Porträt

laut.de-Biographie

Jeyz

"Der Hesse reimt eben anders als der normale Mensch" befindet Robert Gernhardt, wenn er Parallelen zwischen Moses Pelham und Goethe zieht ("Goethe war ebenfalls ziemlich krass"). Vielleicht ist es eben dieses Anderssein, das den Status der Mainmetropole ausmacht: Seit frühesten Anfangstagen mischen Frankfurter im deutschen Rapgeschäft mit, allerdings ist Hip Hop der Frankfurter Schule immer etwas anders, die Beats ein wenig härter und der Flow stets eine Spur derber als anderswo.

Bereits seit Ende der 80er Jahre bewegt sich Azad in der eben entstehenden Frankfurter Hip Hop-Szene, die er entscheidend prägen soll. Um den jungen Deutsch-Kurden und seinen Kumpel D-Flame formieren sich alsbald die Asiatic Warriors, die auch jenseits der Stadtgrenzen Mainhattens von sich reden machen. In deren Fahrwasser: drei junge Herren, die gelegentlich als die "kleinen Brüder der Warriors" gehandelt werden - die Chabs. Die Chabs liefern neben den üblichen finsteren Battleraps über den nach Frankfurter Manier gewohnt herben Beats zuweilen überraschend tiefgreifende Texte, denn: Sie sagen was sie denken, wenn sie Wahres representen. Wer also sind diese Bengel? Chan und Jonesmann. Und Jeyz.

Jesue Cacciato aka Jeyz hat sizilianische Wurzeln. Aufgewachsen fernab der sonnigen Heimat im Nordwesten Frankfurts beginnt er 1993 zu rappen. Neben Chan produziert er Beats für die Chabs, konzentriert sich allerdings bald auf die Verbesserung seiner Rapskills. Die Chabs absolvieren Auftritte mit Azad, D-Flame, Roey Marquis II, werden daneben auch von den Berliner Kollegen von M.O.R. (auf "NLP") und von Kool Savas (auf dessen "Haus und Boot"-EP) als Feature-Artists herangezogen. Dass die Chabs an diversen Tracks der "großen Brüder" Azad und D-Flame beteiligt sind, versteht sich ohnehin von selbst. "Kern der Wunden", die erste eigene Veröffentlichung der Chabs, erscheint 2001, erntet reichlich gute Kritik und schürt hohe Erwartungen. Diese sollen sich nicht erfüllen: Das Trio trennt sich noch im selben Jahr.

Jeyz, mittlerweile 25 Jahre alt, wird noch stärker als zuvor zu Azads "Main Back MC". An dessen Seite sammelt er Bühnenerfahrung und nimmt in dieser Konstellation auch die großen Events wie den Splash und die Hip Hop-Open mit. Neben Azad, Chaker, Lunafrow und Sezai ist Jeyz festes Mitglied der Crew Warheit. Azad verlässt unterdessen 3p, wechselt zu Urban und gründet dort sein eigenes Sublabel Bozz Music, auf dem Jeyz als alter Weggefährte selbstredend eine Heimat findet. Auf dem 2004 erschienenen Labelsampler "Bozz Music Vol.1" ist Jeyz ausgiebig zu hören: in gleich zwei Tracks der Warheit, einem Song gemeinsam mit Sti und Jonesmann, und mit einem Solostück ("Es ist Zeit").

In der Tat scheint es langsam Zeit für ein eigenes Album zu sein. Als Vorgeschmack meldet sich der Hero aus dem Nordwesten 2005 (nach "Chronologie" im Vorjahr) mit seinem zweiten Mixtape "J.E.Y.Z." zurück - und macht Appetit auf mehr. Die Beats: eine gesunde Mischung aus bewährten US-Produktionen und solchen aus der eigenen Schmiede. Gediegene Instrumentalisierungen lassen die für Frankfurt typische Finsternis nicht überhandnehmen. Dazu ein Rapper, der hörbar geübt hat (lediglich das Singen sollte Jeyz besser Kollegen Jonesmann überlassen). Neben den erwarteten Battlerhymes liefert Jeyz überraschend tiefgehende Tracks, darunter eine ausgesprochen gelungene deutsche Version von 2Pacs "Dear Mama".

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