Porträt

laut.de-Biographie

Pantera

Keine Frage, der Durchbruch der Cowboys from Hell - oder Texas - gelingt ihnen mit ebenjenem Album. Allerdings hat die Band aus Arlington schon eine deutlich längere Geschichte, die lange Zeit ein wenig unter den Teppich gekehrt wurde.

Lupfen wir diesen ein wenig und werfen einen Blick in die frühe Vergangenheit von Pantera. Diese beginnt nämlich schon 1981, als die Brüder Darrell (Gitarre) und Vinnie Paul (Drums) in der Highschool zusammen mit Sänger Donnie Hart, dem zweiten Klampfer Terry Lee Glaze und Basser Tommy Bradfort Musik machen. Ein Jahr später übernimmt Terry den Gesang, Donnie und Tommy sind raus und Rex Brown schnappt sich den Bass. Das Aushängeschild der Band wird aber mehr und mehr Diamond, der bald den Namen Dimebag tragen soll.

Da der Vater von Diamond und Vinnie Paul ein bekannter Produzent ist (hauptsächlich im Country-Bereich), können Pantera schon von Anfang an unter professionellen Bedingungen arbeiten. Ohne sich lange mit Demo aufzuhalten, erscheint '83 schon ihr Debüt "Metal Magic" mit ganz anständiger Rockmusik, aber zwei optischen Tiefschlägen. Zum einen, ist es das grottenschlechte Cover und zum anderen die Band selbst. Die Klamotten und das Styling sehen aus, wie aus dem Mötley Crüe-Tourbus gefallen. Spandexhosen und toupierte Haare wohin man schaut.

Im Süden der USA machen sie sich schon bald einen Namen. Mit Bands wie Dokken, Quiet Riot oder Stryper ziehen sie durch die Gegen. Glaze verkürzt seinen Namen auf "Projekts In The Jungle" im folgenden Jahr in Glaze Lee, die Riffs auf dem Album sind schon ein wenig kerniger, als auf dem Debüt. "I Am The Night" legt ebenfalls nochmal einen Tacken zu, was für Glaze aber wohl zuviel des Guten ist, denn er nimmt kurz nach der Veröffentlichung seinen Hut. Also müssen sich Pantera nach einem neuen Frontmann umsehen und treten ein wenig leiser auf.

Den richtigen Mann für den Job finden sie schließlich in New Orleans mit Phil Anselmo. Mit einer ordentlichen Spandex und zwölf Liter Haarspray brezeln sie ihn auf. Auf "Power Metal" 1988 gibt er sein Debüt. Darauf deuten Pantera an, wohin die Reise gehen soll. So ganz starten sie mit der Scheibe aber noch nicht durch. Erneut verschwinden sie ein wenig aus dem Rampenlicht. Diamond ist kurz davor, bei Megadeth einzusteigen. Allerdings will er auch seinen Bruder Vinnie an den Drums dabei haben. Da Megadave aber schon Nick Menza engagiert, sagt Diamond ab und Marty Friedman bekommt den Job.

Doch die Absage soll sich als große Chance erweisen, denn der Durchbruch ist nahe. Der Legende nach sitzt wegen eines Hurrikans der A&R-Manager von Atlantic in Texas fest und zieht sich aus Langeweile die Show der Jungs rein. Schon nach drei Songs verschwindet er um seinen Chefs zu berichten, was da in Texas vor sich hin rumpelt und das Potential zu etwas ganz Großem hat. Dass dies tatsächlich der Fall ist, beweist das Hammeralbum "Cowboys From Hell". Keiner hat mit so einer brachialen Gitarrenwand und so extrem derben und doch melodischen Vocals gerechnet. Pantera is the new shit!

In den Staaten sind sie zusammen mit Exodus und Suicidal Tendencies auf Tour, etwas später noch mit Prong und Mind Over Four. In Kanada steigt Rob Halford mit ihnen auf die Bühne, um eine Coverversion von Judas Priest zu spielen. Das führt nicht nur dazu, dass sie die Band samt Annihilator auf ihren Europa-Gigs begleiten. Dort kennt die Texaner kaum einer. Rob scheint von Phils Auftreten und seiner Art zu singen so beeindruckt zu sein, dass er kurz darauf Judas Priest verlässt und mit Fight im Ansatz etwas ähnliches versucht. Der Höhepunkt im Jahr 1991 folgt aber erst auf einem Festival in Moskau mit Metallica, AC/DC und The Black Crowes.

Dimebag gilt zusammen mit seinem Kumpel Zakk Wylde inzwischen als bester und innovativster Metal-Gitarrist, und das vollkommen zurecht. Den Thron des modernen Thrash Metals erklimmen sie mit "Vulgar Display Of Power", das schon mit dem Cover klar macht, was einen erwartet. Kritiker und Fans stimmen ausnahmsweise unisono in den Chor der Lobpreisungen ein. "Mouth For War" debütiert als erste Single dieses Genres auf Platz Eins der US Metal Charts und kickt gleichzeitig Metallicas "Enter Sandman" von der Pole. Das Album stellt auch international den endgültigen Durchbruch dar.

1994 legen sie mit "Far Beyond Driven" nach, das wieder ein bezeichnendes Cover ziert. Brutal und heavy sind die Jungs immer noch, doch irgendwie scheint Dime inzwischen auf recht seltsame Soli zu stehen, denen oft die Melodie abgeht. Auch scheint der Spirit nicht mehr ganz der aus den Anfangstagen zu sein.

Ganz so ausgiebig, wie zu den vorherigen beiden Scheiben gehen sie nicht mehr auf Tour, was Phil die Zeit gibt, mit ein paar alten Kumpels von Corrosion Of Conformity, Crowbar und Eye Hate God die Band Down aus der Taufe zu heben. Dass auch Pantera noch gute Songs mit Härte und Melodie schreiben, beweisen sie '96 mit "The Great Southern Trendkill". Diesen Beweis haben sie aber auch bitter nötig, da ihr Stern am sinken ist. So verzettelt sich Anselmo immer mehr in Nebenprojekten, auch sein Gesang ist nicht mehr so überragend.

So zieht sich die Band erneut etwas aus dem Rampenlicht zurück und veröffentlicht 1997 lediglich eine Live-Scheibe. Anselmo geht seiner Vorliebe für Black Metal nach und röchelt unter dem Pseudonym Anton Crowley sowohl bei Necrophagia, als auch bei Viking Crown. Erst 2000 melden sich Pantera mit "Reinventing The Steel" wieder zurück. Bei der Produktion zeichnen Vinnie Paul und Dime zum ersten Mal alleine an den Reglern verantwortlich. Das Album stellen sie 2001 auf einer großen Tour mit Slayer vor, doch bald darauf spricht Sänger Phil Anselmo offen über ein mögliches Ende Panteras.

Vinnie Paul, Dime und Rex vertreiben sich derweil die Zeit mit der Outlaw-Country-Legende David Allen Coe und starten ein Projekt namens Rebel Meets Rebel. In den Staaten sind sie zwar noch Teil der Tour mit Slayer, Static-X und Morbid Angel, für Europa springen sie aber ab. Nicht zuletzt, weil kurz zuvor der Anschlag auf die Twin Towers in New York stattfand. Anselmo ist fortan hauptsächlich bei Down, Superjoint Ritual und unzähligen anderen Projekten aktiv, glänzt abseits davon aber nur mit verbalen Ausfällen und Drogenexzessen.

Doch auch ohne Anselmo steht es für Dimebag und seinen Bruder Vinnie Paul außer Frage, dass sie auch weiterhin zusammen Klampfe und Schlagzeug qualmen lassen wollen. Als sie im Januar 2003 eine neue Band gründen, läuft diese zunächst unter dem Banner New Found Power, ehe sie im Oktober des Jahres den Namen Damageplan finden. Dort lassen es die beiden Amott-Brüder zusammen mit dem ehemaligen Diesel Machine/Halford-Klampfer Patrick Lachman als Sänger und dem Ex-Jerry Cantrell-Klampfer als Basser kräftig qualmen.

Verbal fliegen zwischen Damageplan und Superjoint Ritual bald und heftig die Fetzen. Allerdings scheinen sich 2004 die Gemüter langsam wieder zu beruhigen. Die Möglichkeit einer Pantera-Reunion rückt in greifbare Nähe. Doch am 08. Dezember 2004 stürmt während eines Auftritts der Band ein geistig verwirrter Mann auf die Bühne und erschießt einen Fan, einen Clubmitarbeiter, den Bühnentechniker - und Dimebag! Der Irre verletzt noch zwei weitere Personen, ehe ihn ein anwesender Polizist mit einer Kugel niederstreckt.

Das Begräbnis des Gitarristen ist einzigartig. So wird der Mann in einem KISS-Sarg eingebuddelt und bekommt noch eine Gitarre von Eddie Van Halen mit auf den Weg. Reden halten Zakk Wylde und Charlie Benante (Anthrax). Van Halen und die Black Label Society sorgen für die musikalische Unterhaltung. Es folgen in den nächsten Jahren einige höchst interessante Huldigungen an den verstorbenen Gitarristen. Einige seiner bislang nicht verwendeten Soli tauchen bei Nickelback im Song "Side Of A Bullet" auf, der sich auch textlich mit dem Verlust des Freundes befasst.

Vinnie Paul gründet schließlich sein eigenes Label Big Vin Records und veröffentlicht 2006 das schon lange ausstehende Rebel Meets Rebel-Album. Auch eine DVD mit unveröffentlichtem Material seines Bruders ist inzwischen zu haben. In Europa ist "Rebel Meets Rebel" Mitte Februar über Locomotive zu haben. Bis dahin ist auch raus, dass Vinnie Paul zusammen mit den Mudvayne-Muckern Chad Gray (Gesang) und Greg Tribbett (Gitarre) sowie Tom Maxwell (Gitarre) und Jerry Montano (Bass) von Nothingface unter dem Namen Hellyeah gemeinsame Sache macht.

Die Dimevision-DVD "Vol 1: That's The Fun I Have" kommt in Deutschland Ende April heraus. Kurz darauf erscheint auch schon das Groovemonster "Hellyeah".

Die kommenden Jahre lässt Phil Anselmo keine Gelegenheit aus, um zu beteuern, wie sehr ihm Dime am Herzen gelegen habe und wie sehr er es bedaure, die Freundschaft zu ihm vor dessen Tod nicht wieder hergestellt zu haben. Während die Aussagen des Sängers durchaus glaubwürdig erscheinen, macht Vinnie Paul vorerst aber keinen Versuch, an dem schlechten Verhältnis zu Anselmo irgend etwas zu ändern. Der Schmerz sitzt zu tief.

2010 kommt im Zuge des 20-jährigen Jubiläums von "Cowboys From Hell" zur Deluxe-Auflage in einer zweier oder dreier-Box. Neben dem remasterten Album gibt es eine CD mit bisher unveröffentlichen Live-Aufnahmen und in der Deluxe-Edition eine Scheibe mit zusätzlichen Demos und dem bislang unveröffentlichten Track "The Will To Survive".

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