuziehen, aber wenn dich das an Soilwork erinnert, finde ich das nicht schlimm. Ich mag Soilwork.
Klar, das ist eine gute Band und der Song ist auch gut. Er hat nur einen etwas anderen, moderneren Touch als die anderen Nummern.
Ja, aber ich finde, das trifft auf das ganze Album zu. Es zeigt einfach, in welche Richtung wir mit einem möglichen, dritten Album gehen werden. Es sind einige unterschiedliche Einflüsse auf diesem Album enthalten und das wollen wir zwar beibehalten, dem Ganzen aber einen einheitlichen Touch verpassen. Man soll einfach hören, dass man es mit Poisonblack zu tun hat.
Ist "Nothing Else Remains" einer der Songs, die erst nachträglich entstanden sind?
Nein, das ist ein älterer. Die Neuen sind "Hollow Be My Name", "The Darkest Lie" und "Soul In Flames".
Als J.P. damals ausstieg, gab es aber doch ein paar Auditions, in denen ihr nach einem neuen Sänger gesucht habt.
Ja, die gab es, und da waren ein paar wirklich gute Sänger dabei. Aber viele von den Jungs waren eben diese typischen Gothic-Sänger, und unser Stil entwickelte sich nun mal mehr und mehr in Richtung Rock, bzw. Metal. Wir wollten also jemanden, der eine etwas rauere Stimme hat, und irgendwann habe ich während der Proben einfach den Gesang noch übernommen, um es interessant zu halten. Selbst zu der Zeit wollten wir eigentlich noch einen neuen Sänger haben, aber letztendlich haben wir uns dazu entschlossen, dass wir das so beibehalten und die Sängersuche ad acta legen. So, here we are.
Es gibt sicher einige Leute, die hoffen, dass du das Erbe von Sentenced mit Poisonblack fortführen wirst. Besonders jetzt, da du auch den Gesang übernommen hast. Hast du da auch schon drüber nachgedacht oder hat dich das in irgendeiner Weise unter Druck gesetzt?
Natürlich denkst du darüber nach, und es ist uns auch klar, dass man uns noch eine ganze Zeit lang immer mit Sentenced in Verbindung bringen wird. Aber damit halten wir uns nicht auf, das wäre auch ziemlich dämlich. Wir glauben alle sehr an Poisonblack und sind der Meinung, ein wirklich starkes Album aufgenommen zu haben. Wir ziehen das jetzt durch und können nur hoffen, dass die Leute irgendwann erkennen und akzeptieren, dass Poisonblack und Sentenced zwei unterschiedliche Dinge sind, obwohl meine Stimme nach wie vor im Vordergrund steht. Dass Century Media sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen werden, einen Sticker mit Ex-Sänger von Sentenced auf das Album zu kleben, ist mir aber auch klar. Egal, ob ich das mag oder nicht, hahaha.
Da hast du wohl recht. Ich denke aber, dass sich die Sentenced-Fans von Songs wie "Raivotar", "Soul In Flames" oder "Love Controlled Despair" durchaus angesprochen fühlen werden.
Ja, kann schon sein, schließlich sind die musikalischen Einflüsse ja ähnlich, vielleicht sogar dieselben. Ich kann ja als Songwriter auch nicht aus meiner Haut, und wenn ich für Sentenced Songs geschrieben habe, waren die nicht grundlegend verschieden von dem, was ich für Poisonblack schreibe. Man übernimmt mache Dinge ganz automatisch, auch wenn man es nicht beabsichtigt.
Was zur Hölle bedeutet "Raivotar" eigentlich? In keinem Wörterbuch hab ich was dazu gefunden.
Das überrascht mich nicht. Das ist ein finnischer Ausdruck und beschreibt eine Frau, die so spitz ist, dass sie stinksauer wird, hahaha. Das lässt sich aber leider nicht ins Englische oder ins Deutsche übersetzen. So was gibt es nur in Finnland.
Klingt aber spannend. Muss ich direkt mal meinen Kumpel aus Finnland fragen, ob er das Wort kennt. Deine Texte unterscheiden sich ja allgemein ziemlich von denen, die du für Sentenced geschrieben hast. Dort ging es ja eher darum, wie blase ich mir am besten die Lichter aus.
Jahaha, da hatten wir ein paar lustige Ideen.
Allerdings, und bei Poisonblack geht es eher um Liebe, Sex und ... Verzweiflung?
Ja, das liegt einfach daran, dass ich schon seit ich zwölf war nur zwei Hobbys hatte: Wichsen und Musik. Das mache ich eben immer noch und kann inzwischen beides sogar irgendwie verbinden, hahaha.
Ach du Scheiße, ich hoffe nur, ihr dreht nicht irgendwann ein Video im Stile von "Ever-Frost". Da wolltet ihr ja klar machen, dass ihr nicht mehr mit 60 noch auf der Bühne stehen und Musik machen wollt. Oder willst du bis dahin etwa auch mit dem Wichsen aufhören?
Hahaha, nein, das glaube ich nicht, aber man wird sehen.
Zuletzt noch, wie sieht es mit ein paar Tourdates in Deutschland aus?
Da ist noch nichts fest, aber unser Management arbeitet daran. Bisher ist noch nichts fest, aber sobald was spruchreif ist, wird es auf der Homepage stehen.
Nachtrag des Autors: Inzwischen steht für den November eine Tour mit den Labelkollegen von Lacuna Coil an.
Bevor sie für immer in die ewigen Jagdgründe eingehen, haben sich Sentenced mit "The Funeral Album" ein letztes musikalisches Denkmal gesetzt. Um so schwerer ist zu verstehen, warum die Finnen sich ausgerechnet jetzt aus dem Staub machen ...
"The Funeral Album" ist ein verdammt starkes, abwechslungsreiches Stück Musik, das einen würdigen Schlusspunkt unter die Karriere von Sentenced setzt. Anstatt zum Abschluss noch auf irgendwelche Veränderungen zu setzen, haben die Finnen sich auf das konzentriert, was sie wirklich können: Fantastische, eingängige Melodien mit einem guten Drive oder purer Melancholie. Wir fragten Sänger Ville Laihiala, ob der Abschied wirklich sein muss.
Dass es mit Sentenced nach dem gerade erschienenem Album definitiv vorbei ist, habt ihr auf eurer Homepage ja schon drastisch klar gemacht. Was dabei aber fehlt, ist eine anständig Begründung.
Was soll ich sagen, der Entschluss kam ja nicht von heute auf morgen, sondern wir haben uns schon länger mit dem Gedanken herumgetragen. Fakt ist nun mal, dass wir mit jeden Album gewachsen sind, und folglich sind auch die Touren immer größer und ausgedehnter geworden. Es ist aber immer schwerer für uns, lange von zu Hause und unseren Familien wegzubleiben. Außerdem wurde das Gefühl immer stärker, dass es einfach an der Zeit ist, mit dem Kapitel Sentenced abzuschließen, und es hat wohl am meisten Stil, auf dem Gipfel abzutreten.
Versteh' mich jetzt nicht falsch, ich liebe das Album, aber denkt ihr nicht, dass noch genügend Potenzial in euch steckt, um das noch zu toppen?
Doch, klar, aber darum geht es gar nicht. Wir haben diese Entscheidung einfach für uns gefällt, und auch wenn es irgendwie ein komisches Gefühl ist, sind wir darüber auch glücklich. Nachdem wir uns erst dazu durchgerungen hatten, sind wir mit einer ganz anderen Einstellung daran gegangen, die Songs zu komponieren. Immerhin werden dieses Sachen das Letzte sein, was man von Sentenced hört, und entsprechend motiviert und strukturiert sind wir an die Sache rangegangen.
Was passiert, wenn das Album jetzt megaerfolgreich wird, und ihr auf einmal Angebote aus aller Welt bekommt. Immerhin sind auf der Scheibe einige potenzielle Hits.
Auch das würde nichts an unserer Entscheidung ändern. Nichts bei Sentenced wurde je aus kommerziellen oder finanziellen Gründen getan. Außerdem würden wir uns damit doch nur selber jegliche Ernsthaftigkeit absprechen und den Respekt vor uns selbst verlieren.
Kann ich verstehen. Neben einigen sehr eingängigen Songs habt ihr aber auch eine heftige Nummer wie "When Water Falls Frozen" mit dabei ...
Ja, das war eine spontane Sache von den anderen vier Jungs, als sie auf mich im Proberaum gewartet haben. Ich bin aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht aufgetaucht, und irgendwann waren sie so sauer, dass sie mal wieder eine waschechte Death Metal-Nummer geschrieben haben. Wir waren uns dann aber einig, dass die Nummer auf die Scheibe muss, weil es einfach ein cooler Schocker zwischen "Her Last 5 Minutes" und "Despair-Ridden Hearts" ist. Außerdem ist es so etwas wie ein kurzer Zeitsprung in die alten Tage von Sentenced.
Um den Break noch größer zu machen, startet der nächste Track auch noch mit einem Mundharmonika-Intro.
Ja, cool, oder? Das ist auch so eine Sache, über die wir schon seit Jahren gesprochen haben, aber bisher hatte sich nicht der richtige Song gefunden, das Instrument auch wirklich zu verwenden. Ich finde, dadurch ließ sich eine großartige Atmosphäre erzeugen, die perfekt zu dem Song passt. Eingespielt hat die Parts ein Kerl, der in Finnland richtig bekannt für seine Harmonika-Sachen ist, mit fällt der Name aber gerade nicht ein.
Auf "The Funeral Album" meine ich auch beinahe so etwas wie ein Novum entdeckt zu haben. Bei einem Song wie "Ever-Frost" geht es gar nicht darum, wie man sich am effektivsten die Lichter ausknipst.
Jahaha, stimmt. Aber "Ever-Frost" hat einen ähnlich unangenehmen Hintergrund. Wir haben für das Hockey-Team in unserer Heimatstadt Oulo ein Stück geschrieben, den das Team und seine Fans sehr mochte. Sami schrieb den Text dazu in Finnisch, und ein pseudo-religiöser Politiker griff die Worte Blut und Ehre willkürlich aus dem Zusammenhang, übersetzte sie ins Deutsche und versuchte uns auf diesem Wege als Rechtsradikale hinzustellen. Abgesehen davon, dass das vollkommen absurd ist, tauchen die Worte an total unterschiedlichen Stellen auf und stehen nicht mal in Bezug zu einander. Das ging natürlich kräftig durch die Presse, und "Ever-Frost" ist unser großes 'Fuck You' an die verantwortlichen Stellen. Das Geile daran war aber, dass unser Hockey-Team den Titel geholt hat, da lief der Song im Stadion, in den Umkleidekabinen und überall haben sie das Teil gesungen. Als sie dann den Titel gefeiert haben, spielten wir daheim mit dem Team vor 30.000 Leuten und natürlich auch diesen Song, hahaha. "Vengeance Is Mine" geht übrigens in die selbe Richtung und hat auch den gleichen Hintergrund.
Das Ende des Song ist ja auch ein wenig ungewöhnlich mit der Melodie von "Frère Jaques".
Ach das meinst du, ja das ist so ein französisches Kinderlied und hat für uns eine ganz bestimmte Bedeutung, die sich nicht so leicht erklären lässt. Sozusagen ein Insiderjoke.
Wenn wir gerade bei Religion und Politik sind - wir haben einen neuen Papst, hast du das ein wenig verfolgt in den Nachrichten?
Machst du Witze? Was interessiert mich so ein Kerl in Rom. Das ist mir nun wirklich scheißegal. Nächste Frage bitte.
Ok, Themenwechsel. Ihr habt auf "The Funeral Album" bei zwei Songs einen Kinderchor verwendet. Wie kam es denn dazu?
Das war eine Idee, die uns schon im Proberaum zu den Songs vorschwebte. Es war aber eine komische Erfahrung, als wir dann ins Studio gelatscht kamen, da liefen Dutzende von kleinen Mädchen durch die Gegend und haben irgendwelche Fragen gestellt, versuchten an allen möglichen Knöpfen zu drehen, und irgendwann hat mir richtig der Kopf geschwirrt. Das war schon eine witzige Erfahrung. Vesa, unser Drummer kennt den Chorleiter, so kam der Kontakt zustande.
Inzwischen geht es bei euch ja auch nicht mehr ausschließlich darum, sich selbst zu töten, sondern ihr lasst euch auch nach Anweisung über den Jordan befördern, wie in "Consider Us Dead"
Den Song hab ich geschrieben, und das ist so ne Art Zwiegespräch mit mir selber. Es geht darum, die eine unangenehme Person in mir zu töten, um in Zukunft nur noch mit der anderen leben zu müssen. Ich habe eine leicht schizophrene Veranlagung, und die habe ich in dem Song ausgelebt, hahaha. Dieses Selbstgespräch hab ich übrigens in meiner Sauna geführt.
In der Sauna, ah ja. Was genau hast du dabei den auf die Steine gegossen? Na wie auch immer, es geht das Gerücht um, dass ihr eine erste und letzte DVD veröffentlichen wollt.
Das ist richtig. Wir werden sie bei unserem allerletzten Gig im September in Oulo aufnehmen. Es soll ein größeres Konzert werden, zu dem aber vor allem unsere Freunde und Familien kommen können. Der eigentliche Grund, warum wir die DVD aufnehmen, ist aber, dass uns bewusst ist, dass unzählige Leute nicht zu einer unserer Abschiedsshows kommen können, und sie sollen immerhin die Möglichkeit haben, uns auf DVD zu sehen. Das ist dann nicht nur für uns was Besonderes, sondern auch ein spezielles Geschenk für unsere Fans. Neben dem Konzert werden all unsere Videos und einige anderes Sachen darauf zu finden sein.
Wie geht es nach Sentenced weiter? Ich nehme mal an, dass du uns mit Poisonblack erhalten bleibst.
Ja, es wird zumindest noch ein weiteres Album von Poisonblack geben. Aber wenn diese Tour vorüber und das zweite Album auf dem Markt ist, werde ich erst einmal eine lange, lange Pause vom Musicbiz nehmen. Was dann kommt, weiß ich noch nicht, da momentan die Beerdigung von Sentenced absoluten Vorrang hat und meine Gedanken weitestgehend beschäftigt. Mir schwebt aber eher was in der Art als Produzent oder andere Arbeiten im Studio vor. Es wird auf jeden Fall irgendetwas mit Musik zu tun haben, denn das ist bei uns allen einfach ein zu großer Teil unseres Lebens, als dass wir damit aufhören könnten. Konkrete Pläne hat aber bisher kaum einer von uns.
Ihr habt euch für die Promofotos stilecht mit einem Sarg ablichten lassen.
Ja, davon haben wir jede Menge Bilder gemacht. Den Sarg haben wir sogar gekauft. Das ist so was wie ein Gebrauchtsarg, hahaha. Irgend ein Finne ist mal in Belgien verstorben, und er wurde in diesem Sarg nach Finnland gebracht. Wir waren dann in so einer Art Second Hand-Laden, weil man in einem richtigen Beerdigungsinstitut nicht allzu viel Humor hat, was so was angeht. Wir haben den Sarg also gebraucht gekauft, und Sami und Vesa haben versucht, den Geruch noch etwas heraus zu bekommen, aber es riecht immer noch sehr komisch darin.
Das kann ich mir vorstellen. War es nicht ein komisches Gefühl, sich da rein zu legen?
Das kannst du allerdings laut sagen.
Anlässlich der letzten Scheibe führte ich ein Interview mit Sami Lopakka, und ich fragt ihn damals schon nach der Zeile "I'm the warrior of life, I know the reaper by name" vom "Down"-Album. Er wollte mir den Namen aber nicht verraten, deswegen muss ich jetzt dich fragen.
Ville gibt irgendwas von sich, das in etwa wie Ompa Yominnnen klingt.
Hä? Ist das 'n Gemüse?
Das ist ein finnischer Name.
Der Reaper ist also Finne?
Für mich schon, hahaha.
Na klasse, dann grüß' ihn von mir, und danke für das Interview.
Werde ich machen, wir sehen uns auf den Festivals.
Das Interview führte Michael Edele
Man sollte es kaum glauben, aber mit dem Sentenced Gitarristen Sami Lopakka sitzt ein durchaus gesprächiger Finne am anderen Ende der Leitung, der sogar des öfteren zum Lachen aufgelegt ist.
Ursprünglich waren Sentenced nur eine Death Metal Band unter vielen. Nachdem sie sich mit eingängigem, harten Rock mit rauhem, melodischem Gesang einen Namen gemacht haben, erscheint im Mai 2002 mit "The Cold White Light ein Hammeralbum der Finnen. Das beweist, dass ihre Kombination von eingängigen, genialen Melodien, mit sägenden Riffs nach wie vor perfekt funktioniert.
Hi Sami, was habt ihr denn die letzten zwei Jahre lang gemacht?
Junge, du stellst Fragen. Wie ausführlich solls denn werden? Naja, nach der Tour haben wir erst mal eine kleine Pause gemacht und etwas relaxt, da die Akkus doch ziemlich leer waren. Als wir unseren Arsch dann wieder in den Proberaum gehievt haben, ging es wieder kräftig zur Sache, da wir immer recht intensiv proben. Deswegen hatten wir auch 17 oder 18 Songs, bevor wir ins Studio gingen. Das ging uns dann alles sehr leicht von der Hand, denn die Pause hatte uns doch sehr gut getan. Wir haben dann die Songs aufgenommen und bearbeitet, die du auf dem Album hörst und warten jetzt darauf, dass es veröffentlicht wird.
Was ist mit den anderen Songs, die es nicht auf die Platte schafften?
Die sind mehr oder minder fertig. Es fehlen hauptsächlich noch die Gesangslinien. Wir mussten einfach irgendwann entscheiden, welche Songs wir für "The Cold White Light" verwenden und welche nicht. Wir haben noch ein paar gute Songs in der Hinterhand und wenn wir im Herbst noch etwas Zeit finden, werden wir vielleicht noch eine EP nachschieben. Im Augenblick sieht es da aber etwas eng aus, da wir viel touren wollen.
Was wollt ihr mit dem Titel eigentlich aussagen?
Wir wollten das eigentlich so offen wie möglich lassen, da Licht ja als Metapher für so viele Dinge stehen kann. Es kann sowohl das Licht des Lebens, als auch des Todes sein. Das licht der Hoffnung, was auch immer. Es ist aber auch eine Verbindung, welche die einzelnen Songs zusammen hält. Es drängte sich uns förmlich auf. Es passt einfach zur Musik und den Texten. Es passt einfach zu Sentenced, da es irgendwie doch etwas stark melancholisches hat.
Warum "COLD White Light"? Alle Nahtod-Erfahrungen berichten doch eher von einem warmen weißen Licht, in das sie hinein treten wollten.
Ja, hehe, merkst du was? Wir wollten einfach allen ne Chance geben, auch denen, die eher frieren.
Das letzte Album wurde in vier verschiedenen Studios aufgenommen, das jetzige in zwei. Werdet ihr euch beim nächsten für eins entscheiden können, oder woran liegt das?
Kann man nicht genau sagen (lacht). Wir wollten eigentlich bei dieser Platte schon in einem bleiben, in Oulu. Aber für den Drum Sound war das einfach nicht das Richtige, deshalb sind wir wieder ins Finnvox Studio gegangen, da dort die Akustik besser ist. Auch das Mixing und das Mastering entstand dort.
Ihr habt recht viele Klavier- und Keyboardparts auf der Scheibe. Die sind zwar alle schön, nur habe ich ab und zu das Gefühl, dass die Rhythmusgitarre dadurch etwas unter geht.
Wir haben einiges ausprobiert, um jedem Song eine eigene Atmosphäre zu verpassen. Wir wollten, vor allem bei den Refrains, immer einige Extras mit einbauen. Ich denke nicht, dass die Gitarren dadurch untergehen, aber die Keyboards sind stellenweise schon gleichberechtigt neben den Gitarren, da hast du recht. Das hatten wir in der Vergangenheit nicht sehr oft, wir wollten aber vor allem mit der Lautstärke der Keys experimentieren. Das stört uns aber nicht, da die Keys einfach songdienlich eingesetzt worden sind. Also passt das so.
Wie werdet ihr das auf Tour handhaben?
Wir werden auf keinen Fall mit Keyboarder touren, das kommt dann eben von DAT oder von Mini Disc, wir werden sehen. Das wird sich dann aber auf drei, vier Songs beschränken.
Man hört erstaunlich viele klare Gesangslinien auf "The Cold White Light". Ville scheint damit ja immer besser zu Recht zu kommen.
Seine Fähigkeiten in diesem Bereich werden größer und größer. Deswegen können wir von Album zu Album auch immer wieder etwas Neues ausprobieren. Ich denke das schafft eine gute Abwechslung zwischen den verschiedenen Parts. Das hält es sowohl für uns, als auch für die Fans interessant. Wir wollen so viele Variationen wie möglich in den Songs haben. Das gilt für die Instrumente genauso wie für die Stimme.
Bei "Neverlasting" gibt es ja mal richtige Backing Vocals. Wer hat die denn verbrochen?
Ville, im Studio ist das ja an der Tagesordnung. Wie wir das live reproduzieren, wissen wir aber auch noch nicht. Das müssen wir dann ja irgendwie aufteilen, da er den Text nicht allein singen kann. Die Wörter überschneiden sich ja immer. Wir probieren im Proberaum gerade ein paar Sachen aus. Wir werden sehen.
Bleiben wir gerade mal bei "Neverlasting". Der Song ist ja eigentlich ein Novum. Irre ich mich, oder ist das ein Song mit einer positiven Message?
Ja das kann man durchaus so sehen und es ist auch nicht der einzige. Der Song ist ganz schön aggressiv und rockig und die Lyrics passen sich dem an, sind aber etwas fröhlicher gestaltet, mehr so ein Party Ding. Wir waren der Meinung, dass zu dem Song keine schwerwiegenden Texte passen würden. Man sollte sein Leben auch genießen nach dem Motto "burn the candle at both ends". Wir haben sowieso nicht allzu viel Zeit in unserem Leben, warum also nicht Spaß haben, solange es geht. Der Text stammt übrigens von Ville.
Hatte er da nen guten Tag, oder nur gute Drogen?
Keine Ahnung (lacht), das musst du ihn schon selber fragen. Aber wahrscheinlich täuscht er nur was vor, hahaha. Aber wie gesagt, das ist nicht der einzige Song mit positiver Message. "Brief Is The Light" ist zum Beispiel ein Song darüber, wie kurz das Leben doch ist und wenn du mal darüber nachdenkst, führen zwar alle Wege nach Rom, aber am Ende fährt auch jeder nen Kombi, egal wie viel Knete du zuvor hattest.
Hab ich irgendwas nicht mit bekommen? Du sagtest doch etwas von positiver Botschaft.
Ja ja, wart doch mal ab (lacht). Wenn man sich damit mal auseinander gesetzt hat und das verarbeitet hat, dann kann man sein Leben viel freier leben und auch kleinere Dinge genießen. Man erfreut sich eher an den Dingen die man hat, anstatt sich über die zu ärgern, die man nicht hat.
Na wenn du das sagst. Von den Texten her war "Crimson" ja eine sehr depressive Platte. Nun habt ihr wieder zu eurem makabren Humor zurück gefunden, wenn ich mir Titel wie "Excuse Me While I Kill Myself" ansehe ...
(lacht sich erst mal schlapp) Oh yeah, baby, den Text hab ich geschrieben. Ich wollte damit mal kräftig unseren Ruf auf die Schippe nehmen, den wir im Endeffekt uns ja selber zu zu schreiben haben. Alle denken ja, wir wären fünf Trauerklöße aus Finnland, die sich den ganzen Tag überlegen, wie sie sich am schnellsten und am besten die Birnen wegblasen können. Wir wurden von der Presse schon so oft als so etwas wie eine Selbstmörder Band hingestellt und ich wollte jetzt doch mal etwas klarer stellen, dass das alles nicht immer so Ernst gemeint ist. Diejenigen, die auch in der Vergangenheit unsere Texte etwas genauer unter die Lupe genommen haben, dürften gemerkt haben, dass wir eigentlich eher das Leben befürworten, als den Tod. Der ist einfach ein ganz natürlicher Teil unseres Leben und deswegen auch sehr präsent in unseren Texten. Aber in diesen Texten wie "Excuse Me ..." oder auch "Luxury Of A Grave", machen wir uns über all das eher lustig und auch über uns selbst und unser Image.
Ich dachte mir schon, dass der Text von dir stammt. Der Humor ist nämlich genau derselbe, mit dem du die englischen Fragen auf eurer Homepage beantwortest.
Ja das kann man wohl erkennen.
Ich hab auch erkannt, dass du die Fragen immer erst nach Mitternacht beantwortest (nennt mich Sherlock Holmes). Was machst du denn den ganzen Tag?
Och, ich penn normalerweise bis mindestens zwölf Uhr mittags und bleibe so bis etwa vier Uhr morgens auf. Wenn ich dann nichts anderes zu tun habe, beantworte ich ein paar Fragen auf der Homepage. Jene, die in finnisch gestellt werden, beantwortet unserer Drummer.
Ihr habt ein Intro auf euerer Homepage, das äußerst depressiv rüber kommt. Auch das Statement, bevor es dann losgeht, ist sehr eindeutig. Denkst du wirklich, das Leben ist so trist und alles wird besser, wenn du erst mal den Löffel weg legst?
Quatsch, das ist das selbe wie mit "Brief Is The Light". Wenn man erkennt, dass man irgendwann stirbt, kann man den Tod als eine Art Ratenzahlung ansehen. Man hat also etwas, auf das man sich in der Zukunft freuen kann (lacht).
Tolle Zukunft. Also stimmst du mit der christlichen Religion überein, die erzählt: "Hey, euer Leben muss richtig scheiße sein, damit ihr durch den Tod erlöst werdet und dann ist alles Banane!"?
Bist du wahnsinnig? Das hat mit Religion gar nichts zu tun. Wenn es vorbei ist, will ich eigentlich nur schlafen. Ich glaube nicht, dass es nach dem Tod in irgendeiner Form weiter geht. Ich mach dann kräftig Pause.
Für euch gehts ja demnächst nach Amerika. Was ist da tourmäßig geplant?
Wir werden für ein paar Wochen durch die Gegend tingeln und in den größten Städten spielen. Das wird aber nicht so lange dauern, wie die anschließende Europa-Tour. Danach werden wir aber noch mal in die Staaten fliegen. Wir waren bisher nur einmal da, um auf diesem beschissenen Festival zu spielen, wo wir ziemlich in den Arsch gekniffen wurden. Danach hatten wir beinahe keinen Bock mehr, überhaupt noch mal in die USA zu reisen. Ich hab mal ausgerechnet, dass wir für jede Minuten auf der Bühne in etwa 600 Meilen gefahren sind. Das Festival war echt ein Witz. Es gab hundert Bands auf vier Bühnen an zwei Tagen. Jede Band hatte eine halbe Stunde und wir sollten Headliner sein. Irgendwelche Trottel aus ner lokalen Band haben dann auf der Bühne Feuer gelegt, weswegen das Konzert für zwei Stunden unterbrochen werden musste. Danach hat jede Band noch 15 Minuten Spielzeit bekommen. Die Organisatoren des Festivals haben noch versucht, mit der Polizei zu reden, aber da war nichts zu machen. Wir hoffen aber, dass die Tour etwas erfreulicher wird.
Dann muss ich noch eines wissen: Auf der "Down" Scheibe, heißt es im Song "Warrior Of Life": "I'm the warrior of life, I know the reaper by name". Wie heißt er denn nun, der Tod?
Das könnte ich dir jetzt schon sagen, nur leider müsste ich dir dann das Licht ausknipsen, hahaha. Er ist ein sehr guter Freund von mir und sagte, ich solle es niemandem verraten.
Funeral Album (2005)
Crimson (2000), Frozen (1998), Greatest Kills (Best Of) (1997), Down (1996), Amok (1995), North From Here (1993), Shadows From The Past (1991)
Gut gemachte Homepage. Finnisch nicht zwingend notwendig, aber nützlich.
http://www.sentenced.org/main.html
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